Wahnsinnskonjunktion am Morgen des 11.10.2015

BLOG: Go for Launch

Raumfahrt aus der Froschperspektive
Go for Launch

Gestern war der Morgenhimmel komplett zu, heute dagegen war er fast vollkommen klar, und zudem hielt der kräftige Wind den Nebel in Schach. Da konnte ich in der Morgendämmerung vier Planeten, den Mond und den Stern Regulus (αLeo) gleichzeitig genießen – so dicht beisammen, dass sie locker ins Sichtfeld eines 50mm-Objektivs passten!

Ich konnte mich nicht entscheiden, welche Aufnahme ich im Blog-Artikel verwenden sollte. Entscheiden Sie selbst, welche Ihnen besser gefällt. Durch Klicken auf die Bilder kommen Sie zur (allerdings wegen des hohen ISO-Werts von 10000 etwas verrauschten) Version in Originalgröße.

Ich bitte übrigens darum, die Hotpixel-Freiheit der Bilder gebührend zu würdigen. Danke noch einmal an canoncam.de.

Konjunktion von (von links unten nach rechts oben) Merkur, abnehmendem Mond, Jupiter, Mars, Venus und Regulus (Alpha Leonis), Darmstadt, 11. Oktober 2015, 6:31, Canon EOS6D, Leica Summicron-R 50 mm, ISO 10000, f/4, 1 Sekunde
Credit: Michael Khan, Darmstadt / Konjunktion von (von links unten nach rechts oben) Merkur, abnehmendem Mond, Jupiter, Mars, Venus und Regulus (Alpha Leonis), Darmstadt, 11. Oktober 2015, 6:31 MESZ, Canon EOS6D, Leica Summicron-R 50 mm, ISO 10000, f/4, 1 Sekunde
Konjunktion von (von links unten nach rechts oben) Merkur, abnehmendem Mond, Jupiter, Mars, Venus und Regulus (Alpha Leonis), Darmstadt, 11. Oktober 2015, 6:36, Canon EOS6D, Leica Summicron-R 50 mm, ISO 10000, f/4, 1 Sekunde
Credit: Michael Khan, Darmstadt / Konjunktion von (von links unten nach rechts oben) Merkur, abnehmendem Mond, Jupiter, Mars, Venus und Regulus (Alpha Leonis), Darmstadt, 11. Oktober 2015, 6:36 MESZ, Canon EOS6D, Leica Summicron-R 50 mm, ISO 10000, f/5.6, 1 Sekunde

Ich bin Luft- und Raumfahrtingenieur und arbeite bei einer Raumfahrtagentur als Missionsanalytiker. Alle in meinen Artikeln geäußerten Meinungen sind aber meine eigenen und geben nicht notwendigerweise die Sichtweise meines Arbeitgebers wieder.

20 Kommentare

  1. Einfach ein paar verrauschte Sternchen im Halbdunkeln. Das man sich als Wissenschaftsblogger so darauf fixieren kann…

    Aber keine Sorge. Tatsächlich finde ich das genial. Nicht nur, indem Sie immer wieder auf bevorstehende Ereignisse hinweisen, sondern auch eigene Resultate durchstellen (ob APOD-geeignet oder nicht ist eigentlich einerlei) treffen Sie den Nerv all jener, die selbst zu unmöglichen Zeiten mit dem Stativ losziehen oder es verpasst haben, weil ein Sonntagsschlaf auch was wert ist. Favorit ist Nummer 1, weil der Baum zusätzlich etwas Spannung ins Bild bringt. Mit den 10000 ISO haben Sie aber ordentlich draufgepfeffert. Denke mehr Belichtungszeit zum Ausgleich, wäre bei 50mm noch gegangen.

    Ansonsten Gratulation zu den 5 auf einen Streich.

  2. Wenn ich Ihre Bilder sehe, kann ich es kaum glauben, dass es in einer anderen Ecke Deutschlands so schön ist. Bei uns im Süden ist es bewölkt und regnerisch. Am unangenehmsten ist jedoch der Nebel, der sich manchmal den ganzen Tag hält.

