Warum wir den Griechen helfen sollten

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Wie Wirtschaft und Ethik zusammenpassen
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Es geht hier nicht um Schuldenschnitt oder ähnliche technische Details. Sondern um die Frage: Müssen wir den Griechen helfen in ihrer Krise? Das ist eine politische und eine allgemein moralische Frage. Aber da es ja in erster Linie um wirtschaftliche Fragen geht, ist es eben auch ein Teil der Wirtschaftsethik.

Schlagen wir zunächst einmal in den alten Grundregeln nach. Die goldene Regel, in der einen oder anderen Form in fast jeder Religion verankert, lautet: Behandele andere so, wie du selbst auch behandelt werden willst. Der kategorische Imperativ von Kant ist eine etwas ausgefeiltere Formulierung dieser Regel, aber sagt, behaupte ich mal ganz respektlos, im Grunde nicht viel mehr: Handle so (verkürzt), dass deine Art zu handeln ein allgemeines Gesetz werden könnte.

Da fangen die Probleme schon an. Haben wir die Griechen schon einmal um Hilfe gebeten in einer vergleichsweise schwierigen Situation? Nicht dass ich wüsste. Würden wir Hilfe von ihnen erwarten? Wahrscheinlich nicht, allein schon, weil das Land viel zu klein wäre dazu. Aber haben wir von anderen Hilfe bekommen oder erwartet? Bekommen auf jeden Fall: von den Amerikanern nach dem Zweiten Weltkrieg. Damals haben die Deutschen nicht nur mit der Statistik geschummelt, sondern hatten einen Krieg und einen Massenmord auf dem Gewissen. Trotzdem haben die Amerikaner ihnen (also uns) geholfen, mit Care-Paketen, mit der Luftbrücke nach Berlin, und jahrzehntelang mit militärischem Beistand. Das hat Amerika auch in strategischem Eigeninteresse getan, hört man oft. Aber lassen wir das mal bei Seite: Wir hätten auch genügend eigene Interessen daran, dass Griechenland nicht zusammenbricht.

Eine zweite Fragestellung wäre: Sind wir den Griechen etwas schuldig? Da gibt es zwei Problemkreise. Einmal erinnern sich die Griechen noch sehr gute an die grausame Besatzungszeit im Zweiten Weltkrieg. Sind wir ihnen deswegen heute noch etwas schuldig? Da bin ich mir nicht sicher. Die meisten Deutschen, die heute leben, wurde nach dem Krieg geboren und hatten damit auch nichts zu tun. Ich bin schon für guten Geschichtsunterricht und auch dafür, sich zu den Schattenseiten der eigenen Geschichte zu bekennen. Aber eine unmittelbare Verpflichtung daraus ableiten? Für eine Weile ja, aber heute immer weniger, glaube ich.

Es gibt aber einen anderen, viel näher liegenden Punkt. Griechenland ist ja auch ein Opfer der Konstruktion des Euros: eine einzige Währung für viele unterschiedliche Länder. Man kann über den Euro grundsätzlich denken, wie man mag. Aber dass er zu großen wirtschaftlichen Spannungen in Europa – größer als von den meisten Experten (und von Journalisten wie mir) vorher erwartet – geführt hat, ist mittlerweile unbestritten. Und dass Griechenland wirtschaftlich und auch von seinen politischen Institutionen her nicht reif war für einen Beitritt, kann man auch kaum leugnen. Aber für dieses Projekt “Euro” und auch für den Beitritt Griechenland tragen alle Beteiligten Verantwortung. Und Deutschland als größtes Euroland besonders viel Verantwortung. Also aus der Perspektive heraus: Ja wir sollten den Griechen helfen.

Es gibt noch weitere ethische Ansätze. Zum Beispiel den von Adam Smith, der einfach von “moral sentiments”, oft als “ethische Gefühle” übersetzt, ausgegangen ist: von dem unbestreitbaren Fakt, dass Menschen für andere Menschen mitfühlen. Die Frage ist immer, wie weit und wie stark dieses Mitgefühl geht. Aber wenn man sich vor Augen führt, wie stark die normale griechische Bevölkerung schon unter der Krise leidet, sollte doch ein bisschen ethisches Gefühl zu verspüren sein. Norbert Hoerster hat diese ethischen Gefühle in seine Interessenethik eingepackt: Wir haben nicht nur egoistische, sondern auch altruistische Interessen.

