Der Vollmond, farbverstärkt

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Raumfahrt aus der Froschperspektive
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Heute ist Vollmond. Das Seeing ist nicht doll, aber das war mir heute mal nicht so wichtig, denn ich wollte ein Experiment durchziehen, das ein Kollege aus dem Astronomieverein unlängst vorschlug. Es geht einfach mal darum, die Farben des Mondes zu erkunden. Dabei kommt es auf die Schärfe nicht so an.

Ja, genau: die Farben. Der Mond erscheint uns eintönig grau, aber er ist ein geologisch sehr vielseitiger Körper, was sich auch in der lokalen Oberflächenfärbung bemerkbar macht. Also, los geht’s: Hier das, was wie alle heute gesehen haben, sofern wir mal den Blick zum Himmel richteten. Die Aufnahme entstand gegen 21:45 MESZ. 

The Full Moon on Friday, April 6, 2012, natural colours

Das Bild habe ich in Gimp geladen (jede andere einigermaßen leistungsfähige Bildbearbeitungssoftware tut’s auch) und dann kräftig alle Farbkanäle hochgezogen. Wohlgemerkt: das ist etwas ganz Anderes als eine Nachfärbung! Die Farben, die man hier sieht, waren vorher schon im Bild, aber sehr schwach. Ich habe sie lediglich verstärkt. Ich kann natürlich nicht die Hand dafür ins Feuer legen, dass ich dabei nicht ungewollt einen Farbstich produziert habe. Vielleicht kann ja mal jemand das Bild oben herunterladen und selbst die Farben verstärken, um zu sehen, was dabei herauskommt.

Das Ergebnis sehen Sie hier:

The Full Moon on Friday, April 6, 2012, colour enhanced, source: Michael Khan

Das ist jetzt interessant, oder? Die Maria (“Meere”), alte Einschlagsbecken, die sich mit Basalt aus dem damals noch glutflüssigen Mondinneren gefüllt haben, erscheinen orange bis braun. Die intensiveste Braunfärbung scheint das Mare Tranquillitatis zu haben, dann Oceanus Procellarum, Mare Serenitatis und Mare Humorum. Auffällig auch einzelne dunkelbraun gefärbte Regionen im Mare Vaporum und östlichen Mare Imbrium.

Die Hochländer erscheinen dagegen in Gelbtönen und Krater, insbesondere die jungen, blau. Besonders dunkelblau heben sich Krater hervor, die dem bloßen Auge hell erscheinen, wie Aristarchus. Solche Krater sind geologisch jung und das Auswurfmaterial ist noch nicht verwittert. 

Die Farbverstärkung hebt sogar eine Menge Details hervor, die man im unverstärkten Original gar nicht sieht. Der Boden des jungen Kraters Tycho erscheint mittelblau, der Ring aus Auswurfmaterial, der mit bloßem Auge dunkel erscheint, ist hier himmelblau. Der ältere Krater Copernicus erscheint auch himmelblau, die ihn im weitem Umkreis umgebende Decke aus Auswurfmaterial dagegen orange. 

+++ Nachtrag: Farbinvertierung +++

Vollmond am 6.4.2012, Farben verstaerkt und dann invertiert.Auf Vorschlag eines Kommentators habe ich mal die Farben invertiert, sodass die “Meere” blau sind, wie es sich gehört. Das Ergebnis ist – ein Exoplanet, jedenfalls fast. Visuell jedenfalls ziemlich beeindruckend (sofern einem Jerusalem-Kerzen nicht ganz zuwider sind), und durchaus hilfreich bei der Darstellung selenologisch wichtiger Details. Auf die im Kommentar vorgeschlagene weitere Bildbearbeitung habe ich allerdings verzichtet.

Ich bin Luft- und Raumfahrtingenieur und arbeite bei einer Raumfahrtagentur als Missionsanalytiker. Alle in meinen Artikeln geäußerten Meinungen sind aber meine eigenen und geben nicht notwendigerweise die Sichtweise meines Arbeitgebers wieder.

