Das Astronomiejahr in Aachen

BLOG: Himmelslichter

ein Blog über alles, was am Himmel passiert
Himmelslichter

Aachen ist nicht gerade der Nabel der Astronomiewelt, aber die westlichste Großstadt Deutschlands (die so groß nun auch nicht ist) besitzt eine schmucke kleine Sternwarte. Diese Aachener Volkssternwarte wird bald 75 Jahre alt, doch noch nie hatte sie so viele Besucher wie im Astronomiejahr 2009. Und das ist noch nicht einmal zur Hälfte rum – Grund genug, einmal aufzuzählen, was sich im äußersten Westen der Republik in diesem Jahr noch tut.

Zur Zeit ist ja bereits Juni, also "Sommer", und nebem dem ersten Feind der Aachener Astronomen, dem berüchtigten Aachener Sommerwetter, plagt uns die arg zusammengeschrumpfte Nacht. Daher finden zur Zeit die traditionellen öffentlichen Samstagsführungen nicht statt. Sie starten wieder am 22. August, beginnen dann jeden Samstag um 21:00 Uhr, bzw. nach der Umstellung auf die Winterzeit um 20:00 Uhr.

Statt dessen rückt unser Tagesgestirn in den Fokus. Zwar ist es auf der Sonne zur Zeit ähnlich ruhig wie in den Kosmologs, dennoch fand heute die erste von drei öffentlichen Sonnenbeobachtungen statt. Auch am 20. und am 27. Juni jeweils ab 16:00 Uhr werden wir (sofern das Wetter es zulässt) die Sonne im Weißlicht sowie mit H-alpha-Teleskopen beobachten. Heute zeigten sich einige sehr schöne Protuberanzen am Rand der Sonnenscheibe, so dass die Besucher voll auf ihre Kosten kamen. 

Bis zum Juni hatten bereits fast so viele Besucher ihre Sternwarte aufgesucht, wie in normalerweise im gesamten Jahr. Nach 75 Jahren wird die Aachener Sternwarte damit einen Besucherrekord aufstellen! Neben den üblichen Führungen finden zum Astronomiejahr noch eine Reihe von Sonderveranstaltungen statt, die ich hier einmal zusammenfassen will. Diese finden zum Teil in Kooperation mit der RWTH Aachen und der Volkshochschule Aachen statt:

Mittwoch, 17. Juni 2009, 19:30 Uhr, Hörsaal I, Hauptgebäude der RWTH Aachen, Templergraben 55, 52062 Aachen
Vortrag: Radioastronomie – Von der Erde bis zu den Grenzen des Universums
Dr. Norbert Junkes, Max-Planck-Institut für Radioastronomie, Bonn

Während im sichtbaren Licht die Sterne dominieren, untersucht die Radioastronomie vorwiegend das Material dazwischen. Ihre Beobachtungen reichen von großflächigen Kartierungen des gesamten Himmels bis hin zu Detailstudien von Supernovae. Am Beispiel des 100-m-Radioteleskops bei Effelsberg in der Eifel, wird ein Überblick über technische Eigenschaften eines Radioteleskops sowie seiner Empfänger gegeben. Darüber hinaus werden auch weitere Radioteleskope vorgestellt.

Mittwoch, 24. Juni 2009, 19:00 Uhr, Hörsaal I, Hauptgebäude der RWTH Aachen, Templergraben 55, 52062 Aachen
Vortrag: Dunkle Materie und Dunkle Energie – LHC und Weltraumexperimente
Dr. Jan Olzem, I. Physikalisches Institut, RWTH Aachen

In den letzten Jahren hat sich die überraschende Erkenntnis durchgesetzt, dass die uns vertraute Materie – Sterne, Gas und Staub – nur einen verschwindend geringen Teil zur Gesamtmasse des Universums beiträgt. Etwa 95% bestehen aus exotischer Dunkler Materie und Dunkler Energie, deren Natur eines der größten Rätsel unserer Zeit darstellt.
Die gängigsten Theorien über die mögliche Zusammensetzung der Dunklen Materie werden vorgestellt, sowie Ballon- und weltraumgestützte Teilchendetektoren, die Licht auf die dunklen Seiten des Universums werfen sollen.

29. August 2009, ab 14:00 Uhr, Sternwarte Aachen, Am Hangeweiher 23, 52068 Aachen   
Sommerfest der Sternwarte

Ein buntes (astronomisches) Sommerfest, mit Himmelsbeobachtungen, Vorträgen, Ausstellungen, Kinderprogramm und einem astronomischen Theaterstück. Natürlich wird auch gegrillt…

25. September 2009, 20:00 Uhr, Forum der VHS, Peterstraße 21-25, 52062 Aachen
Vortrag: Himmelsdarstellungen im Mittelalter
Prof. Dr. Walter Oberschelp, RWTH Aachen

Auch im vermeintlich „dunklen“ Mittelalter gab es Darstellungen des Sternenhimmels. Walter Oberschelp interessiert sich besonders für die Geschichte der Astronomie und stellt in seinem Vortrag Unerwartetes und Überraschendes über die astronomischen Kenntnisse im Mittelalter vor.