    Zu Ihren Bildern: Mir gefallen beide, wobei das erste durch die Bäume etwas dramatischer wirkt. Ich fragte mich erst, warum Sie mit ISO 10000 fotografierten, aber dann sah ich, dass Sie Blende 4 verwendeten. Sind Sie von der offenen Blende abgerückt?

    • Mit dem Nebel hatte ich einfach nur Glück. Der Wind frischte mehr und mehr auf. Das war auf der Hügelkuppe, auf der ich stand, durchaus unangenehm und ein weiteres Argument gegen eine lange Belichtungszeit. Aber der Wind verhinderte auch wirkungsvoll, dass sich Tau auf der Linse niederschlägt und er blies die von Westen herannahende Nebelwand immer wieder zurück. Es war wirklich eine seltsame Situation: Ich blickte immer wieder über die Schulter und sah den Nebel ganz nah – er ging nicht weg, kam aber auch nicht näher.

      • “der Wind verhinderte auch wirkungsvoll, dass sich Tau auf der Linse niederschlägt”

        Das Beschlagen des Objektivs ist eine lästige Sache, denn sobald sich die Frontlinse abkühlt beginnt die Feuchtigkeit zu kondensieren. Ich bekam auch schon verschiedene Ratschläge, wie sich das verhindern lässt. Eine wirkliche Hilfe hatte aber niemand anzubieten. Selbst die relativ teuren beheizbaren Taukappen sollen nach einer gewissen Zeit keine Wirkung mehr zeigen. Von chemischen Mitteln, die man auf die Linse aufträgt, möchte ich schlicht abraten, da diese eine elende Schmiererei verursachen. Bisher versuche ich den Wärmeverlust des Objektivs mit einem Handwärmer auf Basis einer Salzlösung auszugleichen, den ich mit dazu packe. Allerdings kühlt dieser relativ schnell aus. Gibt es vielleicht noch eine andere Lösung?

        • Vielleicht so ein kleiner Ventilator mit Batterieantrieb oder USB-Stromversorgung? Wenn man den seitlich an der Kamera befestigen kann … dergestalt, dass er immer quer über die Frontlinse des Objektivs pustet?

          • Ich sehe schon, für das Problem der beschlagenen Linsen gibt es keine vernünftige Lösung. Ein “kleiner Ventilator mit Batterieantrieb oder USB-Stromversorgung” lässt sich an meiner Kamera leider nicht befestigen, auch wenn ich die Idee recht interessant finde. 🙂

          • Na, wenn Canon Ringblitzgeräte herstellen kann, werden sie die Dinger doch wohl auch so modifizieren können, dass ein Ringlüfter draus wird? ^^

  3. Einfach ein paar verrauschte Sternchen im Halbdunkeln. Das man sich als Wissenschaftsblogger so darauf fixieren kann…

    Ehrlich gesagt, als mir die Finger immer klammer wurden und mir schmerzhaft bewusst wurde, schon seit vor 5 Uhr auf den Beinen und an der doch ziemlich frischen Luft zu sein, war genau dies der Gedanke,der mit wortwörtlich den den Kopf ging.

    Zum Thema ISO, Blende und Belichtungszeit:

    1.) Belichtungszeit: Venus und Jupiter sind von einem Strahlenkranz umgeben. Das ist ein Bildfehler, der an einem Spitzlicht durch einen Beugungseffekt an den Lamellen der Irisblende entsteht, wenn die Belichtungszeit ausreichend lang ist. Diesen Effekt kann man absichtlich herbeiführen – man muss nur abblenden und lange belichten. Andererseits muss man bei langen Belichtungszeiten und Pol-fernen Objekten vorsichtig sein, selbst bei 50 mm Brennweite macht sich die Erdrotation ohne Nachführung schnell bemerkbar. Mit einer Sekunde kann ich sicher sein, dass noch nichts passiert, bei mehr müsste ich aufpassen. Ich hätte ja natürlich auch die nachführende Montierung aufbauen können. Aber ehrlich – die jetzt auch noch einpacken, auspacken, aufbauen, einnorden – keine Lust.

