Cerro Armazones – ein letzes Mal in voller Größe

Während Chile gerade in Rio de Janeiro den Noch-Fußballweltmeister nach Hause schickte (sehr zur Freude nicht nur der anwesenden Chilenen) bestiegen ein paar Unerschrockene den 3000 Meter hohen Cerro Armazones – zum letzten Mal in seiner natürlichen Höhe. Heute ab 18:30 MESZ kann man im Internet live zuschauen, wie der Berg per Sprengstoff schrumpft. 20 Meter soll der Gipfel abgesenkt werden, um Platz zu schaffen für das zukünftige größte optische Teleskop der Welt der europäischen Südsternwarte (ESO). Das wird nicht in einem Rumms geschehen, sondern im Laufe der nächsten sechs Monate, Stück für Stück. Hier ein paar Bilder von unserem gestrigen Armazones- und Paranalbesuch: 

Der Cerro Armazones, bereits mit Zufahrtsweg, bereit für die Sprengung

Der Cerro Armazones, bereits mit Zufahrtsweg, bereit für die Sprengung

 

Staubiger Aufstieg

Staubiger Aufstieg

Blick vom Gipfel auf die Atacamawüste

Blick vom Gipfel auf die Atacamawüste

Auf dem Gipfel, im Hintergrund die Bohrmaschinen, mit denen die Sprengladungen platziert werden (Foto: Georg Görgen)

Auf dem Gipfel, im Hintergrund die Bohrmaschinen, mit denen die Sprengladungen platziert werden (Foto: Georg Görgen)

Das Very Large Telescope auf dem Cerro Paranal, gesehen vom Armazones (Foto: Georg Görgen)

Das Very Large Telescope auf dem Cerro Paranal, gesehen vom Armazones (Foto: Georg Görgen)

Abendstimmung auf dem Cerro Paranal, in Sichtweite des Armazones

Abendstimmung auf dem Cerro Paranal, in Sichtweite des Armazones

Filmaufnahmen des chilenischen Fernsehens

Filmaufnahmen des chilenischen Fernsehens

Milchstraße über dem Very Large Telescope

Milchstraße über dem Very Large Telescope

 

 

 

Mit dem Astronomievirus infiziert wurde ich Mitte der achtziger Jahre, als ich als 8-Jähriger die Illustrationen der Planeten auf den ersten Seiten eines Weltatlas stundenlang betrachtete. Spätestens 1986, als ich den Kometen Halley im Teleskop der Sternwarte Aachen sah (nicht mehr als ein diffuses Fleckchen, aber immerhin) war es um mich geschehen. Es folgte der klassische Weg eines Amateurastronomen: immer größere Teleskope, Experimente in der Astrofotografie (zuerst analog, dann digital) und später Reisen in alle Welt zu Sonnenfinsternissen, Meteorschauern oder Kometen. Visuelle Beobachtung, Fotografie, Videoastronomie oder Teleskopselbstbau – das sind Themen die mich beschäftigten und weiter beschäftigen. Aber auch die Vermittlung von astronomischen Inhalten macht mir großen Spaß. Nach meinem Abitur nahm ich ein Physikstudium auf, das ich mit einer Diplomarbeit über ein Weltraumexperiment zur Messung der kosmischen Strahlung abschloss. Trotz aller Theorie und Technik ist es nach wie vor das Erlebnis einer perfekten Nacht unter dem Sternenhimmel, das für mich die Faszination an der Astronomie ausmacht. Die Abgeschiedenheit in der Natur, die Geräusche und Gerüche, die Kälte, die durch Nichts vergleichbare Schönheit des Kosmos, dessen Teil wir sind – eigentlich braucht man für das alles kein Teleskop und keine Kamera. Eines meiner ersten Bücher war „Die Sterne“ von Heinz Haber. Das erste Kapitel hieß „Lichter am Himmel“ – daher angelehnt ist der Name meines Blogs. Hier möchte ich erzählen, was mich astronomisch umtreibt, eigene Projekte und Reisen vorstellen, über Themen schreiben, die ich wichtig finde. Die „Himmelslichter“ sind aber nicht immer extraterrestrischen Ursprungs, auch in unserer Erdatmosphäre entstehen interessante Phänomene. Mein Blog beschäftigt sich auch mit ihnen – eben mit „allem, was am Himmel passiert“. jan [punkt] hattenbach [ät] gmx [Punkt] de Alle eigenen Texte und Bilder, die in diesem Blog veröffentlicht werden, unterliegen der CreativeCommons-Lizenz CC BY-NC-SA 4.0.

