Pro Geisteswissenschaften VII

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Salon der zwei Kulturen
GUTE STUBE

Heute zwei kontroverse Zitate zur Lage der Geschichtswissenschaft in Deutschland – von einem der exponiertesten Vertreter des Fachs, Ulrich Herbert. Auch er sprach auf der Berliner Veranstaltung zur Initiative "Pro Geisteswissenschaften": 

"Die deutsche Zeitgeschichte ist zu deutsch und bedarf konzeptionell wie personell dringend einer stärkeren Internationalisierung. Das bezieht sich auf die Themen der Forscherinnen und Forscher, auf ihre Kooperationspartner, auf die bezugsgebenden Communities, auf die Publikationssprachen."

"Die deutsche Zeitgeschichte bedarf dringend der trans- und internationalen Ausweitung. […] Sie wird sich methodisch erneuern und disziplinär erweitern müssen. Zugleich wird die zum Teil absurd scheinende Hochschätzung der Forschung und Geringschätzung der Lehre ausgeglichen werden müssen."   

(Ulrich Herbert, Professor am Historischen Seminar der Universität Freiburg, Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte)

 

Carsten Könneker

Veröffentlicht von

Carsten Könneker Zu meiner Person: Ich habe Physik (Diplom 1998) sowie parallel Literaturwissenschaft, Philosophie und Kunstgeschichte (Master of Arts 1997) studiert – und erinnere mich noch lebhaft, wie sich Übungen in Elektrodynamik oder Hauptseminare über Literaturtheorie anfühlen. Das spannendste interdisziplinäre Projekt, das ich initiiert und mit meinen Kollegen von Spektrum der Wissenschaft aus der Taufe gehoben habe, sind die SciLogs, auf deren Seiten Sie gerade unterwegs sind.

1 Kommentar

  1. Ausgerechnet Herbert

    Aber wenn Herbert sich für “Internationale Ausweitung” ausspricht, ist das nicht nur leerer Opportunismus, sondern eine Augenwischerei. Denn er ist ja nicht irgendein außen stehender Kommentator. Immerhin sitzt er auf einem unkündbaren Lehrstuhl und gilt als einer der besten Historiker der Gegenwart (dass er es tatsächlich ist, wage ich stark zu bezweifeln). Er hätte es also selbst in der Hand, internationaler zu forschen und zu fördern (angesichts seines Einflusses auf Stellenvergaben!). Aber was tat und tut er, der weitgehende Forscherfreiheit genießt, denn selbst?

    Herbert steht geradezu exemplarisch für die thematische Engstirnigkeit der deutschen Geschichtswissenschaft. Er gehört zu der großen Schar, der auf Deutschlands schlimmste Jahre fixierten Historiker, die alle anderen Epochen und Länder letztlich für unerheblich halten. Man schaue sich seine Publikationen an: Ein zeitlich (1933-45) und geographisch (Deutschland) beschämend enges Interessengebiet. Er gehört zu den unzähligen deutschen Historikern, die die Flut immer neuer Bücher über die nationalsozialistischen Verbrechen erzeugen.

    Es ist doch grotesk, wenn dieser Historiker die politisch korrekte Sprechblase von der Internationalisierung aufbläst. Er steht für all das, was er kritisiert: Vor allem für die verheerende Verengung des Blickes und den Mangel an einem epochen- und nationenübergreifenden Blick auf die Geschichte.

    Vor allem aber steht er für die Borniertheit einer Historikerzunft, die nur für ihre ideologisch verkrampften und durch Seilschaften verbundenen oder durch lächerliche Eitelkeiten verfeindeten Kollegen und Schüler schreibt. Ein Buch von Herbert und den meisten seiner Professoren-Kollegen zu lesen, ist kein Vergnügen für den literarisch anspruchsvollen Menschen.

    Herbert ist (gemeinsam vielleicht mit Götz Aly) außerdem die Speerspitze derjenigen deutschen Historiker, die an einem fest gefügten, offiziösen Geschichtsbild arbeiten, das keine wirklich freien Debatten mehr erlauben will. Das verhindern sie durch ihre Netzwerke, die meist auf alte 68-Cliquen zurückzuführen sind.

    Es ist kein gutes Indiz für den Zustand der deutschen Geschichtswissenschaft, dass Historiker wie Ulrich Herbert ihre renommiertesten Vertreter sind.

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