30 Kommentare

  1. invertieren

    Sehr schoen!
    Aber waere es nicht “sinnvoller”, die Meere blau und das Bergland in Erdfarben zu haben?

    Gesagt-getan: Bild invertieren, dann den (jetzt) weissen Hintergrund wieder schwarzfaerben – Bingo.

    Anschliessend kann man noch seiner Kreativitaet freien Lauf lassen und z.B. den ganzen Mond dessen Kuestenlinien entsprechend blau-hellblau-weiss-gruenlich faerben und schon sieht der Mond aus wie unser blauer Planet.

    Kann man sich glatt als Poster an die Wand haengen

  2. Cool 🙂

    Klasse Idee, und wirklich schön. Ich folge dem Rat meines Vorkommentators und werde gleich ein bildhübsches neues Poster haben, falls der Drucker auch druckt.

    Btw: Wo lebst du, dass du heute überhaupt so etwas wie Seeing hattest? Neid … ich hatte Wolken, Wolken, Regen, aber gestern ging es wenigstens kurz. Und der gestern fast)Vollmond ist gar nicht langweilig, selbst Saturn habe ich darüber vergessen.

  3. Das Web ist voll davon

    Die Farbsättigung des Vollmonds zu steigern, ist ein beliebter Astronomen-Sport, seit es DSLRs gibt – man muss nur mal nach “full moon color enhancement” o.ä. googeln. Ganze Webseiten hat’s dazu, http://www.colormoon.pt.to zum Beispiel: Hier werden die Amateur-Experimente auch gleich mit Galileo-Bildern verglichen.

  4. Osterhase

    Danke für das schöne Bild!

    Aus aktuellem Anlass möchte ich auf einen wichtigen Aspekt hinweisen, den Du doch glatt unterschlagen hast: Dir ist es gelungen, den Osterhasen im Mond deutlich hervorzuheben!

    Hm, ob der Mythos des Osterhasen wohl auch astronomischen Ursprungs ist??

    Schöne (F)eiertage!
    Uwe

  5. Antworten

    @ak: Done!

    @Theres: In Südhessen ging’s gestern Abend noch mit der Sicht, aber wirklich gut war’s auch nicht. In der Nacht zog sich’s allerdings zu.

    @Daniel Fischer: Tja, was soll’s, ich will halt immer alles selbst ausprobieren. Zu etwas Anderem taugte das Bildmaterial von gestern Abend auch nicht.

    Andere einschlägige Webseiten, insbesondere die von Filipe Alves, sind mir bekannt – man stößt ja beim Googeln sofort darauf. Klar sind die Bilder dort viel besser als meine. Aber auch da sage ich: Was soll’s, das Web ist auch voll von Mondbildern aller Art, wenn’s nur darum ginge, könnte ich gleich einpacken.

    Der Vergleich mit den Bildern der Galileo-Raumsonde, insbesondere PIA00132 ist vielleicht etwas irreführend, denn meines Wissens handelt es sich dabei um ein Falschfarben-Komposit zur besseren Darstellung der Gesteinszusammensetzung.

    @Uwe Reichert: Haha, das stimmt! Und jetzt habe ich auch noch einen blauen Osterhasen produziert. 🙂

  6. Ostermond

    Zu Ostern ein buntgefärbter Mond, das ist ja eine goldige Idee. Wobei gefärbt ja nicht ganz richtig ist, denn hier handelt es sich ja um eine Farbverstärkung, wie Sie schreiben. Wurden hier die Farben einzeln bearbeitet? Ich habe mich auch an Ihrem Mond versucht und etwas rumgespielt, das Ergebnis sieht jedoch ganz anders aus, was keine Absicht ist. Wobei ich das Meiste mit der Tonwertkorrektur, der Gradationskurve und der Verstärkung der Schlagschatten gemacht habe (um mehr Schärfe zu bekommen). Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob ich da wirklich die Orginalfarben verstärkt habe. Leider habe ich mein erstes Werk, das am besten aussah, in den Orkus gespeichert und musste nochmal von vorne anfangen, das Ergebnis sieht nun wieder etwas anders aus.
    Anscheinend ist das wirklich wie mit den Ostereiern, die sehen auch alle verschieden aus. Hier ist mein Ostermond: http://www.pic-upload.de/…220/Ostermond.jpg.html

  7. Die Monde sehen alle cool aus. Wieso sind die Farben so unterschiedlich, bei einer “Farbverstärkung” müsste das Ergebnis doch gleich sein. Der verlinkte Mond von Frau Mona sieht auch schärfer aus. Ist das ein anderes Fotobearbeitungsprogramm?