    2.) ISO-Wert: 10,000 ist natürlich schon heftig eingeschenkt, aber die EOS6D hat den Wert noch einigermaßen im Griff. Außerdem musste ich ja abblenden, um den besagten Sterneffekt hinzukriegen. Dazu müssen die Lamellen der Irisblende deutlich ins Bildfeld ragen. Viel weniger als 10,000 hätte ich da nicht nehmen können.

    3.) Blende: Dazu ist eigentlich schon alles gesagt. Es hilft, wenn man seine Objektive sehr gut kennt, was nach Jahrzehnten des Gebrauchs üblicherweise auch der Fall ist. Ich hatte eigentlich gehofft, den Effekt auch bei Mars und Merkur zu produzieren, damit alle vier Planeten im Bild markiert sind, aber die beiden waren einfach zu leuchtschwach – es ging nur bei Venus und Jupiter.

    Zusammengenommen: Allzu viel Bewegungsspielraum (“wiggle room”) hatte ich da wohl nicht mehr.

    • Mir riet man noch vor wenigen Tagen, besser keine Tempotaschentücher zu nehmen, weil die meistens – womit auch immer – imprägniert seien? Und überhaupt, das wäre ja viel zu einfach; wo bleibt denn da der Tüftelspaß?! *g*

      Mir gefällt übrigens das Bild mit dem Baum etwas besser als das andere. Es macht noch ein klein wenig deutlicher, wie winzig wir selber sind.

    • Um die beschlagene Frontlinse vorsichtig trockenzutupfen verwende ich weiche, fusselfreie Kosmetiktücher oder Papiertaschentücher, die nicht mit Ölen oder Duftstoffen imprägniert wurden. Zur Not tut es auch weiches, weißes Toilettenpapier. Zur Trockenreinigung eignet sich ein Fotopinsel, ein Linsen-Ledertuch, Linsenputzpapier oder feines Zigarettenpapier, wie es Raucher für ihre selbstgedrehten Zigaretten verwenden. Auf keinen Fall sollte man Brillenputztücher verwenden, weil diese mit der Zeit die Vergütung beschädigen können.

  4. Ehrlich gesagt, ich habe mir nie allzu große Gedanken um meine Objektive gemacht. Gut, ich schmeiße die jetzt auch nicht gerade herum, aber es ist bestimmt nicht so, dass ich da nun vorsichtig herumtupfen würde, wenn sie beim Außeneinsatz mal feucht werden – die werden trocken gewischt und gut is’. Das müssen die halt abkönnen – Hardware, die das nicht abkann, betrachte ich als Fehlkauf.

    Und trotzdem ist es nicht so, dass ich reihenweise verschlissene Kameras oder Objektive wegschmeißen müsste. Im Gegenteil, ich habe Geräte, die älter sind als ich und noch tadellos ihren Dienst verrichten. Ich behandle optische Geräte mit Respekt, aber ich behandele sie nicht wie rohe Eier. Sonst könnte ich damit auch gar nicht vernünftig arbeiten.

    • “Ehrlich gesagt, ich habe mir nie allzu große Gedanken um meine Objektive gemacht.”

      Das kann jeder halten, wie er will! Wenn Sie Geräte besitzen, die älter sind als Sie selbst, dann haben diese in der Regel gar keine oder nur eine einfache Vergütung. Mehrfachvergütungen (bis zu drei Schichten) gibt es erst seit den 1970er-Jahren. Sehr teure Objektive werden heutzutage sogar mit bis zu sieben Schichten sowie einer zusätzlichen schmutzabweisenden Schicht (Lotoseffekt) ausgestattet. Die verschiedenen Vergütungen sind oft nur wenige Nanometer dick und entsprechend empfindlich. Sie dienen u.a. der Reduktion von Spiegelungen, Lichtreflexen und Geisterbildern. Im Gegensatz zu früher ist heutzutage nicht nur die Frontlinse, sondern auch die Rückseite eines Objektivs vergütet. Beschädigungen lassen sich mit bloßem Auge kaum feststellen. Zudem weiß man oft nicht aus was die einzelnen Schichten bestehen, von daher sollte man bei der Reinigung vorsichtig ans Werk gehen und beim Transport immer die Objektivdeckel drauflassen.

