Interdisziplinäre Wissenschaft

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Salon der zwei Kulturen
GUTE STUBE

Im Anschluss an den letzten Beitrag möchte ich heute ein paar Eindrücke von dem Symposium „Schlüsselthemen der Geisteswissenschaften. Expertisen für das 21. Jahrhundert“ geben, das vorgestern in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften zu Ende ging. Die Tagung hätte auch gut unter einer Überschrift wie „Interdisziplinäre Wissenschaft – Ziele, Probleme, Erfahrungsberichte“ firmieren können. Denn zahlreiche Vorträge und Diskussionen kreisten weniger um die Geisteswissenschaften und ihre "Schlüsselthemen" als solche, als um die Beiträge, welche Geisteswissenschaftler im Zusammenspiel mit Kollegen anderer Fächer leisten oder leisten könnten – angefangen bei Themen wie „Autonomie" und "Willensfreiheit“ bis hin zur Entwicklung von Landkarten für Handys und andere mobile Endgeräte.

Auch die Karrierechancen oder -barrieren für Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler, die an interdisziplinären Projekten arbeiten, standen wiederholt im Mittelpunkt. Ein wichtiger Punkt, denn immer noch erweisen sich zu viele interdisziplinär angelegte Dissertationen und Habilitationen eher als Hemmschuh auf dem Weg zu Professuren, wie es scheint.

Heute möchte ich zunächst einige zentrale Gedanken wiedergeben, die der Wissenschaftstheoretiker Yehuda Elkana, Rektor der Central European University in Budapest, in seinem die Tagung eröffnenden Vortrag „Humanities in the Face of Globalisation“ äußerte. Die Globalisierung stelle uns vor bislang unbekannte Probleme, deren Lösung nicht mehr innerhalb der Grenzen einzelner Disziplinen gelingen könne, da sie durchweg zu komplex, kontextabhängig, nichtlinear und nichtdeterminstisch seien. Als augenfälligste Beispiele nannte Elkana den Klimawandel, religiöse Konflikte sowie die Finanz- und Wirtschaftskrise.

Schon die Analyse, geschweige denn die Lösung derart vielschichtiger Probleme sei nur interdisziplinär möglich. Dabei genüge es nicht, Experten verschiedener Disziplinen in einen Raum zu sperren und zu hoffen, „dass ein Wunder geschieht“. Vielmehr müsse man früher ansetzen und schon die Ausbildung junger Akademiker interdisziplinär gestalten. Diese müssten zudem die Bereitschaft zu verantwortungsvollem Handeln erwerben (Elkana sprach von „concerned citizens“), bereit, auch in der Politik Karriere zu machen. Denn fatalerweise gebe es derzeit viel zu wenige Politiker mit der notwendigen intellektuellen Klasse, die brennenden Probleme der Gegenwart selbst anzugehen und zu guten Entscheidungen zu gelangen.

Zu meiner Überraschung gab sich Elkana sicher, dass die gegenwärtigen Krisen eine Entwicklung der Hochschulen in genau diese Richtung beflügle, so dass in zehn bis fünfzehn Jahren sogar die Unterscheidung von geistes-, sozial- und naturwissenschaftlichen Fakultäten hinfällig werde. Diesen Optimismus teile ich nicht.

In einer flankierenden Stellungnahme zu Elkanas Ausführungen nahm der Historiker Dan Diner von der Universität Leipzig folgende Gegenwartsdiagnose vor: Unsere Zeit sei eine Phase zahlreicher Krisen und Unwägbarkeiten. Konkret sprach Diner von einer „Schwellenzeit“ zwischen dem Ende des Kalten Krieges und einer noch ungewissen Zukunft. 1989 sei ein „superliberales Zeitalter“ angebrochen, das heute an vielen Stellen brüchig geworden sei und Zukunftsängste heraufbeschwöre. Als eine der bedeutendsten Aufgaben für die Wissenschaft erachtet Diner die „Neubestimmung von Säkularisation“.

