Das schrägste Nobelpreisträger-Interview aller Zeiten (1/3)

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Salon der zwei Kulturen
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Die klügste Insel der Welt – so darf sich Lindau dieser Tage getrost nennen. 59 Nobelpreisträger der Fächer Physik, Chemie sowie Medizin/Physiologie treffen bis Samstag auf 675 handverlesene Nachwuchsforscherinnen und -forscher aus der ganzen Welt. Das Programm besteht aus morgendlichen Plenarveranstaltungen in der großen Inselhalle sowie intimeren Vorträgen und Diskussionen an den Nachmittagen, die an verschiedenen Orten des idyllischen Bodensee-Städtchens stattfinden. Nirgends sonst auf der Welt dürfte der Draht für junge Talente zu den höchstdekorierten Wissenschaftlern unserer Zeit kürzer sein als hier. Das Motto lautet: 59 Nobelpreisträger – und ich. Ein Zupfen am Ärmel, und schon ist man im Gespräch.

Abseits des großen Geschehens, im Programmheft gar nicht aufgeführt, tagte heute Morgen eine ganz besondere Runde, und zwar im Restaurant gleich neben der Inselhalle. Moderiert von meinem nature-Kollegen Adam Rutherford, interviewte eine Combo aus 5 älteren Herren eine 6er-Truppe Doktoranden. Ja, Sie haben richtig gelesen: Es waren die 5 Nobelpreisträger, die den Jungforschern Fragen stellten, und ich hatte den Spaß, dabei Mäuschen zu spielen. Das ungewöhnliche Format, „Turning the Tables“ – am besten vielleicht mit „Rollentausch“ übersetzt –, war eine Glanzidee der Veranstalter, namentlich Christian Rapp, dem Kommunikationschef der Tagung: „Ein Experiment, das wir – wenn es gut läuft – im nächsten Jahr eventuell auf der großen Bühne wiederholen.“ Nur zu!

Nobelpreisträger-Tagung Lindau 2010 Laureaten interviewen Doktoranden

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Experten-Runde: Am Tischende Adam Rutherford (nature), links im Bild die Nobelpreisträger Kroto, Smoot, Mather, Giaever und Ciechanover (von hinten nach vorn), gegenüber die interviewten Doktoranden. 


Der Reiz des insgesamt 75-minütigen Frage-und-Antwort-Spielchens mit vertauschten Rollen
liegt auf der Hand. Einen Moderator hätte es da gar nicht gebraucht, das Gespräch entfaltete sich von selbst. (Adam hätte sich 2 Stunden vorher im Hotel also in Ruhe seinem Frühstück und mir als seinem Tischnachbar widmen können, anstatt über seinen mitgebrachten Notizen zu brüten.)

In den folgenden zwei Posts gehe ich auf einige Highlights dieses vielleicht ungewöhnlichsten Nobelpreisträger-Interviews aller Zeiten ein. An dieser Stelle seien aber schon einmal die Mannschaftsaufstellungen präsentiert:

Die „Journalisten“:
–    Harold W. Kroto (Chemie-Nobelpreis 1996)
–    George F. Smoot
–    John C. Mather (beide Physik 2006)
–    Ivar Giaever (Physik 1973) und
–    Aaron Ciechanover (Chemie 2004).

Die „Experten“:
–    Paul Rupar, Chemie-Postdoc an der University of Bristol
–    Baybars Kulebi, Astrophysiker und Doktorand am Astronomischen Recheninstitut Heidelberg
–    Inna Pertsovskaya, Doktorandin im Fach Neuroimmunologie in Barcelona
–    Carlo Alberto Ratti, frisch promovierter theoretischer Physiker aus Mailand
–    Benyam Kinde, MD/PhD Student an der Harvard University, sowie
–    Evans Boney, Doktorand in Chemie am California Institute of Technology

Nobelpreisträger-Tagung Lindau 2010 Laureaten interviewen Doktoranden

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Interviewten: Paul, Baybars, Inna, Carlo, Benyam und Evans (von links).

Weiter zu Teil 2 und Teil 3 dieses Beitrags.

 

Linktipp: http://lindau.nature.com

 

Carsten Könneker

Veröffentlicht von

Carsten Könneker Zu meiner Person: Ich habe Physik (Diplom 1998) sowie parallel Literaturwissenschaft, Philosophie und Kunstgeschichte (Master of Arts 1997) studiert – und erinnere mich noch lebhaft, wie sich Übungen in Elektrodynamik oder Hauptseminare über Literaturtheorie anfühlen. Das spannendste interdisziplinäre Projekt, das ich initiiert und mit meinen Kollegen von Spektrum der Wissenschaft aus der Taufe gehoben habe, sind die SciLogs, auf deren Seiten Sie gerade unterwegs sind.

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