Papa Geisteswissenschaften

BLOG: GUTE STUBE

Salon der zwei Kulturen
GUTE STUBE

Als C.P. Snow 1959 die Debatte um die "zwei Kulturen" anstieß, stellte er den Naturwissenschaftlern die Gruppe der "literarisch Gebildeten" diametral gegenüber – ein Begriff, den deutsche Kommentatoren ohne Umschweife durch "die Geisteswissenschaftler" ersetzten.

In der Tat sind die Geisteswissenschaften eine ziemlich deutsche Errungenschaft, wenn auch durchaus mit den "humanities" des angloamerikanischen Unibetriebs vergleichbar. Ihr Erfinder ist der Philosoph und Psychologe Wilhelm Dilthey (1833-1911). Seine wichtigsten Werke – die "Einleitung in die Geisteswissenschaften" (1883), "Das Erlebnis und die Dichtung" (1906) sowie "Der Aufbau der geschichtlichen Welt in den Geisteswissenschaften" (1910) – stellen eine direkte Antwort auf den Boom der Naturwissenschaften im 19. Jahrhundert dar.

Dilthey, Sprössling einer calvinistischen Predigerfamilie in Wiesbaden, hatte im Fundament der Wissenschaft eine klaffende Lücke erspäht, die er stopfen wollte: Den Naturwissenschaften war von Immanuel Kant in der "Kritik der reinen Vernunft" (1781) längst eine wissenschaftstheoretische Basis gelegt worden. Nun suchte Dilthey dasselbe für die Geisteswissenschaften zu erreichen.

Seine Fundierung der Geisteswissenschaften fußt auf dem zentralen Begriff des Verstehens: Während die Naturwissenschaften für das Erklären von Gegenständen zuständig seien, obliege den Geisteswissenschaften das Verstehen. Ein zweites Gegensatzpaar in den Diltheyschen Schriften ist natürlich Geist-Natur. Dazu ein schönes Zitat: "Nur was der Geist geschaffen hat, versteht er. Die Natur, der Gegenstand der Naturwissenschaft, umfasst die unabhängig vom Wirken des Geistes hervorgebrachte Wirklichkeit."[1] Gegenstand der Geisteswissenschaften sei folglich "alles, dem der Mensch wirkend sein Gepräge aufgedrückt hat." Also sämtliche kulturellen Errungenschaften etwa.

Ich stehe auf Primärliteratur. Sie ist so schön ungefiltert. Daher ein noch längeres Original von Dilthey:

Wir bemächtigen uns dieser physischen Welt durch das Studium ihrer Gesetze. Diese Gesetze können nur gefunden werden, indem der Erlebnischarakter unserer Eindrücke von der Natur, (…) das lebendige Gefühl, in dem wir sie genießen, immer mehr zurücktritt hinter das abstrakte Auffassen derselben nach den Relationen von Raum, Zeit, Masse Bewegung. Alle diese Momente wirken dahin zusammen, dass der Mensch sich selbst ausschaltet, um aus seinen Eindrücken diesen großen Gegenstand Natur als eine Ordnung nach Gesetzen zu konstruieren. Sie wird dann dem Menschen zum Zentrum der Wirklichkeit. Aber derselbe Mensch wendet sich dann von ihr rückwärts zum Leben, zu sich selbst. Dieser Rückgang des Menschen in das Erlebnis, durch welches für ihn erst die Natur da ist, in das Leben, in dem allein Bedeutung, Wert und Zweck auftritt, ist die andere große Tendenz, welche die wissenschaftliche Arbeit bestimmt. Ein zweites Zentrum entsteht.[1]

 
Klingt logisch, oder? Zumindest aber systematisch, das müssen Sie zugeben. Doch der Teufel sitzt im Detail. Denn damals wie heute gab und gibt es "Dinge", deren Erklärung und Verstehen notwendig einen Konflikt heraufbeschwört. Paradebeispiel: das menschliche Bewusstsein, welches uns aus der Erste-Person-Perspektive ach so vertraut ist – dem man sich aber auch aus medizinisch-naturwissenschaftlicher Dritte-Person-Perspektive nähern kann. Zum Beispiel anhand der in manchen (streng geisteswissenschaftlich geprägten!) Kreisen fast verschrienen bildgebenden Verfahren.

