Pro Geisteswissenschaften IX

BLOG: GUTE STUBE

Salon der zwei Kulturen
GUTE STUBE

Der heutige Gedankenanstoß der Berliner Veranstaltung zur Initiative "Pro Geisteswissenschaften" entstammt noch einmal dem Vortrag von Michael Hagner: 

"Zu Recht stellt der Wissenschaftsrat in seinen […] 'Empfehlungen zur Entwicklung und Förderung der Geisteswissenschaften' fest, dass die ohnehin nicht allzu zahlreichen Stellen in der Wissenschaftsgeschichte gegenwärtig auch noch abgebaut werden, was im Widerspruch stehe zu ihrem Potenzial 'zur Integration geistes-, technik- und naturwissenschaftlicher Fragestellungen, dessen Bedeutung auch künftig weiter zunehmen wird.' Der Bedarf, so möchte man meinen, ist also vorhanden, und dennoch gestaltet sich die Integration viel schwieriger, als es auf den ersten Blick scheinen mag. Verbindungsbrücken zu bauen zwischen den Geistes- und den Naturwissenschaften ist eine gute Sache, aber was heißt das konkret? In erster Linie vermutlich, den Ansprüchen zweier Wissenschaftskulturen zu genügen. Gegenstand der Wissenschaftsgeschichte sind die Naturwissenschaften, und das bedeutet selbstverständlich, sich in der Sache auszukennen; doch ihre Methode, insbesondere die Art und Weise der Fragestellung, ist geisteswissenschaftlich."

(Michael Hagner, Professor für Wissenschaftsforschung an der ETH Zürich)

 

Carsten Könneker

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Carsten Könneker Zu meiner Person: Ich habe Physik (Diplom 1998) sowie parallel Literaturwissenschaft, Philosophie und Kunstgeschichte (Master of Arts 1997) studiert – und erinnere mich noch lebhaft, wie sich Übungen in Elektrodynamik oder Hauptseminare über Literaturtheorie anfühlen. Das spannendste interdisziplinäre Projekt, das ich initiiert und mit meinen Kollegen von Spektrum der Wissenschaft aus der Taufe gehoben habe, sind die SciLogs, auf deren Seiten Sie gerade unterwegs sind.

1 Kommentar

  1. Vielen Dank für Ihre Mühe 😉

    Jetzt möchte ich doch einmal die Kommentarfunktion nutzen und wenigstens zurückmelden, dass Ihre Mühe lohnt, denn ich verfolge Ihre Zusammenfassungen – jede Einzelne! -sehr interessiert.

    Als Erziehungswissenschaftlerin, welche viel Zeit auch in der Praxis verbracht hat, habe ich ein ambivalentes Verhältnis gegenüber meiner geisteswissenschaftlichen Mutterdisziplin.

    Wenn im Beitrag VIII als quasi alleinige Existenzsberechtigung, die Nachfrage an Geisteswissenschaftlern im Berufsleben, herhalten muss, dann ist dies doch recht wenig…..

    Die Vortragenden bleiben zu sehr an der Oberfläche. Umgangssprachlich würde man sagen, sie reden um den heißen Brei herum und es kommt nur noch “heiße” Luft heraus…Denn was heißt dies alles konkret? Welche echte Bedeutung haben die geäußerten Gedanken, wenn man versucht einen Bezug “Theorie – gelebte Realität – Praxis” herstellt? Was bleibt denn wirklich übrig – ich frage mich das immer wieder. Ist es nur ein Wortspiel?

    Eine Konstruktionskunst der Relationierung des Abstrakten mit dem Abstrakten und sonst nichts?

    Für mich ist es unbestritten, dass wir die Geisteswissenschaften brauchen. Auch eine geisteswissenschaftliche, hermeneutische Methodik. (Wie man dies z.B. schön am aktuellen Beitrag von Herrn Schleim erkennen kann – bei jenem Versuchsaufbau wäre eine vorherige “geisteswissenschaftlich” ausgerichtete Analyse hilfreich und sinnvoll gewesen.)

    Wenn ich die Angelegenheit aus der Sicht der geisteswissenschaftlich ausgerichteten Pädagogik sehe, dann wird hier das “Elfenbeinturmwesen” gepflegt. So wundert mich nicht (mehr), dass in der aktuellen Wissenschaftslandschaft die empirischen Wissenschaften beliebter sind und stärker nachgefragt werden.

    Denn mit geisteswissenschaftlichen Überlegungen kann der Praktiker sein Handeln zwar reflektieren, aber zur Steuerung braucht er Handlungswissen, welches in jener geisteswissenschaftlichen Abstraktionsebene offenbar nur noch als abstrakte und leere Worthülse existiert.

    Vielleicht ist mein Input für eine Diskussion gar nicht ausreichend, so mein bisheriger Gedanke…..und mein Kommentar hier hat ggf. gar keinen echten Anknüfungspunkt als meine subjektiven Voreinstellungen ? Dann bitte ich darum, mein “unpassendes” Kommentar wieder zu löschen.

    Was mich jedoch interessieren würde, wäre, wie Sie – mittendrin im Geschehen – die Dinge sehen und erleben ?

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