Die erste Migräne-App

Apps werden das Bild des mündigen Patienten von einer ehemals visionären Vorstellung in ein reales Phänomen umsetzen. Den Technologietransfer für eine Migräne-App fördert nun das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie.

Smartphones gab es noch nicht. Apple bezeichnete seinen Pocket-PC „Newton“ als PDA, ein Personal Digital Assistant.

Zu dieser Zeit, wir reden von 2003, kam auf Philips’ PDA – der hieß Nino – erstmals ein digitales Kopfschmerztagebuch in der Forschung zum Einsatz.Ein Jahr später schrieb ich den ersten Geschäftsplan für „MobileDiagnostics“. Ich hatte ein Verfahren entwickelt, das die Diagnose von Begleiterkrankungen bei Migräne-Patienten erleichtert und verfolge das Thema Migräne-App bis heute.

Damals wurde mir klar, dass der Zusammenschluss drahtloser Kommunikationstechnik mit medizinischen Geräten die präventive Gesundheitsfürsorge radikal verändern würde. Anwendungen – heute sagt man Gesundheits-Apps – würden das Bild des mündigen Patienten von einer ehemals visionären Vorstellung in ein reales Phänomen umsetzen. Jedoch noch nicht 2004.

Um zu jener Zeit wirklich mobil kommunizieren zu können, musste man statt eines PDAs ein Handy nutzen. Das sah dann so aus.

motemedi App

Die ertse Kopfschmerz-App: motemedi.

motemedi Referenzzentrum

Migräne-App verbindet sich mit Referenzzentrum und synchronisiert Kopfschmerzdaten mit dem privaten PC.

 

Damals forschte ich an der Klinik für Neurologie der Otto-von-Guericke-Universität (OVGU) Magdeburg als Gruppenleiter des „Laboratory of Computational Neurology.“ Parallel nahm ich an einem einjährigen Qualifizierungsprogramm am Interaktionszentrum Entrepreneurship teil. Das Zentrum gehört auch zur OVGU. Dessen Leiter, Prof. Matthias Raith, schaffte eine einzigartige, inspirierende Atmosphäre, in der viele Teams Ideen entwickeln konnten und noch heute können. In meinem fünfköpfigen Team dachten wir gemeinsam nach über die Möglichkeiten „mobiler telemedizischer Diagnoseverfahren, die einen entscheidenden Schritt zur erfolgreichen Behandlung chronischer Krankheiten leisten, indem sie automatisierte und zeitnahe Dokumentation der Krankheitssymptome ermöglichen“ (zitiert aus dem Executive Summary des Geschäftsplans von 2004).

Über zehn Jahre später – mit der notwendigen, weiteren Forschungsarbeit über Computermodelle der Migräne, Biosignalverarbeitung und Datenassimilation – setzen wir nun mit einem neuen Team den ursprünglichen Ansatz mit neuen Ideen gespickt gemeinsam um. Gefördert werden wir im Rahmen eines EXIST-Gründerstipendium vom Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie, kofinanziert von den Europäischen Sozialfonds.

existLogos-White

Wer Interesse an dem diesem Technologietransfer-Projekt hat, kann sich in einen Newsletter eintragen.

Als Uniprojekt mit einjähriger Laufzeit sind wir an der AG kardiovaskuläre Physik der Humboldt-Universität zu Berlin angegliedert. Diese AG hat sowohl in der Biosignalverarbeitung als auch in der Vorhersage extremer Ereignisse weltweit führende Forschungsarbeiten geleistet.

Das unten stehende Bild zeigt alt und neu: die Tasse des Interaktionszentrums Entrepreneurship in meinem neuen Büro in der Humboldt-Innovation GmbH, die genau wie die kardiovaskuläre Physik am Charité Campus in Berlin Mitte ihren Sitz hat.

 

nwg2005

 

Drüben, im Blog Gray Matters, schrieb ich vor kurzen mehr zu diesen ersten Schritten hin zur einer mobilen Gesundheitsanwendung: „Mobile healthcare and migraine – my early steps“. Im Beitrag „Krankheit und Dynamik in Zeiten mobiler Gesundheitsdienste“ habe ich den historischen Kontext der „dynamischen Krankheiten“ zusammengefasst. Mehr zu dem Thema wird es hier im Blog unter der Rubrik mobile-health geben.

Nachtrag am 5. 10. 2016

Mittlerweile kann man M-sense im Google Play Store herunterladen.

Literatur

Giffin, N. J., et al., “Premonitory symptoms in migraine: An electronic diary study.” Neurology 60: 935-940; 2003.

Markus Dahlem forscht seit über 20 Jahren über Migräne, hat Gastpositionen an der HU Berlin und am Massachusetts General Hospital. Außerdem ist er Geschäftsführer und Mitgründer des Berliner eHealth-Startup Newsenselab, das die Migräne- und Kopfschmerz-App M-sense entwickelt.

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