Blutiges Fleisch

BLOG: Gute Geschäfte

Wie Wirtschaft und Ethik zusammenpassen
Gute Geschäfte

Als ich noch Schüler war, also vor deutlich mehr als 30 Jahren, erklärte mir die zwölfjährige Schwester eines Mitschülers, dass sie “aus politischen Gründen” kein Fleisch esse. Das hat mich so beeindruckt, dass ich es bis heute behalten habe – obwohl ich es damals gar nicht richtig verstanden habe.

Man kennt ja die einschlägigen Berichte über Tierhaltung. Neulich war wieder einer im Fernsehen – recht sachlich gemacht, keine übertriebenen Bilder. Das Team hat ganz offiziell bei “Wiesenhof” angefragt und durfte dort die riesige Halle mit Zigtausenden von Hühnern filmen. Oder einen Schweinemastbetrieb, der recht sauber und ordentlich aussah auf den ersten Blick, aber natürlich vollgestopft mit Schweinen. Ich hab so einen Stall auch schon mal selber gesehen.

Auf einer Norwegen-Reise vor ein paar Jahren sind mir in den idyllischen Fjorden immer wieder diese Käfige aufgefallen, die ins Meer gehängt waren. Wahrscheinlich Lachse das meiste davon, die sind ja inzwischen fast schon so verbreitet wie Brathähnchen. Das ekligste, was ich je gesehen habe, war ein Film über Haifische, denen die Flossen abgeschnitten werden (die in Fernost als Delikatesse gelten), danach wirft man sie blutend, lebend und hilflos zurück ins Meer.

Ich habe kein Problem damit, dass Tiere getötet werden um gegessen zu werden. Ich esse gerne Fleisch. Sogar Innereien: Dabei rede ich mir ein, dass sie ohnehin weggeworfen werden, wenn sie keiner mag. Seit ein paar Jahren achte ich wenigstens darauf, keine Hühnerbrüste solo mehr zu kaufen oder zu essen, weil der Rest vom Tier ja dann häufig nach Afrika exportiert wird und dort den heimischen Bauern die Preise verdirbt.

Schaut man die Sache von der philosophischen Seite an (und darum geht es ja eigentlich in diesem Blog), dann fällt auf, dass zumindest im angelsächsischen Raum Tier-Ethik oder die “Rechte” von Tieren eine wachsende Bedeutung hat. Es gibt Philosophen, die sogar einen besonderen Schutz für Groß-Affen fordern, weil die den Menschen so ähnlich seien. Und wer sich für Tiere interessiert und die entsprechenden Forschungen, stellt fest, dass man vielen heute weit mehr Intelligenz und Emotionalität zuspricht als früher. Anders gesagt: Wir sind ein bisschen schlauer und geschickter, aber so riesig groß ist der Unterschied gar nicht. Und diese Wesen verdonnern wir zu einem Leben, dass offensichtlich ein Graus ist?

Es gibt dann noch ein paar Spezialprobleme. Zum Beispiel die Überfischung der Meere. Und vor allem die Überfischung von Küstenregionen, die zu armen Ländern gehören. Die Leute dort können keinen Fisch mehr fangen, weil Trawler aus der EU alles abgesaugt haben. Die Alternative heißt dann: Flucht nach Europa, unter Lebensgefahr – oder Umstieg auf Piraterie. Und dann natürlich das Problem, dass die Fleischproduktion eine Unmenge an Flächen für den Futteranbau benötigt, auf denen man wesentlich mehr Menschen vegetarisch ernähne könnte (oder einen Teil einfach der Natur überlassen).

Rechnet man alles zusammen, so gibt es nur eine Konsequenz: Auf Fleisch und Fisch so weit wie möglich verzichten. Jedes Tier, dass nicht eingesperrt, mit Antibiotika vollgepumpt und in der eigenen Scheiße aufwachsen und sein kurzes Leben verbringen muss, ist ein Gewinn.

Aber, ganz ehrlich, leicht fällt mir es mir nicht, das umzusetzen.

