Atombomben auf Spatzen

Himmelslichter

Sie wollen in eine Atombombe investieren? Dann unterstützen Sie das „Emergency Asteroid Defense Project“ (EADP) aus Dänemark, das sucht nämlich „Crowdfunder“, die bei der Rettung der Menschheit vor dem Untergang durch Asteroideneinschläge helfen. Kein Witz: schon ab einem Euro sind Sie dabei.

Diese künstlerische Darstellung zeigt eigentlich einen 1000 Kilometer großen Protoplaneten, der mit der jungen Erde kollidiert. Im sehr frühen Sonnensystem war so etwas möglich - heute nicht mehr: Solche Brocken irren längst nicht mehr durch unser Planetensystem. Das Bild wird dennoch meist zur Illustration von heutigen Astzeroideneinschlägen verwendet, obwohl es dafür völlig unrealistisch ist: selbst der Dinosaurierkiller war 100 Mal kleiner. Es sieht aber so schön dramatisch aus, oder? Bild: Don Davis (public domain)
Diese künstlerische Darstellung zeigt eigentlich einen 1000 Kilometer großen Protoplaneten, der mit der jungen Erde kollidiert. Im sehr frühen Sonnensystem war so etwas möglich – heute nicht mehr: Solche Brocken irren längst nicht mehr durch unser Planetensystem sondern kreisen auf wohldefinierten Bahnen. Das Bild wird dennoch oft zur Illustration von heutigen Asteroideneinschlägen verwendet, obwohl es dafür völlig unrealistisch ist: selbst der Dinosaurierkiller war 100 Mal kleiner. Es sieht aber schön dramatisch aus, oder? Bild: Don Davis (public domain)

Asteroideneinschläge sind eine reale Bedrohung. Niemand, der sich mit der Sache auskennt, bezweifelt das. Doch wie groß ist das Risiko? Glaubt man privaten Kampagnen wie dem EADP oder Asteroid Day, dann unterschätzen wir die Gefahr aus dem All drastisch. Fragt man hingegen Experten, wie ich es für einen in der aktuellen Ausgabe von Sterne und Weltraum veröffentlichten Artikel getan habe, bekommt man meist zur Antwort, die Bedrohung werde ziemlich übertrieben. Sind die Aufrufe von EADP und Asteroid Day also Panikmache, ihre Ideen blinder Aktionismus? Oder leisten sie einen wertvollen Beitrag, eine unterschätzte Gefahr publik zu machen? Nur zur Klarstellung: Asteroid Day plädiert anders als das EADP nicht für Nuklearwaffen, die Argumentation beider Kampagnen ist aber sehr ähnlich.

Dass das dänische Weltrettungsteam nie etwas Nukleares ins All schickt, ist eine ziemlich sichere Wette. Und das ist auch gut so.

Das private EADP-Projekt aus Dänemark will also ein so genanntes “Hypervelocity Asteroid Impact Vehicle” entwickeln, dass zuerst per kinetischem Impaktor einen Krater in einen potentiellen erdbedrohenden Asteroiden sprengen soll, um ihn dann per Nuklarsprengkopf in “harmlose Stücke” zu zerlegen. Vorweg: es ist kein Asteroid auf Kollisionskurs bekannt, die Sache soll also eine Art Vorsorge sein.

Keine Raumfahrtorganisation bastelt meines Wissens ernsthaft an einer solchen atomaren Abwehrstrategie gegen Asteroiden – auch wenn es durchaus Stimmen gibt, die Atombomben für das wirksamste Mittel halten. Das liegt aber, würde ich sagen, nicht an Schlafmützigkeit seitens Nasa, Esa und Co.: Die Sprengung eines Asteroiden dürfte nämlich zu der bitteren Erkenntnis führen, dass das Weltall doch anders funktioniert, als der Kinogänger das glaubt. Doch, Bruce, da müssen wir jetzt tapfer sein: Ein in harmlose Stücke gesprengter Asteroid trifft dennoch die Erde, nur über eine größere Fläche verteilt.

Echte Experten denken deshalb eher an die Beschleunigung oder Abbremsung eines Asteroiden in seiner Bahn, so dass er zwar ganz bleibt, die Erde aber verfehlt. Das geht aber auch (genügend Vorwarnzeit vorausgesetzt) ohne nukleare Sprengsätze: etwa mit kinetischen Impaktoren oder Gravitationstraktoren.

Wer entscheidet, welche Bombe dem Menschheitswohl dient? Obama oder Kim Jong Un?

Eine Atombombe im All halte ich auch aus anderen Gründen für eine dumme Idee. Selbst wenn man annimmt, dass ein zur reinen Verteidigung der Erde gegen einen Asteroideneinschlag ins All geschickter nuklearer Sprengsatz weder gegen den Weltraumvertrag, noch gegen den Kernwaffensteststoppvertrag verstoßen würde (Marco Langbroeck befasst sich in einem eigenen Blogartikel ausführlich mit dem Thema): Wer entscheidet denn, ob ein eventuelles Atomwaffenprogramm nur diesem edlen Zweck dient? Das EADP? Der Staat Dänemark? Oder doch ein nuklear bewaffnetes Land? Wer dann? Die USA? China? Was, wenn auch Kim Jong Un auf die Idee kommt, ein eigenes nukleares Asteroidenabwehrprogramm zu starten – um die Menschheit zu schützen, selbstverständlich?

Den Sprengkopf überlassen wir den Experten“, sagt EADP, und lässt damit offen, wie essentielle Punkte des Plans geregelt werden sollen (eine Merkwürdigkeit, die das Projekt mit einer anderen seltsamen Crowdfundingkampagne teilt). Dass das dänische Weltrettungsteam nie etwas Nukleares ins All schickt, ist jedenfalls eine ziemlich sichere Wette. Und das ist auch gut so.

Eine der größten Bedrohungen der Menschheit?