Und damit sind wir wieder beim Ausgangspunkt, bei der Religion: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst, lehrt das Christentum (und auch schon das Judentum). Wer aber ist der Nächste? Ist das nur der wirklich der Nächste, also der, der mir sehr nah ist? Dann wäre es möglich, eine Menge Menschen einfach auszublenden. Die christliche Tradition sieht es anders. Und die Geschichte vom barmherzigen Samariter lehrt es anders: Der Samariter hat dem Juden, der unter Räuber geraten war, geholfen – obwohl sie nicht aus einem Volk waren. Der Nächste war hier einfach deswegen der Nächste, weil er in Not war.

Noch ein Argument zu helfen. Heißt “helfen” Großzügigkeit ohne jedes Maß? Nein, heißt es nicht. Aber dass Deutschland sich hier engagiert, ist grundsätzlich richtig.

Frank Wiebe

Veröffentlicht von

Ich habe Betriebswirtschaft in München und Philosophie an der Fernuni Hagen studiert, früher bei einer großen Bank gearbeitet, und bin seit über 20 Jahren Journalist beim Handelsblatt mit Spezialisierung auf Finanzthemen, davon fünf Jahre in New York und seit November 2017 in Frankfurt. Im Jahr 2013 habe ich das Buch „Wie fair sind Apple & Co?“ veröffentlicht.

14 Kommentare

  1. Fehler über Fehler und doch wahr

    Hallo,

    zunächst einmal macht man es sich zu einfach, wenn man die Goldene Regel mit dem kategorischen Imperativ gleichsetzt, denn zwischen ihnen besteht schon ein gewisser Unterschied – auch wenn hier im Text auf die “Respektlosigkeit” hingewiesen wurde. Desweiteren sind hier zahlreiche Rechtschreib- wie Grammatikfehler zu finden, die Sie als Journalisten eigentlich beschämen (sollten). Was das eigentliche Thema betrifft, so haben Sie alle wichtigen Punkte genannt und deshalb bin ich der Meinung, dass wir Griechenland weiterhin bzw. anders helfen sollten – alleine schon, weil wir eben alle Menschen sind. Das geht jedoch nicht durch Kürzung bis zum bitteren Ende, sondern durch Investition und Subvention – so wie es, wie sie richtigerweise erkannt haben, auch die Amerikaner damals mit Europa und damit Deutschland taten.

    MfG E. Renje

  2. Griechenland hört auf zu existieren

    Hilfe gibt es in ganz verschiedenen Formen,z.B. in Form eines zinslosen Kredits, in Form eines einmaligen Geschenks oder einer einmaligen Unterstützung um jemanden aus der Patsche zu helfen oder auch als Alimentierung/Stütze auf begrenzte oder auch unabsehbar lange Zeit.

    Leider kann Griechenland mit einem zinslosen Kredit oder einer Einmaleinlage nicht geholfen werden. Ganz anders als dazumal nach Kriegsende, als der Marshallplan und die Care-Pakete nur eine Überbrückung boten in der Phase des Wiederaufbaus. Wie ein Spiegel-Artikel vor ein paar Jahren das beleuchtet hat, ist die deutsche Nachkriegswirtschaft aber weniger durch den Marshallplan angeschoben worden, als vielmehr durch die Umwandlung von Firmen, die vorher für die Rüstungsindustrie gearbeitet haben in Firmen, die wieder den zivilen Markt belieferten. Mit anderen Worten: Deutschland war nach dem Krieg nur materiell zerstört, nicht aber was seine human resources anging. Die neuen Deutschen waren auch die alten Deutschen, was politisch vielleicht problematisch, wirtschaftlich aber keineswegs ein Nachteil war.

    Griechenland steht heute viel schlechter da als Deutschland nach dem Krieg. Nicht materiell zwar, aber in seinen Zukunftsaussichten als unabhängiger souveräner Staat, als Staat, der das Fortkommen seiner Bürger unterstützt und eine Identifikation des Bürgers mit dem Staat zulässt. Der Grund sind schwere strukturelle Defizite und eine Misswirtschaft über mehrere Jahrzehnte, die dazu geführt haben, dass Griechenland fast nichts mehr herstellt, was exportiert werden kann. Sogar das Olivenöl wird in Italien raffiniert.