  8. Die Farbe des Mondes @Laertes

    Ich kann jetzt bloß für mich sprechen, bei meinem Mond wurden die Farben zwar mit der Bildbearbeitungssoftware “verstärkt”, aber das sind natürlich nicht die Orginalfarben. Ich habe auch festgestellt, dass man mit manchen Bildbearbeitungsprogrammen die Schärfe nicht so gut “rauskitzeln” kann, wie mit anderen. Herr Khan verwendet Gimp und ich Photoimpact X3. Jedes Programm ist etwas unterschiedlich und hat seine Vor-und Nachteile.

    Der Mond besteht nur aus zwei verschiedenen Landschaften. Aus hellen Hochländern und dunklen Meeren. Im Wesentlichen besteht das Hochlandgestein aus Aluminium, Kalzium, Eisen und Titan. Die dunklen Meere des Mondes sind der Lava auf der Erde ähnlich, enthalten aber etwas weniger Silizium und Aluminium, dafür mehr Eisen, Titan und Magnesium.
    Da der Mond aus verschiedenen Gesteinsarten besteht, könnte er schon ein kleines bisschen bunt sein, aber keinesfalls so wie auf unseren Bildern. Überwiegend dürfte er jedoch grau sein. Außerdem spielt für die Wahrnehmung von Farben ja auch der Lichteinfall eine Rolle, deswegen erscheint uns die sonnenzugewandte Seite des Mondes weiß, weil alles Licht reflektiert wird und die sonnenabgewandte Seite dürfte ziemlich schwarz sein, da alles Licht verschluckt wird.

  9. Osterhase?

    Ähm… – wo finde ich denn den Osterhase im Mond? – Ich hab da zwar ‘ne Vermutung, bin aber nicht sicher?

  10. Der Mondhase @Hans

    Die Geschichte vom Hasen im Mond kommt ursprünglich aus Indien und gelangte über China nach Japan. Dort sieht man den Hasen bei Vollmond Reiskuchen stampfen. In Japan gibt es dazu um den 15. September herum, wenn Vollmond ist, sog. Mondschauen mit einem kulturellen Programm. Dabei kann man den Mond betrachten und Gedichte schreiben, wie manche Japaner es tun. Ursprünglich war die Mondschau, “tsukimi” genannt, wohl dazu da, der Mondgottheit zu opfern und sie um eine gute Ernte zu bitten. Dazu wurden ihr Reiskuchen, Obst und Reiswein dargebracht.

    Hier kann man die Umrisse eines Hasen mit Mörser auf dem Mond sehen: http://de.wikipedia.org/wiki/Hase_im_Mond

  11. @Hans, Mona: Mondhase

    Zusätzlich zu Monas umfassender Aukunft:

    Da, wo wir den “Mann im Mond”, also ein Gesicht zu sehen meinen, meinen die Menschen aus ostasiatischen Kulturen einen Hasen zu sehen. Man sieht ja bekanntlich immer das, was man zu sehen erwartet, also haben solche Überlieferungen einen selbst-erhaltenden Effekt.

    Hier ist eine japanische Glückwunschkarte, die ich für das Jahr 2011 angefertigt habe. 2011 ist nach ostasiatischer Zählung das Jahr des Hasen. Anfang des Jahres schicken sich die Japaner gegenseitig massenhaft “nengajou”, d.h., Glückwunschkarten zum Jahresanfang. Das japanische Neujahr wurde im Zuge der Öffnung des Landes nach Westen im 19. Jahrhundert der westlichen Zeitrechnung angepasst, also beginnt bei denen das Jahr wie bei uns am 1. Januar.

