Meine persönliche Öko-Lebensbilanz

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Wie Wirtschaft und Ethik zusammenpassen
Gute Geschäfte

Gerade habe ich einen guten Spruch aufgeschnappt: Es gibt keine nachhaltigen Produkte, sondern nur einen nachhaltigen Lebensstil. Da stellt sich die Frage: Wie “nachhaltig” lebe ich denn? Hier eine kleine Chronik (vielleicht schon eine Vorübung für Facebook, wo Mark Zuckerberg ja am liebsten einen Lebenslauf von jedem “User” haben möchte).

Also: Ich habe in meinem Leben bisher vier Autos gekauft. Nicht viel mit 52, oder? Das letzte habe ich auch nur gekauft, weil jemand das Vorgängermodell geschrottet hat, sonst würde ich immer noch damit fahren. Außerdem fahre ich fast immer mit der Bahn zur Arbeit, wir haben als Familie mit vier Führerschein-Besitzern nur ein Auto. Und das stärkste Auto, das ich je hatte (das heutige), hat gerade mal 74 PS.

So weit so gut. Vor knapp zehn Jahren haben wir ein Haus gebaut. Kein Passivhausstandard oder sowas, aber Isolierputz. Auch keine Wärmepumpe, einfach nur einen modernen Gasbrenner. Weil das Haus unter Bäumen steht, haben wir auch keine Sonnen-Kollektoren für Warmwasser oder Strom. Das Haus hat also keinerlei Öko-Charme, jedenfalls keinen sichtbaren. Ich habe auch keine Ahnung, wie viel wir jedes Jahr verheizen, weil ich nie auf die Rechnung schaue. Bin da also nicht sehr öko-bewusst.

Dann gibt es noch das Thema Urlaub. Letztes Jahr waren das zwei kleine Reisen (Sauerland, Belgien) mit dem Auto, sonst nix. Beruflich fliege ich ab und zu – und ehrlich gesagt, auch ganz gerne. Nächstes Jahr habe ich eine Flugreise nach Israel geplant: Klar, damit ist für 2012 die Öko-Bilanz schon im Eimer. Aber mit dem Schiff dauert es so lange …

Und beim Essen? Ich gehöre zu den angeblich 50 Prozent der deutschen Bevölkerung, die eigentlich kein Fleisch essen wollen (oder wenigstens weniger) und es dann doch tun. Überhaupt, das mit dem weniger essen funktioniert irgendwie nicht … Natürlich trinken wir zu Hause meistens fairen Kaffee. Die Plörre, die im Büro aus dem Automaten kommt, ist garantiert nicht fair – nicht mal vom Geschmack her. Aber ohne schlechten Kaffee hält man den Stress halt nicht aus.

Zum Schluss noch das Thema Kleidung. Da lebe ich ganz schön nachhaltig, weil ich nämlich selten Lust habe, Klamotten zu kaufen. Ich besitze zum Beispiel ein helles Jackett, das in meinem Bewusstsein noch relativ neu ist. Neulich habe ich dann ein Foto gesehen, wo ich mit diesem Jackett drauf bin – und meine beiden Kinder, noch ziemlich klein. Die Kinder sind inzwischen erwachsen. Also in puncto Jacketts ist meine Nachhaltigkeit nicht zu toppen.

Alles in allem ist mein Lebensstil, nachhaltigkeitsmäßig besehen, wahrscheinlich durchschnittich bis ein bisschen besser als Durchschnitt – für deutsche Verhältnisse. Aber klar ist auch: Würden alle sieben Milliarden Menschen so leben, dann hätte uns der Klimawandel warscheinlich schon zum Verdampfen gebracht …

 

Frank Wiebe

Veröffentlicht von

Ich habe Betriebswirtschaft in München und Philosophie an der Fernuni Hagen studiert, früher bei einer großen Bank gearbeitet, und bin seit über 20 Jahren Journalist beim Handelsblatt mit Spezialisierung auf Finanzthemen, davon fünf Jahre in New York und seit November 2017 in Frankfurt. Im Jahr 2013 habe ich das Buch „Wie fair sind Apple & Co?“ veröffentlicht.

3 Kommentare

  1. nachhaltig

    Natürlich trinken wir zu Hause meistens fairen Kaffee.

    Wobei nicht der Kaffee an sich “fair” ist, sondern dessen Entwicklung, Produktion und Transport. Zumindest theoretisch, zur Nachhaltigkeit vielleicht noch: ‘Nachhaltig’ sind Maßnahmen, die Nachhaltigkeit bezieht sich idR auf Konzepte und dbzgl. Maßnahmen, wenn diese im Erfolgsfalls (!) nicht die Unternehmung an sich gefährden.

    Nur mal so als Beispiel: Führen Sie in einem Unternehmen bestimmte Maßnahmen durch, bspw. eine Expansion oder ein Rückbau, kann es passieren, dass der Erfolg dieser Maßnahme dem Unternehmen den Rest gibt. Im Erfolgsfalle fehlen bspw. sachliche und personelle Ressourcen oder KnowHow oder im Falle des Rückbaus unternehmerische Perspektiven.

