Graue Angelegenheiten

BLOG: Graue Substanz

Migräne aus der technischen Forschungsperspektive von Gehirnstimulatoren zu mobilen Gesundheitsdiensten.
Graue Substanz

Wissenschaft in Deutschland oder in den USA? Bloggen auf deutsch oder englisch? Ich mache (vorerst) beides. Wie es im Blog und beruflich weiter geht.

Drüben auf auf SciLogs dot com habe ich meinen Blog Gray Matters reaktiviert. Ich hatte in Gray Matters unter der alten URL (hinter SciLogs.eu) in diesem Jahr keinen Beitrag mehr geschrieben. Es ist nun ein Neuanfang.

Zwei Faktoren werden in Zukunft mitbestimmen, wo ich mehr schreibe hier oder dort.  Zum einen wird mir wichtig sein, wie sich das neue Portal entwickelt. Und zum anderen wo ich demnächst beruflich tätig bin.

Denn auch beruflich gibt es einen Neuanfang. Ab Oktober gehe ich für zunächst für knapp ein halbes Jahr als Gast an die Ohio State University. Dort läuft im Mathematical Biosciences Institute (MBI) das einjährige Schwerpunktprogramm “MBI Emphasis Year on Mathematical Neuroscience“. Schon 1995 nahm ich als Student an einem solchen “Special Year in Mathematical Biology” teil, an der University of Utah in Salt Lake City.

Solche einjährigen Schwerpunktprogramme sind aus meiner Erfahrung gerade für interdisziplinäre Forscher sehr effizient. Man kann über die disziplinären Grenzen hinweg für einen langen Zeitraum eng zusammen arbeiten, ähnlich wie beim Sabbatical, der Freistellung für ein Forschungssemester, nur dass in diesen Programmen eine kritische Masse zusammen kommt. Da viele Forscher aus dem jeweiligen Schwerpunktgebiet während solcher Programme für eine gewisse Zeit an einem Ort sein werden, wird unweigerlich Einfluss auf die Entwicklung des Feldes genommen. Zumindest soweit so etwas in der Forschung überhaupt möglich ist.

Aus einem ähnliches Grund kommen ja wohl auch Blogger in einem Portal zusammen. Auf SciLogs.eu war es zu ruhig. Von kritischer Masse konnte bisher keine Rede sein. Ich hatte zumindest nicht das Gefühl von dem Schreiben dort zu profitieren. Abgesehen davon halte ich es für schwierig, nicht in meiner Muttersprache zu bloggen. Zwei Gründe also warum ich mich nach einer gewissen Probezeit zurück zog. Jetzt  bin ich gespannt, ob sich ein aktives Portal entwickeln wird. Auch werte ich die Vorteile einer internationalen Leserschaft höher, weil ich selbst zumindest für einige Zeit in Nordamerkia arbeiten werde. 

Schlechte Aussichten, gute Aussichten.

Es geht also vorerst weiter. Bunt geht es weiter oder eben grau, weil ich nicht schwarz-weiß malen will.

Als Anfang März auf Spiegel online berichtet wurde, dass deutsche Nachwuchswissenschaftler schlechte Aussichten auf einen langfristigen Job in der Forschung haben, ihre Karriere kaum planen können und ins Ausland flüchten, stand nur zwei Tage später dort das Gegenteil, dass deutsche Forscher heim wollen. (Worauf mich wundersamerweise sogleich das Referat für Presse und Information der TU Berlin meinte aufmerksam machen zu müssen, da dort auch der vorherige SPON-Artikel “wahrgenommen” wurde. Dass meine Karriereplanung nun offensichtlich von der Presseabteilung übernommen wurde, war auch ein Grund, warum ich mich dort am Ende eher schlecht beraten fühlte.)

Wie dem auch sei, ich halte mir die Karrierechancen offen, wie die jetzigen, bei denen ich das sehr gute Gefühl habe, eigenverantwortlich meiner wissenschaftlichen Arbeit nachgehen zu können. Dem Thema Karrierewege in Deutschland bleibe ich weiterhin treu (s. hier) und werde nicht minder kritisch meine weiteren Erfahrungen im Ausland unter die Lupe nehmen. Für eine neue Orientierung ist die aktuelle Situation ein Idealfall. Denn während ich in den USA bin, werde ich voraussichtlich gleichzeitig an einer neuen deutschen Universität eine vorläufige Heimat finden und somit meine Dittmittelprojekte zu Ende führen zu diesem Wechsel kann ich aber noch nichts sagen.

 

Markus Dahlem forscht seit über 20 Jahren über Migräne, hat Gastpositionen an der HU Berlin und am Massachusetts General Hospital. Außerdem ist er Geschäftsführer und Mitgründer des Berliner eHealth-Startup Newsenselab, das die Migräne- und Kopfschmerz-App M-sense entwickelt.

4 Kommentare

  1. @Markus

    Freut mich sehr, dass Du Dich nicht entmutigen und zum Schweigen bringen lässt! Alles Gute auch weiterhin, Dir & auch Deinen Blogs! 🙂

  2. Schade für Deutschland

    Gute Wünsche für Dich, Markus Dahlem!
    Deine Ausführungen haben mir bislang viel eröffnet und ich würde Deine Gedanken sehr vermissen, wenn nicht ab und zu ein Lebenszeichen zu vernehmen wäre!

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