    Dieser Hintergrund erklärt auch, warum in den griechischen Medien heute Nazi- und Germanenwitze und entsprechende Karikaturen mit Merkel und anderen deutschen Politikern die Seiten füllen. Denn den Griechen ist klar geworden, dass Griechenland aufgehört hat als souveräner Staat zu existieren und dass Europa, mit anderen Worten Deutschland, nun zwangsläufg ihr weiteres Schicksal bis ins kleinste bestimmen wird, angefangen von der Zahl der Staatsbeamten bis zur Organisation von Ministerien und sogar was das Lohnniveau in Staatsfirmen und Privatfirmen betrifft. Und leider ist absehbar, dass dies nicht nur heute im Jahr 2012 so sein wird, sondern auch noch im Jahr 2025. Dem Jahr in dem Griechenland frühestens wieder den Wohlstand des Jahres 2007 erreichen wird.

    Wenn Griechenland als ernstzunehmende Nation und nicht nur als EU-Protektorat weiter existieren will, dann würde ich ihm anraten aus dem Euroraum auszutreten. Das würde auch die Selbshilfekräfte wieder mobilisieren, einige griechische Produkte (z.B. den Tourismus) wieder konkurrenzfähig machen und die Souveränität des Staates wiederherstellen. Materiell wäre es allerdings zuerst einmal ein schwerer Einschnitt.

    Was ich hier über Griechenland geschrieben habe gilt teilweise auch für Portugal und andere PIIGS-Staaten.

    Bleiben die alle im Euro-Raum, so werden sie als finanziell Abhängige und wirtschaftlich unter dem Euroregime nicht mehr Konkurrenzfähige zwangwsläufig einen Grossteil ihrer Souveränität verlieren und innerhalb der EU zu einem Gebiet werden ähnlich den Südstaaten in den USA (vielleicht aber noch schlimmer).

  3. Aber….

    Herr Holzherr, Sie geben ja praktisch selbst zu, dass wir selbst auch an der Misere schuld sind, denn der Euro macht Griechenland & Co. deshalb zu schaffen, weil wir unseren Exportüberschuss mit Dumpinglöhnen über Jahre hinweg extremst gefördert haben. Das ist zwar für ein einzelnes Land – also uns – zunächst positiv, aber wir “erkaufen” es uns eben durch sozial und damit moralisch nicht vertretbaren Folgen und zwar auf zwei Seiten: einmal bei uns selbst im Land, indem wir nur Niedriglöhne zahlen bzw. erhalten und andererseits weil dadurch Länder wie Griechenland nicht konkurrenzfähig sind. Dasselbe passier im übrigen in Afrika, wo die EU als Gesamtheit eigene Produkte so stark subventioniert (ebenfalls unter dem Deckmantel der Hilfe), dass bspw. Landwirtschaften in Afrika nicht – im wahrsten Sinne des Wortes – überlebensfähig sind. Das könnte ich noch durch scheinbare Spenden in Form von Kleidung erweitern, die in einigen Fällen verkauft statt wirklich gespendet wird. Die Tatsachee, dass Fehler gemacht wurden, möchte ich aber nicht bestreiten, aber wir alle haben in dieser Sache Fehler gemacht. Man macht es sich zu einfach, Griechenland jetzt als alleinigen Schuldigen zu benennen und im Stich zu lassen. Deshalb wäre auch ein Ausstieg nicht richtig: vor einer Weile wurden mehrmals Rechnungen vorgeführt, die zeigen, dass uns ein Ausstieg mehr kostet als die sog. “Rettung”, die ich allerdings wiederum kritisch betrachte, denn sie zeigt ja keine Ergebnisse. Und: viel anders ist die Situation Griechelands mit der Deutschlands nach dem Krieg eigentlich nicht – sogar umgekehrt: in Deutschland war nach dem Krieg so gut wie nichts da, während in Griechenland alle überlebenswichtigen! “Einheiten” da sind, nur dass sie durch fehlerhafte Bedingungen und finanzielle Unterdrückung niedergemacht werden und genau das finde ich nicht richtig. Es wird quasi virtuell – denn in Zeiten von “digitalem” Geld ist es nichts anderes – unten gehalten. Ich könnte mich noch über die Vorgehensweise dieser sog. Rettungsschirme aufregen, aber das würde zu weit führen.