    Auf meiner nengajou-Karte sieht man meine Interpretation des sichtbaren Hasen auf dem Vollmond. Meiner ist ein zugegebenermaßen ziemlich dicker Hase, der auch noch den Charme hat, dass einige kleine Maria im Westen einbezogen sind, und zwar als Köttel.

    Abgesehen davon: Ohren: Fecunditatis, Nectaris, Tranquillitatis. Kopf: Serenitatis. Vorderpfoten: Plato und Snus Iridum. Körper: Imbrium, Oceanus Procellarum, Cognitum, Nubium. Hinterlauf: Westteil des Oceanus Procellarum. Schwanz: Humorum

  12. @Mona, @Laertes

    Laertes’ Frage ist durchaus berechtigt. Es mag zwar, wenn der Mond unter unterschiedlichen Beobachtungsbedingungen aufgenommen wurde, Unterschiede in den Farbwerten geben.

    Hier aber reden wir von der Verstärkung der Farben in ein- und demselben Bild. Außerdem sind die durch die Verstärkung erhaltenen Farben nicht nur leicht unterscheidlich, sondern fundamental. Bei mir werden die Meere braun, bei Monas Bearbeitung blau-violett.

    Einer von uns muss da wohl was falsch gemacht haben, und ich vermute, dass ich das war. Ein Fehler alleine macht mir nichts aus. Wenn ich etwas falsch gemacht habe und dadurch lerne, wie man es richtig macht, dann war der Fehler nützlich. Leider ist mir aber noch nicht klar, wo genau ich gepatzt habe.

    Folgendes habe ich gemacht:
    – Originalaufnahme in Gimp geladen.
    – Menü “Farben” – Untermenü “Kurven” gewählt. Dort das logarithmische Histogramm dargestellt. Offenbar sind alle drei Grundfarben einmal bei den geringen Intensitäten präsent (das wird der Effekt des Rauschens im dunklen Himmel sein) und dann noch einmal bei mittleren Intensitäten. Blau ist am wenigsten präsent, Grün etwas mehr und rot am meisten.
    – Nun habe ich einfach den mittleren Bereich, also dort, wo alle drei Farbwerte präsent sind, hoch gezogen.

    Es gibt auch automatische Farbverstärkungen. Unter Menü “Farben”, Untermenü “Automatisch” gibt es u.a. die Funktionen “Farbverbesserung” und “HSV Strecken”.

    “Farbverbesserung” passt hier eher – das verstärkt die Farben, behält aber die relativen Farbwertverbesserungen bei. Damit erhalte ich einen rötlichen (von orange bis braun wechselnden) Mond. Die Rottöne übersdecken aber da offensichtlich noch die blauen und grünen Komponenten.

  13. @Michael Khan

    “Da, wo wir den “Mann im Mond”, also ein Gesicht zu sehen meinen, meinen die Menschen aus ostasiatischen Kulturen einen Hasen zu sehen. Man sieht ja bekanntlich immer das, was man zu sehen erwartet, also haben solche Überlieferungen einen selbst-erhaltenden Effekt.”

    Da haben Sie recht! Im katholischen Bayern sah man den Mann im Mond übrigens nicht als Mondgesicht, zumindest war das so, als ich noch ein kleines Mädchen war, sondern man sah einen Mann, der ein Bündel Reisig auf dem Rücken schleppt. Er hatte verbotenerweise am heiligen Sonntag Holz gesammelt und damit gegen das dritte Gebot verstoßen, deswegen wurde er von Gott auf den Mond verbannt. Ich habe mal gegoogelt und die Geschichte tatsächlich wieder gefunden:
    http://www.labbe.de/…;themaid=75&titelid=164

    Apropos Schuld. Sie haben bei der Bildbearbeitung mit Sicherheit nichts falsch gemacht und ich sehe da jetzt auch keinen Grund für irgendwelche Schuldzuweisungen. Ich tausche mich gerne mit Ihnen aus, weil Sie mich motivieren, dass ich mich überhaupt mit dem Thema befasse und ich auch von Ihnen lernen kann. Wie ich schon schrieb, dürfte der Mond ja eigentlich eher grau sein, also nicht so farbig wie auf unseren Bildern. Normalerweise geht man immer vom Original aus, um keinen unabsichtlichen Farbstich zu produzieren, aber natürlich spielt beim Mond der Lichteinfall auch eine Rolle. Wir haben insofern die bestehenden Farben nicht nur verstärkt, sondern durch das “aufdrehen” auch noch zusätzlich Farbe reingemischt.

