Konsequenzen des deutschen Sonderweges in den wissenschaftlichen Personalstrukturen

Graue Substanz

“Nature” berichte über eine Studie zur Karriere in der Wissenschaft und deren wahrgenommenen Hindernisse. Einmal mehr wird in dem Bericht der deutsche Sonderweg betont.

Es ist ganz normal, dass Doktorandinnen und Doktoranden sich selbst fragen, ob sie in der Wissenschaft bleiben sollen. Nicht jeder geht von Anfang an mit diesem Ziel in seine Doktorarbeit hinein, nicht jede kommt am Ende mit diesem vielleicht anfangs gesetzten Ziel so heraus. Die Gründe, warum man nicht weiter in der akademischen Welt verweilen will, sind divers.

Um diesbezüglich mehr Klarheit zu erlangen, wurden Doktorandinnen und Doktoranden nun einfach mal weltweit gefragt. Die deutsche Besonderheit in den gegeben Antworten war nicht etwa, dass gehäuft viele schon längst an eine politische Karriere denken, für die sie schnell noch einen schmückenden Titel benötigen. Die Besonderheit liegt hierzulande in der negativen Bewertung der Karrierewege vor Ort:

Vielleicht wenig überraschend fand die Umfrage, dass ein Mangel an Finanzierung das am häufigsten gefühlte Hindernis sei – außer bemerkenswerterweise in Deutschland. Die überwiegende Mehrheit (83%) der deutschen Befragten gaben an, sie fühlten, dass Arbeitsplatzunsicherheit ein Hindernis sei, im Vergleich zu 44% in Nord- und Südamerika (Brasilien, Kanada und den Vereinigten Staaten) und nur 15% in Asien (Japan, Sri Lanka und Thailand). Ein wenig mehr als die Hälfte der deutschen Befragten hoben auch eine mangelnde Betreuung und Unterstützung hervor.

Dass weniger die Finanzierung als die Arbeitsplatzunsicherheit in Deutschland als Hindernis wahrgenommen wird, mag denjenigen verwundern, der nicht die eigenartigen Personalstrukturen kennt. Darauf wird dann auch gleich eingegangen:

Das Fehlen eines Tenure-Track-Systems in Deutschland führt dazu, dass die meisten Postdoktoranden auf kurzfristigen Verträge sitzen bleiben, bis sie eine Professur erlangen – und diese Positionen werden knapper, je ältere man wird […]. Die Umfrage ergab, dass nur 35% der deutschen Befragten überzeugt waren, eine permanente Karriere in der Wissenschaft zu finden, im Vergleich zu 68% in Nigeria und Südafrika.

Hier im Blog gibt es eine Rubrik mit mehreren Beiträgen, geschrieben über die letzten Jahre, zu diesem Thema.

Hervorheben will ich folgende drei Beiträge, die zum einen das Fehlen eines Tenure-Track-Systems in Deutschland beleuchten und zum anderen auch die damit zwangsläufig mangelhafte Betreuung der Studierenden und Promovierenden erklären:

 

Markus A. Dahlem

Markus Dahlem forscht seit über 20 Jahren über Migräne, hat Gastpositionen an der HU Berlin und am Massachusetts General Hospital. Außerdem ist er Geschäftsführer und Mitgründer des Berliner eHealth-Startup Newsenselab, das die Migräne- und Kopfschmerz-App M-sense entwickelt.

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