Frank Wiebe

Veröffentlicht von

Ich habe Betriebswirtschaft in München und Philosophie an der Fernuni Hagen studiert, früher bei einer großen Bank gearbeitet, und bin seit über 20 Jahren Journalist beim Handelsblatt mit Spezialisierung auf Finanzthemen, davon fünf Jahre in New York und seit November 2017 in Frankfurt. Im Jahr 2013 habe ich das Buch „Wie fair sind Apple & Co?“ veröffentlicht.

22 Kommentare

  1. Hallo Herr Wiebe,

    Ihr Artikel fing ja wirklich gut an und streift auch ein paar bedenkenswerte Effekte. Schade, dass es beim Streifen bleibt. Leider setzen Sie sich dann am Ende “voll in die Scheiße”. Ich verrate Ihnen was: ob ein Tier in seiner eigenen Scheiße lebt, mit Antibiotika vollgepumpt wird oder eingesperrt (häh?) ist, hängt vom Management des verantwortlichen Landwirtes ab (und von der Haltungsform, Lebensmittelrecht usw.) Eingesperrt ist dabei grundsätzlich jedes Tier – auch, wenn es auf einer Wiese lebt.

    Und auch im Stall muss es den Tieren nicht zwangsläufig schlecht gehen (Ich gebe zu, dass ich die großen Mastanlagen auch mit Skepsis betrachte).

    Ja, es gibt immer wieder Landwirte, die ihren Job nicht raffen, aber die fliegen auch auf, während all die verantwortungsvollen Landwirte ungeachtet ihren Job machen (und zunehmend frustriert sind).

    Das mal als kleine Anmerkung.

  2. 1 x Affenhirn, frittiert

    Hi,
    Sie schreiben: “Es gibt Philosophen, die sogar einen besonderen Schutz für Groß-Affen fordern, weil die den Menschen so ähnlich seien.”

    Wieso “sogar”? Ausgewachsene Menschenaffen haben in Tests regelmäßig eine Intelligenz aufgewiesen, die der von 3-4 jährigen Kindern gleicht. Da ist es doch nicht soo ungewöhnlich, wenn überlegt oder gar gefordert wird, daß (mindestens) Menschenaffen ähnliche Rechte geniessen dürfen wie Kinder, also Menschen.
    Durchsetzen ließe sich dies bei Tieren in Gefangenschaft, wenn man den Tieren einen offiziellen Vormund zuweist, in dessen Verantwortung das Wohlergehen und die Durchsetzung der Rechte des Tieres liegt (wie eben bei -unmündigen- Kindern die Eltern/Erziehungsbereichtigten/Vormund).

    Interessant: Im Prinzip ist schon heute so, der Eigentümer eines Tieres ist prinzipiell verantwortlich, daß diesem kein Leid geschieht, und Tierquälerei ist strafbar! Da Tiere jedoch juristisch nur als Sache gehandhabt werden, ist Tierquälerei lediglich Sachbeschädigung.

    Da Menschenaffen hierzulande doch eher weniger auf dem Speiseplan stehen, spielt dieser Punkt scheinbar für das Thema ihres Artikels nur eine untergeordnete Rolle. Anders dagegen in manchen afrikanischen oder asiatischen Ländern. Erklären sie doch mal einem Orang-Utan, der die Zeichensprache beherrscht, daß er gleich gegessen wird. Auch, wenn das Ergebnis sicherlich interessant wäre, das Experiment selbst dürfte bereits unter Tierquälerei fallen.

  3. Grundsätzlich stimme ich dem Autor zu, dass Tiere, egal ob in der Natur oder im Stall, mehr sind als Nutzenbringer für den Menschen. Wie alle Lebewesen gehören sie sich zuerst einmal selbst.

    Allerdings hat sich das Schicksal der meisten Nutztiere in letzter Zeit nicht generell verschlechtert sondern eher verbessert. Sogar bei der Massenhaltung gibt es nicht mehr die Zustände, die vor 30 Jahren die Regel waren.

    Auch der Fleischkonsum ist in den USA und in Europa über längere Zeiträume gesehen leicht rückläufig (er scheint in D in den letzten 2 Jahren wegen dem wirtschafltichen Aufschwing etwas zugenommen zu haben).