Dilthey hielt es in dieser Frage übrigens mit dem Ignoramus et ignorabimus von Emil Heinrich du Bois-Reymond (1818-1896): Er erachtete eine naturwissenschaftliche Begründung des Bewusstseins als schlicht unmöglich. An dieser unüberwindbaren Grenze für die Naturwissenschaften, die sich ja nur mit "blinden Kräften" (Dilthey) befassen könnten, beginne eben der Kompetenzbereich der Geisteswissenschaften. Ähnlich äußerte sich zuletzt auch der Bonner Philosoph Wolfram Hogrebe in der Guten Stube: "Es gibt Verstehensgrenzen. Und das besagt: Der Mensch ist im Programm des Menschenmöglichen in eine Dimension hineingestellt, die kognitiv nicht ganz durchdringbar ist."

Der eine oder andere Hirnforscher sieht das freilich anders – und wird bei einer Stippvisite in der Guten Stube sicher keinen Hehl daraus machen…
 


[1] aus: Wilhelm Dilthey: Der Aufbau der geschichtlichen Welt in den Geisteswissenschaften, 1910. 

 

Carsten Könneker

Veröffentlicht von

Carsten Könneker Zu meiner Person: Ich habe Physik (Diplom 1998) sowie parallel Literaturwissenschaft, Philosophie und Kunstgeschichte (Master of Arts 1997) studiert – und erinnere mich noch lebhaft, wie sich Übungen in Elektrodynamik oder Hauptseminare über Literaturtheorie anfühlen. Das spannendste interdisziplinäre Projekt, das ich initiiert und mit meinen Kollegen von Spektrum der Wissenschaft aus der Taufe gehoben habe, sind die SciLogs, auf deren Seiten Sie gerade unterwegs sind.

10 Kommentare

  1. Ich bin kein Freund der Zwei-Welten-Lehre, die immer wieder auf Snows Thesen Bezug nimmt. Die Rede von den zwei Kulturen, erzeugt eher die Illusion einer klaren Trennlinie, unterschiedlicher Gegenstandsbereiche und Zugangsweisen. Danke freilich für das nette Dilthey-Zitat.

    Allerdings ist es freilich unabweisbar, daß sich Natur- und Geisteswissenschaften auch voneinander unterscheiden. In dem Zshg. fällt die Unterscheidung zwischen den nomothetischen und den sog. idiographischen Wissenschaften ein, die auf Wilhelm Windelband zurückgeht. Auch diese Begriffe sind in vielerlei Hinsicht schief – aber die Tatsache, daß der Fokus einer naturwissenschaftlichen Perspektive eher darauf gerichtet ist, allgemeine Gesetzmäßigkeiten festzustellen (Nomothetik), während das geisteswissenschaftliche Anliegen v.a. darin besteht, die Besonderheit bestimmter Phänomen beschreibend zu verstehen (Idiographie), ist unbestreitbar.

    D.h. die nomothetische Perspektive zielt auf Allgemeingültigkeit und somit auf eine Abstrahierung von (kulturellen) Kontexten. Die sozial- und geisteswissenschaftliche Perspektive will genau diese Kontexte darstellen und die beschriebenen Objekte in ihre Geschichte “einbetten”.

  2. *”Es gibt Verstehensgrenzen. Und das besagt: Der Mensch ist im Programm des Menschenmöglichen in eine Dimension hineingestellt, die kognitiv nicht ganz durchdringbar ist.”*
    Das sehen allerdings nicht nur Neurowissenschaften anders. In dieser Form ist das schlicht eine durch nichts gedeckte Behauptung – ein Glaubensbekenntnis.

    Das Verhältnis zwischen Geisteswissenschaften und Naturwissenschaften ist ein sehr seltsames: Im Grunde geben sie sich Gegenseitig die Rahmenbedingungen ihres Verstehens vor. Die Naturwissenschaft kann auf die theoretischen Grundlagen ihrer Methodik genauso wenig verzichten wie die Geisteswissenschaft auf Kenntnisse der Funktionsweise ihres Objekts.

