Vom Skorpion verschluckt: Die ISS am 17.6.

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Raumfahrt aus der Froschperspektive
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Es wird langsam langweilig. Nur noch ein Mal, dann ist erst einmal Schluss, versprochen. Eigentlich wollte ich ja schon nach dem 15.6. mit dem Fotografieren der ISS-Überflüge aufhören, jedenfalls bis auf Weiteres. Aber der von heute Abend war einfach zu interessant. Knapp am Mars vorbei, fast durch Spica und dann direkt vor dem Skorpion ‘rein in den Erdschatten. Das musste ich noch mitnehmen.

Die ISS über Darmstadt am 17.6.2014, 23:09 - 23:14 MESZ. Sichtbarer Überflug beendet durch Schatteneintritt. Komposit aus 18 Einzelaufnahmen, Canon EOS 600D, Sigma EX 10 mm f2.8 DC, ISO 400, Blende 2.8, 15 Sekunden pro Aufnahme
Credit: Michael Khan, Darmstadt / Die ISS über Darmstadt am 17.6.2014, 23:09 – 23:14 MESZ. Sichtbarer Überflug beendet durch Schatteneintritt. Komposit aus 18 Einzelaufnahmen, Canon EOS 600D, Sigma EX 10 mm f2.8 DC, ISO 400, Blende 2.8, 15 Sekunden pro Aufnahme

Die ISS fliegt hier wieder von Westen über Süden nach Osten und deswegen von rechts nach links durchs Bild (Originalaufnahme 2592×1728). Kurz vor Erreichen der Schere des Skorpions (über den Pappeln links im Bild) erfolgt der Eintritt in den Erdschatten. Immer wieder beeindruckend, wie der helle Diamant am Himmel binnen Sekunden zu einem glimmenden Funken zerschmilzt und dann ganz verschwindet. Ich möchte zu gern wissen, wie man das als Passagier eines Raumfahrzeugs erlebt.

Als Konsequenz aus den sichtbaren Nahtstellen zwischen den zurechtgeschnittenen Einzelaufnahmen in dem Bild vom 15.6., die aus der sichtbaren Helligkeitsabnahme während der 30 Sekunden Belichtung resultieren, habe ich diesmal den ISO-Wert auf 400 erhöht und dafür die Belichtungszeit auf 15 Sekunden reduziert. Die Nahtstellen sind tatsächlich deutlich weniger auffällig.

Dafür gibt es dann halt mehr Unterbrechungen in der Strichspur. Leider ist eine Unterbrechung ausgerechnet dort, wo die ISS an Spica vorbeiflog. Dafür ist der komplette sichtbare Bogen in der Aufnahme enthalten. Das ging hier, weil die maximale Elevation niedrig und der Bogen entsprechend kürzer war.

Wirkliche HImmelsbeobachtung ist bei solchen Lichtverhätnissen schwierig, aber zum Chillen auf der Terasse eignet sich der Frühsommer perfekt. Da sind zum einen die Bäume, die sich rattenscharf und rabenschwarz gegen den rötlichen Himmel abzeichnen. Dann die Gestirne. Erst nur Mars und Saturn. dann sieht man auch Arktur. dann Spica, und später auch Regulus. Inzwischen ist der Mars von einem blassen Punkt zu einem leuchtenden Diamanten geworden. Antares tritt immer deutlicher hervor und ist tiefrot.

Mein persönliches Aha-Erlebnis stellte sich beim Betrachten der Aufnahme ein. Ich hätte nicht erwartet, so viele Objekte im Haar der Berenike zu sehen.

Ich bin Luft- und Raumfahrtingenieur und arbeite bei einer Raumfahrtagentur als Missionsanalytiker. Alle in meinen Artikeln geäußerten sind aber meine eigenen und geben nicht notwendigerweise die Sichtweise meines Arbeitgebers wieder.

10 Kommentare

  1. Ich finde es nicht langweilig und bin echt ‘neidisch’. Nachdem es Sonntag ( http://astrozwerge.wordpress.com/2014/06/16/iss-mars-und-saturn-und-noch-viel-mehr/ ) bei mir mit dem Auslösen nicht rechtzeitig klappte und das Bild etwas zu schwach belichtet war, hab ich es gestern wohl etwas übertrieben. Nun ist die Zusammenstellung so hell, dass die Spur nicht mehr zu sehen ist 🙁 Umso mehr gefallen mir diese Bilder. Also, jederzeit wieder …
    Womit wurden die Bilder zusammengesetzt? Und was machen die Mondbilder?

    • Ich war diesmal schon eine ganze Zeit vorher auf meiner Beobachtungswiese und hatte jede menge Zeit, mit der Belichtungszeit zu experimentieren. Bei der ISS ist es ja so, dass man die mit ihrer negativen Magnitude (gestern -3.2mag) ohnehin im Bild sehen wird. Das ist nicht wie wenn man Satelliten oder Weltraumschrott fotografieren will, die vielleicht +3mag oder +4 mag hell werden und deswegen problematisch sein können. Also kann man in aller Ruhe mit Belichtungszeit und ISO-Einstellung experimentieren und den Standort und die Blickrichtung optimieren. Natürlich unter Berücksichtigung der Tatsache, dass Mitte Juni die Helligkeit des Himmels um 23:10 MESZ noch von Minute zu Minute deutlich abnimmt.

      Ich hatte mir ja vorher schon ISO 400 und 15 Sekunden als ungefähre Richtwerte ausgeguckt. Um 23:00 habe ich noch letzte Testaufnahmen gemacht, da war der Himmel noch etwas zu hell, aber man sah schon den Skorpion und andere Sterne im Süden und Südosten recht gut, also ging ich davon aus, dass mit der weiteren Verdunklung des Himmels in den 10 Minuten oder so bis zum Erscheinen der ISS die Belichtung perfekt sein würde. Und so war es auch.