    Übersetzt auf den Ökologismus, dieser hat ja die Nachhaltigkeit vor knapp zwei Jahrzehnten übersetzt als ‘Sustainability” gekapert [1], heißt das: “Nachhaltig” ist das, was im Einklang mit der Ökologie oder besser dem jeweils zeitgenössischen Ökologismus steht.

    Am “-imus” kommt mann hier nicht vorbei.

    Onkel Webbaer gibt Ihnen mal einen Tipp: Nachhaltig ist das, was funktioniert. Man kann’s ex ante erahnen (westlicher gerade auch klimabesorgter CO2-Reduktionismus funktioniert bspw. nicht, wg. mangelnder Teilnahme), aber am besten stellt man die Nachhaltigkeit ex post fest.

    Nachhaltigkeit ist insofern ein Rhetorikum. Machen Sie was Sie für richtig halten und adressieren Sie bevorzugt den Erfolg, einen guten Rutsch btw, eine “nachhaltige” Vorschau fehlt in diesem Punlikationssystem, ein gutes Neues!
    Dr. Webbaer

    [1] J. Fischer war’s, da kam mal so um 1993 etwas vielversprechend Klingendes, das sich dann aber doch im Sortieren und Verwalten auflöste…

  2. nachhaltig

    v2:

    Natürlich trinken wir zu Hause meistens fairen Kaffee.

    Wobei nicht der Kaffee an sich “fair” ist, sondern dessen Entwicklung, Produktion und Transport. Zumindest theoretisch, zur Nachhaltigkeit vielleicht noch: ‘Nachhaltig’ sind Maßnahmen, die Nachhaltigkeit bezieht sich idR auf Konzepte und dbzgl. Maßnahmen, wenn diese im Erfolgsfalls (!) nicht die Unternehmung an sich gefährden.

    Nur mal so als Beispiel: Führen Sie in einem Unternehmen bestimmte Maßnahmen durch, bspw. eine Expansion oder ein Rückbau, kann es passieren, dass der Erfolg dieser Maßnahme dem Unternehmen den Rest gibt. Im Erfolgsfalle fehlen bspw. sachliche und personelle Ressourcen oder KnowHow oder im Falle des Rückbaus unternehmerische Perspektiven.

    Übersetzt auf den Ökologismus, dieser hat ja die Nachhaltigkeit vor knapp zwei Jahrzehnten übersetzt als ‘Sustainability” gekapert [1], heißt das: “Nachhaltig” ist das, was im Einklang mit der Ökologie oder besser dem jeweils zeitgenössischen Ökologismus steht.

    Am “-imus” kommt mann hier nicht vorbei.

    Onkel Webbaer gibt Ihnen mal einen Tipp: Nachhaltig ist das, was funktioniert. Man kann’s ex ante erahnen (westlicher gerade auch klimabesorgter CO2-Reduktionismus funktioniert bspw. nicht, wg. mangelnder Teilnahme), aber am besten stellt man die Nachhaltigkeit ex post fest.

    Nachhaltigkeit ist insofern ein Rhetorikum. Machen Sie was Sie für richtig halten und adressieren Sie bevorzugt den Erfolg, einen guten Rutsch btw, eine “nachhaltige” Vorschau fehlt in diesem Publikationssystem, ein gutes Neues!
    Dr. Webbaer

    [1] J. Fischer war’s, da kam mal so um 1993 etwas vielversprechend Klingendes, das sich dann aber doch im Sortieren und Verwalten auflöste…

  3. Mit Lifestyle rettet man die Welt nicht

    Der Autor kann ein Gutes Gewissen haben – wenn auch kein sau-Gutes. Immerhin übertreibt er nichts und jagt uns Normalos keine Gewissensbisse ein ist er doch scheinbar selbst ein Normalo (ein bisschen auf der besseren Seite zwar schon).

    Doch was lehrt uns der letzte Satz?:

    Aber klar ist auch: Würden alle sieben Milliarden Menschen so leben, dann hätte uns der Klimawandel warscheinlich schon zum Verdampfen gebracht .

    Er lehrt uns sehr viel und hat grosse Konsequenzen: Sicher wollen wir allen 7 Milliarden Menschen ein Leben mit einem ähnlichen Standard zugestehen, den auch wir geniessen doch andererseits wollen wir doch nicht, dass die Tragfähigkeit der Erde überschritten wird und wir alle zusammen untergehen müssen.
    Die logische Folgerung kann nur sein, dass Lebenstiländerungen allein unseren Planeten nicht retten können – man kann sich einen fairen Planeten nicht kaufen.

    Es wird also nicht anders gehen, als dass wir Technologien entwickeln, die es vielen Menschen erlauben, ein Leben in Wohlstand zu leben ohne dass sie die Umwelt beinträchtigen. Das werden viele nicht gern hören, aber ich bin der festen Überzeugung, dass die 7 Milliarden, die jetzt leben, nur darum leben, weil uns Ackerbau, Viehzucht und Technologien wie die Nutzung der fossilen Rohstoffe das überhaupt ermöglichen. Und wir werden weitere, zum Teil noch kaum existierende Technologien benötigen, um es 7 oder 9 Milliarden Menschen zu ermöglichen in Wohlstand zu leben ohne die Erde zu zerstören.

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