    Eine gängige Meinung vertritt der Autor mit folgenden Sätzen:
    Und dann natürlich das Problem, dass die Fleischproduktion eine Unmenge an Flächen für den Futteranbau benötigt, auf denen man wesentlich mehr Menschen vegetarisch ernähren könnte (oder einen Teil einfach der Natur überlassen).

    Es stimmt schon, dass die Fleischproduktion 7 Mal soviel Input an Futtermitteln etc. benötigt als planzliche Nahrung. Doch die Bedeutung des Fleischkonsums wird von den meisten stark überschätzt: In den Industrieländern stammen weniger als 10% der zugeführten Kalorien aus Fleischprodukten, in den am schwächsten entwickelten Ländern sind es weniger als 4%. (Wie oft essen sie Pizza, Nudeln, Reis und wie oft Rind?)
    Wer frisst denn all das Getreide, wenn nicht die Rinder, Schafe und das Geflügel? Es sind unsere Autos. In den USA wird 2012 ersmals mehr an Autos verfüttert als an Nutztiere (Zitat Ethanol Takes Lead in Corn Consumption)
    For the first time ever, the amount of corn used to produce ethanol in the coming year will outpace corn used for livestock and poultry production, according to Ron Plain, University of Missouri agricultural economist.

    Die Autohaltung scheint also ebenfalls “menschlicher” zu werden. Heute gönnen wir dem Rostesel Treibstoff pflanzlichen Ursprungs, gestern noch war es nur schwarzes Geschmier, welches nun aber schwarzes Gold heisst.

  4. @ Peter

    Vielleicht sollten wir erstmal mit einem legitimen Vertreter der Menschenaffen diskutieren, welche Rechte sie für sich beanspruchen. Wir dürfen denen doch nicht einfach unsere Kultur überstülpen. Vielleicht haben sie beispielsweise kein so große Interesse an freier Meinungsäußerung?

  5. @schewe

    Ich weiß, dass es Landwirte gibt, die ordentlich arbeiten, ich bin sogar mit einem befreundet. Ich frage mich nur, ob es möglich ist, wirklich große Mengen Fleisch zu produzieren, ohne die Tiere dann doch in irgendeiner Form sehr stark einzuengen. Würden alle viel weniger essen, wäre das leichter, oder? Wir können ja auch nicht alle zum Bio-Bauern gehen, so viel Bio passt ja nicht mehr aufs Land …

  6. Entschuldigen Sie meinen etwas schroffen Ton, aber meine Schmerz-Grenze ist da mittlerweile etwas weit unten…

    Ob ein geringerer Fleischkonsum direkt zu besseren Haltungsbedingungen führt oder nicht doch erst zu einem Sterben kleinerer Betriebe, was dann wiederum größere begünstigt – das kann ich gerad nicht sagen, bin da nicht so der Wirtschaftsexperte. Ich weiß aber, dass teilweise Höfe durch Nachwuchsmangel aufgegeben werden und sich andere dafür vergrößern…Allerdings kenne ich mich mit Tierwohl-Problemen bekanntermaßen aus. Und da wird ja gerade bei Schweinen – ich bin da optimistisch, dass ich noch drüber blogge – fleißig an Beschäftigungsmodellen geforscht, sodass die Tiere auch geistig gefordert werden und somit auch in größeren Gruppen friedlich bleiben (sicher, ein paar Querulanten gibt es immer, die müssen dann individuell vom Landwirt ausgesondert werden).
    Bei Geflügel werden auch Haltungsformen entwickelt, die trotz großer Tierzahlen unter allen Gesichtspunkten das maximale Tierwohl im Blick haben (das Rondeel bspw. in Holland).

  7. @Martin Huhn

    Kann ein 3-jaehriges Kind von sich aus die Notwendigkeit erkennen, einen “legitimen Vertreter” aus seiner Gemeinschaft zu waehlen, der dessen, den Kinder selbst jedoch noch unbekannten, Rechte wahrnimmt?
    Ich denke nicht. Also erfordert es das Handeln und die Verantwortung derer, die die Intelligenz haben, eben ein erwachsener Mensch, der Vormund oder wie auch immer man die Person nennen mag.
    Es geht um die tatsaechlichen Beduerfnisse des Wesens fuer ein Leben in Wuerde. Hat ein Wesen die physischen und psychischen Voraussetzungen, ein Leben in Gefangenschaft als Qual zu empfinden, so muss Abhilfe geschaffen werden. Das kann beim Affen der Fall sein, bei Kuehen oder Schweinen habe ich (die entsprechende Tierhaltung vorausgesetzt) persoehnlich meine Zweifel – und daher auch keine Hemmungen, in ein saftiges Schnitzel zu beissen.