      Ich habe die Bilder mit der Freeware Gimp zurechtgeschnitten, immer so, dass der rechte Bildrand am rechten Rand der Strichspur endete. Das erste Bild, in dem die ISS im Westen aufging, ließ ich unverändert. In dieses Bild fügte ich das zweite als neue Ebene linksbündig ein. Dann fügte ich darüber das dritte als neue Ebene linksbündig ein usw., bis alle 18 gestapelt waren. Dann wählte ich “Ebenen vereinen” und das war’s. Fertig.

      Elf Mondbilder sind auf meiner Festplatte. Sie sind sogar großenteils bearbeitet, müssen aber noch in eine Gesamtserie zusammengefügt werden. Vielleicht habe ich heute mal Zeit.

      Eigentlich wollte ich mal sehen, was Envisat so macht. Der nächste gute Envisat-Überflug über Darmstadt ist am 19.6.. Also hätte ich heute Abend Zeit ….

        • Gar nicht schlecht. Ich verstehe nur eins nicht: Sie und ich haben zur selben Zeit die ISS fotografiert, aber Ihr Wohnort ist etwas weiter nördich und östlich – war denn zu der Zeit an Ihrem Standort die Abendröte bereits komplett vorbei? Ich sehe davon in Ihren Bildern keine Spur mehr, während sie in meinen Bildern noch deutlich heraustritt.

          • Abendröte war da nicht mehr. Ich vermute, dass die doch sehr hoch stehenden Bäume den Rest vom Rot geschluckt haben. In etwas nördlicherer Richtung mit entfernteren Bäumen war es noch etwas heller.

          • Verstehe. Schade, obwohl ich eigentlich die Landschaft, die sich da vor Ihnen ausbreitet, sehr hübsch finde. Das “Tüpfelchen auf dem i” wäre es, wenn sich die Baumwipfel schwarz und und scharf wie ein Scherenschnitt vor dem letzten Rest des Abendrots abzeichnen würde.

            Das Ende der Abenddämmerung ist für mich der schönste Teil des Abends, was den Gesamteindruck angeht. Da ist der Farbkontrast von samtigem Blau, fast schon violett, über rot und orange bis hinunter zum Horizont. Dann treten die Sterne einer noch dem anderen hervor, wo man nur hinschaut und wo eben noch nichts zu sehen war. Die Sternbilder zeichnen sich ebenso unvermittelt ganz deutlich ab. Die hellen Sterne und Planeten wirken wie funkelnde Diamanten in unterschiedlichen Farben, die unglaublich nah erscheinen. Dazu singen noch vereinzelt Vögel und es ist warm.

            Einen Astronomienovizen sollte man genau in dieser Zeit mit zum Spechteln nehmen. Diesen Eindruck vergisst man nie wieder.

  2. Dafür gibt es dann halt mehr Unterbrechungen in der Strichspur. Leider ist eine Unterbrechung ausgerechnet dort, wo die ISS an Spica vorbeiflog.

    Wieso denn “leider”? Das sieht doch cool aus

  3. Hallo,
    ein sehr schönes ISS-Foto ist Ihnen dort gelungen. Ich habe auch mal die Bearbeitung des Bildes in den Kommentaren gelesen.
    Für das vereinen der Bilder gibt es einen wesentlich einfacheren Weg. Ich verwende für die Vereinigung die Software StarTrails. Diese ist eigentlich für Strichspuren der Sterne gedacht, kann aber mit der ISS sehr gut umgehen.
    Der große Vorteil Ihres Vorgehens sind die Punktfömigen Sterne während bei meiner Methode die Sterne doch schon auffällige Spuren zeigen. Siehe auch in meinem Blog diesen Artikel: http://www.clearskyblog.de/2014/06/23/wie-du-selbst-tolle-fotos-der-iss-machen-kannst-teil-22/
    Viele Grüße
    Stefan Gotthold
    P.S. Und langweilig wird es mit der ISS nicht so schnell. Sonnen- und Mondbedeckungen sind das nächste Ziel 😉

    • Lieber Herr Gotthold,

      Vielen Dank für den Tipp. Die Software StarTrails ist mir auch von einem Vereinskollegen empfohlen worden. Ich habe da zwar gewisse Vorbehalte, denn wenn ich das richtig verstanden habe, würde die Software die Lücken in der Strichspur schließen, also etwas erzeugen, was ich gar nicht fotografiert habe. Da bin ich ein bisschen zurückhaltend. Aber ich sollte es einfach mal ausprobieren.

      Eine Frage noch: Ich habe mich auf Ihrem Blog umgesehen, aber keine Möglichkeit gefunden, Ihre Bilder in Originalgröße anzuschauen. Ist das so gewollt oder mache ich etwas falsch?

  4. Hallo Herr Kahn,
    StarTrails hat mittlerweile mehrere Einstellmöglichkeiten. Es gibt die Möglichkeit Lücken schliessen zu lassen. Diese muss aber nicht verwendet werden. (StarTrails: http://www.clearskyblog.de/2014/06/17/astronomiesoftware-startrails-version-2-3-freeware/)

    Und Sie haben recht. Ich denke nicht immer dran das Originalbild zu verlinken. Das scheint im ISS-Artikel auch der Fall gewesen zu sein. Das Bild sollte nun auch verlinkt sein. Da ich mit dem Windows Live Writer die Artikel schreibe werden die Bilder nicht automatisch in eine Gallerie-Funktion eingebetet und daher muss ich dort aktiv dran denken.
    Hie der Link zum originalen Bild. http://www.clearskyblog.de/wp-content/uploads/2014/06/Startrails_ISS_Passover1_20140615_11.jpg

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