Ein kinetischer Impaktor alleine würde unter Umständen nicht reichen, sagt das EADP-Team. Man muss ihnen glauben, schließlich handelt es sich bei diesem Team nach eigener Aussage um „erfahrene Unternehmer, Ingenieure, Projektmanager und ‚media professionals’“, also ausgewiesene Experten für Asteroidenabwehr. Man muss aber noch mehr glauben. Etwa, dass Asteroideneinschläge „eine der größten Bedrohungen der Menschheit“ sind. Weil mehr als eine Million erdnahe Asteroiden existieren, und die sind eine „bedeutende Gefahr für unseren Planeten“. Schließlich können sie „große Städte zerstören, in einigen Fällen sogar ganze Kontinente, im schlimmsten Fall das meiste Leben auf der Erde auslöschen, inklusive Menschheit.”

Damit wären wir bei meinem eigentlichen Problem mit der Kampagne: Die knappen Sätze können suggerieren, dass die Menschheit quasi ständig von der Auslöschung durch Asteroiden aus dem All bedroht ist. Doch diese Vorstellung ist schlicht falsch. Ebenso falsch wäre der Eindruck, außer ein paar Einzelpersonen in Dänemark verschlafe die Fachwelt das Problem.

Will man das Risiko eines Asteroideneinschlags richtig einschätzen, muss man zwischen zwei völlig unterschiedlichen Szenarien unterscheiden: Einem Einschlag mit globalen Konsequenzen, also einem möglichen Extinktionsereignis, und einem lokal oder kontinental begrenzten Einschlag ohne lang anhaltende Folgen für den Rest des Planeten.

Diese Grafik wird auch vom EADP zur UNtermauerung ihres Bedrohungsszenarios verwendet. Sie zeigt die zwischen 1994 und 2013 registrierten Boliden ab etwa einem Gigajoule Energie - also kleine Asteroiden, die in der Erdatmosphäre verglühten. Keiner davon richtete größere Schäden an - außer der Tscheljabinsk-Bolid, der aber ebenso wie alle anderen kein Todesopfer forderte. Was nicht gesagt wird: Keines dieser übergrößen Sternschnuppen hätte man mit einer Atombombe "abwehren" können, mit wirklich problematischen Asteroiden haben sie nichts gemin (außer, dass beide aus dem All kommen). Quelle: Nasa
Diese Grafik wird auch vom EADP  verwendet. Sie zeigt die zwischen 1994 und 2013 registrierten Boliden ab etwa einem Gigajoule Energie – also kleine Asteroiden, die in der Erdatmosphäre verglühten. Keiner davon richtete größere Schäden an – außer der Tscheljabinsk-Bolid, der aber ebenso wie alle anderen kein Todesopfer forderte. Keine dieser übergroßen Sternschnuppen hätte man mit einer Atombombe abwehren können, mit wirklich problematischen Asteroiden haben sie nichts gemein (außer, dass beide aus dem All kommen).    Quelle: Nasa

Ein zweiter “Dino-Killer”? Nicht in Sicht.

Der “Dinosaurierkiller-Asteroid”, der vor 65 Millionen Jahren ein globales Massensterben auslöste, war etwa 10 Kilometer groß. Schon ab einem Kilometer Größe kann ein Asteroid bei einem Einschlag globale Konsequenzen haben. Doch solche Brummer tauchen nicht einfach so auf. Man sieht sie schon lange vorher, kann ihre Bahnen vermessen und früh feststellen, ob sie die Erde in den nächsten Jahrhunderten oder Jahrtausenden treffen können. Und – ob wir’s glauben oder nicht – die Astronomen haben das längst gemacht. Deshalb wissen wir heute, dass es von diesen potentiellen Problembären keine Million, sondern etwas weniger als 1000 in Erdnähe gibt. Auf Kollisionskurs ist keiner davon. Und das beste: wir kennen rund 95 Prozent von ihnen bereits, die restlichen bald auch.

Atombomben auf “City-Killer”, Kanonen auf Spatzen

Anders sieht das bei so genannten „City- und Kontinentenkillern“ aus (keine offizielle Bezeichnung übrigens). Ab etwa 100 Meter kann ein Asteroid großflächige, ab etwa 40 Meter immerhin lokale Zerstörungen verursachen. Dabei geht die Welt nicht unter, auch wenn das für die direkt betroffenen Menschen freilich kein Trost wäre. Aber wie viele Städte wurden in der Menschheitsgeschichte noch mal von Asteroiden zerstört? Null. Und wie viele Todesopfer gab es durch den Einschlag von Asteroiden? Ebenfalls Null.

Warum das so ist? Nur drei Prozent der Erdoberfläche sind bewohnt. Die wenigsten Brocken im Sonnensystem treffen jemals auf die Erde. Die, die es doch tun, sind meist so klein, dass sie in fast allen Fällen ungesehen über unwegsamen Gegenden unseres großen Planeten verglühen. Nichts anderes zeigt die oben dargestellte Karte, die nichtsdestotrotz zur Untermauerung des von EADP & Co. beschworenen Bedrohungsszenarios verwendet wird.

Dass auch kleine Asteroiden gefährlich sein können, ist unbestritten: Auch der Barringer-Krater in Arizona entstand durch einen nur 40 Meter großen Eisenmeteoriten. Das war aber vor 50000 Jahren – solche Fälle sind extrem selten.

Die beiden einzigen Fälle mit nennenswerten Konsequenzen für Menschen waren Tunguska 1908 und Tscheljabinsk 2013. In beiden Fällen handelte es sich um Brocken von etwa 40 Meter Größe, beide explodierten in der Atmosphäre, schlugen also gar nicht auf dem Boden ein. Schäden waren dennoch zu beklagen, etwa 1000 Verletzte in Tscheljabinsk. Beide Fälle wurden ausgelöst von einer Klasse von Asteroiden, die zwar lokale Schäden verursachen können, für die ein Abwehrschild mit Atombomben aber ebenso übertrieben würde wie das sprichwörtliche Schießen mit Kanonen auf Spatzen: Um bei der für so kleine Asteroiden typischen Vorwarnzeit von Stunden oder wenigen Tagen rechtzeitig agieren zu können, müsste man die nukleare Abwehr schon im All stationieren und ständig bereithalten – ein völlig inakzeptables Szenario.

Wie sieht das Bedrohungsszenario also wirklich aus, und was sollte man tun?

Ein Asteroid, der die Menschheit auslöschen könnte, taucht nicht aus dem Nichts auf. Astronomen haben die Umgebung der Erde nach diesen Brummern abgesucht und nichts gefährliches gefunden.

