Kann man eine nahende Migräneattacke aufhalten?

BLOG: Graue Substanz

Migräne aus der technischen Forschungsperspektive von Gehirnstimulatoren zu mobilen Gesundheitsdiensten.
Graue Substanz

Wird Migräne durch einen Kipp-Prozess eingeleitet, sollte es neben einer Akuttherapie und allgemein prophylaktischen Maßnahmen einen dritten Weg der Behandlung spezifisch für die Vorbotenphase geben.

Zum letzten Beitrag kam die Frage, kann man eine Migräneattacke aufhalten, wenn sie durch einen Kipp-Punkt verursacht würde?

Dies haben wir uns natürlich auch gefragt. Dabei geht es nicht allein darum, diese Frage mit Ja oder Nein zu beantworten. Da die Fachliteratur diese Frage schon klar mit Ja beantwortet hat, geht es darum Methoden der Risikoabschätzung und, bei hohem Anfallsrisiko, spezifische Behandlungsansätze anzuregen. Dazu bedienten wir uns im Manuskript noch einmal einer Analogie zum Klimawandel. Dort spielt die thermohaline Zirkulation eine große Rolle. Sie wird auch als „globales Förderband” bezeichnet, eine gewaltige Meeresströmungen, die vier der fünf Ozeane in einem Kreislauf miteinander verbindet.

Terminologie

Das ist natürlich ein Thema meiner SciLogs-Nachbarn im Blog Klimalounge. Stefan Rahmstorf (Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung), der seit über zwanzig Jahren zur Stabilität der thermohaline Zirkulation forscht, schreibt neben anderen Autoren dort. Zum Beispiel bezeichnet er in “Golfstrom und Wahrheit” die thermohaline Zirkulation als „verlängerten Arm des Golfstroms“.

Bleiben wir noch kurz bei der Terminologie.

Im Beitrag “Sicherheitsrisiko Klimaspiralen – ‘Are we tumbling down the rabbit hole’?” weist Klimalounge-Autor Anders Levermann (Uni Potsdam) darauf hin, dass Übergänge durch Kipp-Punkte auch anders heißen, „[d]er Klimaberater von Frau Merkel, H.J. Schellnhuber, nennt sie Kipp-prozesse des Klimasystems oder tipping elements, die Frankfurter Allgemeine Kippschalter“.*

Kipp-Punkte finden sich nicht nur in der Klimaforschung und der Medizin. Mit Kipp-Punkt und mit allen anderen genannten Namen bezeichnen wir einen Mechanismus der letztlich unabhängig von einer konkreten Ausgestaltung ist. Man spricht in diesem Zusammenhang von einer „modellfreien“ Beschreibung.

Universalität

Es finden sich (wahrscheinlich) Kipp-Punkte in Finanzmärkte und ihren Abstürzen, in Verkehrssystemen und der Staugefahr, in Stromnetzen, in die eine große Menge an erneuerbarer Energie eingeführt werden muss, Ökosystemen, deren Wildtierpopulationen bedroht sein können, in verarmten Regionen, die durch Mikrokredite über die Armutsgrenze gebracht werden können, um als letztes ein Beispiele zu nennen in dem ein System zum positiven kippt.

Ko-Autoren des neuen Manuskripts sind neben zwei Kollegen, die das klinische Fachwissen mit einbringen, Marten Scheffer, Professor für Gewässerökologie und Wassergütewirtschaft und Spinoza-Preisträger, die mit 2.5€ Millionen höchste wissenschaftliche Auszeichnung der Niederlande, Jürgen Kurths, Forschungsbereichsleiter am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und Kazuyuki Aihara, der über Stromnetze und andere Kipp-Punkt-Systeme an Universität Tokio forscht. Der höflichkeithalber seien die klinischen Kollegen auch kurz vorgestellt: Michel Ferrari, auch Spinoza-Preisträger und Koordinator des neuen europäischen Forschungsprogramm „Mechanisms and Treatment of Migraine and its Chronification” und Arne May Professor für Neurologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und Mitglied im Aufsichtsrat der Internationalen Kopfschmerzgesellschaft.

