Transparenz!

Manche Leute meinen, der beste gute Vorsatz für ein neues Jahr sei, keine guten Vorsätze zu haben, weil man sie doch nicht einhält. Aber vielleicht ist ein noch besserer Ansatz, Vorsätze zu haben mit dem Vorsatz, sie auch zu einzuhalten.
Im Geschäftsleben ist der vielleicht wichtigste Vorsatz: Transparenz!
Transparenz hat mit Wahrheit zu tun. Mein Beruf hat durch den neulich aufgekommenen Spiegel-Skandal in dem Punkt wieder an Glaubwürdigkeit gelitten. Immerhin hat der Spiegel versucht, mit den erfundenen Geschichten seines “Star-Reporters” und dem gesamten Skandal in transparenter Weise umzugehen. Zur Transparenz in dem Fall gehört aber auch einzuräumen, dass Medien in einem Interessenkonflikt stecken, der schwer auszuräumen ist. Alle Medien, ob privat oder öffentlich finanziert, stecken in einem enormen Wettbewerb um Aufmerksamkeit, nicht nur untereinander, sondern zum Beispiel auch gegenüber Inhalten, die in sozialen Medien erzeugt werden. Gleichzeitig stecken wir in einem Wettbewerb um Glaubwürdigkeit. Die Hoffnung für unsere Branche ist, dass der Wettbewerb um Glaubwürdigkeit in den Vordergrund gegenüber dem um Aufmerksamkeit treten sollte. Langfristige Ziele vor kurzfristigem Erfolg: Dieser Imperativ gilt für Medien ebenso wie für andere Branchen, etwa die Banken.
Transparenz bedeutet nicht nur Fairness gegenüber Kunden, Mitarbeitern, der Öffentlichkeit. Häufig leiden Unternehmen auch an einem internen Mange an Transparenz und handeln sich dadurch enorme Risiken ein. Letztlich ist Transparenz daher eine Tugend, die nicht nur nach moralischen Grundsätzen, sondern auch zum eigenen Nutzen einen großen Wert besitzt.
Nehmen wir uns also vor, wo immer wir können, Transparenz zu fördern. Vielleicht hilft es ja doch …
Meinen Lesern wünsche ich ein gutes Jahr 2019.

Veröffentlicht von

Ich habe Betriebswirtschaft in München und Philosophie an der Fernuni Hagen studiert, früher bei einer großen Bank gearbeitet, und bin seit über 20 Jahren Journalist beim Handelsblatt mit Spezialisierung auf Finanzthemen, davon fünf Jahre in New York und seit November 2017 in Frankfurt. Im Jahr 2013 habe ich das Buch „Wie fair sind Apple & Co?“ veröffentlicht.

Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. FW
    Wahrheit und Wettbewerb kann man nicht unter den gleichen Hut bringen.
    Die deutsche Lösung von Öffentlichem Fernsehen und Privatfernsehen scheint gut zu funktionieren.
    Wahrheit gibt es immer nur, wenn die Privatinteressen unterdrückt werden.
    Was die Transparenz betrifft, die ist schon verwirklicht, durch das Internet. Nur gibt es da soviel Transparenz, dass man nicht weiß, welche die Richtige ist.

  2. Ich will ja nicht ironisch werden,aber ich habe Mitgefühl mit Journalisten die, wie jeder andere Bürger dieses Landes , ihre Lebenshaltungskosten auch finanzieren müssen. Sogesehen müssen sie, wie viele andere Arbeitnehmer auch, Kompromisse machen in dem Sinne, dass sie das, was sie eigentlich schreiben wollen,nicht schreiben können oder dürfen, da Chefs und andere Vorgesetzte von ihnen ihre maßgeschneiderte poltische Agenda haben wollen. Auch mit diesen Chefs habe ich Mitleid, da sie wiederum auch Vorgesetzte haben,die in Vorstandsetagen großer Konzerne sitzen bzw. lobbyistische Beziehungen zu lobbyistischen Politikern pflegen , die wiederum die Unterstützung einer bestimmten politische Agenda von ihnen verlangen.Und mit diesen wiederum könnte man auch Mitleid haben,da sie sich gern zu einem Kaffee ins Kanzleramt einladen lassen…
    Soviel Transparenz muss sein.

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