Kleine Brocken um 40 Meter treffen statistisch gesehen etwa ein Mal pro Jahrhundert auf die Erde, wenn man Tunguska und Tscheljabinsk zum Maßstab nimmt. Dabei ist in der gesamten Menschheitsgeschichte noch nie ein Mensch umgekommen oder gar eine Stadt zerstört worden. Wir haben allerdings auch kaum Vorwarnzeit, und theoretisch könnte etwas passieren. Das Restrisiko ist winzig im Vergleich zu anderen Naturkatastrophen, wollen wir deswegen den Weltraum ernsthaft mit Atombomben militarisieren?

Problematisch ist die Mittelklasse, also alles ab etwa 100 Meter bis hin zu einem Kilometer. Solche Brocken würden großflächige Schäden verursachen, wenn denn einer träfe. Auch hier kennen wir keinen, der unserer Erde in den nächsten Jahrtausenden zu nahe käme – aber unser Wissen ist lückenhaft. Wenn also etwas getan werden sollte, dann hier: Mehr Geld in die Suche und Überwachung von solchen Klumpen, darüberhinaus mehr Geld für die Erforschung ihrer physikalischen Eigenschaften – Wissen, das uns einmal helfen könnte, wenn uns denn doch mal einer besuchen will. Wann sammelt also eine Crowdfundingcampagne einmal Geld für einen Ausbau der Entdeckungs- und Nachverfolgungskapazitäten?

Für solche Fälle sollen auch Abwehrszenarien entwickelt werden, und zwar nicht-nukleare. Doch das passiert bereits. Es wäre wünschenswert, wenn Nasa und Esa die Techniken dazu nicht nur am Schreibtisch entwickeln, sondern auch im All testen würden. Dazu darf schon etwas öffentlicher Druck aufgebaut werden, auch durch private Kampagnen.

Asteroiden gefährlicher als Terroristen?

Asteroiden sind eine reale Bedrohung. Allerdings ist das Risiko durch diese Bedrohung überschaubar. Ein Menschhautskiller ist nicht in Sicht, und wird auch nicht einfach so auftauchen. Kleine Klumpen haben noch nie ein Menschenleben gekostet. Und von der Mittelklasse ist ebenfalls kein Problembär in Sicht – und wenn doch, gibt es sehr wohl Abwehrstrategien, auch ohne Atombombe. Dass hier mehr getan werden sollte, sei nicht verschwiegen. Entscheidend ist die Vorwarnzeit.

Leider ist der Homo Sapiens Sapiens ausgesprochen schlecht darin, Risiken richtig zu bewerten. Was soll man etwa von der Aussage auf der EADP-Webseite halten, es sei statistisch gesehen wahrscheinlicher, von einem Asteroiden getötet zu werden als von einem Terroristen? Klingt schlimm, schließlich ist der Terrorismus ja allgegenwärtig, jedenfalls in den Medien. Das Risiko, einem Terroranschlag zum Opfer zu fallen, ist also ziemlich hoch, oder? keep-calm-and-observe-near-earth-objects-2Falsch: In der gesamten westlichen Hemisphäre, in der die meisten der potentiellen EADP-Unterstützer leben, starben im Jahr 2010 genau 279 Menschen durch Terroranschläge. Im gleichen Zeitraum dürften alleine in den USA mehr als eine halbe Million ihrem Krebsleiden erlegen sein. Ich persönlich würde mir also über Terroristen und Asteroiden eher weniger Sorgen machen – weder die einen noch die anderen gehören zu den “größten Bedrohungen der Menschheit”. Allem Geplapper zum Trotz.

Es wäre wünschenswert, wenn über Asteroiden und die Bedrohung, die sie darstellen, sachlich diskutiert werden würde. EADP und Asteroid Day leisten jedoch keine hilfreichen Beiträge. Wenn schon harmlose Miniasteroiden mit „Menschheitskillern“ in einen Topf geworfen werden, um ein möglichst drastisches, aber völlig unrealistisches Bedrohungsszenario zu entwerfen, bleibt Aufklärung bereits im Ansatz auf der Strecke. Ein solches Vorgehen schürt unnötige Ängste und liefert Futter für Panikmacher und Jounalismusimitatoren.

Die Vorstellung, dass außer ein paar schlauen Leuten in Dänemark alle schlafen und erst aufwachen werden, wenn es Tote gibt, ist realitätsfern. In den USA und Europa sind erdnahe Asteroiden Forschungsthema, suchen Teleskope Nacht für Nacht nach potentiellen Störenfrieden. Schon bald werden neue Observatorien die Entdeckungszahlen weiter in die Höhe treiben. Damit wir genügend Zeit haben, uns mit ihm zu beschäftigen, falls sich denn wirklich mal ein NEO zu Besuch meldet.

Kann es denn schaden, das EADP zu unterstützen? Wenn man mal von der Atombombe absieht, könnte zumindest der erste Teil, also der kinetische Impaktor, durchaus sinnvoll sein. Sinnvoll – und nicht neu: Die Nasa hat mit Deep Impact einen kinetischen Impakt längst ausprobiert und auch die Esa hat einen entsprechendes Missionskonzept entwickelt. Ob das EADP da neue Erkenntnisse beisteuern wird, darf bezweifelt werden. Jeder mag sein Geld ausgeben für was immer er will. Schaden kann eine Unterstützung nur dem eigenen Geldbeutel. Ich rate zur Sparsamkeit.