Aufhalten vs Rückgängigmachen

Zurück zur Frage. Kann man eine nahende Migräneattacke aufhalten? Die Betonung muss ich auf „nahend“ legen, denn wenn man „in“ der Attacke ist, würde wir über ein Rückgängigmachen reden müssen und das ist eine andere Frage, die nach der Akuttherapie. Eigentlich ist diese Unterscheidung schon der zentrale Punkt! Aufhalten und Rückgängigmachen sind in Systemen mit Kipp-Punkten völlig unterschiedliche Verfahren, weil sich der Zustand am Kipp-Punkt abrupt und massiv ändert. Vereinfacht gesagt, eine Pille, die in der Kopfschmerzphase hilft, ist nicht unbedingt eine, die schon vor der Attacke wirkt und umgekehrt.

Die nahende Migräneattacke kündigt sich in ca. 60% der Fälle etwa einen Tag zuvor durch Vorbotensymptome an. Diese Symptome haben wir im Manuskript als typisches und zwingendes Verhalten in Form großer und korrelierter Schwankungen vor einem anstehenden Kipp-Punkt angesehen. Wir konnten so die Verwechslung mit Auslösern erklären und wichtiger noch ihren Ursprung in einen bestimmten Teilnetzwerks des Gehirns vorhergesagen.

Den Vorbotensymptomen kommt folglich eine große Bedeutung zu, denn in dieser Phase können nicht nur “Pillen” sondern auch aktive Bewältigungsstrategien, wie verhaltenstherapeutische und andere nicht-pharmakologische Behandlungsansätze, noch helfen, z.B. progressive Muskelentspannung und Biofeedback. Somit ist eine anstehende Migräneattacke, wenn Sie frühzeitig in einem Zustand vor dem Kipp-Punkt erkannt wird, als grundsätzlich reversibel anzusehen, was in der Fachliteratur beschrieben wurde (s. Manuskript für Zitate).

Vorbotensymptome und Gefahrenabschätzung

Wenn dem so ist, spielen die Vorbotensymptome ein große Rolle, um eine Gefahrenabschätzung vornehmen zu können.

Genau hier können wir wieder den Vergleich zur Klimaforschung und der thermohaline Zirkulation ziehen. Dazu schreiben Kleinen, Held und Petschel-Held in ihrer Arbeit “The potential role of spectral properties in detecting thresholds in the earth system: Application to the thermohaline circulation” (in Ocean Dynamics, 2003):

It is becoming increasingly evident that there are critical thresholds in the Earth system, where the climate may change dramatically […]. The exact positions of these thresholds are, however, still unclear and it might be doubted whether they can be determined with enough precision to give concrete information on the threat of crossing the threshold. Therefore, additional independent methods for assessing the closeness of the system to these thresholds are needed. These methods could contribute to an early warning system for assessing the danger of crossing a threshold and possibly provide the information necessary for controlling the system

Übersetzt etwa:

Es wird immer deutlicher, dass es kritische Schwellen im System Erde gibt, bei denen sich das Klima dramatisch verändern kann […]. Die genauen Positionen dieser Schwellenwerte sind jedoch noch unklar und es kann bezweifelt werden, ob sie mit genügend Präzision bestimmt werden können, um konkrete Informationen über die Bedrohung eines Überschreites der Schwelle zu geben. Daher sind zusätzliche unabhängige Methoden zur Beurteilung der Nähe des Systems zu diesen Schwellenwerten nötig. Solche Verfahren könnten zu einem Frühwarnsystem zur Beurteilung der Gefahr einer Schwellenwertüberschreitung beitragen und gegebenenfalls die erforderlichen Informationen für die Steuerung des Systems mitliefern.