    MfG E. Renje

  4. Griechenlandfhilfe

    Findet tatsächlich Griechenlandhilfe statt oder helfen sich Politiker gegenseitig um etwas Zeit zu gewinnen bei der Frage, ob derart heterogone Wirtschaften wie zurzeit im EURO-System gebündelt, überhaupt in einem Währungsverbund, der länderspezifisch nicht ausreichend skaliert, zusammenpassen?

    Zudem: Fühlen sich die Griechen eigentlich gefolfen? Oder hilft man eher den Banken und anderen Haltern von Staatsanleihen, alles vor dem Hintergrund, dass der “Club Med” in einem unzureichend skalierenden EURO-System mittel- bis langfristig finanziell zusammenbrechen könnte?

    MFG
    Dr. Webbaer

  5. Folgen der aktuellen Politik der Rettung

    Bleiben die alle im Euro-Raum, so werden sie als finanziell Abhängige und wirtschaftlich unter dem Euroregime nicht mehr Konkurrenzfähige zwangwsläufig einen Grossteil ihrer Souveränität verlieren und innerhalb der EU zu einem Gebiet werden ähnlich den Südstaaten in den USA (vielleicht aber noch schlimmer).

    Die betroffenen Länder, die ihren Staatshaushalt nicht mehr in Ordnung halten können, wären nicht gezwungen Souveränität anzugeben, ein “Berlin, arm aber sexy”-Modell wäre denkbar und möglich, bei nie endenden Zahlungen; ein echter Länderfinanzausgleich also.

    Der Vergleich mit den Staaten ist insofern nicht stimmig, weil dort keine “Rettungs”-Maßnahmen kommen können. Man ist dort so schlau zu wissen, dass die Kompetivität des (wesentlich homogeneren) Staatenverbunds im Falle permanenter “Rerttung” entscheidend leiden würde. Insofern bleibt der Zitierte gebeten zu erklären, was gemeint war, sofern etwas gemeint war.

    MFG
    Dr. Webbaer

  6. @Dr. Webbaer Provinzialisierung der PIGS

    Ich muss ihnen teilweise recht geben: Griechenland und Portugal könnten (teilweise) souverän bleiben trotz Finanztransfer von Jahr zu Jahr – ähnlich wie eben Berlin (“arm, aber sexy”). Doch Berlin ist nicht im gleichem Sinn souverän wie ein Staat. Gestern war beispielsweise zu lesen, dass Griechenland im aktuellen Staatshaushalt eine zusätzliche Milliarde für die Armee spendiert hat, womit die Militärausgaben etwas höher waren als 2011. Ich kann mir nicht vorstellen, dass bei einem Finanztransfer von der EU nach Griechenland diese Art der Souveränität noch möglich wäre. Auch ein Vergleich mit den USA ist nicht möglich. Kalifornien hat soviel ich weiss keine eigene Armee.

    Ein ständiger Finanztransfer ist sowieso nur denkbar in einer viel engeren Union. Und eine solch engere Union würde die jetzt souveränen Staaten auf die gleiche Stufe stellen wie Bundesstaaten in den USA.

  7. Staatengruppen

    Ein ständiger Finanztransfer ist sowieso nur denkbar in einer viel engeren Union. Und eine solch engere Union würde die jetzt souveränen Staaten auf die gleiche Stufe stellen wie Bundesstaaten in den USA.

    Nach dem Scheitern der EU-Verfassung, ca. 2005, hätte sich der eine oder andere (bundesdeutsche) Politiker einmal überlegen können, ob da was zusammenwachsen soll und zusammenwächst, was auch derart zusammengewachsen zusammengehört. Doitscher Zentralismus und die bekannte doitsche Neigung Probleme solange nicht sehen bis sie unerträglich werden, wird hier eine Rolle gespielt haben, genauso wie die Zahlmeisterrolle D’s, die zwar allgemein und grundsätzlich durchaus gefiel, aber in Nachbarländern wie bspw. Polen, Tschechien und der Slowakei auch Abneigung generierte. Wenn D so dumm ist, was soll denn dann aus der Sache werden, so fragte man sich.

    Den Blog-Artikel mit seinen ‘alturistischen Interessen’ kann Dr. W denn auch nur dementsprechend einordnen. Solche Sichten generieren woanders Misstrauen, keinesfalls das angestrebte Vertrauen. Woanders will man nicht so werden und Zahli-Zahli [1] machen, gerade auch dort nicht, wo man es selbst nicht so hat.