Jan Hattenbach

Mit dem Astronomievirus infiziert wurde ich Mitte der achtziger Jahre, als ich als 8-Jähriger die Illustrationen der Planeten auf den ersten Seiten eines Weltatlas stundenlang betrachtete. Spätestens 1986, als ich den Kometen Halley im Teleskop der Sternwarte Aachen sah (nicht mehr als ein diffuses Fleckchen, aber immerhin) war es um mich geschehen. Es folgte der klassische Weg eines Amateurastronomen: immer größere Teleskope, Experimente in der Astrofotografie (zuerst analog, dann digital) und später Reisen in alle Welt zu Sonnenfinsternissen, Meteorschauern oder Kometen. Visuelle Beobachtung, Fotografie, Videoastronomie oder Teleskopselbstbau – das sind Themen die mich beschäftigten und weiter beschäftigen. Aber auch die Vermittlung von astronomischen Inhalten macht mir großen Spaß. Nach meinem Abitur nahm ich ein Physikstudium auf, das ich mit einer Diplomarbeit über ein Weltraumexperiment zur Messung der kosmischen Strahlung abschloss. Trotz aller Theorie und Technik ist es nach wie vor das Erlebnis einer perfekten Nacht unter dem Sternenhimmel, das für mich die Faszination an der Astronomie ausmacht. Die Abgeschiedenheit in der Natur, die Geräusche und Gerüche, die Kälte, die durch Nichts vergleichbare Schönheit des Kosmos, dessen Teil wir sind – eigentlich braucht man für das alles kein Teleskop und keine Kamera. Eines meiner ersten Bücher war „Die Sterne“ von Heinz Haber. Das erste Kapitel hieß „Lichter am Himmel“ – daher angelehnt ist der Name meines Blogs. Hier möchte ich erzählen, was mich astronomisch umtreibt, eigene Projekte und Reisen vorstellen, über Themen schreiben, die ich wichtig finde. Die „Himmelslichter“ sind aber nicht immer extraterrestrischen Ursprungs, auch in unserer Erdatmosphäre entstehen interessante Phänomene. Mein Blog beschäftigt sich auch mit ihnen – eben mit „allem, was am Himmel passiert“. jan [punkt] hattenbach [ät] gmx [Punkt] de Alle eigenen Texte und Bilder, die in diesem Blog veröffentlicht werden, unterliegen der CreativeCommons-Lizenz CC BY-NC-SA 4.0.

24 Kommentare

  1. Ein Boxer der ins Leere schlägt, verliert. Bevor man zuschlägt muss man zuerst einmal das richtige Zielobjekt haben. Dabei gibt es 2 Probleme:
    1) Es sind wohl nicht einmal alle grösseren Asteroiden bekannt, die der Erde gefährlich werden könnten, denn es gibt Bahnen, wo die Asteroiden mit den heutigen Instrumenten schwer zu finden sind.
    2) Asteroiden vom Typ Tscheljabinsk, die im ungünstigten Fall etwas Manhattan auschlöschen könnten sind zu klein um sie mit den heutigen Instrumenten zu finden.

    In meinen Augen spricht sehr viel für ein systematische Durchmusterung des Himmels nach Asteroiden bis hinunter zur Tscheljabinsk-Klasse.
    1) Eine Karte aller Asteroiden und ihrer Bahnen kann die Grundlagen für ein Warn- und Abwehrsystem gegen Asteroiden abgeben, dass schwere Zerstörungen durch Einschläge entweder vermeidet oder aber mindestens Menschen davor schützt (durch Evakuation). Da bei guten Daten eine lange Vorwarnzeit besteht, kann die optimale Abwehrstrategie gewählt werden, die von Evakuation bis zur Ablenkung der Asteroidenbahn durch Traktion, Änderung der Albedo oder Beschuss des Asteroiden geht
    2) Durch die Kartierung aller erdnah vorbeiziehenden Asteroiden können Missionen zu Asteroiden besser beplant werden und aus der Masse der Asteroiden die interessant erscheinenden ausgewählt werden
    3) Die Asteroidenkartierung bis hinunter zu den kleinen kann die Grundlage für Asteroid-Mining-Operaitonen bilden
    4) Die genaue Vermessung der Bahnen der Asteroiden kann detaillierte Informationen über das Gravitationsfeld im Raum der Asteroidenbahnen bieten und damit der physikalischen Grundlagenforschung dienen (dunkle Materie, Suche nach scheinbaren Verletzungen des bekannten Gravitationsgesetztes

    Fazit: Bevor Asteroiden mit Atombomben oder Impaktoren traktieren kann muss man zuerst einmal genau wissen wo sie sind – und dazu braucht es Beobachtungsprogramme. Himmelsdurchmusterungen haben sich immer wieder als äusserst wertvoll erwiesen. Sogar für Fragestellungen, die gar nicht vorgesehen waren. Auch eine Durchmusterung des Himmels nach Asteroiden bis hinunter zu kleinen und kleinsten wird Dinge ermöglichen, an die wir heute noch gar nicht denken.
    Ein erster Schritt in diese Richtung ist die Sentinel-Mission</a<, die ein Infrarotteleskop für die Asteroidenbeobachtung in eine Umlaufbahn um die Sonne bringen will.

  2. Ein in harmlose Stücke gesprengter Asteroid trifft dennoch die Erde, nur über eine größere Fläche verteilt.

    Das wird immer wieder behauptet, aber es ist in dieser kategorischen Form einfach nicht richtig. Es trifft nur dann zu, wenn das Zerlegen wirklich nur kurz vor dem Einschlag erfolgte. Ansonsten ist es eher wahrscheinlich, dass die Bahnen der Einzeltrümmer hinreichend weit auseinander driften, sodass sie alle die Erde verfehlen.

    Und selbst wenn die einzelnen Trümmer die Erde treffen würden: Wenn, sagen wir, statt eines 100-Meter Brockens – das ist in etwa die Größe, ab der ein Objekt den Erdboden erreicht und dort einen Einschlagkrater produziert, es über die Welt verteilt zehn Tscheljabinsk-Ereignisse gibt, weil 30-bis 40-Meter große Brocken sich in der Atmosphäre zerlegen, dann wäre damit schon sehr viel gewonnen. Die kumulierten Schäden von zehn Tscheljabinsk-Ereignissen lägen um Größenordnungen unter denen eines einzigen Volltreffers auch nur eines Hundert-Meter-Objekts, wenn dieser bewohntes Gebiet trifft, oder aber, wenn er ins Meer fällt, was womöglich noch schlimmer ist.

    Also sollte man die Vorteile des Zerlegens nicht vorschnell in Abrede stellen.

    Man sollte auch sauber zwischen Asteroiden und Kometen unterscheiden. Bei Asteroiden sehe ich die Abwehr durch nukleare Einwirkung kritisch. Die funktioniert nämlich dann richtig gut, wenn es viel volatiles Material gibt, das schlagartig sublimiert und dabei idealerweise den Körper zerreißt. Wenn mit dem Sprengsatz nur ein Stein heiß gemacht wird, hilft das nicht.