Man kann hier schlicht das Wort „Erde“ mit „Gehirn“ austauschen und „Klima“ mit „Nerverndynamik“. Die abrupte Veränderung in der Atlantikströmung würde bei Migräne einem massiv veränderten Fluss in den Nervenbahnen entsprechen, sogenannte neuroplastische Veränderungen im zentralen Nervensystem. Eine solche Schmerzursache nennt man auch zentrale Sensibilisierung.

 

turnoverCirculation
Die thermohaline Zirkulation und der Informationsfluß im Gehirn.

Der Clou dieser modellfreien Methodik ist, dass man auch ohne die Schwellwerte im Gehirn zu kennen, Kenngrößen aus Messdaten abschätzen kann, die den Abstand zum Kipp-Punkt angeben. Es geht also darum, das Risiko in der Phase vor dem Kipp-Punkte zu bestimmen, um gegebenenfalls spezifische Therapieansätze zu entwickeln, die sich sowohl von denen einer Akuttherapie als auch von allgemein prophylaktischen Maßnahmen unterscheiden. Dieser dritte Weg ist der wesentliche neue Punkt auf den wir hinweisen.

In vorangegangenen Veröffentlichungen haben wir nicht modellfrei sondern etwas konkreter diese Theorie als Migränemotornetz (migraine network generator, Link zur Zeitschrift Chaos hinter Bezahlwand) ausgestaltet, in dem Dynamische Netzwerk-Biomarker (Link zur Zeitschrift Translational Neuroscience, open access) vorkommen. Diesen Ansatz gilt es nun weiter auszuarbeiten und mit klinischen Daten abzugleichen.

 

Fußnoten

 

*Vielleicht wurden diese neuen Namen auch eingeführt, weil der gleichnamige Bestseller von Malcolm Gladwell “Tipping Point: Wie kleine Dinge Großes bewirken können” durch sein mangelhaftes wissenschaftliches Fundament den Begriff tipping point leider nachhaltig in der wissenschaftlichen Gemeinschaft beschädigt hat. Und noch ein wenig zur Terminologie: der Terminus “tipping elements” weißt indirekt durch sein Plural auf die Vielzahl unterschiedlicher Mechanismen hin, die alle Kipp-Punkte erzeugen mit gleichen generischen Verhalten (große und korrelierte Schwankungen). Ich habe z.B. über einen ganz bestimmten Kipp-Punkt, nämlich über die sogenannte Sattel-Knoten-Verzweigung, meinen ersten Blogbeitrag auf SciLogs geschrieben: „Geist einer Sattel-Knoten-Verzweigung.

Markus Dahlem forscht seit über 20 Jahren über Migräne, hat Gastpositionen an der HU Berlin und am Massachusetts General Hospital. Außerdem ist er Geschäftsführer und Mitgründer des Berliner eHealth-Startup Newsenselab, das die Migräne- und Kopfschmerz-App M-sense entwickelt.

23 Kommentare

  1. Umkippen eines Systems: Ein Phänomen, von dem wohl jeder schon gehört hat, das aber wenig fassbar scheint und wo mehr Erkenntnisse grosse Auswirkungen haben könnten. Man denke nur an die immer wieder passierenden Börsen- und Finanzcrashe, die das Schicksal von Millionen Menschen von einem Moment auf den andern verändern können.
    Hier gut verständlich und ausführlich beschrieben. Doch ist die Annahme, dass ein Kipppunkt durch Symptome erkennbar ist, gerechtfertigt? Kann man also mit Sicherheit sagen, dass das Prodromalstadium einer Migräneattacke in ganzer Länge vor dem Kipppunkt (herrlich dieses Wort mit 3 aufeinander folgenden p) liegt? Könnte es nicht auch sein, dass äusserlich noch alles normal erscheint, am nächsten Tag aber der Kipppunkt überschritten wird – so wie der Black Friday an der Börse, den am Donnerstag noch kein Mensch auch nur vorausahnte?

