Lufthansa-Ko-Pilot mit Migräne in Boeing 747

Graue Substanz

Ob es gefährlich ist, bei einem Migräneanfall Auto zu fahren, fragte ich im März diesen Jahres hier im Blog. Nun wurde eine  Boeing 747 von Lufthansa zum Flughafen Dublin umgeleitet und ein zufällig anwesendert Ko-Pilot half die Maschine zu landen, weil der/die eigentliche Ko-Pilot/in angeblich einen Migräne-Anfall erlitt.

Es kam auch im Blog die Frage auf, ob z.B. eine US-amerikanische Präsidentin (oder ein Präsident) unter Migräne leiden darf? In der Diskussion dort wurde auch das Beispiel eines Piloten diskutiert.

Mehr dazu hier (Irish Independent.ie) oder auf SPON.

Update, Newark 2:19pm

Ich bin selber gerade in Newark, von wo die Lufthansa-Maschine nach Frankfurt startete. Da ich wenig Zeit habe, schreibe ich den Beitrag einfach von Zeit zu Zeit weiter.

“Hollywoodreif” (Die Welt) is an diesem Zwischenfall vielleicht der Zufall, dass ein Ko-Pilot  von der North American Airlines anwesend war, der auch noch eine 747 fliegen konnte. Nötig war dieser Zufall aber wohl nicht, denn der oder die Pilot_in hätte es wohl auch alleine gekonnt, zumindest mit Hilfe der Crew.

Die Nachricht ist also eher, dass Migräne-Anfälle eben wirklich sehr schwerwiegend verlaufen können, was vielen nicht bekannt ist.

UPDATE: dazu mehr im nächsten Beitrag.

UPDATE 2 (vom 29. März 2014): neuer Beitrag über Sehstörungen.

Markus A. Dahlem

Markus Dahlem forscht seit über 20 Jahren über Migräne, hat Gastpositionen an der HU Berlin und am Massachusetts General Hospital. Außerdem ist er Geschäftsführer und Mitgründer des Berliner eHealth-Startup Newsenselab, das die Migräne- und Kopfschmerz-App M-sense entwickelt.

18 Kommentare

  1. Danke, ich habe es verbessert. Ich habe das ganz schnell eingetippt auf dem Weg zum New Jersey Institute of Technology, wo ich gleich einen Vortrag halte.

    Vielleicht schreibe ich später auch nochmal mehr dazu.

  2. Wie gesichert ist denn die Diagnose?

    Die Presse schreibt so manches zu diesem Vorfall, darunter, wie im “Guardian” sogar haarsträubenden Unsinn – der qualifizierte Pilot unter den passagieren sei ein “Held”, er habe die “Steuerung der Maschine übernommen” und die “Maschine gelandet”.

    Sind denn de Berichte über die Krankheitsursache belastbar oder sind die von vergleichbarer Qualität?

  3. Migräneanfall

    Ich bin gerade in Newark, von wo die Maschine gestartet ist, habe aber auch nicht mehr Infos.

    Normalerweise ist es ja aber eher so, dass ein Migräneanfall als Schlaganfall hingestellt wird (s. Kauderwelsch im Fernsehen: Schlaganfall der keiner war. Das macht es wohl noch dramatischer.

    Klar ist, dass man mit einem Migräneanfall kein Flugzeug fliegen oder auch Auto fahren kann. Ob es hier nun ein Migräneanfall war, wird sich vielleicht noch genauer herausstellen, ist allerdings letztlich auch nicht entscheidend.

  4. Hollywoodreif ist hier gar nichts

    Ob der Pilot unter den Passagieren ein Type-Rating für die 747 hatte, wird wohl nicht wirklich von Belang sein (übrigens war er nicht von der “North American Airlines”, denn eine solche Fluggesellschaft gibt es meines Wissens gar nicht, sondern von einer nordamerikanischen Fluggesellschaft). Was er im Cockpit gemacht haben wird, ist die Checklisten vorzulesen und dem mit dem Fliegen beschäftigten Kapitän andere Arbeiten wie den Funkverkehr abzunehmen. Das ist sicher nicht unwichtig, aber eben nicht gerade dramatisch, hollywoodreif oder heldenmäßig.

  5. Piloten

    Aus SPON geht hervor, dass es sich bei diesem Flug (angeblich) um einen Piloten und einen Kopiloten handelte.
    Weshalb sprechen sie dann in einer völlig verunklarenden Art und Weise von “der/die eigentliche Ko-Pilot/in” ? Was soll dieser – überdies unleserliche – Unfug?

