2008 TC3 gefunden!
BLOG: Himmelslichter

Wissenschaftler haben offenbar Bruchstücke des Miniasteroiden 2008 TC3 gefunden – des ersten natürlichen Himmelskörpers, dessen Absturz auf die Erde vorhergesagt werden konnte. Anfang Oktober 2008 fiel er im Sudan vom Himmel. Auf einer Konferenz in Wien am vergangenen Montag wurde nun das erste Foto eines seiner Überbleibsel veröffentlicht.
Nahaufnahme eines der gefundenen Bruchstücke am Fundort. (Dr. Peter Jenniskens)
Der Vortrag wurde gehalten von Lindley Johnson vom Near Earth Object-Programm der NASA auf einer Konferenz der Vereinten Nationen und kann hier heruntergeladen werden. Auf Folie 19 ist das Bild eines der Meteoriten gezeigt, von dem insgesamt "quite a few" gefunden worden sein sollen. Dem Bericht zu Folge haben Studenten aus der sudanesischen Hauptstadt Khartoum unter Anleitung von Dr. Muawia Shaddad mit Unterstützung der NASA die Bruchstücke in der Wüste ausfindig machen können.
Die Gruppe der Wissenschaftler, die in der sudanesischen Wüste einige der Bruchstücke gefunden haben. (Dr. Peter Jenniskens)
2008 TC3 ist allem Anschein nach ungewöhnlich rasch nach seinem Eintreten in die Erdatmosphäre zerplatzt – in einer Höhe von rund 37 Kilometern über dem Erdboden, so Peter Brown von der University of Western Ontario in Kanada. Er vermutet, dass der Asteroid aus eher lockerem Material bestand. Der Fund ist für die Forschung besonders bedeutsam, weil mit ihm zum ersten Mal meteoritisches Material eines Asteroiden zur Verfügung steht, der vor seinem Absturz auf die Erde beobachtet wurde, dessen ursprüngliche Sonnenumlaufbahn also bekannt ist. Wie viel Material bislang gefunden wurde, ist mir nicht bekannt. Das abgebildete Stück dürfte nicht mehr als 50 Gramm wiegen.
Rauchspur des angestürzten Miniasteroiden 2008 TC3, aufgenommen am Morgen des 7. Oktober 2008. Mohamed Elhassan Abdelatif Mahir, Noub NGO, Dr. Muawia H. Shaddad, Univ. Khartoum, Dr. Peter Jenniskens, SETI Institute/NASA Ames)
Über den Absturz von 2008 TC3 habe ich mehrfach berichtet, hier im Blog und in Sterne und Weltraum, Ausgabe Dezember 2008. Weitere Info zu diesem Ereignis gibt es auch in der Wikipedia.
Hier noch der Link zu einem Artikel aus dem New Scientist (englisch).
Ich habe da ja meine Zweifel…
In den aftrikanischen Wüsten liegen wahrscheinlich zigtausende Meteoritentrümmer herum, da verwittert ja nichts. Woher weiß man, dass es sich tatsächlich um einen rezenten Meteoriten handelt?
@Fischer
Zunächst einmal kennt man die Streuellipse, weil der Absturz durch einen Wettersatelliten beobachtet wurde und die Flugbahn des Asteroiden bekannt war. Das schränkt die Suche schon einmal sehr stark ein.
Mit Hilfe einer Radionuklidanalyse kann man herausfinden, wie lange das Material schon auf der Erde ist. Solange es im All von der Kosmischen Strahlung bombardiert wird, verändern sich gewisse Nuklide. Es sollte leicht festzustellen sein, ob die Steine erst seit einigen Monaten dort rumliegen oder schon seit vielen Jahren oder Jahrzehnten.
Eine Zusatzfrage:
Eine Zusatzfrage:
Wie erkennt man bei bestimmten “alten” Meteoriten, daß sie vom Mars kommen müssen?
@Karl Bednarik
Marsmeteorite unterscheiden sich in ihrer Mineralogie und chemischen Zusammensetzung signifikant von “normalen” Meteoriten. Einige bestehen aus magmatischem Gestein, müssen also an einem Ort entstanden sein, an dem es Vulkanismus gab. Das kann kein Asteroid gewesen sein, denn diese sind viel zu klein, als dass es dort Vulkane geben könnte.
Viele der als Mars-meteorite klassifizierten Meteorite sind darüber hinaus sehr viel jünger als die üblichen Meteorite (200 Millionen Jahre anstelle von mehreren Milliarden Jahren). Das deckt sich mit dem auf dem Mars bekennten aktiven Vulkanismus vor ähnlicher Zeit.
Außerdem hat man bei Marsmeteoriten Einschlüsse entdeckt, in denen die Gase enthalten waren, die denen der Marsatmosphäre entsprechen. Marsmeteorte stammen also von einem fertig entwickelten Planeten und sind daher ganz anders geartet, als Meteoriten von Asteroiden.
Sicher weiss man erst seit den Landemissionen der Marssonden, dass es sich bei bestimmten auf der Erde gefundenen Meteoriten um Marsmeteoriten handelt. Zuvor war ihre ungewöhnliche Zusammensetzung ein großes Rätsel.
Das ganze gilt übrigens ganz ähnlich auch für den Mond.