    • Umkippen eines Systems: Ein Phänomen, von dem wohl jeder schon gehört hat, das aber wenig fassbar scheint und wo mehr Erkenntnisse grosse Auswirkungen haben könnten.

      Die Idee ist schon allgemein sehr ‘fassbar’, es darf hier an die überlaufende Badewanne gedacht werden, die eigentliche Frage ist aber, wie hoch komplexe Systeme derart prognostiziert werden können.
      MFG
      Dr. W (der bei behaupteten ‘Kipp-Punkten’ regelmäßig hellhörig wird)

        • Sie können Tipping Points beliebig definieren, die Sprachlichkeit gibt dies her, vgl. :
          ‘A climate tipping point is a somewhat ill-defined concept of a point when global climate changes from one stable state to another stable state, in a similar manner to a wine glass tipping over.’ (Quelle)

          MFG
          Dr. W (dem es um die (system-)philosophische Einordnung ging, Herrn Holzherr antwortend, der sich nicht näher zum Artikel geäußert hat, vielen Dank für diesen an dieser Stelle!)

    • Übergänge druch Kipppunkte zeichnen sich durch ein Phänomen aus, das man im englischen “critical slowing down” nennt. Dazu gehört neben der langsamen Dynamik auch notwendigerweise dazu, das die Amplitude der Schwankungen größer werden (s. Analogie zu den harten Winter im vorherigen Beitrag und dort auch das Bild).

      Diese Veränderungen sollten von Betroffenen wahrgenommen werden. Immer? Es kommt nur in ca. 60% zu Vorbotensymptomen. Ob dies an einen weiteren Mechanismus liegt oder es auch subtilere große Schwankungen gibt oder … das weiß man noch nicht.

    • Jenen Interessierten, die nach tipping points bis anhin nur in überlaufenden Badewannen gesucht und keine gefunden haben, könnte diese Übersicht möglicherweise noch Einsichten bringen:

      D. Helbing (2010) Systemic Risks in Society and Economics. International Risk Governance Council (irgc) [PDF].

      Weiter dann vielleicht mit der dortigen Referenz [99] M. Scheffer et al, (2009). (Wer kein Nature Abonnement hat — googlen lohnt sich!) Und damit wäre man schon fast wieder beim hiesigen Blogthema.

      • Danke für die Literatur.

        Mir war selber bis vor kurzem nicht so klar, was man nun mit tipping points, elements etc so meint. Ich glaube Du hast mir das schon damals mit Literaturhinweisen gut erklärt. Das war in einem der drei Beiträg zu dem Workshop “Computational Neuroscience and the Dynamics of Disease States”. Dort habe ich auch Marten Scheffer zum ersten mal kennen gelernt. (Hier nochmal der Link zum letzten Beitrag dieser Serie von 2011 Kipp-Punkte im Gehirnklima).

        Von ihm, Marten Scheffer, gibt’s auch ein nettes kurzes Video. Das geht nur sehr oberflächlich auf die Funktionsweise der tipping points aber besser als das falsche Badewannen Bild ist es.

        • Eine gewisse Schwierigkeit ist es sicherlich, dass die “tipping points” eher nur ein populäres Schüsselwort als ein strikt definierter Begriff sind. Soweit mir ersichtlich, ist Helbings Begriffsverwendung aber kompatibel mit der von Scheffer, wenn er schreibt (p. 9 in dem PDF):

          2. On the other hand, if the system is close to a “critical” or “tipping point”, even small changes may cause a sudden “regime shift”, also known as “phase transition” or “catastrophe” (see Figs. 2 and Sec. 8). In other words, small changes can sometimes have a big impact, and often very unexpectedly so. However, there are typically some early warning signals for such critical transitions [99]. This includes the phenomenon of “slow relaxation”, which means that it takes a long time to dampen out perturbations in the system, i.e. to drive the system back to equilibrium.