    Aber es wird immer wieder versucht…

  3. Naturwissenschaften vs. Geisteswissenschaften

    Nach meiner Auffassung ist die Unterscheidung zwischen Naturwissenschaften und Geisteswissenschaften dadurch gerechtfertigt, dass sie sich mit zwei unterschiedlichen Gegenständen beschäftigen. Die Naturwissenschaften beschäftigen sich mit den Produkten der “Natur”, also mit dem, was unabhängig von uns existiert; die Geisteswissenschaften beschäftigen sich dagegen mit den Produkten des “Geistes”, also dem, was allein durch uns existiert, wie etwa Kunst, Religion, Moral, Recht und Politik.

    beschreiben und erklären die

  4. Naturwissenschaften und Geisteswissenschaften

    Dass sich Natur- und Geisteswissenschaften mit zwei verschiedenen Gegenständen beschäftigen, schließt freilich nicht aus, dass es gelegentlich Überschneidungen gibt. Das beste Beispiel hierfür sind sicherlich unser Bewusstsein sowie unser Denken, Fühlen und Handeln. Diese Überschneidungen führen leider oft zu “Kompetenzstreitigkeiten”, indem (einige) Naturwissenschaftler den Anspruch erheben, das menschliche Bewusstsein “besser” erklären zu können als die Geisteswissenschaften, während (einige? viele? vielleicht sogar sehr viele?) Geisteswissenschaftler darauf bestehen, dass sie dank des “Verstehens” einen viel angemesseneren Zugang zu den besagten Phänomenen hätten. Wie die anderen beiden Kommentatoren offenbar auch, sehe ich hier bestenfalls ein “Scheinproblem”. Nehmen wir Gefühle wie Mitleid, Neid oder Eifersucht. Für mich sind diese Gefühle erst dann zufriedenstellend “erklärt”, wenn wir sie nicht nur aus der Innenperspektive “verstehen”, sondern auch aus der Außenperspektive “erklären” können, wenn wir nicht nur wissen, wie sich Eifersucht “anfühlt”, sondern auch, warum wir überhaupt Eifersucht “empfinden” – und hier kommen selbstverständlich die Evolutionsbiologie, die Neurobiologie und die Neuroendokrinologie ins Spiel.

  5. Bewusstsein und H2O

    Witzigerweise hat Vinzenz Schönfelder bei den Brainlogs gerade ein ganz ähnliches Thema aufgespießt wie das hier diskutierte. Er schreibt, dass selbst bei physikalischen Phänomenen wie Temperatur oder der Beschaffenheit von Wasser unserem naturwissenschaftlichen “Verstehen” Grenzen gesetzt sind: http://www.brainlogs.de/…cht-l-cken-ein-nachtrag

  6. Man sollte vielleicht ein bisschen vorsichtig sein, den Bewusstseinsstreit als Beispiel einer Geisteswissenschaften vs. Naturwissenschaften Diskussion anzusehen. Von geisteswissenschaftlicher Seite aus ist es vor allem die allseits gehasste Wissenschaftstheorie, die ein Wörtchen mitzureden haben sollte. Die Bewusstseinsdebatte krankt ja seit Jahren daran, dass der Debatte kein einheitliches Begriffsgebäude zugrunde liegt. Definiere “Bewusstsein”! Definiere “frei”! Ohne so eine Klärung kann man ja kaum anders, als aneinander vorbeireden, wie es dann bei einem so allgemeinen Natur- vs. Geisteswissenschaften-Gesprächskreis passiert.