Einen weiteren interessanten Beitrag machte der Sozialwissenschaftler und Spektrum-Autor Harald Welzer, der das Center for Interdisciplinary Memory Research in Essen leitet. Er berichtete über seine persönlichen Erfahrungen im interdisziplinären Dialog. Dabei kritisierte er zunächst die auf C.P. Snow zurückgehende Zwei-Kulturen-Theorie als wenig hilfreich, da sie eher eine self-fulfilling Prophecy darstelle als eine zutreffende Beschreibung und falsche gegenseitige Erwartungen nur noch weiter verfestige. In Wirklichkeit gestalte sich der Dialog zwischen verschiedenen Zweige oder Denkschulen innerhalb ein und derselben Disziplin oft viel schwieriger als zwischen völlig getrennten Disziplinen. Außerdem belege die Wissenschaftsgeschichte, dass einzelne Forscher die angebliche Barriere zwischen den „Kulturen“ immer erfolgreich überwanden und durch Vereinigung des Dialoges in ihrer Person zu bedeutenden neuen Ergebnissen gelangten. Als Beispiele führte Welzer Jean Piaget und Eric Kandel an.

Welzer ermunterte die ca. 200 anwesenden Geisteswissenschaftler, insbesondere auch auf Naturwissenschaftler zuzugehen. Diese seien „auch Menschen, und man kann mit ihnen Forschung machen.“

Interdisziplinäre Forschung werde entweder dann notwendig, wenn gesellschaftliche Entwicklungen sie erforderlich machten oder wenn einzelne Fächer bei bestimmten Problemen an ihre Grenzen stießen.

Neben konkreten neuen Ergebnissen und Fragestellungen befördere der interdisziplinäre Dialog auch die „Selbstaufklärung“: Durch die Beschäftigung mit dem „anderen“ erkenne man die Reichweiten und Grenzen der eigenen Methodik. Eine heiße Frage sei freilich, ob diese methodische Befruchtung später auch in die eigene Disziplin zurückgespeist werde – oder ob interdisziplinäre Projekte nicht auch häufig nur dazu herhalten Aufmerksamkeit zu erzielen.

 

Carsten Könneker

Veröffentlicht von

Carsten Könneker Zu meiner Person: Ich habe Physik (Diplom 1998) sowie parallel Literaturwissenschaft, Philosophie und Kunstgeschichte (Master of Arts 1997) studiert – und erinnere mich noch lebhaft, wie sich Übungen in Elektrodynamik oder Hauptseminare über Literaturtheorie anfühlen. Das spannendste interdisziplinäre Projekt, das ich initiiert und mit meinen Kollegen von Spektrum der Wissenschaft aus der Taufe gehoben habe, sind die SciLogs, auf deren Seiten Sie gerade unterwegs sind.

7 Kommentare

  1. “Welzer ermunterte die ca. 200 anwesenden Geisteswissenschaftler, insbesondere auch auf Naturwissenschaftler zuzugehen. Diese seien ‘auch Menschen, und man kann mit ihnen Forschung machen.’“

    Wow.

    Ich will doch mal hoffen, dass der Herr Welzer an dieser Stelle zwischen den Zeilen irgendwelche “Humormarker” hat durchscheinen lassen. Ansonsten wäre ich nämlich geneigt, beleidigt zu sein und am Geisteszustand des Geisteswissenschaftlers zu zweifeln.

    Den Vortrag von Elkana hätte ich gerne gehört, was Du von ihm berichtest, klingt meinen Ohren klug.

    Waren denn irgendwelche Naturwissenschaftler anwesend?

  2. So könnte es laufen

    Lieber Carsten,

    ich bin davon überzeugt, dass wir eine interdisziplinäre Wissenschaftskultur brauchen. Nicht nur, um die im Text angesprochenen Herausforderungen (Klimawandel, Finanzkrise etc.) angehen zu können, sondern auch um innerhalb einer Disziplin die verschiedenen Forschungsrichtungen zusammenzubringen (“Intradisziplinarität”). Ein Musterbeispiel dafür ist die Astronomie. Spätestens im Internationalen Jahr der Astronomie 2009 wird auch in weiten Teilen der Öffentlichkeit klar werden, dass die Astronomie eine Wissenschaft ist, die sehr diversifiziert ist: Physik der Sterne/der Galaxien/des interstellaren Mediums, Kosmologie, Kernphysik, Teilchenphysik, Plasmaphysik, Exobiologie, aber auch geisteswissenschaftliche Bereiche wie die Astronomiegeschichte, Astronomie in verschiedenen Kulturen und die Berührungspunkte von Astronomie und Astrologie sowie Astronomie und Religion – all das versammelt sich unter dem Dach der Astronomie. Und es ist in vielen Fällen sinnvoll, Experten zu diesen Fachrichtungen in den Dialog miteinander zu bringen.