          Der Verweis auf Sec. 8 scheint mir dabei ein Fehler zu sein, das soll vermutlich auf die “cusp catastrophe” in Fig. 8 hinweisen. Scheffer selbst spricht bevorzugt offenbar noch von “critical transitions“. Und davon zu unterscheiden sind reguläre, also nicht-kritische resp. “non-catastrophic transitions”, wie etwa hier:

          Kéfi, S., Dakos, V., Scheffer, M., Van Nes, E. H. and Rietkerk, M. (2013), Early warning signals also precede non-catastrophic transitions. Oikos, 122: 641–648.
          doi: 10.1111/j.1600-0706.2012.20838.x

          Ohne da jetzt wirklich genaueres zu wissen, bei der Modellierung von Milankovitch Zyklen sind kritische Übergänge anscheinend von einigem Belang. So als Laie kann sich nun fragen, ob da nicht gewisse Ähnlichkeiten zur Dynamik von Migräne bestehen. Eiszeiten bauen sich langsam auf und enden abrupt, sodass die Migräneanfälle dabei eher mit den Warmzeiten korrespondieren. Wäre so eine Analogie im weitesten Sinne plausibel, oder ist diese Vorstellung noch etwas zu naiv?

          • Danke für die Hinweise. Die Modellierung von Milankovitch Zyklen sagt mir nichts, müsste ich mir mal angucken.

            Ob diese Analogie trägt kann ich aber auch so nicht so genau sagen. Letztlich müssen wir zusätzlich zu der modellfreien Beschreibung auch konkrete Modelle entwickeln. Ich bin von jener Beschreibung gar kein so großer Fan und auch die Analogien sind eher Anregung und Gedankenstützen für mich.

  2. Bei einer schwachen Attacke (die sich alle mit Aura ankündigen), also einer, die nicht gleich sehr stark ausgeprägt ist, nehm ich manchmal die “Diana”, das ist ein Methanol-Balsam plus Thomapyrin. Und manchmal entwickelt sich dann keine MIgräne. Dass es nur an Thomapyrin bezweifle ich mal, weil es bei mir bei Migräne absolut nicht wirkt (wie jedes andere Schmerzmittel). Das gute an diesem Methanol-Balsam ist, dass es kühlt und den Schmerz dämpft.

    Ich hab dafür zwei Erklärungen:
    A. Methanol wirkt Durchblutungsfördern, also auf die Blutgefäße und Migräne hat damit meines Wissens etwas zu tun;
    B. Das ganze ist Einbildung, weil ich auch schon erlebte, dass eine sich leicht ankündigende Migräne mitunter auch von selbst verschwindet (z.B. wenn ich reise und ich hab keine Triptane dabei).

    Als Wissenschaftler tippe ich ja auf B, als Migräneleidender will ich aber kein Risiko eingehen und bei jedem kleinen Anzeichen von MIgräne sofort Triptane nehmen, da mein bevorzugtes Triptan Eumitan ist, es das nur in 6er-Packungen gibt und ich nicht andauernd zum Arzt rennen will wegen Rezept und in Österreich Apotheken nur in den seltensten Fällen Triptane ohne Rezept hergeben (auch nicht die angeblich rezeptfreien).

    • Wobei ich anmerken möchte, das die Auraphase schon nicht mehr zur Vorbotenphase gehört. Anders ausgedrückt, sie Aura ist so ein spezieller Vorbote, das sie als eigene Phase eingeteilt wird. Sie tritt bei ca. 20% der Fälle auf und liegt zeitlich deutlich näher zur Kopfschmerzphase, etwa 30 Minuten vor dieser oder auch überlappend mit den Kopfschmerzbeginn.

      • Ja, 20 bis 40 Minuten bei vorher titt die Aura ein. Ich habe/bemerke auch keine Vorbotenphase. Ich kenne zwar Trigger, die ich versuche zu vermeiden, häte aber noch niemals eine Art Vorbotenphase miterlebt.
        Ich bemerke nur, dass in der Auraphase (wobei ich da schon merke, wie stark dann der Kopfschmerz wird, anhand wie stark die Auraphänomene sind), dass ich – bei leichten Formen der Migräne – durch Maßnahmen die Kopfschmerzphase noch abwenden bzw. abschwächen kann. Oder ich bild mir das eben nur ein. 😉

        • Die Frage wäre, ob die Trigger vielleicht statt Trigger Vorboten sind?