    Die Wissenschaftstheorie hört übrigens nicht bei Kant auf: Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelte sich ausgehend von Hugo Dingler der methodische Konstruktivismus, dessen Vertreter bis heute (Gethmann, Mittelstraß, Janich, …) an den “geisteswissenschaftlichen” also begrifflichen also methodischen Grundlagen der Naturwissenschaften arbeiten. Sehr engagiert ist dahingehend z.B. der Philosoph Nikos Psarros:
    http://www.psarros.info/nikos/downloads.html

  7. Unterschiedliche Begrifflichkeiten

    Den Hinweis auf die Notwendigkeit, Begriffe erst einmal zu klären, bevor man über “Bewusstsein”, “Freiheit” usw. diskutiert, kann ich nur ausdrücklich UNTERSTREICHEN. Dass das oft nicht geschieht und – schlimmer noch – sogar häufig ohne Klärung der Begriffe ÜBEREINANDER gesprochen wird, daran kranken die meisten “Dialoge” zwischen den Disziplinen. Das darf auch nicht überraschen: Für einen Literaturhistoriker z.B. ist “Gedächtnis” NATÜRLICH etwas anderes als für einen Neuropsychologen. Und das müssen beide Seiten erst einmal herausfinden und im Bewusstsein dieser Unterschiede den Dialog beginnen.

  8. Da gibt es aber noch einen gewichtigen Unterschied: Der Literaturwissenschaftler kann mit seinem Arbeitsgerät, der Sprache, zu einer Begriffsdefinition gelangen (wenn er philosophisch vorgeht). Der Neuropsychologe kann mit den Mitteln seiner Wissenschaft nicht definieren, was “Gedächtnis” ist.
    Alter Tobak. Man erinnere sich nur an Heideggers Feststellung: “Die Wissenschaft denkt nicht”. Wobei die Philosophie hier nicht zur Wissenschaft zählt.

  9. Geist und Materie

    Zum Thema Geist/Materie sollte man zunächst versuchen,das Problem der Verursachung, also wie der Geist die Materie beeinflussen kann, anzugehen, da hier wohl ein größerer Dissenz zwischen den Natur- und Geisteswissenschaften zu bestehen scheint. Solange der Geist sich aus sich selbst entstehend begreift, also immateriell gedacht wird, kann er nicht auf die Materie wirken, das ist die naturwissentschaftliche Erkenntnis. Infolgedessen muss man versuchen,den Geist anders zu begreifen.
    Ausgehend von der Beobachtung, dass ich mein Denken weder anstellen noch abstellen kann, ich also dem Denken unterliege, ist sicher der Schluss zulässig, dass “es denkt” in meinem Kopf, und ich das nur wahrnehme. Aber nicht nur das Denken selbst, sondern auch die Denkinhalte bzw. Gedanken kommen und gehen. Ebenso unterliege ich meinen Gefühlen, sei es als erregende Emotion oder auch als Warnung. Dazu kommen zeitweise unbewusste Vorgänge,die plötzlich präsent werden.
    Das dabei agierende Bewusstsein scheint mir eher ein fortdauernder Prozess des Bewusstmachens nicht präsenter Inhalte zu sein als ein statisches Sein. Hier scheint ein stets aktiver Mechanismus im Gehirn zu agieren, der ständig die relevanten Areale im Gehirn abfragt und verarbeitet.Bei diesem Modell ist also nicht der Geist selbst der Verursacher sondern der Mechanismus, der die geistigen bzw. gefühlsmäßigen Inhalte verarbeitet, etwa wie ein Computer seine Software benutzt. Zeitlich geht dieser Mechanismus dem Bewusstsein voraus, ist also Ursache, während im Prozess des Bewusstwerdens die geistigen Inhalte, also Prägungen, soziales Verhalten, Motivationen, Gelerntes etc.verarbeitet werden, also Gründe zum Zuge kommen. Neues entsteht dabei durch Kombination der Wissensinhalte und Kommunikation.
    Vielleicht sollten das Denken und seine Bedingungen künftig mehr Aufmerksamkeit in dieser Diskussion finden,da hier doch ein Konsens möglich erscheint. Möglicherweise helfen hier auch entsprechende Simulationsmodelle weiter.