    Der kritische Punkt dabei ist, dass es keinen Sinn macht, jeden mit jedem zusammenzubringen (was kann z.B. ein Stringtheoretiker mit einem Exobiologen besprechen?). Entweder die Wissenschaftler finden in Eigeninitiative (z.B. auf einer groß angelegten Konferenz – organisiert als Splinter-Meeting – mit der Möglichkeit Vorträge zu den einzelnen Themen zu hören) die Punkte, wo sich eine Kooperation anbietet. Oder es muss von außen bzw. einer höheren Ebene koordiniert werden, wer sich gezielt mit wem austauschen sollte, um einen Mehrwert zu generieren. Und genau auf dieser “Metaebene” bedarf es Allrounder, die breite Kenntnisse haben und die mit den Sprachen der unterschiedlichen Wissenschaftskulturen vertraut sind (Studienfächer könnten in diese Richtung verbreitert werden). Auch in der Politik ist eine solche Herangehensweise Erfolg versprechend – es wird ja auch in ähnlicher Weise praktiziert, muss aber noch gezielter angepackt und intensiviert werden, um die konkreten Krisen zu bewältigen.

    Aus der Praxiserfahrung (ich koordiniere ein Forschungsunternehmen, in dem Physiker unterschiedlichster Couleur vertreten sind) kann ich sagen, dass die meisten Wissenschaftler typischerweise jeder für sich “mit Scheuklappen” in ihrem Metier forschen. Das müssen sie um rasch voranzukommen und um erfolgreich zu sein – “aller Ballast an den Rändern des Expertenfachs muss über Bord geworfen werden”. Daher ist ein Wissenschaftler nicht unbedingt interessiert, Zeit in fachübergreifende oder fachferne Projekte zu investieren. Man muss den Wissenschaftlern konkret sagen können bzw. es muss ihnen selbst klar werden, worin der Gewinn/Mehrwert für sie besteht. Dann sind sie bereit, ein interdisziplinäres Projekt anzupacken. Das Forschungszentrum CERN macht uns mustergültig vor, wie interdisziplinäre Forschung als Wissenschaftskultur des Informationszeitalters im 21. Jahrhundert organisiert werden muss. So sollten wir weitere Forschungsinitiativen gestalten. Das erfordert aber auch den politischen Willen dazu, derartige Forschungszentren zu schaffen.

    Beste Grüße,
    Andreas

  3. @Helmut

    Zu Deiner Beruhigung: Herr Welzer sagte das mit einem sichtbaren Schmunzeln auf den Lippen!

    Naturwissenschaftler waren – ohne dass ich da jedes Gesicht gekannt hätte – allenfalls nur ganz wenige dabei. Unter den Vortragenden und Diskutanten war, meine ich, gar keiner. Aber das lag ja am Thema. Einmal meldete sich eine Biologin aus dem Publikum zu Wort. Sie sei erschüttert über die Art und Weise, wie hier diskutiert werde. Sie sei neugierig zu der Veranstaltung gekommen, aber frage sich nun allen Ernstes, wozu man Geisteswissenschaften überhaupt brauche. Ob die Antwort vom Podium, Geisteswissenschaften gäben Antwort auf drei Fragen, die jedes Kind einmal stelle – “Wer bin ich, woher komme ich, wohin gehe ich?” – die Dame zufrieden gestellt hat, ist nicht überliefert. Ich fürchte, kaum.

  4. @Andreas

    Vielen Dank für Deinen Kommentar. Na klar: Jeden mit jedem in Dialog zu bringen, ist unsinnig. (Mindestens so wie das “Einsperren” von Wissenschaftlern verschiedener Fächer in einen Raum, auf dass sie zu bahnbrechenden Erkenntnissen gelangen. Dieses Beispiel brachte ja Elkana.) Um mit seiner Arbeit und Karriere weiterzukommen, muss ein Wissenschaftler Scheuklappen haben, vieles ausblenden und sich nicht durch ablenken und aus der Bahn bringen lassen. Dennoch ist die Infragestellung der eigenen Arbeit durch andere Methoden und Problemstellungen natürlich mehr als nur eine inellektuelle Spielerei. Bei sehr komplexen Problemen oder wenn man bei der eigenen Arbeit an einen toten Punkt gelangt ist, ist Interdisziplinarität wahrscheinlich sogar unumgänglich. Darüber hinaus erlaubt sie eine wichtige Horizonterweiterung im Studium. Denn das muss doch mal ganz klar gesagt werden: Natürlich haben die meisten Schüler bis zum Abitur Mathe und Deutsch und Naturwissenschaften und Geschichte oder eine andere Geisteswissenschaft. ABER DAS IST ALLES NOCH KEINE WISSENSCHAFT. Das ist Entgegennahme von Wissen, welches die Lehrer bereitstellen. Mathematik an der Hochschule ist vom ersten Tag an etwas anderes, hat nichts mehr mit “Rechnen” zu tun. Und auch Germanistik ist längst nicht die Fortführung eines Deutsch-Leistungskurses an der Uni. Sprich: Das wissenschaftliche Arbeiten lernt man erst an der Hochschule. Dort aber gehört man einer bestimmten Fakultät an und bekommt nicht viel von dem mit, was andere treiben, welche Fragen sie stellen und wie sie sie angehen.