          Das klingt zunächst wahrscheinlich völlig absurd, aber es gibt sogar in der Fachliteratur die Behauptung Sporttreiben sei möglicherweise ein Symptom, um mal ein besonderes Beispiel zu nennen. Das geht schon stark in die Richtung den freien Willen abzusprechen (wobei das dann nicht exklusiv Menschen mit Migräne betrifft).

          Kennen Sie die typischen Vorbotensymptome? Wäre vielleicht mal ein neuen Blogthema.

          • Nur von Wikipedia: “… psychische, neurologische und vegetative Symptome auf, die sich von denen der Auraphase unterscheiden. Am häufigsten sind Müdigkeit, Geräuschempfindlichkeit und häufiges Gähnen.[11] Vielfach zeigen sich auch Störungen im Magen-Darm-Trakt, die Verstopfungen einschließen können. Charakteristisch ist bei vielen Patienten ein Heißhunger auf bestimmte Nahrungsmittel, der meist als Migräneauslöser fehlinterpretiert wird.”

            Aber stimmt, wenn ich mir die so durchlese, kann ichs natürlich nicht fix sagen, ob ich nicht doch Vorbotensymptome habe. Ist auch schwierig zu definieren. Muss mich mal beobachten – wobei das nicht leicht ist rückwirkend beobachten. 😉

            Als klassischen Tigger (gerade zu DER Trigger) würde ich Alkohol nennen. Oder zu helles Licht. Wo die Migräne dann entweder sehr schnell (Licht) einsetzt oder nach wenigen Stunden (Alpkohol).

          • Die Vorbotensymptome sind hier gut beschrieben und systematisch untersucht:
            Giffin NJ1, Ruggiero L, Lipton RB, Silberstein SD, Tvedskov JF, Olesen J, Altman J, Goadsby PJ, Macrae A.
            Premonitory symptoms in migraine: an electronic diary study.
            Neurology. 2003 Mar 25;60(6):935-40.

          • Darf ich hier mitten rein schreiben? Ich hoffe das ist Okay. Also, kann das bestägigen- Ich kenne lange Vorbotenphasen nur vor Migränen ohne Aura, Heißhunger, Lichtemfindlichkeit all das. Die Aura selbst kommt für mich eigentich immer überraschend, auch ich bemerke da keine Vorboten. Es ist die Aura die Botin für die kommenden Schmerzen ist.

            @Stefan, mir hilft Menthol auch. Ich klebe mir manchmal ein Hexenpflaster auf.

          • @Alex Du darfst. Selbstverständlich!

            Ich kenne keine Daten die be- oder widerlegen, dass die Migräne mit Aura eher ohne (andere) Vorbotenphase abläuft. Dazu wird es aber bestimmt Untersuchgenen geben. Ich frage mal nach. Das ist nämlich interessant. (Du triffst immer die richtigen Fragen, fällt mir hier auf.)

  3. Migräne ist der Begriff für eine Erscheinung, die verschiedene Ursachen und verschiedene Phänomene aufweist. Weil dies so ist, können Vorboten existieren, aber auch fehlen. Der Kipppunkt ist jedoch exakt fassbar: es ist der Blitz vor den Augen und/oder manch andere sensorische Empfindungen wie Besonderes schmecken, riechen oder hören. Dies zeigt die Parallele zur Epilepsie auf. Manche Betroffene kennen Vorboten und können deshalb gegen reagieren. Andere fallen blitzartig um und krampfen. Der Schmerz bei Migräne kann in verschiedener Form schon vor dem Akutpunkt auftreten, etwa in Form von Verkrampfung im Halsbereich. Wer Vorboten kennt, sollte sofort bei deren Auftreten handeln. Nicht eine einzige Minute warten. Ich stelle hier zur Diskussion: hochdosiertes Pfefferminzöl auf die Beuge- und/oder Streckseite des Halses auftragen und mehrmals Magnesium-Brausetabletten trinken. Kein Alkohol in dieser Phase! Die Erfolgsquote bei mir liegt bei nahezu 100 Prozent und bei anderen sicher über 80 Prozent.