    MFG
    Dr. Webbaer

    [1] natürlich nur ein Symptom grundsätzlich falscher Aufstellung, in den o.g. Staaten gibt es nur einen Brechreiz bei der Perspektive dauerhaft wohlhabendere südliche Ländern subventionieren zu dürfen – warum nicht ein freundliches und kompetitives Nebeneinander fragt man sich dort unter anderem…

  8. Die Irrelevanz der Moral

    Die nicht existierende Polarität “gut oder böse”, an die kleine Kinder von dummen Eltern, zweitklassige Filmregisseure, Schmalspur-Philosophen und Theologen glauben, hat schon viele unkritische Systemkritiker zu dem Denkfehler verleitet, dass die “Reichen und Mächtigen” dieser untergehenden Welt “gegen” die Natürliche Wirtschaftsordnung (Marktwirtschaft ohne Kapitalismus) wären und darum durch einen wie auch immer gearteten “Volksaufstand” dazu gedrängt werden müssten. Tatsächlich können sich diese Patienten aufgrund ihrer “gesellschaftlichen Position” aber nicht einmal ansatzweise in den eigentlichen Beginn der menschlichen Zivilisation hineindenken!

    Angenommen, Frau Dr. Merkel würde von der so genannten öffentlichen Meinung dazu gedrängt, in Deutschland ein allgemeines Bodennutzungsrecht sowie eine konstruktiv umlaufgesicherte Indexwährung einzuführen, um die “Finanzkrise” zu beenden. Die “mächtigste Frau der Welt” hätte keine blasse Ahnung, wie sie das praktisch umsetzen sollte, ohne dabei eine Katastrophe in der Katastrophe auszulösen, und sie würde auch keine studierten “Wirtschaftsexperten” finden, die sie in dieser Angelegenheit beraten könnten, weil die gesamte universitäre Volkswirtschaftslehre nur aus Denkfehlern besteht.

    Die Verwirklichung der Natürlichen Wirtschaftsordnung ist eine Frage des Bewusstseins und nicht des “politischen Klassenkampfes”. Das (noch) bestehende, kapitalistische System zerstört sich gegenwärtig von selbst. Es kommt allein darauf an, dass noch während des bevorstehenden globalen Zusammenbruchs “Der Weisheit letzter Schluss”, der nicht in Frage gestellt werden kann und über den es nichts zu “diskutieren” gibt, zuerst im Internet und dann auch in anderen Massenmedien soweit verbreitet wird, dass eine freiwirtschaftliche Geld- und Bodenreform in der Bundesrepublik Deutschland professionell durchgeführt werden kann, bevor die Weltwirtschaft ganz zusammenbricht. Weil Zinsgeld-Ökonomien (zivilisatorisches Mittelalter) gegenüber der Natürlichen Wirtschaftsordnung (echte Soziale Marktwirtschaft) in keiner Weise konkurrenzfähig sind, bleibt dem “Rest der Welt” dann gar keine andere Wahl mehr, als die Natürliche Wirtschaftsordnung ebenfalls zu verwirklichen.

    “…viele Erste werden Letzte sein…” Wer die folgende “Achterbahnfahrt fürs Gehirn” hinter sich hat, wird auch diese Weisheit verstehen können:

    http://opium-des-volkes.blogspot.com/…adies.html

  9. Dämlich

    Nachdem ich im RSS-Feed die ersten Wörter gelesen hatte, wollte ich eigentlich den Artikel in einem Kommentar zerlegen.

    Leider geht der Artikel so am Thema vorbei, daß ich mich einfach auf eine grundsätzlichere Position zurückziehe:

    1) Sollten wir den Griechen helfen? Natürlich sollten wir das, dafür den zweiten Weltkrieg zu bemühen ist auf sinnlose Weise dämlich wie überflüssig, daß man es nicht weiter zu kommentieren braucht.

    2) Wenn wir den Griechen helfen wollen, wie sollten wir das tun? Und schon hier ist der Punkt, an dem dem Autor wirtschaftswissenschaftlicher und -politischer Sachverstand helfen würde (von dem ja immerhin zugegeben wird, daß er nicht vorhanden ist, was wissenschaftlich fair ist).
    Die Antwort auf dei Frage lautet nämlich, man sollte sinnvoll helfen – und was sinnvoll ist, daß ist dann ja erst die spannende Frage.