    Du schreibst: Da nicht jeder mit jedem sprechen und forschen kann, muss es von unabhängiger Warte aus Anreize geben, bei bestimmten Problemen gezielt Kollegen verschiedener Fächer zusammenzubringen. Genau!

    Du schreibst außerdem, dass die Politik genau dieses Denken auf der Metaebene bereits teilweise fördere. Woran denkst Du genau?

    Liebe Grüße in die KosmoLogs!

  5. @ Carsten

    Lieber Carsten,

    Danke für Deine Antwort. Du meinst, dass das was in der Schule gelehrt wird, noch keine Wissenschaft sei. Ich würde sogar noch weiter gehen und sagen, dass das noch für weite Teile der Hochschulzeit gilt. Beide Schularten lehren, was Wissenschaft bisher geleistet hat und wie Wissenschaft funktioniert – soll heißen Methoden. Richtig Wissenschaft betreibt man erst in den letzten Zügen eines Hochschulstudiums – bei der Diplom-/Magister-/Masterarbeit; und natürlich danach in der mehrjährigen Promotion. Hier wendet man die gelernten Methoden auf etwas Neues an – das ist Wissenschaft! In unbekanntes Terrain vorstoßen.

    Zu Deiner Frage: Nun, die Politik beteiligt sich ja an interdisziplinären Projekten oder initiiert diese. Ich denke da zum Beispiel an diverse “Klimagipfel” (die UN-Umweltkonferenzen der letzten Jahre) oder an die Exzellenzinitiative, die 2006 einige Projekte mit interdisziplinärem Charakter auslobte (u.a. unser Exzellenzcluster Universe) oder an den Teilchenbeschleuniger Large Hadron Collider (LHC) am CERN, den die Bundesrepublik als stärkster Geldgeber von allen beteiligten Ländern unterstützt.

    Mir wird ganz anders, wenn ich von den “Lösungen” zur derzeit um sich greifenden Finanz- und Wirtschaftskrise höre. Da glauben einige Politiker ganz ernsthaft, dass ich mir ein neues Auto kaufe weil ich dann mit 200 Euro bezuschusst werde; oder jede Familie soll pro Kind 100 Euro erhalten. Derlei Maßnahmen bewegen gar nichts, kosten aber ein Schweinegeld, wenn man es hochrechnet.
    Ich frage mich dann, weshalb man nicht einfach ein Forschungsprojekt à la LHC in Deutschland mit deutlich weniger Kosten (ein paar Milliarden, nicht 10 oder hunderte) auf den Weg bringt. Anträge zu vergleichbaren Forschungsprojekten gibt es zur Genüge.

    Ich prognostiziere mal die Folgen eines solchen Projekts: Vom damit einhergehenden Technologiewachstum profitieren je nach Thematik des geförderten Projekts extrem viele Branchen in Deutschland (Baubranche, Automobilbranche, optische Industrie, Halbleiterindustrie, Biotech etc.); lokal schafft ein solches Forschungszentrum Arbeitsplätze nicht nur für Wissenschaftler, sondern auch für viele sämtliche andere Industrien, weil die vielen Leute vor Ort Unterkünfte brauchen, mit Lebensmitteln versorgt werden müssen – schlichtweg konsumieren; ein neues Forschungszentrum lockt hochqualifizierte Fachkräfte aus dem Ausland an, die unsere deutsche Forschungsarbeit aufwerten und unseren Nachwuchs sowie unser Personal ausbilden – und zu guter letzt verdankt die Welt den wissenschaftlichen und technologischen Fortschritt einer Forschung made in Germany.
    Warum, frage ich mich, bietet man nicht den “Krisen” mit solchen Unternehmen die Stirn?