    Das heißt, das geeignete Ziel für die nukleare Abwehr sind Kometen. Bei langperiodischen oder gar parabolischen Kometen, die noch nicht bekannt sind, findet die Entdeckung typischerweise erst etwa 2 Jahre vor dem Perihel statt. Wahrscheinlich gibt es dann keinerlei Alternative zur nuklearen Abwehr, auch wenn diese alles andere als zuverlässig ist. Was ich allerdings für ausgeschlossen halte, ist eine Kombimission zu einem Kometen – erst Impakt, dann eine Atombombe in den Krater. Man sollte froh sein, wenn man in der knappen Zeit überhaupt eine Mission auf den Weg gebracht hat.

    Bei Asteroiden, wo die Bahnen auf Jahrzehnte hinaus vorausberechnet sind (vorausgesetzt, man hat vorher eine genügend präzise Kartierung vorgenommen) hat man zumindest Alternativen, auch wenn keine der mit heutiger Technik realisierbare wirklich zufrieden stellt.

    Ich weiß nicht, warum dieser absurde Gravitationstraktor immer wieder aufs Tapet kommt. Ist den Leuten nicht klar, dass das hinten und vorne keinen Sinn macht? Eher noch könnt man einen hyperbolischen Einschlag realisieren. Aber damit löst man nur das unmittelbare Problem. 20 Jahre bach dem abgewendeten Einschlag hat man die Einschlagswahrscheinlichkeit vielleicht erhöht. Man hat also nur Zeit gekauft.

    Die einzige permanente Lösung für die kleine Untergruppe der wirklich gefährlichen Asteroiden besteht nach meinem Dafürhalten in der kontrollierten Zerlegung durch Maschinen, die auf dem Asteroiden gelandet werden. Das geht heute noch nicht, wird aber in absehbarer Zukunft machbar werden und sollte dann getestet werden.

    • das stimmt !

      Ein in harmlose Stücke gesprengter Asteroid trifft dennoch die Erde, nur über eine größere Fläche verteilt….

      Das wird immer wieder behauptet, aber es ist in dieser kategorischen Form einfach nicht richtig.

    • Überzeugende Stellungnahme zum Asteroiden-/Kometen-Impaktproblem. Nur mit den 100 m, die ein Körper gross sein muss um wirklich gefährlich zu sein, bin ich nicht einverstanden (Zitat): “Wenn, sagen wir, statt eines 100-Meter Brockens – das ist in etwa die Größe, ab der ein Objekt den Erdboden erreicht und dort einen Einschlagkrater produziert, “

      100 m sind wohl nötig für einen Einschlag, aber bereits ein Tunguska-Ereignis über Manhatttan hätte fatale Auswirkungen. Beim Tunguska-Ereignis wurden alle Bäume auf einer Fläche von 2000 km² (25 Mal die Fläche von Manhattan) durch die Druckwelle gefällt. Zum Tunguska-Ereignis liest man:

      Die Schätzungen über die Sprengkraft variierten stark. Sie gingen noch in den 1980er Jahren von bis zu 50 Megatonnen TNT aus.[10] Jüngere Berechnungen gehen von einer mit 2 bis 4, maximal 5 Megatonnen TNT vergleichbaren Sprengwirkung aus.[11][12] Grund dafür könnte ein mächtiger heißer Luftstrahl gewesen sein, der nach der Explosion eines Kometen in der Höhe dessen Weg zum Boden fortsetzt und dort eine stärkere Druckwelle und höhere Temperaturen hervorrufen würde.

      Folgerung: Es genügt nicht Asteroiden und Körper der Grösse 100 m oder grösser zu kartieren um die Erde vor ernsthaften Folgen eines Einschlags zu schützen.

      • Ich schrieb ja nicht, dass ein Objekt erst ab 100 m Größe wirklich gefährlich ist, sondern dass es immer noch wesentlich besser ist, zehn Chelyabinsk-Ereignisse mit Luftzerplatzern von 40-Meter-Objekten zu haben als einen Impakt eines 100-Meter-Objekts. Insofern ist eine Zerlegung, die wirklich deutlich kleinere Objekte erzeugt als das Ausgangsobjekt immer vorteilhaft. OK, wenn man einen 2-km-Asteroiden in zwei Stücke spaltet und diese treffen beide die Erde, dann ist es vielleicht schlimmer, vielleicht ist es aber auch nur egal.

        Die Wahrscheinlichkeit für so eine Art Missgeschick ist aber eher klein. Das müssten dann ja schon Kilometergroße Monolithen sein. Es spricht aber einiges dafür, dass Asteroiden fliegende Geröllhalden sind, lose zusammengehaltene Gebilde aus kleineren Objekten. Deswegen dürfte auch die mechanische Zerlegung mit einem dafür ausgelegten Landegerät prinzipiell machbar sein.

  3. Mich wundert bei dem Ganzen obendrein auch die “Höhe” des anvisierten Budgets. Sagenhafte 200.000 US-Dollar? “… to design, construct, test, and ultimately implement the use of HAIVs …”? Ernsthaft? Fehlen da drei bis vier Nullen? Oder bin ich nur zu blöd, dieses Fundraising-Dings zu durchschauen?

      • Für 200.000 Dollar könnte man unser 10köpfiges EDI-Team ca. drei bis vier Monate lang beschäftigen und hätte damit gerade mal die Lohnkosten gedeckt. Wir reden hier von Studie, Design, Material, Transport, Arbeitslohn, Energie und anderen Overheads – und der Tatsache, dass es ja mit einem solchen Dings nicht getan wäre, sondern wir mehrere bräuchten. Die Kosten der Atombombe kann man da ja schon fast vernachlässigen.

      • Wer glaubt oder behauptet, das Atomwaffenarsenal der USA oder Russlands schrumpfe in den nächsten 30 Jahren auf einige 100 anstatt einige 1000 Sprengköpfe wie heute, der glaubt an den Storch oder er will die anderen täuschen wie das Obama kurz nach seiner Amtseinführung getan hat, als er sich scheinbar der Global Zero-Initiative anschloss. Atomwaffen sind eine der stärksten Mittel um zu drohen und eine der stärksten Versicherungen, dass ein anderer Staat den eigenen Staat nicht angfreift. Genau deshalb besteht ja eher die Gefahr, dass sie sich weiter verbreiten – und dass sie bald einmal Staaten zur Verfügung haben, die alles andere als stabil sind (Pakistan) oder die in einer sehr unruhigen Gegend loziert sind, wo Kriege an der Tagesordnung sind und dann schnell einmal mit der stärskten aller Waffen gedroht wird.
        Den möglichen Einsatz als Asteroidenabwehrmittel braucht es gar nicht als Rechtfertigung um die Atomwaffen zu halten. Dafür gibt es genügend Gründe.

