Pro Geisteswissenschaften IV

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Salon der zwei Kulturen
GUTE STUBE

Der Theologe Friedrich Wilhelm Graf geißelte bei der Eröffnungskonferenz "Pro Geisteswissenschaften" eine permanente Lamentierlaune deutscher Geisteswissenschaftler. Dazu zwei Zitate aus seinem Vortrag

"Deutsche Geisteswissenschaftler jammern gern. […] Depressionsrhetorik wird insbesondere kultiviert, wo man neiderfüllt auf die angeblich gigantischen Summen blickt, die ‘die Naturwissenschaftler’ im permanenten Ressourcenkampf erhielten und zunehmend ‘den Geisteswissenschaftlern’ wegnähmen. Um es gleich […] zu sagen: Ich halte die Krisenszenarien vom sogenannten ‘Bedeutungsverlust der Geisteswissenschaften’ für ebenso falsch wie die maßlose Selbstüberschätzung der eigenen gesellschaftlichen Relevanz […]."

"Nie zuvor wurden an deutschen Universitäten so viele Geistes- und Kulturwissenschaftler ausgebildet wie in den letzten vierzig Jahren. Wohl nirgends sonst in Europa, und vielleicht auch: in der Welt, werden vergleichbar große Mittel in geisteswissenschaftliche Grundlagenforschung investiert. Drei Viertel aller deutschen Geisteswissenschaftler finden einen ihren Kompetenzprofilen entsprechenden Arbeitsplatz. Krisenphänomene, die ich keineswegs leugne, lassen sich zu einem erheblichen Teil als nicht-intendierte Folgen der schnellen Expansion geisteswissenschaftlicher Lehre und Forschung seit den 1960er-Jahren deuten."   

(Friedrich Wilhelm Graf, Professor für Systematische Theologie und Ethik an der LMU München)

 

Carsten Könneker

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Carsten Könneker Zu meiner Person: Ich habe Physik (Diplom 1998) sowie parallel Literaturwissenschaft, Philosophie und Kunstgeschichte (Master of Arts 1997) studiert – und erinnere mich noch lebhaft, wie sich Übungen in Elektrodynamik oder Hauptseminare über Literaturtheorie anfühlen. Das spannendste interdisziplinäre Projekt, das ich initiiert und mit meinen Kollegen von Spektrum der Wissenschaft aus der Taufe gehoben habe, sind die SciLogs, auf deren Seiten Sie gerade unterwegs sind.

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