Über “Purpose” und ähnliche Fremdwörter

BLOG: Gute Geschäfte

Wie Wirtschaft und Ethik zusammenpassen
Gute Geschäfte

Kern jeder Unternehmensethik ist immer wieder die Frage: Wozu ist ein Unternehmen da? Eine Vokabel, die dabei gerade in Mode kommt, ist “Purpose”.
Google übersetzt das auf Deutsch in erster Linie mit “Zweck”. Der Zweck eines Unternehmens wäre demnach, einen Zweck zu haben. Dann gibt es noch weitere Übersetzungen wie Ziel, Bestimmung, Absicht, Aufgabe, Wirkung und Entschlossenheit. Das alles hilft auch nicht weiter. Dass ein Unternehmen einen “Purpose” haben soll, besagt auf den ersten Blick nur, dass es besser nicht ohne Sinn und Verstand vor sich hinwurschtelt.

Aber natürlich ist die Sache nicht ganz so einfach. Aus dem Zusammenhang ergibt sich, dass mit “Purpose” gemeint ist, Unternehmen sollten nicht nur ihren vordergründigen, betriebswirtschaftlichen Zielen folgen. Sondern ein Autohersteller sich zum Beispiel einer möglichst guten und ökologischen Mobilität verschreiben. Ein Vermögensverwalter sich als Problemlöser für die Altersvorsorge sehen. Eine Bank als “Enabler” (“Ermöglicherin”) von Geschäften. Und so weiter.

Da ist sicher etwas dran. Allerdings liegt die Gefahr einer Selbststilisierung nahe. Allzu leicht entpuppen sich derartige Ansprüche an sich selbst als eine Art Edel-PR, hinter der sich nichts anderes verbirgt als ein ganz normales Unternehmen, das Gewinn macht. Dass viele Konzerne solche Töne anschlagen, hat allerdings gute Gründe. Sie wollen ihr gesellschaftliches Image verbessern – und attraktiv für junge Mitarbeiter sein, denen der Idealismus noch nicht ausgegangen ist.

Die Diskussion ist alt. Ein Chef einer Zigarettenfabrik sagte einmal, der einzige Zweck eines Unternehmens sei es, Arbeitsplätze zu schaffen. Die Förderung des Rauchens als “Purpose” wäre ja auch schwierig. Lange Zeit stand der Shareholer Value im Vordergrund. Zunächst entstand diese Idee, um den langfristigen Nutzen für die Aktionäre gegen kurzfristige Interessen des Managements in den Vordergrund zu bringen. Wer sieht, wie schlecht die Aktionäre der Deutschen Bank abschneiden und wie sehr sich deren Manager die Taschen vollmachen, erahnt, dass diese Idee gar nicht so falsch ist. Die Aktionäre machen nur leider zu wenig Druck auf die Bank, statt dessen verkaufen sie die Aktie – was den Kurs schwächt und wiederum zulasten der anderen Aktionäre geht.

Verantwortung für Umwelt und soziale Belange ist seit einiger Zeit auch wieder en vogue. Mittlerweile redet jeder davon – auch Leute, die eigentlich nicht daran glauben. Trotzdem ist dieses Engagement natürlich wertvoll, wenn es ernst gemeint ist.

Am Ende sind Unternehmen lebendige Organisationen. Sie haben eine Vielzahl von Zielen, und innerhalb der Unternehmen verfolgen Mitarbeiter auf allen Ebenen auch noch einmal verschiedene Ziele. Gerade bei kleineren Unternehmen ist die Chance groß, dass die Eigentümer den “Purpose”, oder wovon auch immer man reden will, vorleben. Bei großen Unternehmen können Diskussionen über dieses Thema hilfreich sein. Aber manchmal klingen sie auch recht hohl.

Bei alledem bleiben die betriebswirtschaftlichen Kennzahlen wichtig. Es ist schon besser, in einem Unternehmen zu arbeiten, das gutes Geld verdient.