    Ich habe mit Photo-Impact zusätzlich über “Gradiationskurven” mit der Pipette Weiß – Grau und Schwarz aufgenommen und gesteigert. Zusätzlich habe ich mit “Farbmischung” die einzelnen Farben noch verstärkt. Zum Schluß habe ich mit “Helligkeit und Kontrast”, sowie mit “Schlaglichter”, den Effekt noch weiter hervorgehoben.

    Der Unterschied zwischen unseren Methoden ist die Verstärkung, und damit auch eine Veränderung der Farben, die ich in der “Farbmischung” durchgeführt habe. Während Sie lediglich die Gradationskurven auf Mittel verschoben. Einen anderen Unterschied sehe ich jetzt nicht und somit dürfte die Schuld wohl bei mir liegen, da ich etwas stärker herumspielte. M.E. ist es aber sowieso unmöglich, das Bild mit unterschiedlichen Bildbearbeitungsprogrammen annähernd gleich hinzubekommen, da es nicht einmal übereinstimmende Einstellmöglichkeiten zu geben scheint.

  14. Nachtrag

    Vielleicht hätte ich noch erwähnen sollen, dass die Bildbearbeitungssoftware kein “Neutral” kennt. Deshalb orientiert man sich bei der Bildbearbeitung entweder am Original oder man benutzt ein Testbild. Bei der analogen Bildbearbeitung habe ich mich gerne an der Farbe Weiß orientiert, falls vorhanden, denn da sieht man am ehesten, ob man einen Farbstich kreiert.

  15. @Mona

    Ich denke, es geht nicht so sehr um Schuld, und ich fühle mich hier auch nicht so wirklich schuldbewusst. 🙂 Es geht eher um einen Fehler in der Bildverarbeitung. Der Fehler ist nicht weiter schlimm – ich würde halt nur gerne wissen, woran es lag. Die Unterschiede in den Ergebnissen sind derart, dass ich nicht von Farbstichen oder graduellen Unterschieden sprechen würde.

    Ich habe bereits nachgeschaut, was ich aus älteren Vollmondbildern mit der Farbverstärkung herausholen kann. Da ging aber nicht viel.

    .

  16. @Michael Khan

    “Es geht eher um einen Fehler in der Bildverarbeitung. Der Fehler ist nicht weiter schlimm – ich würde halt nur gerne wissen, woran es lag. Die Unterschiede in den Ergebnissen sind derart, dass ich nicht von Farbstichen oder graduellen Unterschieden sprechen würde.”

    Hm, ich glaube meine Beschreibung hat Sie nicht weitergebracht. Wie ich schon schrieb, habe ich zusätzlich die “Farbmischung” angewandt. Außerdem haben wir beide die echten Farben total übersättigt. Wenn jeder sein Bild auf diese Weise individuell bearbeitet, dann schafft er halt auch sein eigenes Kunstwerk, was ja nicht weiter schlimm ist. Aber Ihnen kam es, glaube ich, schon darauf an, dass die Farben möglichst echt aussehen. Vielleicht ist Ihnen diese Seite eine Hilfe, da diskutierten noch andere über dieses Thema: http://forum.astronomie.de/…t_Full_Moon_in_Color

  17. @Mona

    Hm, ich glaube meine Beschreibung hat Sie nicht weitergebracht.

    Doch, ich habe schon gesehen, dass Sie die Farbmischung angesprochen haben. Aber – mangels besserer Kenntnis vielleicht zu Unrecht – habe ich die Vorstellung, dass, wenn man das macht, sich Orange zum Gelb verschiebt oder Rot zu Braun. Aber Gelb zu Blau?

