Auf der Herbsttagung der Amateurastronomen

Es ist schon einige Zeit her, dass ich das letzte Mal die Boheta besucht habe – die Bochumer Herbsttagung der Amateurastronomen. Vergangenen Samstag fand dieses Treffen zum 29. Mal statt. Diesmal war ich dabei, bereue meine Abwesenheit der letzten Jahre, gelobe Besserung und möchte mit diesem Artikel den daheimgebliebenen selbiges nahelegen!

Die Tagung fand wieder auf dem Gelände der Ruhr-Universität Bochum statt, ohne Zweifel die schönste Campusuniversität zwischen Bochum und der A43. Traditionell stand das Programm des Tages wieder erst kurz vor dem Veranstaltungstermin fest –aber egal, so bleibt die Spannung bis zum Schluss. Dass der Hörsaal vom ersten bis zum letzten Vortrag gut gefüllt war zeigte, dass es den Veranstaltern gelungen war, ein spannendes und abwechslungsreiches Programm zusammenzustellen.

Treffen wie diese sind immer eine gute Gelegenheit, Internetbekanntschaften auch einmal offline zu treffen – gerade deshalb bleibt die Boheta auch im Zeiten des Internets so beliebt. Das betonte gleich zu Beginn Ralf-Jürgen Dettmar, Mit-Veranstalter und gleichzeitig Profi-Astronom und Präsident der Astronomischen Gesellschaft. Siehe da, eine Amateurastronomentagung wird auch von den Profis wahrgenommen und geschätzt! Die Zusammenarbeit zwischen Amateuren und Profis, das sollte auch das Leitmotiv der Tagung sein. Wie eine solche Zusammenarbeit aussehen kann, zeigte zum Beispiel Stefanie Rätz in ihrem Vortrag zu Beobachtung extrasolarer Planeten mit der Transitmethode.

Ein Blick in den gut gefüllten Hörsaal.

Dennoch unterscheidet sich die Boheta erheblich von Profitagungen, und das tut ihr gut. Die Referenten sind zum allergrößten Teil Amateure, die über ihre persönliche Arbeit berichten. Auch ohne Astronomiestudium kann man so den meisten Vorträgen lauschen. So zum Beispiel dem (inzwischen auch schon traditionellen) Auftaktvortrag von Eberhard Bredner. Der stand unter dem Titel „Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt – Kleinplanetenbedeckungen in Mitteleuropa“ und sparte nicht mit Dramatik: Opernmusik per Schallplatte (für die Jüngeren, hier der Wikipedia-Artikel) und enthielt als Höhepunkt zwei Kleinplanetenbedeckungsvideos, die visuell zwar weniger beeindruckten (Stern da, Stern weg, Stern wieder da). Dafür aber über sehr aufschlussreiche Audiospuren verfügte, die drastisch vor Ohren führten, welche Emotionen eine erfolgreiche Bedeckung bei Astro-Enthusiasten hervorbringen kann. Ansporn für die vielen gescheiterten Roma-Beobachter, es weiter zu versuchen. Diese bemerkenswerte Bedeckung ließ am Nachmittag Wolfgang Strickling in einem didaktisch hervorragenden Beitrag Revue passieren.

 

Bredner – das sei noch erwähnt – ließ ganz zu Beginn Boheta-Maher und -Urgestein Peter Riepe vom Publikum per Standing Ovations für seine langjährige Arbeit hochleben; völlig zu Recht, wobei seine gestrenge Aufforderung auch keinen Widerspruch zuließ.

Auf alle Vorträge der diesjährigen Boheta einzugehen wäre zu viel für diesen Blog, daher nur meine persönlichen Highlights: Was Bernd Gährken gleich im Anschluss vorstellte, machte mich sprachlos (auch wenn ich seine Arbeit von seiner Homepage schon zum Teil kannte). Die Schatten der Saturnmonde auf ihrem Planeten sind zu klein, als dass sie mit Amateurmitteln sichtbar wären? Wen interessiert die Theorie – in der Praxis hilft ausgerechnet der größte Feind des Planetenfotografen: das Seeing. Das verbreitert die winzigen Schatten nämlich ausreichend, so dass sie auf Gährkens Bildern klar sichtbar werden. Man sollte sich eben nicht so leicht von vermeindlichen Unmöglichkeiten abschrecken lassen! Ob ich allerdings für einen Titandurchlauf bis nach Australien fliegen würde? Da muss ich an meinem persönlichen Astronomieverrücktheitsgrad noch etwas arbeiten…

Ebenso beeindruckend waren die Bilder, die Stefan Krause aus Argentinien mitbrachte. Eine Sonnenfinsternis bei Sonnenuntergang, knapp über der Andenkette im patagonischen Winter – so etwas wird man so schnell nicht wieder sehen können. Wenn Viele sich auch ob der Wetterwahrscheinlichkeiten an der Südspitze Südamerikas gar nicht erst auf den Weg gemacht hatten, Krause erklärte seine beeindruckend zutreffenden Prognosen des Mikroklimas vor Ort. Man merkte: hier kennt sich einer aus. So war das Glück dann auch nur noch für 50% des Finsternisglücks verantwortlich, immerhin.