  8. @ Peter

    Wir können auch ein Neugeborenes mit einem ausgewachsenen Kaninchen vergleichen. Fragt sich nur, was das bringen soll.

    Ein Mensch ist ein Mensch und ein Affe ist ein Affe! Und am besten (meistens) leben Tiere in freier Wildbahn, aber deshalb benötigen sie noch längst keine Menschenrechte.

  9. @Martin Huhn

    “Und am besten (meistens) leben Tiere in freier Wildbahn, (…)”

    da stimme ich doch uneingeschränkt zu, und DORT brauchen Tiere auch ganz sicher keine Menschenrechte. Und am besten läßt man die Tiere dort auch ganz in Ruhe.

    Dummerweise wurde/wird das von Menschen in Vergangenheit und Gegenwart etwas anders gehandhabt – und nun gibt es massenweise eingesperrte Tiere, die in ihrer natürlichen Umgebung nicht (mehr) überleben würden. Hier sind die “Eigentümer” in der Verantwortung, für das Heute und für die Zukunft unnötige Qualen zu verhindern. Das dürfte beim Kaninchen nicht so schwierig sein.

    Wenn ein anderes Tier (eben z.B. ein Menschenaffe) jedoch auf einem gewissen Niveau klar manche Wünsche ausdrücken kann, so kann man dies nicht übergehen.

    Ich denke nicht, daß irgendjemand ernsthaft fordert, einem Tier mit dem Intellekt eines 3-jährigen Kindes uneingeschränkt alle dem Menschen gleichen Rechte zuzugestehen – genausowenig, wie ein unmündiges Kind bereits alle Rechte besitzt. Stattdessen werden dessen Rechte durch einen gesetzlichen Vertreter wahrgenommen, der über das Kindeswohl wacht.

    Und genau das halte ich auch bei einigen Tieren für angemessen: Daß sie (ungeachtet der bereits jetzt strafbaren Tierquälerei) nicht mehr bloß als Sache/Gegenstand betrachtet werden und daß sie durch einen mündigen und SACHKUNDIGEN Bürger vertreten werden müssen.

  10. Hühnchenbrüste, ARTE und Afrika

    @ Frank Wiebe schrieb:

    “Seit ein paar Jahren achte ich wenigstens darauf, keine Hühnerbrüste solo mehr zu kaufen oder zu essen, weil der Rest vom Tier ja dann häufig nach Afrika exportiert wird und dort den heimischen Bauern die Preise verdirbt.”

    Grundsätzlich sympathisiere ich mit Ihrem Bogpost und auch mit Ihren anderen Beiträgen. Aber die Geschichte mit den Hühnerbrüsten und den vielleicht sogar EU-subventionierten, nach Afrika exportierten (bei uns verwöhnten) Europäern nicht so beliebten Hühnerbestandteilen wurde gerade diese Woche in einer sehenswerten ARTE-Sendung thematisiert.

    Sind Sie tatsächlich so gut informiert oder haben Sie den ARTE-Beitrag gesehen und sind von dieser Sendung zu Ihrem Blogpost inspiriert worden?

  11. Kehrseite

    Die europäischen Hühnerbestandteile verderben afrikanischen Bauern die Preise.

    Die Kehrseite der Medaille ist:

    Die europäischen Hühnerbestandteile versorgen hungernde Afrikaner mit billigeren Proteinen.

  12. Herr Wiebe schreibt:

    “Es gibt Philosophen, die sogar einen besonderen Schutz für Groß-Affen fordern, weil die den Menschen so ähnlich seien.”

    Es ist nicht Aufgabe der Philosophie Forderungen zu stellen. Philosophie betrachtet ohne zu fordern. Philosophie ist eine Geisteswissenschaft, die keinen Anspruch auf Handlung erhebt, sondern auf Betrachtung.
    Tierschutz sollte nicht mit Philosophie verwechselt werden, da Philosophie passiv ist und Tierschutz aktiv.