    3) Wenn man aber – wie der Autor – ökonomisches Denken vermeiden will, kann man sich der Frage trotzdem annähern.
    Man könnte bspw. Fragen:
    – Ist es moralisch vertretbar, wenn die europäischen Staaten 100er Milliarden Euro (in der Summe geht es längst um diese Größenordnung, nicht Kredite wohlgemerkt, sondern Kosten) ausgeben, um einem relativ kleinen Schwellenland das Leben auf dem Niveau eines Erste Welt-Landes zu ermöglichen, wenn man mit einem Bruchteil des Geldes an anderen Orten der Welt viel grundsätzlichere Hilfe leisten könnte.
    – Ist es moralisch vertretbar, kleiner, schwächere und ärmere Länder (etwa Slowakei) zu zwingen, sich an einer solchen Hilfe zu beteiligen.
    – Hat sich nicht längst gezeigt, daß man in der Entwicklungshilfe statt “Fischen lieber Angeln” geben sollte, den Griechen als den Austritt aus dem Euro zu ermöglichen, den Aufbau (rechts-)staatlicher Strukturen beizubringen?
    – Usw. usw.

    Fazit: Die hier vertretene Meinung, daß man den Griechen helfen müssen und also man ruhig (“viel hilft viel”) Milliarden in ein zum Scheitern verurteiltes Konstrukt pumpen sollte, ist dämlich.

    Science Blogging. Pah!

  10. @E. Renje Helfen kann konservieren

    Zustimmung: Griechenland’s Misere ist auch Europas Misere und von andern EU-Staaten mitverschuldet.
    Ja, D exportiert so viel, weil es günstig produziert (Dumpinglöhne).
    Ja ein Ausstieg Griechenlands würde einigen EU Ländern – unter anderem ihren Banken – zu schaffen machen und das Euro-Projekt etwas in Frage stellen.
    Ja Europa überschwemmt zum Teil Afrika mit Überschussprodukten und zerstört so die lokalen Märkte.

    Allerdings ist nicht zu erwarten, dass aufgrund der Situation in Griechenland Deutschland seine Wirtschaftspolitik und seine Exportorientierung ändert. Dazu ist Griechenland dann doch zu unbedeutend und die Exportorientierung Deutschland allzu stark in den deutschen Genen verankert. Sie – die Exportorientierung Deutschlands – reicht zurück bis vor den 1. Weltkrieg. Zudem sind die Exporte nicht auf Europa beschränkt. D exportiert in alle Welt. Nach Frankreich, den USA, den Niederlanden und Grossbritannien kommt schon China als 5.grösster Handelspartner Deutschlands. Deutschland braucht tiefere Löhne als ein reines Dienstleistungsland, denn industrielle Produkte werden zunehmend auch in den Schwellenländern produziert und nur die Kombination von überlegener Technik und “vernünftigen” Preisen ermöglicht den Exporterfolg.

    Meiner Ansicht unterschätzen sie auch die strukturellen Probleme Griechenlands. Griechenland exportiert fast nichts und nach Berechnungen mehrer Ökonomen müssten die Löhne in Griechenland sehr viel niedriger sein damit es wieder konkurrenzfähig wird. In vielen Dingen ähnelt sich Griechenland nämlich den Balkanländern (Serbien, Kroatien etc), nur nicht in den Löhnen. Die sind in Griechenland viel höher und entsprechen nicht der tatsächlichen Leistungskraft der Wirtschaft.

    Der gute Wille zu helfen genügt nicht um auch wirklich hilfreich zu sein. Genau so wie die Exporte von Überschüssgütern nach Afrika den Afrikanern nur scheinbar helfen würden Finanztransfers zwar Löcher in der griechischen Kasse füllen aber sie würden die strukturellen Defizite nicht beseitigen. Diese muss Griechenland entweder selbst beheben oder aber es lässt sich von aussen restrukturieren – nach Vorgaben der EU-Troika und unter Mithilfe von deutschen Steuereintreibern und deutschen Restrukturieren. Für das Selbstbewusstsein der Griechen wäre das aber eine grosse Zumutung: Man stelle sich vor der griechische Premier müsste jeden morgen um 7 Uhr beim EU-Oberaufseher über Griechenland antraben um den Tagesbefehl in Empfang zu nehmen.

  11. Es sind ja…

    … nicht nur die Dumping-Löhne, die Griechenland zu schaffen machen. Das Land müßte grundsätzlich seine Finanzstrukturen umkrempeln. Rentenzahlungen an die erwachsenen und selbst erwerbstätigen Kinder von Verstorbenen gehören eingestellt. Steuern müssen rigoroser eingetrieben und der Filz aufgebrochen werden, Kapitalflucht und Geldwäsche strenger ermittelt und ggf. bestraft. Etc., etc.