        • “Den möglichen Einsatz als Asteroidenabwehrmittel braucht es gar nicht als Rechtfertigung um die Atomwaffen zu halten. Dafür gibt es genügend Gründe.”

          Sicher, aber in Anbetracht der hohen Kosten für die geplante Modernisierung des umfangreichen Atomwaffenarsenals der Amerikaner könnten die dortigen Steuerzahler vielleicht unruhig werden. Die Kosten für den Erhalt und die Modernisierung des Atomwaffenarsenals lassen sich eben nicht “vernachlässigen”. Laut einer Studie werden die USA in den nächsten 30 Jahren die erkleckliche Summe von einer Billion Dollar dafür zahlen.
          http://cns.miis.edu/trillion_dollar_nuclear_triad/

          • Ja, Atomwaffen sind nur kosteneffizient, wenn man die damit verbundene Abschreckung benötigt, zumal sie sich kaum je einsetzen lassen. Atomwaffenstaaten wie die USA, Israel oder Frankreich besitzen also mit den Atomwaffen eine sehr teures, aber sehr wirksames Mittel um andere staatliche Akteure von ihren Grenzen fernzuhalten und falls die Atomwaffenbesitzer über eine Zweitschlagkapazität verfügen, können sie auch potenzielle Angreifer vom Einsatz von vernichtenden Waffen gegen sie abhalten. Für die USA sind die 1 Billion Dollar über 30 Jahre für die Modernisierung der Atomwaffen aber gut verkraftbar, denn die jährlichen Verteidigungswaffen betragen um die 500 Milliarden Dollar. Damit betragen die Atomwaffen-Modernisierungskosten weniger als 10% des Jahresbudgets der US Streitkräfte.

  4. Nachtrag:

    Ein kinetischer Impaktor alleine würde unter Umständen nicht reichen, sagt das EADP-Team.

    Das stimmt wahrscheinlich, gerade bei einem Kometen (von dem die aber nicht reden). Das kann man sogar relativ schnell berechnen. Angenommen, so ein Komet wie ISON wäre auf Kollisonskurs mit der Erde. Man entdeckt ihn zwei Jahre vor dem Impakt.

    Angenommen, man schafft es, eine Mission vorzubereiten und zu starten, die den Kometen, sagen wir, sechs Monate vor dem sicheren Impakt erreicht. Die Effekte, die man bei einem kinetischen Impaktor hat, der einen Asteroiden auf einer erdähnlichen Bahn ablenken soll, hat man da nicht.

    Es geht bei dem Kometen nicht darum, die Bahnperiode ein klein wenig zu verändern, sodass er zwanzig Jahre später einige Minuten später bei der Erde ankommt als ohne den Korrektureingriff.

    Nein, den Kometen muss man wirklich ablenken. Sagen wir, um 8000 km. Das sind 8 Millionen Meter. In sechs Monaten. Das sind 15.7 Milliojnen Sekunden. Man müsste dem Kometen also ein Delta-v von 0.5 m/s verpassen.

    Komplett illusorisch mit einem kinetischen Impaktor. Angenommen, der Kometenkern hat eine Masse von einer Milliarde Tonnen. Das wäre eine Größenordnung weniger als 67P/Churyumov-Gerasimenko, also wirklich nur ein kleiner Komet.

    Angenommen, der Impakt erfolgt mit 50 km/s, also wirklich heftig. Angenommen, beim Impakt gäbe es einen beta-Faktor von 10, das heißt, der Impuls wird durch ausgeschleudertes Material noch um den Faktor 10 vergrößert. Dann wäre der erforderliche Impuls 0.5*10^12 kg m/s. Selbst dann müsste der Impaktor immer noch eine Masse von 1000 Tonnen haben, was überhaupt nicht im Bereich das Machbaren liegt. Und ich habe hier wirklich noch einen kleinen Kometen angenommen.

    Das kann jeder selbst schnell nachrechnen.

    Fazit: Bei einem Kometen hat man wahrscheinlich gar keine Chance. Mit einem kinetischen Impaktor niemals.

    Die einzige kleine Chance auf Erfolg ist, wenn man es schafft, einen nuklearen Sprengsatz in der Nähe zu zünden (bei einer Relativgeschwindigkeit von 50 km/s kein Kinderspiel!) und die thermische Belastung des Kometenkerns fürt zu seiner Zerlegung. Das ist aber immer noch eher russisches Roulette. Aber was soll’s … ansonsten gibt es gar nichts.

  5. Apropos Don Quijote, auf das im Artikel hingewiesen wird:

    Ein Vorschlag, der von außen kam, in diesem Fall von einer spanischen Firma. das Konzept wurde jahrelang in diversen Studien breitgetreten. Schon in der ersten Studie wurde klar, dass so eine Mission nicht für lau zu haben ist.

    (10) Das kostet schon ein bisschen.
    (11) Ach, das kostet? Na, das gefällt uns aber gar nicht.
    (12) Was macht man, wenn einem das Ergebnis nicht gefällt? Eine neue Studie.
    (13) Was ergibt diese neue Studie? (Goto 10)

  6. Nachtrag 2:

    Die beiden einzigen Fälle mit nennenswerten Konsequenzen für Menschen waren Tunguska 1908 und Tscheljabinsk 2013.

    Ich wäre etwas vorsichtig mit allzu kategorischen Aussagen. So etwas kann doch niemand sagen. Allein schon innerhalb der letzten 100 Jahre könnte es zwei weitere Einschlagsereignisse gegeben haben, bei dem zwar nicht die industrialisierte Welt zu Schaden kam, aber doch bewohnte Gebiete.

    Als die Welt noch nicht vernetzt war, machten selbst Nachrichten über schwere Katastrophen, nicht unbedingt die Runde, vor allem, wenn die Opfer nur “unzivilisierte Wilde” waren. Man sollte also vorsichtig sein, wenn man behauptet, die Zahl der Opfer sei Null. das ist keine gesicherte wissenschaftliche Erkenntnis.