  13. Hühnerteile für Afrika @Karl Bednarik

    Ich muss Ihnen leider vehement widersprechen. Wenn wir unsere Reste, die hier niemand essen will, zu Dumpingpreisen nach Afrika exportieren, dann machen wir dort die Leute arbeitslos, weil sie nichts mehr produzieren und verkaufen können. Die reichen Länder fördern so den Welthunger.
    Siehe auch: http://www.swr.de/…did=8803730/xr7tpe/index.html
    Und: http://www.youtube.com/watch?v=AeqeyP77s8g

  14. Hallo Mona,

    diese Meinung ist leider weit verbreitet, und sie hat ungefähr die folgende, unethische Bedeutung:

    Lassen wir einen Teil der Menschen verhungern, damit der andere Teil der Menschen ihre schlecht funktionierenden Produktionsmethoden beibehalten kann.

    Dass diese Produktionsmethoden schlecht funktionieren, das erkennt man daran, dass Menschen verhungern, weil sie sich einheimische Produkte nicht leisten können.

    Die Menschen kaufen ja nur deshalb ausländische Produkte, weil sie sich einheimische Produkte nicht leisten können.

  15. Hallo Mona, ein technischer Nachtrag:

    Zur Züchtung von 1 Kilogramm Hühnerfleisch benötigt man unter anderem etwa 3900 Liter oder Kilogramm Süsswasser.

    Nachdem in vielen Gebieten von Afrika ein Mangel an Süsswasser herrscht, könnten wir auch anstelle von 1 Kilogramm Hühnerfleisch 3900 Kilogramm Süsswasser nach Afrika versenden, damit man dort Hühnerfleisch produzieren kann.

    Das würde aber den Energiebedarf für den Transport deutlich erhöhen.

    Nachdem in Mittel- und Nordeuropa mehr Süsswasser vorhanden ist, als von uns benötigt wird, ist es sowohl technisch als auch ethisch für alle Menschen besser, das Hühnerfleisch in Europa zu produzieren.

  16. Hallo Mona, zweiter technischer Nachtrag

    Hitzesterilisierte Konservendosen mit Hühnerfleisch sind jahrelang ohne Kühlung und Konservierungsstoffe haltbar, und benötigen nur wenig Energie für die Zubereitung beim Verbraucher.

    Tiefkühlprodukte sind für die Entwicklungsländer nicht so gut geeignet.

  17. Noch mehr Hühner @Karl Bednarik

    Ich verstehe was Sie meinen. Natürlich ist das Hühnerfleisch aus der EU um fast 20 Prozent billiger als lokales, aber “über 80 Prozent dieser Hühnerteile sind so mit Salmonellen und Mikroben verseucht, dass sie zum Verzehr ungeeignet sind.”

    Anstatt Afrika mit minderwertigen und gesundheitsschädlichen Hühnerteilen zu versorgen, wäre es besser, wenn sich die Länder dort aus eigener Kraft anständig versorgen könnten. Denn “Die Folgen für die Bauern sind katastrophal: Während sie noch vor wenigen Jahren 80 Prozent des Fleischbedarfes selbst produzierten, sind es heute nur noch drei Prozent. Viele wurden arbeitslos und sind zudem hoch verschuldet, weil sie für neues Futter hohe Kredite aufnehmen mussten.”
    Quelle: http://zeitgemaess.unsere-mission.de/….80.0.html

    Viele der neuen Arbeitslosen werden sich in Zukunft auch die Billighühner aus der EU nicht mehr leisten können. Wäre es da nicht besser, wenn man ihnen helfen würde ihre Produktionsmethoden zu verbesser, anstatt sie weiter in Abhängigkeit zu halten? Während auf der einen Seite Milliarden von Steuergeldern als Entwicklungshilfe nach Afrika fliesen um dort Projekte zur Selbstversorgung anzuschieben, macht man durch die exportierten Hühnerteile diese wieder kaputt. Nutznießer dieser Entwicklung sind aber nicht die Afrikaner, sondern ein paar große Hühnerzuchtbetriebe aus dem Ausland.

