Ein aktuelles Musikvideo “Migraine” im Vergleich

BLOG: Graue Substanz

Migräne aus der technischen Forschungsperspektive von Gehirnstimulatoren zu mobilen Gesundheitsdiensten.
Graue Substanz

YouTube sperrt mein Video. Der Vergleich zu anderen Videos auf YouTube, insbesondere solche die “Migräne” im Titel führen und so Betroffene anlocken, zeigt, dass Szenen mit starken Flickerlicht häufig vorkommen. Ein verblüffend perfektes Beispiel wie Filme nicht sein sollten wird aktuell in YouTube gezeigt. Mein Video klärte dagegen nur über Migräne auf.

Vorgestern berichtete ich über die Sperrung meines Migräne-Videos bei YouTube. Bisher kann ich mir nur zwei Gründe für die Sperrung vorstellen, zum einem eine Verletzung des Copyrights, weil ich die Animation einer Sehstörung bei Migräne (Migräneaura genannt) auf dem Hintergrund der Homepage von Google illustriete. Nachdem im Film die Buchstaben “m i g r a i n e  w i t h  a u r a” hintereinander im Suchfeld erschienen, beginnt hinter dem Wort “aura” diese, d.h. eine sehr realistische Simulation einer Sehstörung, wie sie für Migräne typisch ist, ein flackerndes Zickzack-Muster.

Der andere Grund für die Sperrung könnte sein, dass YouTube befürchtet, dass dieses Flickermuster selber einen Migräneanfall auslösen könnte. Über diese Möglichkeit schrieb ich ausführlich im vorangegangenen Post. Als ich gestern in Twitter nach “migraine” und “video” suchte, wurde ich auf das aktuelle Album “Migraine” von der Gruppe ArtOfficial aufmerksam.

Immerhin 10 000 Hits seit dem 20. April. Das Video wird oft gesehen. Ich habe es mir angeschaut und zeige einige Ausschnitte hier.

Nach 11 Sekunden ein Lichtblitz von einem Scheinwerfer eines Vans.



Das ist ein maximaler Helligkeitskontrastwechsel innerhalb weniger als einer Sekunde mit einem konstant dunklen vertikalen Streifen (der Mann im Vordergrund) in der Mitte.  Besser können die Gehirnzellen nicht überstimuliert werden. Fast eine perfekte Annäherung an einen sogenannten Gabor-Filter, der die Struktur des rezeptiven Feldes der Gehirnzellen in der Sehrinde beschreibt.

Wenige später Sekunden kommen dann Gehirnzellen dran, die horizontale Reize verarbeiten.

An dieser Stelle war ich entsetzt. Für einen Moment glaubte ich ernsthaft an eine Verschwörungstheorie. Wenn ich mit all meinem Wissen über die Verschaltungen in der Sehrinde des Gehirns eine Migräneanfall mit Lichtreizen auslösen wollte, ich wüsste nicht, wie es besser ging. Das mag Zufall sein. Gucken wir weiter.

Immer wieder helle kontrastreiche Lichtflecken tauchen auf.

Wummmms. Das hier oben flackert wieder. Was noch nicht genug? OK, dann halt mit Gewalt.



Ich überlasse die weitere Kommentierung dem Leser. Wer das Video sehen will, ich empfehle es dem Migräniker nicht, hier entlang zu YouTube, die übrigens mein Video noch gesperrt halten. Warum nochmal?

 

 

Markus A. Dahlem

Markus Dahlem forscht seit über 20 Jahren über Migräne, hat Gastpositionen an der HU Berlin und am Massachusetts General Hospital. Außerdem ist er Geschäftsführer und Mitgründer des Berliner eHealth-Startup Newsenselab, das die Migräne- und Kopfschmerz-App M-sense entwickelt.

17 Kommentare

  1. Grund

    Entschuldigung, aber was wenn der Grund für die Sperrung ein anderer ist? Nicht das wir denen versehentlichnoch ein Argument liefern von dem sie zuvor noch gar nicht wussten…

    Dieses Musikvideo, etwa 5 Sekunden haben mir gereicht, ich könnte es nicht unbeschadet ansehen. Das kann nicht zufällig entstanden sein, das ist Absicht, diese Leute wussten genau was sie tun.

  2. Bitte um reichhaltige Antwort

    Angesichts der nicht zu übersehenden Empörung:

    Was erwartest Du eigentlich von youtube und google?