02. Oktober 2009 20:00 Uhr, Forum der VHS, Peterstraße 21-25, 52062 Aachen
Vortrag: Gezeiten – wie entstehen sie wirklich?
Darius Mottaghy, Sternwarte Aachen

Ebbe und Flut – dass der Mond bei ihrer Entstehung eine entscheidende Rolle spielt, weiß man – aber wie funktioniert dieses Wechselspiel genau?

06. November 2009, 20:00 Uhr, Forum der VHS, Peterstraße 21-25, 52062 Aachen
Vortrag: Das Sonnensystem – unsere kosmische Heimat
Kurt Schaefer, Sternwarte Aachen

Unsere Erde ist Bestandteil eines riesigen Systems von Planeten, Monden, Asteroiden und Kometen. Durch Raumsonden erhalten wir Bilder von fremden und fremdartigen Welten. Kurt Schäfer ist fasziniert von den Boten aus dem All. Seine Meteoritensammlung, die er zu dem Vortrag mitbringt, enthält wertvolle und seltene Exemplare.

11. Dezember 2009, 20:00 Uhr, Forum der VHS, Peterstraße 21-25, 52062 Aachen
Vortrag: Cassini und der Saturnring
Prof. Dr. Walter Oberschelp, RWTH Aachen

Vor 350 Jahren veröffentlichte der niederländische Astronom Christiaan Huygens sein Werk „Systema Saturnium“, entdeckte den Saturnmond Titan und beschrieb die Natur des Saturnringes. Der Vortrag würdigt einen der besten Astronomen seiner Zeit.

Vielleicht findet der ein oder andere Leser ja einmal den Weg zu einer unserer Veranstaltungen! Die Sternwarte befindet sich übrigens inmitten einer Kleingartenkolonie im Südteil der Stadt. Eine Anfahrtsbeschreibung gibt es hier oder auf der Homepage der Sternwarte.

Clear Skies:

Jan Hattenbach

Mit dem Astronomievirus infiziert wurde ich Mitte der achtziger Jahre, als ich als 8-Jähriger die Illustrationen der Planeten auf den ersten Seiten eines Weltatlas stundenlang betrachtete. Spätestens 1986, als ich den Kometen Halley im Teleskop der Sternwarte Aachen sah (nicht mehr als ein diffuses Fleckchen, aber immerhin) war es um mich geschehen. Es folgte der klassische Weg eines Amateurastronomen: immer größere Teleskope, Experimente in der Astrofotografie (zuerst analog, dann digital) und später Reisen in alle Welt zu Sonnenfinsternissen, Meteorschauern oder Kometen. Visuelle Beobachtung, Fotografie, Videoastronomie oder Teleskopselbstbau – das sind Themen die mich beschäftigten und weiter beschäftigen. Aber auch die Vermittlung von astronomischen Inhalten macht mir großen Spaß. Nach meinem Abitur nahm ich ein Physikstudium auf, das ich mit einer Diplomarbeit über ein Weltraumexperiment zur Messung der kosmischen Strahlung abschloss. Trotz aller Theorie und Technik ist es nach wie vor das Erlebnis einer perfekten Nacht unter dem Sternenhimmel, das für mich die Faszination an der Astronomie ausmacht. Die Abgeschiedenheit in der Natur, die Geräusche und Gerüche, die Kälte, die durch Nichts vergleichbare Schönheit des Kosmos, dessen Teil wir sind – eigentlich braucht man für das alles kein Teleskop und keine Kamera. Eines meiner ersten Bücher war „Die Sterne“ von Heinz Haber. Das erste Kapitel hieß „Lichter am Himmel“ – daher angelehnt ist der Name meines Blogs. Hier möchte ich erzählen, was mich astronomisch umtreibt, eigene Projekte und Reisen vorstellen, über Themen schreiben, die ich wichtig finde. Die „Himmelslichter“ sind aber nicht immer extraterrestrischen Ursprungs, auch in unserer Erdatmosphäre entstehen interessante Phänomene. Mein Blog beschäftigt sich auch mit ihnen – eben mit „allem, was am Himmel passiert“. jan [punkt] hattenbach [ät] gmx [Punkt] de Alle eigenen Texte und Bilder, die in diesem Blog veröffentlicht werden, unterliegen der CreativeCommons-Lizenz CC BY-NC-SA 4.0.

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