  6. Guten Tag Herr Buchholz,

    in dieser Hinsicht glaube ich nicht, dass SPON besser recherchiert als ich. Und mir war und ist es bisher aus den Meldungen nicht von vorneherein klar.

    Wenn Sie denken, ich mache Unfug,dann gibt es einen einfachen Ausweg: einfach nicht lesen.

  7. @Michael KhanSoweit ich es herausfand, war er von der North American Airlines. Aber auch da beziehe ich mich nur auf eine Webseite. Aber all das ist wirklich völlig nebensächlich.
    Ich finde es nur interessant, dass wahrscheinlich so gut wie jeder denkt, ein Pilot mit einem Epilepsie-Anfall kann keinesfalls eine Maschine fliegen, mit Migräne (=Kopfschmerzen) aber schon.
    Nun ist aber die Gleichung Migräne=Kopfschmerzen schlicht falsch. Das ist schon eine Nachricht wert.

  8. Unklare Nachrichtenlage

    Kann es eigentlich nun als gesichert gelten, dass es sich hierbei tatsächlich um einen Anfall von Migräne gehandelt hat? Möglicherweise wurde die Diagnose ja von der “Daily Mail” gestellt, die anscheinend auch das Gerücht betreffend North American Airlines in Umlauf gebracht hat (in deren Flotte übrigens keine B747 eingesetzt sind).

    In der mir noch am seriösesten erscheinenden Pressemeldung über den Vorgang war einstweilen nur von “starken Kopfschmerzen” die Rede [austrianwings.info].

  9. Aha

    Das ist also die Intention:

    “Wenn Sie denken, ich mache Unfug,dann gibt es einen einfachen Ausweg: einfach nicht lesen.”

    Aha. denken ist nicht erlaubt, außer man stimmt zu 100 % zu….. Erstaunlich für ein “Wissenslog”…..

  10. Was daran witzig ist

    “… und ein zufällig anwesendert Ko-Pilot half die Maschine zu laden”

    Du meintest sicher “be-“laden, wahrscheinlich mit Sachen, die der Ko-Pilot zufällig mit sich herumtrug, woraufhin sich das Gewicht des Flugzeug günstig veränderte, so daß eine Landung prinzipiell möglich war.

    Aber welcher glückliche Zufall hat nun eigentlich den Ko-Piloten an Bord gepült, und wie hat dieser Ko-Pilot Zutritt ins Cockpit erlangt? Reichte die Vorlage eines “zufällig” vorhandenen Flugscheins bei einer Stewardess? Heutzutage ist man ja eher streng mit sowas – seine “zufällige” Anwesenheit hätte eigentlich Verdacht erregen sollen, insbesondere nach 9/11.

  11. News oder mitteilenswerte Erkenntnis

    Ich mache natürlich nur Spaß.

    Andererseits, im Ernst, glaube ich kaum, daß die Leser dieses Blogs und Betroffene davon ausgehen, daß man von einer Migräne-Attacke nicht im Wortsinn außer Gefecht gesetzt werden kann, und gleichzeitig dürfte den wenigsten unter den Nicht-Migränikern schwerfallen, sich vorzustellen, daß sie, allgemein, durch schlimme Schmerzen (Zahn, Kopf, Bauch) ebenso bis zur Handlungsunfähigkeit gequält werden können, wie eben durch ein Leiden, das den Namen Migräne trägt; mag auch Migräne eine eigene Qualität haben – aber das hat natürlich eine Kolik oder eine schmerzende Zahnwurzel, jedes akute exorbitante traumatische Erleben auch.

    Insofern überwiegt in diesem Blogbeitrag vielleicht ein klein bisschen das spon- Spektakuläre gegenüber dem Informativen. Und ggf. deswegen wird herumgemeckert.

  12. Eifer und aktuell

    Das Informative folgt, jetzt wo ich wieder in meinem temporären zuhause bin. Von unterwegs war es einfach nicht leicht und ich erlag dem Eifer wenigstens aktuell zu sein.

    @Statistiker: Für mich war der Kommentar von Günter Buchholz in diesem Fall inhaltslos und getrieben von Sprachkritik, die ich nicht teile. Wenn es für Sie ein wichtiger “Gedanke” war, der dort in dem Kommentar geäußert wurde ist, nun gut.

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