  3. reichhaltige Antwort

    Ich hätte gerne den Film wieder freigeschaltet. Nimm z.B. den Link von Wikipedia (en) zu dem Film. Ihn dort hinzugekommen war ungefähr soviel Arbeit wie den Film zu machen oder diese Posts zu schreiben.

    Auf der deutschen Wikipedia-Seite zu Migräne wurde der Film mehrmals wieder entfernt, weil er angeblich nichts neues bietet. Ich habe beim dritten mal aufgegeben. Entnervt.

    Was der Film bietet, zeigen die 177 Kommentare. Ich schreibe auch gerade ein Buch, in dem ich einige davon nutzen wollte. Momentan kann ich selbst keine Kommentare lesen, denn es ist nicht nur das Video “disabled” sondern alles dazu. Also auch die Statistik. Auch diese wollte ich nutzen und habe sie zuvor bis zum Monat Februar sogar zum Glück herunter geladen. Allerdings können diese Angaben nun nicht mehr überprüft werden.

    Diese Daten zeigen z.B. dass es ca. ein halbes Jahr dauert, bis so eine Film überhaupt gefunden wird.

    Der letzte Punkt ist, dass ich zu Menschen über diesen Film Kontakt bekommen, der zu neuen Arbeiten führen kann. Das PLoS Paper ist aus so einem Kontakt entstanden.

    Das ist meine reichhaltige Antwort einfach in 5 Minuten ohne nachzudenken herunter getippt ….

    Es nervt mich wirklich Jörg. Wobei ich auch darüber lachen kann, das YouTube hier wunderbar Werbung für diesen Film macht …

    Und zu aller Letzt, ich gucke mir gerade diesen anderen Film “Frame für Frame” an und werde Teile in der Vorlesung nutzen als Beispiel für gute Reize um passgenau rezeptive Felder von Neuronen anzusprechen.

    Ich kann also gar nicht anders als zu reagieren und daraus selbst schon wieder eine interessante Forschung/Lehre zu ziehen.

  4. It’s youtube, folks

    Ich hoffe, es wurde klar, worauf ich hinauswollte.

    Das Video ist wertvoll. Etwas Wertvolles bei youtube (als zentrale Quelle) einzustellen in der Annahme, daß es dort seine entsprechende Wertschätzung erfährt und also angemessen behandelt wird, erscheint illusorisch. Erscheint nicht zuletzt naiv.

    Daher meine Frage, was du dir eigentlich erwartest hast.

  5. Falle

    OK, das ist ein guter Punkt. Auf der anderen Seite, will ich ja die Leute erreichen dort wo sie gucken. Damit bin ich natürlich Teil des Problems.

    Leider ist es aber auch nicht getan, das Video einfach auf meinen Server (Migraine Aura Fundation) zu stellen. Denn dann haben Besucher immer noch nicht die Chance, Kommentare abzugeben. Natürlich könnte ich dort einen Blog aufmachen. Aber dann will ich noch Statistik. Und würde wieder bei Google Analytics landen.

    Ich weiß noch nicht genau, wie ich es löse. Wahrscheinlich werde ich die Links demnächst zu einer eigenen Domain setzen und YouTube weiter parallel nutzen.

    Oder hast Du eine andere Idee?

  6. was gehört?

    Antwortet YouTube nicht?

    Warum nicht einfach das Video mit verändertem Hintergrund nochmal hochladen? Immerhin finden es dann die Leute die von dem Video wissen und es auf auf Youtube suchen, (ich zB habe es mir mehrmals angeschaut oder es Freunden gezeigt und würde es auch dann finden wenn es “einen Link weiter” steht) und du hast die Genugtuung das es wieder eingestellt ist 😉

    Vielleicht ergeben sich sogar noch einige Kommentare die sich auswerten lassen.

  7. Vorschläge für Hintergrund in HD-Version

    Ich arbeite an einen neuen Video, das braucht aber doch etwas Zeit. Welcher Hintergrund ist gut etc … Das mit der Google-Suche war recht selbst erklärend, fand ich. Ich will es halt gleich gut oder besser machen.

    Ich will nun auch eine HD-Version machen. Ich melde mich hier, sobald es einen neuen Film gibt!

    Ach ja, ich nehme Vorschläge für den Hintergrund gerne entgegen!

  8. Sehr interessanter Artikel Markus. Ich weiß zwar von der Lichtempfindlichkeit, aber dass diese auch von Videos etc. ausgelöst werden kann, scheint jetzt natürlich logisch, aber verblüfft mich trotzdem.