    Die Finanzkrise würde in Deutschland abgefangen werden, weil eine starke, lokale Wirtschaft einer Krise im Ausland gegenübersteht.
    Die Klimakrise könnte angegangen werden, weil vielleicht das neu gegründete, interdisziplinäre Forschungszentrum das Klima als Forschungsthema hätte.
    Eine Kriegskrise wäre indiskutabel, weil ich als Forschender oder handel treibender gar kein Interesse daran hätte.

    Ich bin Naturwissenschaftler und kein Politiker. Ich bin vielleicht zu idealistisch. Aber so ein Ansatz scheint mir doch Erfolg versprechender, als ein 100-Euro-Schein, den ich entweder in null komma nix verprasse oder spare, so dass nur die finanzkrisengebeutelten Banken etwas davon hätten und mit ihrer fragwürdigen Methodik die Finanzkrise noch mehr verschlimmern.

    Ich verstehe den Komos, aber die Welt verstehe ich manchmal nicht mehr.

    Beste Grüße,
    Andreas

  6. Politik

    “Ich verstehe den Komos, aber die Welt verstehe ich manchmal nicht mehr.” (Andreas Müller)

    Diesen Satz trage sich jeder in seine persönliche Liste geflügelter Worte ein. Was für ein Wort!

    Lieber Andreas, Deine Beispiele sind gut. Dennoch ist mein Eindruck, dass die Initiierung interdisziplinärer Projekte von der “Metaebene” aus realiter eher z.B. Stiftungen übernehmen als die Politik. Die GANZ großen Projekte (CERN, Exzellenzinitiative usw.) freilich können nur vom Staat oder von Staaten ins Leben gerufen werden. Aber im Kleinen (CERN mal beiseite) sehe ich eher Stiftungen am Werk, die nach entsprechenden Ausschreibungen interdisziplinäre Projekte fördern, für die sich sonst – innerhalb der ausgetretenen Trampelpfade – wohl niemand erwärmen würde.

    Deine Idee mit dem neuen wissenschaftlichen Großprojekt für Deutschland ans Stelle von vielen kleinen Maßnahmen eines Konjunkturpakets klingt gut. Wird aber allein schon daran – leider – scheitern, dass Wahljahr ist: Die politischen Enscheider suchen Kompromisse zwischen notwendigen Konjunktmaßnahmen einerseits und Wählergeschenken für möglichst viele andererseits. Den Politikern dürfte die Angst im Nacken sitzen, an den Urnen abgewatscht zu werden, wenn man das Geld einfach “den Professoren in den Rachen schmeißt”, um es mal auf Stammtischniveau zu formulieren. Da hören sich 100 Euro pro Kind erstmal fairer, durchdachter, besser an. Nur was die Nachhaltigkeit der jetzt beschlossenen Maßnahmen angeht … Du legst den Finger in die Wunde!

  7. @ Müller

    “Da glauben einige Politiker ganz ernsthaft, dass ich mir ein neues Auto kaufe weil ich dann mit 200 Euro bezuschusst werde;”

    Das ist ja vom Tisch. Nun gibt es eine “Abwrackprämie” von 2500 EUR. Allerdings soll diese nicht für einen bestimmten Zeitraum gelten, sondern es sollen wohl 1,5 Milliarden dafür zur Verfügung gestellt werden und wenn das aufgebraucht ist, gibt es nichts mehr. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Sinn des Ganzen ist der Autoindustrie unter die Arme zu greifen, da sie ein Jobmotor ist. Die Spezialindustrien für ein Forschungsprojekt bringen der Allgemeinwirtschaft wohl nicht so viel.

    Soweit die Theorie. Fachleute und der ADAC meinten, die Abwrackprämie würde wohl von Verbrechern im großen Stil ausgenutzt, indem sie Fahrzeugbriefe fälschen und die Prämie kassieren, Zudem würden die Bevölkerung nicht zu deutschen Autos, sondern zu der billigeren Konkurrenz greifen.

    So, das ist jetzt ganz schön weit weg vom ursprünglichen Thema. Wir können uns jetzt mal ganz geisteswissenschaftlich Gedanken über politische und gesellschaftliche Systeme machen. Warum wollen alle das Gute – sagen zumindest viele – und es kommt eher nachteiliges dabei heraus? 😉

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