Der Beitrag von Mischa Schirmer fiel wieder in die Kategorie „Profis und Amateure“ und bedeutet für mich Arbeit. Denn die vorgestellte Software Theli könnte mir unheimlich beim Zusammensetzen meiner Panoramabilder helfen. Im Gegensatz zu so den mir bislang bekannten Stich-Programmen vermag Theli die unvermeidlichen Bildverzerrungen auszugleichen, die entstehen, wenn man den Himmel auf einen flachen Chip ablichtet. Mosaikbilder lassen sich so auch in den Bildecken passgenau aneinanderlegen. Aber vor allem kann die Software die Bilder an ihre absolute Position am Himmel anpassen, wenn man ihm die Koordinaten eines Objekts vorgibt. Dazu lädt das Programm Sternkataloge aus dem Internet nach, und vergleicht die Sternmuster mit der Aufnahme. Die Identifikatiion von Objekten wird dadurch erheblich einfacher. Leider läuft die Softwäre wie bei den Profis üblich unter Linux, ich war eigentlich froh, mich nicht mehr damit beschäftigen zu müssen, doch da muss ich wohl noch mal ran…

Soweit mein kleiner Rückblick auf die Boheta, es gab noch viel mehr zu sehen, und alles davon war auch sehenswert. Wer noch nicht da war, sollte das im nächsten Jahr nachholen! Die 30. Boheta (Jubiläum!) findet voraussichtlich am 12. November 2011 statt. Wer hinfährt, sollte auch nicht den traditionellen Tagungsabschluss in einer nahegelegenen Pizzeria verpassen – das gehört ebenso zur Boheta wie die Vorträge selbst!

 

 

Mit dem Astronomievirus infiziert wurde ich Mitte der achtziger Jahre, als ich als 8-Jähriger die Illustrationen der Planeten auf den ersten Seiten eines Weltatlas stundenlang betrachtete. Spätestens 1986, als ich den Kometen Halley im Teleskop der Sternwarte Aachen sah (nicht mehr als ein diffuses Fleckchen, aber immerhin) war es um mich geschehen. Es folgte der klassische Weg eines Amateurastronomen: immer größere Teleskope, Experimente in der Astrofotografie (zuerst analog, dann digital) und später Reisen in alle Welt zu Sonnenfinsternissen, Meteorschauern oder Kometen. Visuelle Beobachtung, Fotografie, Videoastronomie oder Teleskopselbstbau – das sind Themen die mich beschäftigten und weiter beschäftigen. Aber auch die Vermittlung von astronomischen Inhalten macht mir großen Spaß. Nach meinem Abitur nahm ich ein Physikstudium auf, das ich mit einer Diplomarbeit über ein Weltraumexperiment zur Messung der kosmischen Strahlung abschloss. Trotz aller Theorie und Technik ist es nach wie vor das Erlebnis einer perfekten Nacht unter dem Sternenhimmel, das für mich die Faszination an der Astronomie ausmacht. Die Abgeschiedenheit in der Natur, die Geräusche und Gerüche, die Kälte, die durch Nichts vergleichbare Schönheit des Kosmos, dessen Teil wir sind – eigentlich braucht man für das alles kein Teleskop und keine Kamera. Eines meiner ersten Bücher war „Die Sterne“ von Heinz Haber. Das erste Kapitel hieß „Lichter am Himmel“ – daher angelehnt ist der Name meines Blogs. Hier möchte ich erzählen, was mich astronomisch umtreibt, eigene Projekte und Reisen vorstellen, über Themen schreiben, die ich wichtig finde. Die „Himmelslichter“ sind aber nicht immer extraterrestrischen Ursprungs, auch in unserer Erdatmosphäre entstehen interessante Phänomene. Mein Blog beschäftigt sich auch mit ihnen – eben mit „allem, was am Himmel passiert“. jan [punkt] hattenbach [ät] gmx [Punkt] de Alle eigenen Texte und Bilder, die in diesem Blog veröffentlicht werden, unterliegen der CreativeCommons-Lizenz CC BY-NC-SA 4.0.

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  1. theli

    Hallo Jan!

    Sehr interessanter Bericht. Der Link zum Theli-wiki hat mich dazu verleitet doch wieder mal einen Umstieg auf Linux ins Auge zu fassen.

    Grüsse Robert

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