  9. Monitore und tiefstehende Sonne

    Zum Glück haben die Monitore nicht allzu große Leuchtstärke. Grelles Sonnenlicht in Form eines Streifenmusters ist schlimmer, also zum Beispiel durch eine Jalousie hindurch gesehen oder bei tiefstehender Sonne, die hinter dem Gehölz eines begrünten Mittelstreifen durchscheint. Im fahrenden Auto flackert es auch noch dazu. Fährt man gerade selbst und setzen dann Sehstörungen ein, mit teilweiser Erblindung des Gesichtsfeldes, wird’s gefährlich.

  10. Hintergrund

    Die Aura vor dem Hintergrund einer Suchmaschine halte ich nach wie vor für gut, weil es die Erklärung gleich unkompliziert mit liefert. Ich würde es im Wesentlichen so lassen.

    Andererseits, ich kenne Migräneauren und ich interpretiere die Darstellung automatisch entsprechend richtig, für mich braucht es wirklich nicht noch realistischer zu sein 😉

    Aber, ich zeige den Film ab und zu Nichtmigränikern, natürlich verfolgen die das Muster mit den Augen, es flimmert, es ist faszinierend, es zieht den Blick an, “das ist doch toll” oder “warum schaust Du nicht einfach woanders hin, was ist so schlimm daran?”

    Das ist der große Unterschied zu einer erlebten Aura, die läßt sich nicht so einfach betrachten, das ZickZack geht seinen Weg unabhängig davon wohin ich blicke, ich kann es nicht beeinflussen und ich habe keine Möglichkeit es mit den Augen einzufangen oder viel wichtiger woanders hin schauen, wohin ich auch den Blick wende, die Aura geht wohin sie mag und ich kann ihr nicht entkommen, nicht mal dann wenn ich die Augen schließe.

    Vielleicht wäre ein zweiter Film die Lösung, denn Du zeigst uns wie die Aura aussieht, deshalb sollte der ursprüngliche Film so bleiben wie er ist, aber wie es sich anfühlt würde möglicherweise vor einem bewegten Hintergrund deutlicher werden, die Aura mitten im Gesicht meines Gegenübers, die dann weiterzieht das Auge auslöscht, aber ihren Weg auch dann fortsetzt wenn ich an die Wand schaue, auf einen Text und dann 335wieder in dieses Gesicht und man kann sehen das die Aura mittlerweile am Ohr entlang wandert oder so.

  11. Dokumentarfilm

    Der Vorschlag mit dem zweiten Film ist relativ aufwendig. Letztlich habe ich nur recht begrenzte Mittel aber vielleicht kommt ja mal Hollywood auf mich zu 😉

    Das ist gar nicht nur so im Spaß gesagt. Mich wundert es sogar, dass die Migräne mit Aura in Kinofilmen noch kaum richtig umgesetzt wurde.

    Neulich wurde ich von einer US-amerikanischen Dokumentarfilmemacherin angeschrieben, vielleicht kann sie etwas in dieser Art umsetzen. Ich treffe sie im Juni in Berlin.

    Ich mach mich erst mal an denn neuen Film.

  12. Falter

    Biggy, bei mir kann eine Aura allein durch sich rhythmisch bewegende Icons ausgelöst werden. Darum beppen bei mir auf der Mattscheibe gern gelbe Zettel, um das Bewegungsmuster auszuschalten. – Die alten PC-Bildschirme hatten auch den Effekt, je nach Hertz Rate. Fein, dass es mittlerweile Flachbildschirme gibt, die eine andere Technik benutzen. So geht es mir schon besser.

  13. Migräne Prophylaxe mit

    Das habe ich auch noch nicht gehört: “beppen bei mir auf der Mattscheibe gern gelbe Zettel“. Ein Foto davon und andere Computerbildschirm-bezogene Prophylaxe Maßnahmen würde ich sofort hier in den Kommentaren veröffentlichen, oder sogar einen eigen kleinen Blogpost dazu schreiben.

    Bitte ggf. Email mit Foto einfach an

    dahlem(at)physik.tu-berlin.de

    Ich stelle mir das so vor:

  14. Ziemlich gute Idee, das mit den Zetteln!

    Ich klebe die manchmal auch auf flackernde Bereiche meines Bildschirms.
    Werbungen und Co können bei mir schlicht zu einem Schmerzreiz führen. Man sagt ja nicht umsonst, das tut ja den Augen weh 😉
    Geht das lichtempfindlichen Menschen nicht unabhängig von Migräne auch so?

    Danke für den Denkanstoß!

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