Frank Wiebe

Veröffentlicht von

Ich habe Betriebswirtschaft in München und Philosophie an der Fernuni Hagen studiert, früher bei einer großen Bank gearbeitet, und bin seit über 20 Jahren Journalist beim Handelsblatt mit Spezialisierung auf Finanzthemen, davon fünf Jahre in New York und seit November 2017 in Frankfurt. Im Jahr 2013 habe ich das Buch „Wie fair sind Apple & Co?“ veröffentlicht.

7 Kommentare

  1. Aus technischem Wissen und Können, aus Begeisterung und Sendungsbewusstsein entstehen die großen Konzerne.
    Als Beispiel sei hier Toyota genannt, dessen Firmenchef ein Nachfahre der Gründer ist.
    “Toyoda Kiichirō war ein japanischer Industrieller und der Sohn von Toyoda Sakichi, dem Gründer der Toyoda Loom Works. Sein Vater Toyoda Sakichi veranlasste noch kurz vor seinem eigenen Tod seinen Sohn Toyoda Kiichirō, seinem Traum zu folgen und ein Automobilwerk aufzubauen.”
    Vor gleichen Ehrgeiz war auch Henry Ford besessen, mit dem Ziel preiswerte Autos zu bauen.

    In der Modebranche werden die Produkte unter den Namen ihrer “Firmengründer” verkauft. Wer von denen nur nach dem Gewinn schielte, der konnte sich nicht behaupten. Karl Lagefeld ging es nicht um Geld, der wollte die Männer besser anziehen.

    Konzerne, die keinen Firmenethos besitzen , die scheitern. Beispiel General Motors.Firmen ,
    Firmen, die sich der tradition verpflichtet fühlen, überleben, beispiel Harley Davidson.

  2. Letztendlich sind Unternehmen nur dazu da möglichst viel Gewinn für die Inhaber aus den Arbeitnehmern herauszuschlagen. Egal was sie sich für ein Image geben, Robert.

  3. Es ist schon erstaunlich, wie schnell Deutsch in Vergessenheit gerät. Purpose ist natürlich der Zweck. Und Zweck in einer Zigarettenfabrik ist natürlich die Herstellung von Zigaretten, in einer Fahrradfabrik die Herstellung von Fahrrädern, im Krankenhaus die Gesundung von Menschen und an der Universität die Ausbildung von Fachleuten und die Forschung. Es ist schlimm, wenn deutsche Menschen in ihrem Fachgebiet nur noch mit englischsprachigen Fachbegriffen argumentieren können. Manchmal habe ich den Eindruck, der Begriff ist nur eine leere Worthülse, deren Inhalt nicht bekannt ist. Shareholder value ist im übrigen der Aktienwert / Anteilswert. Kalt den Rücken runter läuft es mir, wenn ein Künstler heute keine Vorstellung mehr gibt, nein er “performt” heute. Arme deutsche Sprache !

  4. Uli Schoppe,
    der Gründergeneration bei Firmen ging es oft um ein Anliegen. Die haben sich in Schulden gestürzt, bis in die Nacht gearbeitet, die hatten einen Ethos.
    Den Erben fehlte schon dieser Ethos. Es gibt den Spruch:” Was du ererbst von deinen Vätern, erwirb es um es zu besitzen”.

    Bei den Kapitalgesellschaften, da trifft deine Einschätzung zu. Den Anteilseignern geht es um die Verzinsung ihres Kapitals, negativ formuliert, es geht um den Profit. Wie will man das ändern ? Wenn die Aktie keinen Gewinn abwirft, wird sie verkauft.