      • Ja, sicher achte ich darauf, dass vermeidbare Beschädigungen auch vermieden werden. Ich lasse immer die Deckel hinten und vorne dran, wenn die Objektive gelagert werden. Auch achte ich darauf, dass sie trocken stehen. Glaspilz ist durchaus ein Thema, umso mehr, wenn die Objektive bei erhöhter Luftfeuchtigkeit gelagert werden. Ein wichtiger Punkt ist auch mechanische Dauerbelastung. Man sollte darauf achten, dass nicht ständiger Druck auf den Gewinden lastet, beispielweise wenn etwas Schweres auf den Objektiven liegt oder wenn das Objektiv in ein zu enges Futteral gequetscht wird, oder dass die Kamera mit einem Objektiv dran niemals so gelagert wird, dass eine konstante Querkraft auf das Objektiv wirkt.

        Nach meiner Erfahrung sind alte Objektive oft einfach wertiger gebaut und gegen mechanische Belastung unempfindlicher als moderne mit ihrem oft erheblichen Kunststoffanteil und geringeren Materialeinsatz. Aber vielleicht kommt mir das nur so vor, weil die alten Objektive, die bis jetzt überlebt haben, einfach die besten aus der damaligen Zeit sind. Die weniger guten, die früher produziert wurden, wurden längst vom Zahn der Zeit zernagt und befinden sich daher nicht mehr in meinem Fundus.

        Ich habe nicht nur alte Sachen, sondern Geräte aller Altersstufen. Aber hochgezüchtete Sensibelchen, die man mit Samthandschuhen anfassen muss, wären wohl eher nichts für mich. Die würden mit mir nicht glücklich werden und ich nicht mit ihnen. Gerade in der Astrofotografie braucht man in erster Linie robuste Technik. (Wer will, kann das gern auch so ausdrücken, dass die zu schade für mich wären)

        Ich kann auch nicht behaupten, dass ich mit der optischen Qualität meiner Ausrüstung unzufrieden bin, also ist es wohl offenbar so, dass der damalige Stand der Technik für meine Zwecke ausreicht.

        • Ja, die alten Sachen wurden “oft einfach wertiger gebaut” und “hochgezüchtete Sensibelchen, die man mit Samthandschuhen anfassen muss” mag ich sowieso nicht. Über meine Spiegelreflexkameras kann ich mich auch nicht beklagen, das Problem sind eher die kleinen digitalen Kompaktkameras, die trotz sachgerechter Behandlung einige Tage nach dem Ende der Garantiezeit ihren Geist aufgeben. In der analogen Zeit verwendete ich zuletzt eine Olympus mju 1, mit der ich sehr zufrieden war und die bis heute einwandfrei funktioniert. Trotzdem möchte ich mir wieder eine neue kleine Digitalkamera kaufen, weil ich nicht immer die riesige Fototasche herumschleppen will.

          • Sie haben aber zuvor ausdrücklich von sehr teuren Objektiven gesprochen, die sehr aufwändig vergütet und deswegen sehr empfindlich sind. Darauf habe ich Bezug genommen. Billige kleine Digiknipsen sind ein ganz anderes Thema, finde ich. Wobei ich die Erfahrung, dass die schnell den Geist aufgeben, auch nicht bestätigen kann. Gut, aber das ist nicht so wichtig.

            Offenbar möchten viele Fotografen eine kleine und trotzdem hochwertige Technik. Das ist nicht neu – es gab schon immer besonders kompakte Kameras, deren Qualität keinen Vergleich zu scheuen brauchte. Ich nenne da beispielsweise die Leica CL aus den 70ern.

            Auch heute wird die Marktnische “Premium-Kompakt” von allen Herstellern beackert, mal mit weniger Erfolg, mal als ziemlicher Volltreffer.

          • “Sie haben aber zuvor ausdrücklich von sehr teuren Objektiven gesprochen, die sehr aufwändig vergütet und deswegen sehr empfindlich sind.”

            Die meinte ich weiter oben ja auch, da ich früher oft mit firmeneigenen Kameras im Gegenwert eines Kleinwagens gearbeitet habe, das andere war nur so nebenbei erwähnt.

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