    Zum technischen Nachtrag Nr.1:
    Ihre Rechnung geht nicht ganz auf, weil es sich dabei um “industriell” hergestelltes Hühnerfleisch handelt. Afrikanische Bauern, die ein paar Hühner zur Eigenversorgung im Hof rumpicken lassen, die haben natürlich auf einen viel geringeren Wasserverbrauch.

    Außerdem kommt bei den Exporthühnern noch die enorme Energieverschwendung bezüglich des Transportes dazu. Regionale Erzeugnisse sind von daher besser, als Hühnerteile die eingeflogen werden und dann noch kilometerweit mit dem Lastwagen transportiert werden müssen.

    Zum technischen Nachtrag Nr.2

    Ja, damit ließe sich zumindest das Gammelfleischproblem lösen.

  18. @geoman

    Ich habe den Arte-Bericht gesehen – erwähne den ja auch in meinem Blog. Die Sache mit den Hühnchenteilen für Afrika habe ich aber vorher schon häufiger gelesen und versuche, mich daran zu halten. Das Argument, dass dort zum Teil Wassermangel herrscht, ist natürlich auch interessant, ebenso wie die Tatsache, dass in vielen Schwellenländern die heimische Landwirtschaft gar nicht mehr die rasch wachsende Stadtbevölkerung ernähren kann. Aber ich glaube, es ist doch wichtig, die lokale Landwirtschaft so weit wie möglich zu schützen, sonst gerät das betreffende Land völlig in Abhängigkeit von Hilfslieferungen.

  19. @schewe

    HAllo Herr Schewe,

    habe Ihren Beitrag im Bauernblog 2050 ausgegoogelt, der vertritt ja zumindest auch ein bisschen die These, dass manches für weniger Fleischkonsum spricht. Die Hinweise auf neue Haltungsmethoden finde ich aber sehr spannend …

  20. Persönliche Anstrengungen sind Illusion

    Mit dem ca. 50 bis 60 Milliarden EURO mächtige Agrarbudget werden nach meiner Einschätzung alle persönlichen Anstrengungen durch einen verantwortungsvollen Lebensmittelkonsum Masttieren ein besseres Leben zu ermöglichen oder gerechtere Märkte oder Marktbedingungen in Afrika oder anderswo zu schaffen, nachhaltig plattgewalzt.

    Die bequem am Tropf der EU hängende Landwirtschaft vergiftet unsere Lebensräume, vernichtet mühsam durch Entwicklungshilfe aufgebaute landwirtschaftliche Kleinbetriebe in ärmeren oder ärmsten Ländern und mästet Tiere unter unwürdigsten Bedingungen.

    Dies alles ist weithin bekannt. Auf nationaler Ebene wären die Probleme vielleicht noch lös- oder zumindest angehbar, auf EU-Ebene gelten sie als unlösbar. Und um unlösbare Probleme kümmern sich Politiker bekanntlich nicht gerne, schon gar nicht die vom Volk nicht oder kaum kontrollierten eurokratischen Politikereliten.

    Die mächtige Agrarlobby weiß das und kann vermutlich ihr Glück, über den seit Jahrzehnten anhaltenden EU-Geldsegen kaum fassen. Sollte wirklich einmal über substanzielle Kürzungen oder eine Agrarwende nachgedacht werden, fahren unsere Großmäster eben mal mit ihren noch größeren Schleppern nach Brüssel. Dann ist wieder nachhaltig Ruhe an der Front.

  21. Hallo Mona,

    Die Aktivierung der Landwirtschaft dauert etwa ein Jahr.

    Das Verhungern der Menschen dauert etwa ein Monat.

    Bei den Überlebenden sind schwere Gesundheitsschäden zu erwarten.

    Das Spenden von Nahrung rettet die Menschen und schadet der Landwirtschaft.

    Das ethische Problem ist:
    Was solllen wir tun?

    Ich persönlich stimme für das Spenden von Nahrung.

  22. Kein Entweder-oder @Karl Bednarik

    Im Notfall kann man ja beides machen. Soforthilfe in Form von Nahrungsmittelspenden und längerfristige Hilfe, indem man die Landwirtschaft aktiviert, sprich vernünftige Projekte anschiebt.

Schreibe einen Kommentar