  7. Im Asteroid-Armageddon Film an den ich mich erinnern kann wurde der Killer-Asteroid gerade wegen der Gefahr der Vielfachtrümmer nicht gesprengt. Statt dessen wurde ein grosser Teil der Erde evakuiert und der Held starb als einer der wenigen im Bereich des Impaktkraters. Scheinbar gibt es also nicht nur die Bruce-Willis-Asteroid-Filme. Zitat von oben:

    Die Sprengung eines Asteroiden dürfte nämlich zu der bitteren Erkenntnis führen, dass das Weltall doch anders funktioniert, als der Kinogänger das glaubt. Doch, Bruce, da müssen wir jetzt tapfer sein: Ein in harmlose Stücke gesprengter Asteroid trifft dennoch die Erde, nur über eine größere Fläche verteilt.

    Schon als ich den von mir erwähnten Film vor einigen Jahren sah, war ich aber mit der Schlussfolgerung des damaligen Entscheiders, den Asteroid nicht zu sprengen, nicht einverstanden. Aus genau den gleichen Überlegungen, die hier Michael Khan angestellt hat. Sind die Bruchstücke eines gesprengten Asteroiden genügend klein sieht man nichts anderes als bei einem Leonidenschauer. Zudem werden bei einer heftigen Sprengung einige Bruchstücke die Erde komplett verfehlen. Das alles spricht dafür eine Sprengung in Erwägung zu ziehen, denn ein Einschlag dürfte wesentlich schlimmere Folgen haben als “im weiteren Sinne Leucht- und Wettererscheinungen in der Erdatmosphäre und an der Erdoberfläche”, was die ursprüngliche Bedeutung des griechischen Wortes Meteor bedeutet (Das Wort kommt vom altgriechischen μετέωρος metéōros „in der Luft schwebend“, wo es auch Erscheinungen am Himmel und damit manche Himmelskörper umfasste)

  8. Nur ergänzend:

    Das Risiko, einem Terroranschlag zum Opfer zu fallen, ist also ziemlich hoch, oder?
    (…)
    In der gesamten westlichen Hemisphäre, in der die meisten der potentiellen EADP-Unterstützer leben, starben im Jahr 2010 genau 279 Menschen durch Terroranschläge. Im gleichen Zeitraum dürften alleine in den USA mehr als eine halbe Million ihrem Krebsleiden erlegen sein.

    …zwei Einschätzungen:
    1.) Terrorismus ist dadurch definiert [1], dass Gewalt vorgenommen oder angedroht wird, jeweils mit politischer Zielvorgabe, der “Impact” dieses Terrorismus (das Fachwort) ist nicht mit Alltagstoten, wie sie bspw. im Straßenverkehr oder durch mangelnde Umsicht im Haushalt entstehen, zu vergleichen.
    2.) Es ist – nicht nur nach Luhmann – zwischen Gefahr und Risiko zu unterscheiden.
    Risiko entsteht in Kauf genommen an Hand bestimmter Maßgaben, die Maßnahmen bedingen, Risiko ist insofern handhabbar, Gefahr dagegen entsteht von außen und zwingend unbeeinflussbar, sonst wäre sie Risiko.

    HTH
    Dr. W (der insofern auch zur ‘Sparsamkeit rät’)

    [1]
    T. gibt es insofern nur in “westlichen” * Gesellschaftssystemen, wobei die Metaphorik ‘westlich’ diejenigen Systeme meint, die den Ideen und Werten der Aufklärung folgend implementieren konnten: die Richtungsangabe ist wohl dem seinerzeit existiert habenden sogenannten Ostblock geschuldet und fürwahr irreleitend.

    *
    Ansonsten wäre womöglich nur regional typisches Handeln festzustellen.

  9. Danke allen für die interessanten Kommentare. Speziell zur technischen Seite der Atomwaffen – ob es nun die beste Lösung wäre oder nicht – will ich nicht unbedingt widersprechen. Ich hatte ja auf einen Artikel verlinkt, in dem Stimmen zu Wort kommen, die die nukleare Lösung für die wirksamste halten.

    Meine negative Meinung gegen die EADP-Kampagne speist sich allerdings, wie oben hoffentlich deutlich gemacht, aus den politischen Problemen einer nuklearen Abwehrstrategie, und die Tatsche, dass dieses doch zentrale Thema von den Damen und Herren des Projekts auf Seite geschoben wird (zahlen soll man natürlich jetzt schon mal). Und zweitens aus dem übertriebenen bzw. unrealistischen Bedrohungsszenario, dass da gezeichnet wird. Letzteres scheint spätestens nach Tscheljabinsk irgendwie in Mode gekommen zu sein.

    • Zitat: “Meine negative Meinung gegen die EADP-Kampagne speist sich allerdings, wie oben hoffentlich deutlich gemacht, aus den politischen Problemen einer nuklearen Abwehrstrategie”
      1) Heisst das, dass eine nukleare Abwehr eines Geschosses aus dem All aus politischen Gründen abgelehnt werden könnte auch wenn es die einzig mögliche Abwehr wäre die einen Milliarden-bis Billionenschaden verhindern könnte (die Menschenleben einmal nicht gezählt)?
      2) Wäre in einem konkreten Bedrohungsszenario durch einen Asteroiden oder Kometen der beispielsweise auf die USA zusteuern würde nicht die USA die Partei, die entscheiden würde was passiert. Kann eine dänische Organisation wie die EADP überhaupt etwas entscheiden oder vorentscheiden in Bezug auf die Abwehr von Bedrohungen aus dem All?

    • Ich habe ein Problem damit, dass da mit Pomp und Trara eine Kampagne angeleiert wird, ohne dass vorher die Hausaufgaben ordentlich gemacht wurden. Ein paar Punkte, an denen es hakt, habe ich genannt. Auch die Kritiker stehen allerdings in der Pflicht, ihre Hausaufgaben zu machen.

      Politische Probleme kann es natürlich geben, aber wenn es ein globales Problem gibt, dann ist eine globale, politische Lösung gefragt. Wenn diese Lösung tatsächlich der Nutzung von Kernwaffen bedürfen sollte, dann könnte das Projekt unter Leitung der UN stehen.