8 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Auch Spanien hat fertig… ich gebe zu, die Freude bei mir war nicht nur klammheimlich. Aus dem ersten Spiel sind sie mit 4 Toren Rückstand raus. Aus dem zweiten mit 2 Toren Rückstand. Also geht nach dem Gesetz der Serie das dritte Spiel unentschieden aus und sie fahren mit einem Trostpunkt nach Hause.

    Hast du die Fotos (außer 4 und 5) gemacht? Ich finde die Wiedergabe von Farbe, Licht und Schatten und die Bildkomposition fantastisch.

  2. Hallo Jan,
    von mir ebenfalls ein Lob für die schönen Fotos!

    Daß die “Teleskop-Berge” so nahe zusammen stehen, war mir gar nicht bewusst.
    Ist das, abgesehen von den optimalen Standortbedingungen, auch, weil dann für das E-ELT die selben Aufenthaltsgebäude für das Personal weiter unten genutzt werden wie für das VLT?
    Dann könnten sich alle austauschen und für die einen geht es abends rauf zum VLT, für die anderen rauf zum E-ELT. Wäre ja praktisch. ;o).

  3. Solche Berge wie der Cerro Armazones sind für die Astronomie wirklich ein Glücksfall. Wo findet man schon einen 3000 Meter hohen Berg auf den man bequem mit Autos und selbst grossen Baumaschinen hinauffahren kann – und das erst noch in einer sehr trockenen Gegend, womit es weniger störenden Wasserdampf in der Luft gibt. In der Nähe des Armazones, auf den benachbarten Hügeln, ja. Aber sonst dürfte das selten zu finden sein. Früher oder später werden wohl alle Bergspitzen in dieser Gegend ein Teleskop beheimatet haben.

  4. Hallo Jan, tolle Bilder! Und die Stimmung ist nach dem Sieg der Chilenen bestimmt super dort! Bist Du noch länger am Cerro Armazones? Schaust Du Dir die Sprengung vor Ort an?
    @Kai: Derzeit ist geplant, das E-ELT vom Paranal aus zu steuern. Die entsprechenden Konsolen gibt es sogar schon im Kontrollraum.
    Viele Grüße,
    Leonard

  5. @Michael: Ja, alle Bilder, die nicht anders gekennzeichnet sind, sind von mir.

    @Kai: Genau, die Installationen am Paranal werden für das EELT mitgenutzt, inwieweit hier dann angebaut wird, werde ich noch in Erfahrung bringen.

    @Martin: Naja, “bequem” ist momentan die Auffahrt noch nicht, sie ist auch erst im März angelegt worden. Später wird es sicher eine komfortable, geteerte Zufahrtsstraße geben, so wie jetzt bereits zum Paranal.

    @Leonard: Ich werde mir jetzt erst mal ein Paranal-Frühstück gönnen, dann etwas Arbeiten und dann heute Mittag der Zeremonie der Sprengung (hier direkt am Paranal) beiwohnen. Dazu dann später mehr…

  6. Hm… – Kann es sein, dass man für den Livestream immer noch den blöden Flashplayer *) benötigt? – Oder warum seh ich nix?
    Jedenfalls seh ich auf der Seite von livestream.com nur eine schwarze Fläche und rechts daneben den Chat durchlaufen und auf der ESO-Seite nur Standbilder, die sich nur bei einem reload ändern.

    —–

    *) den ich aus Prinzip nicht installiert habe und daran auch nichts ändern werde.

  7. @Hans
    Ja, so ist das … war … aber da war nur ein kleines Puff und ne große Staubwolke zu sehen. War nicht so imponierend. Vielleicht geben die Fotos mehr her.
    Der Feed war lustiger 🙂

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