    Dolle Sache, die Astronomie. Selbst Dinge, die auf den ersten Blick einfach erscheinen, stellen sich als vielschichtig und uneindeutig heraus.

    Ich schlage vor, das Experiment zu einem späteren Zeitpunkt zu wiederholen. Ich habe gerade neben meinem Refraktor ein Spiegellinsenteleskop (Maksutov-Cassegrain) zum Testen daheim, das wollte ich sowieso mal auf den Mond ausrichten.

  18. @Michael Khan

    “Doch, ich habe schon gesehen, dass Sie die Farbmischung angesprochen haben. Aber – mangels besserer Kenntnis vielleicht zu Unrecht – habe ich die Vorstellung, dass, wenn man das macht, sich Orange zum Gelb verschiebt oder Rot zu Braun. Aber Gelb zu Blau?”

    Ja, das ist auch etwas kompliziert. Bei Farben unterscheidet man nämlich zwischen subtraktiver und additiver Farbmischung. Und bei der Bildbearbeitung haben wir es mit beiden zu tun.
    Cyan (ein grünliches Blau), Magenta (Purpur) und Yellow (Gelb) sind die Grundfarben der subtraktiven Farbmischung. Aus nur drei CMY-Filterfarben können schon fast alle zur Korrektur von Farbstichen in Fotos benötigten Filterfarben erzeugt werden.

    “Subtraktive Farbmischung liegt vor, wenn Filter übereinander im Lichtweg liegen. Vom durchfallenden Licht nimmt jedes Filter etwas weg, und zwar jeweils seine Komplementärfarbe (ein gelbes Filter reduziert also Blau). Weil wegnehmen auch „subtrahieren” heißt, wird diese Farbmischung subtraktiv genannt.”

    Von hier: http://www.schneiderkreuznach.com/…urfilter1.htm

    Beim auffallenden Licht ist das aber anders, wenn zwei Lichtquellen aufeinandertreffen, dann addiert sich die Stäke der Lichtquellen. Wenn man aber beispielweise mit einer Taschenlampe grünes und rotes Licht auf die gleiche Stelle strahlt, dann sieht man Gelb. Rotes und blaues Licht ergibt ein helles Pink (Magenta) und Grün und Blau ein helles Türkis (Cyan). Mischt man alle drei Farben auf einmal, ergibt das Weiß. Das nennt sich additive Farbmischung. Je nach Mischverhältnis kann man mit der additiven Farbmischung also alle möglichen Farben wiedergeben.

    Siehe auch: http://www.digital-fotografie.us/…ng-grundlagen/

    Und hier anhand der Bildbearbeitung erklärt:
    http://www.gym1.at/…dbearbeitung2/lektion1/3.htm

    “Dolle Sache, die Astronomie. Selbst Dinge, die auf den ersten Blick einfach erscheinen, stellen sich als vielschichtig und uneindeutig heraus.”

    Das sehe ich auch so, aber da wursteln wir uns schon durch. 😉

  19. Zur Aufnahme vom 10.4. @Michael Khan

    Vielleicht sollte man nochmal einen Versuch mit dem Bildbearbeitungsprogramm machen, ohne die Farben so stark hervorzuheben. So gut wie auf der verlinkten Aufnahme bekommt man es aber sowieso nur mit einem Profiprogramm wie Photoshop hin, das dementsprechend teuer ist. Außerdem hat man verschiedene Details kräftig nachkoloriert. Ich werde mich in den nächsten Tagen selbst nochmal bemühen, das Bild möglichst farbneutral hinzubekommen. Möchten Sie das Ergebnis sehen?