  4. Ich glaube das sich eine nahende Migräne Attacke mit Hilfe von Hausmitteln wie Menthol gelegentlich aufhalten oder verzögern lässt. Mir hilft Menthol/Pfefferminz, heißes Wasser über den Kopf laufen zu lassen tut auch gut. Es gibt viele andere Strategien die ich in den Jahren versucht habe. Einen saueren Apfel zu essen hat mir einige Male erstaunlich gut geholfen, um nur ein Beispiel zu nennen. Doch alle Strategien, haben sich verbraucht. Sie helfen drei oder 4 mal, dann nicht mehr. Ich habe mich heute mit zwei Frauen genau darüber unterhalten, beide haben die gleiche Erfahrung. “Das Monster lernt” sagte eine…. Ja, irgendwie kommt es mir auch so vor.

    Laufende Migränen verhalten sich nicht viel anders, als Kind hörten meine Migränen auf wenn ich mich übergeben musste. Es hat nicht lange gedauert bis ich gelernt habe es absichtlich herbeizuführen. Das klingt schlimm und ich habe es gehasst das zu tun zu müssen, aber das war es mir wert! Es hat immer geholfen, bis es eines Tages aufhörte zu wirken und es ist dabei geblieben. Lernt die Migräne samt Ihrer Vorboten wirklich dazu? Haben die Mittel ihre Zauberkraft verloren oder waren es immer nur Placebos?

    Ich finde Ihren Beitrag gut und möchte Ihnen nicht zu nahe treten, aber wenn sie eine so hohe Erfolgsquote mit ein und dem gleichen Mittel haben, dann haben sie vermutlich nicht so oft Migräne? (Eine ist schon zuviel, ich weiß!!)

    • Ich gehe davon aus, dass Migräne ihren Anfang im Halsbereich nimmt, am sogenannten glomus caroticum. Wenn ich Kopfschmerzen irgendwelcher Art habe, das kommt so zweimal pro Monat vor, dann verwende ich hochdosiertes Pfefferminzöl (HPO) äußerlich seitlich des Kehlkopfs innerhalt der Kopfbeuger aufgetragen. Hilft es beim ersten Mal nicht,dann spätestens beim zweiten Mal. Habe ich den Verdacht, dass sich eine Migräne aufbaut, trage ich das Öl alle 1 bis 2 Stunden auf. Und natürlich Magnesium Brausetabletten trinken. Meine Migräne hat damit aufgegeben. Ich bin sie schlichtweg los.

      • Ich beschäftige mich gerade interessehalber etwas mit dem Lymphsystem, daher würde es mich mal interessieren ob es etwas mit der Lymphe zu tun haben könnte. Menthol- oder Pfefferminzöl fördert auch den Lymphfluss (der ist dazu da Abfallstoffe aus Zellen abzutransportieren). Es würde dafür sprechen, dass, wie oft vermutet wird, bestimmte Lebensmittel eine Migräne auslösen oder verstärken können, denn ich denke diese haben Einfluss auf den Lymphfluss, der, je nach gegessenen Lebensmitteln, eher gut oder schlecht ist. Auch dafür würde sprechen, dass Stress ein Auslöser sein soll.

        Jemand mit Migräne müsste (interessehalber) mal Natron nehmen (obwohl das allein auch nicht helfen wird, eine zusätzliche Ernährungsumstellung + Mineralstoffe wäre bestimmt von Nöten um zu sehen ob es ansatzweise hilft).

Schreibe einen Kommentar