2009 – Das internationale Jahr der Astronomie

Nun ist es offiziell: 2009 wird das „Internationale Jahr der Astronomie“. Das wurde von der 62. Generalversammlung der Vereinten Nationen auf Vorschlag Italiens beschlossen. 400 Jahre nachdem der Italiener Galileo Galilei sein erstes Fernrohr zum Himmel richtete, will die Weltgemeinschaft mit dieser Aktion die Bedeutung der Astronomie für die Kulturgeschichte der Menschheit würdigen.

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Das Astronomiejahr 2009 ist eine Initiative der Internationalen Astronomischen Union IAU und der UNESCO. Viele verschiedene Aktionen sollen die Geschichte, die Bedeutung und die Erkenntnisse der ältesten Wissenschaft der Welt begreifbar und erlebbar machen. Auch wenn die Planungen erst am Anfang stehen, ist klar, dass es dabei vor allem auf die Mitarbeit vieler (amateur)astronomischer Organisationen und Einzelpersonen vor Ort ankommen wird. Ich bin sehr gespannt, wie sich die Vorbereitungen im kommenden Jahr entwickeln werden. Ich freue mich schon auf 2009!

Ich habe auch gleich einen Vorschlag: Schwerpunkt des astronomischen Jahres sollten nicht nur schöne Ausstellungen und Festtagsreden, sondern besonders die direkte Erfahrung des Kosmos durch eigene Beobachtungen sein. Nur so kann ein wirklicher, nachhaltiger Eindruck von der Schönheit unseres Universums vermittelt werden. Der Anblick des bestirnten Himmels war der Ausgangspunkt für die Suche des Menschen nach seinem Platz in der Welt, und der Beginn der modernen Wissenschaften. Und da liegt der Hund begraben: während die professionelle Astronomie des 21. Jahrhunderts immer neue, atemberaubende Fortschritte macht und unser Wissen vom Kosmos laufend weiter vergrößert, ist es für den Normalsterblichen kaum noch möglich, auch nur unsere Heimatgalaxie mit eigenen Augen zu erfahren – Lichtverschmutzung ist das Stichwort! Astronomie spielt sich für geschätzte 90% der Menschheit heute unerreichbar hinter einem Schleier aus Werbeschildern, Straßenlampen und Skybeamern ab!

Planetarium oder Google-Sky – das ist alles kein Ersatz für den echten, den wirklichen Sternenhimmel. Astronomische Forschung als Kulturerbe der Menschheit? Ohne einen wirksamen Schutz des Kulturerbes Nachthimmel bald nur noch eine theoretische Abhandlung in der Wikipedia. Was würde Galilei sagen, wenn er heute, 400 Jahre nach seinen Entdeckungen in den orange-grauen Nachthimmel Italiens blicken würde?

Dem Internationalen Astronomiejahr 2009 muss es gelingen, den Finger auf genau diese Wunde zu legen. Eine ernstgemeinte Initiative wenigstens der Industriestaaten für einen wirksamen Schutz des Nachthimmels vor der Lichtverschmutzung könnte diesen Kulturschatz für unsere Kinder bewahren. Nur wenn das gelingt, werde ich 2009 ein erfolgreiches Jahr nennen! 

Internationale Homepage des Astronomiejahres 2009

Deutsche Version

Homepage der International Dark Sky Association

Homepage der deutschen Fachgruppe Dark Sky

Mit dem Astronomievirus infiziert wurde ich Mitte der achtziger Jahre, als ich als 8-Jähriger die Illustrationen der Planeten auf den ersten Seiten eines Weltatlas stundenlang betrachtete. Spätestens 1986, als ich den Kometen Halley im Teleskop der Sternwarte Aachen sah (nicht mehr als ein diffuses Fleckchen, aber immerhin) war es um mich geschehen. Es folgte der klassische Weg eines Amateurastronomen: immer größere Teleskope, Experimente in der Astrofotografie (zuerst analog, dann digital) und später Reisen in alle Welt zu Sonnenfinsternissen, Meteorschauern oder Kometen. Visuelle Beobachtung, Fotografie, Videoastronomie oder Teleskopselbstbau – das sind Themen die mich beschäftigten und weiter beschäftigen. Aber auch die Vermittlung von astronomischen Inhalten macht mir großen Spaß. Nach meinem Abitur nahm ich ein Physikstudium auf, das ich mit einer Diplomarbeit über ein Weltraumexperiment zur Messung der kosmischen Strahlung abschloss. Trotz aller Theorie und Technik ist es nach wie vor das Erlebnis einer perfekten Nacht unter dem Sternenhimmel, das für mich die Faszination an der Astronomie ausmacht. Die Abgeschiedenheit in der Natur, die Geräusche und Gerüche, die Kälte, die durch Nichts vergleichbare Schönheit des Kosmos, dessen Teil wir sind – eigentlich braucht man für das alles kein Teleskop und keine Kamera. Eines meiner ersten Bücher war „Die Sterne“ von Heinz Haber. Das erste Kapitel hieß „Lichter am Himmel“ – daher angelehnt ist der Name meines Blogs. Hier möchte ich erzählen, was mich astronomisch umtreibt, eigene Projekte und Reisen vorstellen, über Themen schreiben, die ich wichtig finde. Die „Himmelslichter“ sind aber nicht immer extraterrestrischen Ursprungs, auch in unserer Erdatmosphäre entstehen interessante Phänomene. Mein Blog beschäftigt sich auch mit ihnen – eben mit „allem, was am Himmel passiert“. jan [punkt] hattenbach [ät] gmx [Punkt] de Alle eigenen Texte und Bilder, die in diesem Blog veröffentlicht werden, unterliegen der CreativeCommons-Lizenz CC BY-NC-SA 4.0.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. How many stars …?
    Hallo Jan,

    zum Thema „Lichtverschmutzung“ ist für das „Jahr der Astronomie“ sogar schon Großes geplant: Das Projekt „How many stars …?“ (http://sternhell.at), das Günther Wuchterl von der Thüringer Landessternwarte Tautenburg initiiert hat, stellt einen Probelauf für eine Kampagne der IDA („International Dark Sky Association“) dar, die alle Initiativen weltweit miteinander verbinden wird.

    Dark Skies! Stefan Oldenburg

  2. Die Planungen haben mächtig Fahrt aufgenommen

    Seit Januar laufen die deutschen IYA-Planungen auf Hochtouren, mehrere Meetings haben stattgefunden, und ein Kommunikationsnetz entsteht gerade. Was schon alles diskutiert wurde und passiert ist, kann man bei astrojahr.blogspot.com nachlesen. Die direkte Konfrontation möglichst vieler Menschen mit dem echten Himmel war übrigens von Anfang an zentrale Intention des IYA, seit es auf der IAU General Assembly 2006 zum 1. Mal in großem Stil vorgestellt wurde!

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