    Mit reinen Sparmaßnahmen werden die Griechen nicht weit kommen. Damit hungern sie nur ausgerechnet diejenigen buchstäblich aus, die die Wirtschaft eigentlich wieder ankurbeln müßten.

    Was Griechenland in den letzten Jahrzehnten zum Fenster rausgeschmissen hat, bzw. was ihm da durch die Lappen gegangen ist, das zahlen jetzt die anderen Länder. Mag in erster Instanz OK und sogar ethisch geboten sein, aber es darf nicht so weitergehen.

    Wir mögen die moralische Verpflichtung haben, wenigstens zu versuchen zu helfen. Wenn sich das aber als Faß ohne Boden entpuppt, weil sich an den Ursachen nichts ändert, dann löst sich irgenwann auch diese moralische Verpflichtung in Luft auf.

  12. Was gerade passiert ist das Gegenteil einer Griechenland-Hilfe und eine reine Bankenhilfe.
    Bei einer Insolvenz koennte man zeigen, dass man solidarisch ist und die Griechen haetten eine Chance.

  13. Größenordnung

    Hilfe ist auch eine Frage der Größenordnung und des Nutzens für die Empfänger.
    Dem Normalbürger in Griechenland, würde es viel mehr Nutzen, wenn Arbeitsplätze entstehen. Der Euro lässt keine Anpassung der Arbeitkosten in Griechenland an den Weltmarkt zu. Den Nutzen der deutschen Rettungsschirmmilliarden haben wie auch bei der 300Mia. Rettung der Hypo-Real- Estate die Investoren, die diesen Institutionen zu hohen Zinsen Geld geliehen haben.
    300 Mia. bedeuten auch für ein reiches Land wie Deutschland ca. 4000 EUR pro Bürger. Das ist viel mehr, als das gesamte Lohn/Einkommensteueraufkommen (170Mia.) in 2011 in Deutschland. Und mit welchem Recht, solle man den Spanien-Investoren diese Subvention verweigern, wenn die Griecheninvestoren schon kassiert haben?

  14. Eurozone ohne Finanztransfer ==Todeszone

    Griechenland zu helfen in der Eurozone zu bleiben hilft nichts, denn die Griechen wären “draussen” viel besser dran.

    Doch auch Portugal, Irland, Spanien, ja sogar Italien sind durch den Euro in ihrer Wettbewerbsfähigkeit nicht gestärkt sondern eher geschwächt. Um unter den gegenwärtigen Umständen “drin” zu bleiben müssten diese Länder eine deutliche innere Abwertung durchlaufen. Sie wären dann näher beim Lohn- und Einkommensniveau der neu dazugekommen Ostländer (Slowakei etc.). Ein Austritt aus der Eurozone und die Wiedereinführung einer (abgewerteten) lokalen Währung hätte dagegen für die Krisenländer den Vorteil, dass Exporte verbilligt und Importe verteuert würden, was der eigenen Wirtschaft helfen würde.

    In der Eurozone bleiben können die Krisenländer nur wenn sie eine starke innere Abwertung (Lohn- und Einkommenssenkung, teilweise Preissenkung) durchsetzen, was aber auch bedeutet, dass sie ihre “Altschulden” nicht mehr zurückzahlen können.
    Zudem kommt eine funktionierende Währungsunion, die überstarke Ungleichgewichte vermeiden will letztlich nicht um Finanztransfers herum. Solche Finanztransfers sind bis zu einem gewissen Grad gerecht, denn starke Länder wie Deutschland, Schweden, Österreich profitieren vom für sie niedrigen Eurokurs. Ich würde eine realistische Höhe eines Finanztransfers von Deutschland in die Eurozone in der Höhe von 1 bis 2 % des deutschen Bruttoinlandprodukts sehen.

    Wer also für das Weiterbestehen der Eurozone ist, sollte sich auf 30 bis 60 Milliarden Euro Finanztransfer pro Jahr von Deutschland zu den übrigen Länder gefasst machen.
    Solche ein Finanztransfer ist Hilfe, auch wenn es keine Hilfe für Griechenland ist. Griechenland kann nur noch wenig geholfen werden.

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