      Wir müssen uns der Tatsache bewusst sein, dass wir hier von einem potenziellen Problem stehen, das die Menschheit begleiten wird. Es wird nie einfach weg gehen. Natürlich ist das nur eins von vielen Problemen, aber das bedeutet nicht, dass man sich nicht überlegen darf, was man unternimmt. Die politische und gesellschaftliche Realität von heute wird sich in 50 Jahren vielleicht schon ganz anders darstellen, mit schwindender Bedeutung von Nationen und wachsender Befugnis übernationaler Organisationen. Das könnte ein politischer Megatrend werden. Fälle wie Nordkorea sind ein Relikt der Vergangenheit, sie werden über kurz oder lang überwunden werden, so wie ja auch Europa sich langsam aber sicher von Zwist und Konflikten hin zu Kooperation entwickelt.

      Man sollte auch mal den Blick über den Tellerrand hinaus wagen. In technischer wie auch in politischer Sicht.

      Ich sehe keinen Grund, warum nicht im Rahmen eines Projekts, das von allen Völkern der Erde getragen wird, auch der Einsatz nuklearer Sprengsätze möglich sein sollte. das macht mir viel weniger Angst als Flotten von nuklear bestückten Bombern, U-Booten oder Raketenbasen einzelner Nationen auf der Erde, die keiner internationalen Kontrolle unterstehen.

      Es ist eine ganze Menge technischer Vorarbeit zu leisten, bevor die Menschheit imstande ist, ein effektives Abwehrprojekt gegen die Bedrohung durch einen Impakt aus dem All zu starten. Die eigentliche Explosion des Sprengsatzes ist da wahrscheinlich nicht das zentrale Problem. Mir fallen da ganz andere Fragen ein.

      Für welche Art von Himmelskörpern eignet sich dieser Ansatz überhaupt? Ich meine, für Asteroiden eher nicht, und dort gibt es Altrernativen. Für Kometen nur bedingt, aber da gibt es keine Alternativen. Wenn man einem Kometen eine Atombombe verpassen will, wie macht man das denn? Bei Anfluggeschwindigkeiten von typischerweise 50 km/s oder mehr ist allein dieser Punkt hochgradig nichttrivial. Ein Bruchteil einer Sekunde zu früh, und die Explosion verpufft wirkungslos. Ein Bruchteil einer Sekunde zu spät, und es kommt gar nicht zur Explosion, weil die Sonde mit der Bombe zerschellt. Das sollte man untersuchen, und es ist gar nicht so einfach.

      Ob nun aber gerade die besagte dänische Initiative geeignet ist, hier Impulse zu liefern, kann man allerdings durchaus infrage stellen.

      • Zustimmung: Das Impaktproblem wäre ein guter Startpunkt um der UNO eine Kompetenz zu erteilen und vielleicht sogar ein Stück Exekutivgewalt zuzugestehen.
        So etwas wie eine Weltregierung schafft man am besten indem man eindeutig globale Themen, die von einem Einzelstaat nicht sinnvoll gelöst werden können, einer globalen Instanz zuordnet. Asteroidenabwehr oder der Klimawandel sind solche globale Themen. Und wenn auch die UNO oder eine Weltregierung diese Themen kaum völlig eigenständig und losgelöst von den Vorstellungen der UNO-Mitgliedsstaaten bearbeiten kann, so könnte sie doch das Recht erhalten gewisse Entscheidungen selbst zu treffen – ohne dass jede Entscheidung der Vollversammlung vorgelegt werden muss. Das wäre ein sinnvoller Beginn für eine Verlagerung von Entscheidungsgewalt von den Nationen hin zur UNO.

  10. Im g.u.g. Zustimmung,
    allerdings Zweifel über die Zeitspanne von zwei Jahren für die Entdeckung von Kometen;
    ist das nicht eher im ungünstigsten Fall ein halbes Jahr???

    • Mir ist nicht klar, wo Sie die Zeitangaben hernehmen, aber im Prinzip haben Sie recht: Bei Kometen ist die Sache verzwickter, da man die, wenn sie zum ersten Mal ins innere Sonnensystem gelangen, erst so spät entdeckt, dass an eine Modifikation der Bahngeschwindigkeit mit kinetischen Impaktoren o.ä. nicht mehr zu denken ist.

      Aber auch wäre ein Sprengen mit Atombomben keine gute Idee, denn Kometen sind, nach allem was man weiss, wesentlich lockerer aufgebaut als die meisten Asteroiden. Ein Sprengen hätte dann eben zur Folge, dass eine ganze Reihe kleinerer Brocken auf die Erde stürzen. Ob das im Einzelfall besser ist, muss man abwägen.

  11. Man muss einen Asteroiden mit Atombomben nicht unbedingt in die “Luft” sprengen. Gemäß mindestens zweier unabhängiger Paper, die ich mal bei Recherchen gefunden hatte, sind zwei Methoden zur Ablenkung von Asteroiden mit Abstand am effizientesten: 1) kontinuierliches Verdampfen von Material mit einem Solarpanel-gespeisten Laser 2) Verdampfen von Material durch Zündung einer Atombombe neben dem Asteroiden. Erst danach kamen kinetischer Impaktor, weiß anmalen (Jarkowski-Effekt), Gravity-Traktor und dergleichen. Auf die Idee, den Asteroiden zu sprengen, ging man gar nicht erst ein.

    So viel Energie in so kompakter Form bekommt man anderweitig nicht zum Ziel. Und gerade bei Kometen, die größtenteils aus volatilem Material bestehen, sollte das Verdampfen durch eine Kernladung sehr effektiv sein. Man kann auch gleich mehrere Sprengköpfe mitnehmen und dann nachkorrigieren, wenn der gwünschte Effekt nicht beim ersten Schuss eintritt. Mehrere Impaktoren hintereinander einzusetzen, erscheint mir da aufwändiger.

    Das sollte man mal bei einem Raumfahrtprojekt im Asteroidengürtel praktisch ausprobieren. Man könnte ja ein gemeinsames Projekt von Russland, den USA, der ESA und China anstreben und sich eine Sondergenehmigung der UNO besorgen… na gut, ich träume…

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