  5. Wer gründet ein Unternehmen und warum?
    Man sollte es von Anfang an denken und das kann man schon bei Adam Smith nachlesen. Der Bäcker steht mitten in der Nacht auf weil er Geld verdienen will und versorgt damit als Nebenzweck die Gesellschaft mit Brötchen. Es macht das selbstständig weiler mehr verdient und ein freieres Leben führt als unter Anstellung. Wann, im Verlauf eines Unternehmens vom kleinen Bäcker zum großen Backkonzern sollte sich daran etwas ändern und aus welchem Grund?
    Altruismus ist dabei im Grunde nichts anderes als die Aussicht auf mehr Gewinn bei marktgerechtem Verhalten und somit das Resultat von Marktanalysen. Man muss sich übrlegen, dass Unternehmer im Grunde genommen auch immer Konkurrenten haben, die, sofern man sie einfach machen lässt, schädlich für eigene Ziele sind und er daher auch rücksichtslos vorgehen können sollte.
    Wenn man natürlich Sozialisten fragt, dann sieht der Zweck eines Unternehmens geradezu gegenteilig aus. Der Gewinn ist nur interessant, wenn er dazu dient Arbeitsplätze, Waren und Dienstleistungen an der Gesellschaft bereit zu stellen. Der ausschlaggebende Faktor ist aber nur, dass Sozialisten eben keine Unternehmen gründen und sich daher in dieser Frage nicht nachhaltig durchsetzen können.

  6. Rein theoretisch haben Unternehmen der Wirtschaft den “Purpose” (‘pro’ + ‘ponere’ stecken hier drin), das Ziel, Mehrwert zu generieren und Teilhaber an dieser Gewinnung profitieren zu lassen.

    Weil es nun aber Menschen sind, die derartige Unternehmung betreiben, entsteht auch ein innerer “Purpose”, ein unternehmens-eigener, der bspw. den pfleglichen Umgang der Mitarbeiter untereinander wie auch den Umgang von Führungskräften mit Mitarbeitern anleitet, ihm einen Rahmen gibt.

    Unternehmenskultur, die auch mit Spielregeln verglichen werden kann, wie in einem gewöhnlichen Spiel sozusagen.

    Solle von der Kundschaft des Unternehmens ein besonderer “Purpose” angefordert sein, vom Markt letztendlich, ist das Unternehmen auch regelmäßig in der Lage diesem dann dritten “Purpose” zu entsprechen, zumindest in der Darstellung.
    Was am eigentlichen “Spielziel”, der Generierung von Mehrwert für Anteilseigner, nichts ändern muss.

    MFG
    Dr. Webbaer

  7. Wenn man natürlich Sozialisten fragt, dann sieht der Zweck eines Unternehmens geradezu gegenteilig aus. Der Gewinn ist nur interessant, wenn er dazu dient Arbeitsplätze, Waren und Dienstleistungen an der Gesellschaft bereit zu stellen. Der ausschlaggebende Faktor ist aber nur, dass Sozialisten eben keine Unternehmen gründen und sich daher in dieser Frage nicht nachhaltig durchsetzen können. [Kommentatorenkollege Jo Stritzelberger]

    Auch in Kollektivismen werden Unternehmen gegründet, sie funktionieren aber bei weitem nicht so gut, wie diejenigen, die in Liberalen Demokratien gegründet und betrieben werden, weil der innere Antrieb in der Ökonomie besonderen Erfolg zu haben fehlt bzw. weil es an ihm mangelt.

    Kollektivistische Unternehmensideologie ist insofern, im Vergleich, gescheitert, und es bringt auch nichts hier “Dritte Wege” zu suchen, allerdings, allerdings, verweist Dr. Webbaer gerne an dieser Stelle auf die “Chinesische Demokratie”, die auch unternehmerisch zu funktionieren scheint, hegt allerdings den Verdacht, dass unter der kommunistischen Fassade sog. Oligarchie oder Meritokratie herrscht, wenn es um das Geld geht.

    Derartige Oligarchie, vgl. auch mit dem Anarchokapitalismus, ist gefährlich.

    MFG
    Dr. Webbaer

Schreibe einen Kommentar