Wie viel Zeit das Bloggen kostet (SciLogs-Studie, Teil 2)

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Ich bin gestern auf der Rückfahrt von einem Podium über Wissenschaftskommunikation auf der 127. Versammlung der GDNÄ noch einmal etwas tiefer in die Ergebnisse der kleinen SciLogs-Studie eingestiegen, die ich im letzten Post vorstellte.

Eine wichtige Frage für jeden, der erwägt, ins (Wissenschafts-)Bloggen einzusteigen, lautet natürlich: Wie viel Zeit kostet mich das? Die 44 Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der von Merja Mahrt, Cornelius Puschmann und mir organisierten Studie geben eine Antwort darauf. Die meisten SciLogger – rund jeder vierte – investieren etwa zwei Stunden Arbeit in einen Post. (Wir hatten dazu die Frage gestellt, wie lange die Blogger an ihrem jeweils letzten Post gesessen hatten.)

 

FRAGE: Wie lange hast Du fur das Schreiben Deines letzten Blogbeitrags bei SciLogs etwa gebraucht? (Freie Angaben)

SciLogs-Studie 2012: Zeit pro Post

x-Achse: Angaben in Stunden; y-Achse: Prozent

 

Nun ist das Schreiben eines neuen Posts nicht alles. Ein guter Blog lebt von der Interaktion! Blogger studieren die Kommentare zu ihren Posts und greifen wiederum aktiv in die Diskussion ein: beantworten Nachfragen, parieren Kritik usw. Daher interessierte uns auch, wie viel Zeit die SciLoggerinnen und SciLogger insgesamt pro Durchschnittswoche in ihren Blog investieren. Die meisten machten hier bei „ein bis drei Stunden“ ihr Kreuz.

 

FRAGE: Wie viel Zeit verbringst Du in einer durchschnittlichen Woche alles in allem (inkl. Recherche, Kommentarpflege usw.) etwa mit Deinem Blog bei SciLogs? 

SciLogs-Studie 2012: Zeit fürs Bloggen pro Woche

x-Achse: Angaben in Stunden pro Woche; y-Achse: Prozent

 

Sehen diese Angaben zu niedrig aus, wenn man Sie mit denen oben vergleicht? Nein, hier liegt kein Widerspruch vor – denn längst nicht jeder Blogger postet wöchentlich oder häufiger.

Carsten Könneker

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Carsten Könneker Zu meiner Person: Ich habe Physik (Diplom 1998) sowie parallel Literaturwissenschaft, Philosophie und Kunstgeschichte (Master of Arts 1997) studiert – und erinnere mich noch lebhaft, wie sich Übungen in Elektrodynamik oder Hauptseminare über Literaturtheorie anfühlen. Das spannendste interdisziplinäre Projekt, das ich initiiert und mit meinen Kollegen von Spektrum der Wissenschaft aus der Taufe gehoben habe, sind die SciLogs, auf deren Seiten Sie gerade unterwegs sind.

3 Kommentare

  1. Schwere Fragen

    Ich würde zu diesen Ergebnissen gerne noch anmerken, dass mir die Beantwortung gerade dieser Zeitfragen nicht leicht fiel. Vermutlich bin ich nicht der einzige Bloggende, der seine Artikel nicht mir Stechuhr schreibt und deshalb die benötigte Zeit nur grob schätzen kann.

    Die Erste Frage bezog sich außerdem nicht auf einen typischen Blogbeitrag sondern auf den letzten. Das macht Sinn, weil die befragten sich an ihren jeweils letzten Beitrag sicher besser erinnern können und die Schätzung sicherer ausfällt. Es führt aber auch dazu, dass es die Stichprobe deutlich verkleinert. Jede/r Bloggende bewertet nur den Zeitaufwand eines einzelnen Beitrags.

    Ich würde der Erhebung des Zeitaufwandes nicht all zu viel Vertrauen schenken. Es ist eine große Schätzung, mehr nicht.

  2. @ Joachim

    Hi Joachim,
    danke für Deine wichtige Anmerkung. Sie macht auch noch einmal klar, dass diese kleine Studie keineswegs repräsentativ für “Wissenschaftsblogger allgemein” angesehen werden kann, aber das schrieb ich ja auch schon im 1. Post.

    Da es uns klar war, dass der LETZTE Post auch sehr ungewöhnlich gewesen sein könnte, was den eigenen Zeitaufwand der Blogger anbelangt, hatten wir noch eine Zusatzfrage eingebaut – vielleicht erinnerst Du Dich. Sie lautete: “Wenn Du mal an Deine Blogbeiträge bei SciLogs insgesamt denkst, wie typisch oder untypisch ist Dein letzter Beitrag bezogen auf die Vorbereitungszeit? Bitte gib an, wieviel Zeit mehr oder weniger Du normalerweise für einen Blogbeitrag brauchst.”

    Die Antworten sollten uns ein wenig ein Gefühl dafür geben, ob die Angaben “normal” waren oder Ausreißer nach oben oder unten. Auf diese Zusatzfrage antworteten die 44 Teilnehmer/innen so:

    Normalerweise “sehr viel mehr Zeit” in Vergleich zu ihrem LETZTEN Post brauchten demnach 2 Personen; eben so viele gaben das Gegenteil an (“sehr viel weniger Zeit”). Bei den Angaben zu “etwas weniger Zeit” und “etwas mehr Zeit” gab es einen kleinen Ausschlag in Richtung “mehr” (7 gegenüber 4 Nennungen); die meisten (17 Personen) sagten jedoch, sie bräuchten normalerweise “ungefähr genauso viel Zeit”.

    Ich denke, dass man mit diesem Zusatzbefund sagen kann, dass die Angaben recht verlässlich sind, jedenfalls was die 44 angeht.

    LG
    Carsten

  3. Re: schwere Fragen

    Wenn ich hier kurz ergänzen darf: Die Idee, nach dem letzten Ereignis zu fragen, in diesem Fall dem letzten Blogpost, ist, die Beantwortung einfacher zu machen, weil man sich, wie Joachim schon schrieb, meist besser erinnern kann. Zudem sollte die Antwort realistischer ausfallen, z.B. einem tatsächlichen Blogpost recht gut entsprechen. Wenn man Befragte bittet, durchschnittliche Werte zu schätzen, ist das erstens schwerer und zweitens auch unsicherer, was die Aussagekraft angeht.
    Wenn die Stichprobe hinreichend groß ist (könnte man bei 44 bezweifeln), sollte die Frage nach dem letzten Ereignis außerdem dazu führen, dass sich Abweichungen bei einzelnen Befragten im Mittel der Stichprobe ausgleichen. Die Frage nach dem letzten Vorkommnis soll sozusagen eine zufällige Auswahl von Ereignissen gewährleisten, deren Mittelwert dem “wahren” Mittelwert am besten entsprechen soll. (Ob er das tut, wird man nie erfahren, aber so weit zur Theorie.)
    Grüße aus Düsseldorf und auch an dieser Stelle noch mal vielen Dank bei allen, die sich an der Befragung beteiligt haben!

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