  10. Die heute zur Entscheidung anstehenden Alternative ist eine ganz andere

    Als wissenschaftstheoretisch geschulter Arzt bin ich erstaunt zu lesen, WT werde heute “allseits gehasst”; so weit ist das mittlerweile gekommen? Ich habe WT als einzige Wissenschaftsdisziplin kennen gelernt, in der man konsequent und präzise zu denken übt – oder lernt, so nötig: sie zu hassen “spricht Bände”…

    Da ich vor 35 Jahren noch bei ihren Gründern studiert habe, kurz dieser ergänzende Hinweis: der Methodische Konstruktivismus ist in den 1960er Jahren von Wilhelm Kamlah und Paul Lorenzen in Erlangen entwickelt worden ist (weshalb ihr Kreis einen Zeit lang auch “Erlanger Schule” genannt wurde; Hugo Dingler spielt in ihr allenfalls die Rolle eines “geistigen Vaters”, da Lorenzen ihn noch persönlich kennen gelernt hatte und auch einige Ideen von ihm weiterführte). Als Gründungsdokument dieser Methodischen Philosophie kann die “Logische Propädeutik” von Kamlah und Lorenzen gelten, die 1967 erstmals erschien (und heute bei Metzler verlegt wird); als “Vorschule des vernünftigen Redens” wurde sie damals schnell und weithin bekannt. Janich (Marburg) hat diesen Ansatz mit Dirk Hartmann (heute Essen) zwei Jahrzehnte später zum Methodischen Kulturalismus weiterentwickelt. (Die Einträge zu den entsprechenden Stichworten in der deutschen Wikipedia informieren recht zuverlässig.)

    Das interessante daran: “Wissenschaften” werden hier einheitlich als Kulturleistung(en) begriffen und erst auf dieser Grundlage methodisch unterschieden. Damit ist nicht mehr nötig, sie von ihrem “Gegenstand” oder ihrer Methodik her zu bestimmen. Dabei relativieren sich auch Gegenüberstellungen wie die in den bisherigen Kommentaren genannten. Die Dichotomie von Erklären und Verstehen (E&V) beispielsweise kann seit 1976 von Oswald Schwemmer (heute Berlin) als überwunden gelten, der damals seine “Theorie der rationalen Erklärung – Zu den methodischen Grundlagen der Kulturwissenschaften” veröffentlichte.

    Die Diskussion ist heute entscheidend weiter. Darauf wird in dem Suhrkamp Reader stw 1770 von Dieter Sturma “Philosophie und Neurowissenschaften” hingewiesen. Cark Friedrich Gethmann greift dort nämlich in seinem Beitrag “Die Erfahrung der Handlungsurheberschaft und die Erkenntnisse der Neurowissenschaften” die Diskussion über unser Kausaldenken oder “Kausalmodell” auf, das sich als wissenschaftlich entscheidende Grundlage unseres Selbstverstehens oder unseres Selbstverständnisses herausgestellt hat, unseres Selbst- bzw. Menschenbilds also.

    Interessant ist, dass sich hier Psychologie und Philosophie “treffen” – und die Theologie beiseite steht. Es geht nämlich um die Beantwortung der Frage und Entscheidung folgender Alternative: sollen wir uns ähnlich wie die Helden der Ilias, deren “Götter” bestimmten, was sie taten, weiterhin wie Billardkugeln als von Anregungen und “Einflüssen” aller Art bis hin zu unseren eigenen Gedanken, die wir selbst (uns…) “machen”, bestimmt und gesteuert verstehen (“Anlassermodell”, kausalistisches Erklärungsparadigma); oder können und wollen wir uns wie Homer’s Odysseus zuerst als selbst agierende und von uns aus selbst bestimmte, als achtsam beobachtende, überlegt und entschlossen sowie zielorientiert und zweckmäßig planende und steuernde, kurz selbst/”bewusst” handelnde Menschen begreifen (Handlungstheorie)?

    Wie weit selbst in dieser Diskussion allerdings “das” Unbewusste reicht oder – in der schlichteren Ausdrucksweise des Volksmunds wie des historischen Buddha – simple “Unwissenheit”, kann daraus ersehen werden, dass selbst Wissenschaftler, die heute dezidiert ein “neues Menschenbild” fordern, in lediglich “neuem Gewand” die erste Uraltposition vertreten und als vermeintlich wissenschaftliche Alternative zu bewusstem und heute mehr denn je erforderlichen Denken vorschlagen, wie im “Apropos” dieses Kommentars hier kurz angesprochen wird.

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