  20. Ein neuer Mond @Michael Khan

    Ist der Papst katholisch? 😉

    Ich nehme an, das bedeutet “Ja”. Eine solche Frage kennt man im kath. Bayern nicht und ich selbst bin ein Heidenkind. Daran ist auch die Geschichte vom Mann im Mond schuld, dessen bayrische Variante ich oben erzählte. Ich fragte mich als Kind nämlich, ob das nicht ein sehr armer Mann gewesen sein muss, weil er es nötig hatte im Wald Reisig aufzuklauben. Und vielleicht sammelte er am Sonntag nur deswegen Holz, weil er seinen Kindern eine warme Stube bieten wollte. Wieso wurde er deshalb von Gott so streng bestraft und auf den Mond verbannt? Naja, jedenfalls fragte ich diesbezüglich meine Lehrerin, die deswegen sehr zornig wurde und mir erklärte, dass es mir an Frömmigkeit fehle und ich deswegen nach meinem Tod nicht in den Himmel kommen würde.

    Doch ich verplaudere mich, denn eigentlich ging es nur um den Versuch, das Mondbild möglichst farbneutral hinzubekommen – trotz Farbverstärkung.
    Auf der Aufnahme vom 10.4 wurde m.E. die Farbe Ocker nachträglich aufgebracht, weil das darunterliegende Blau noch etwas durchscheint. Auf solche Tricks habe ich aber verzichtet.
    Ich habe lediglich einen Weißabgleich durchgeführt, dann unter Schärfe “Konturen hervorheben” und “Schlagschatten” verstärkt. Mit “Farbbalance” ein möglichst neutrales Grau-Weiß-Bild erstellt. Kamera-Tonwertkorrektur durchgeführt (mein Programm erkannte, dass das Bild mit einer Canon aufgenommen wurde). Dann unter “Farbton und Sättigung” den Farbton auf 15% , die Sättigung auf 60% und die Helligkeit -20% eingestellt. Das Ergebnis ist natürlich nicht so 100%ig, aber ein Schritt in die richtige Richtung, oder?

    http://www.pic-upload.de/…/FullMoon-new.jpg.html

  21. @Mona

    Zunächst einmal danke für die Auskunft über den Hase im Mond. Gemäss dem Bild auf Wikipedia wäre ich da nie drauf gekommen.

    Nun zu der Anekdote mit Ihrer Lehrerin: Mit verlaub gesagt spinnt diese Dame in dieser Hinsicht. Und das sage ich als gläubiger Katholik! Es hat doch nichts mit mangelnder Frömmigkeit zu tun, wenn man Fragen zu Dingen stellt, die man nicht versteht. Wer sowas behauptet, dem ist wahrscheinlich eher an einem Machterhalt der Institution gelegen, als an wirklichen Antworten auf offene Fragen. Jedenfalls ist es nicht weiter verwunderlich, dass der Kirche die Mitglieder ausgehen, wenn so mit offenen Fragen umgegangen wird. Soweit mein Senf dazu.
    Was den Mond selber angeht, so hab ich in letzter Zeit eher Pech und sehe ihn nicht, denn meisstens regnet, bzw. schneit es hier auf der Alpenhütte in 2200m Höhe, wo ich derzeit bin. Und dann können natürlich auch noch Berge die Sicht versperren, aber das hab ich noch nicht weiter überprüft.

    [Antwort: Im Moment steht der Mond im letzten Viertel und geht deswegen zu völlig unmöglichen Zeiten auf Aber wenn Sie Glück haben, begrüßt Sie eine Mondsichel am Morgenhimmel, wenn Sie morgens aus dem Fenster schauen, um zu sehen, wie der Tag wird. MK]

  22. @Hans

    “Wer sowas behauptet, dem ist wahrscheinlich eher an einem Machterhalt der Institution gelegen, als an wirklichen Antworten auf offene Fragen.”

    Ja, das sehe ich ähnlich, darum würde ich auch eine Trennung von Kirche und Staat begrüßen, denn das würde sich sicher auch positiv auf den Schulunterricht in Bayern auswirken. Privat kann natürlich jeder glauben was er möchte. Sterngucker sind aber dem Himmel auch so schon recht nahe. 🙂

    Zum Mond: Machen Sie Ferien auf dieser Almhütte? Bei uns ist das Wetter auch nicht zum Mondbeobachten geeignet, da es bewölkt ist und zwischendurch regnet. Gestern war ich auf einem japanischen Frühlingsfest in einem Zen-Kloster, da gab es Kirschbäume im Garten, das war sehr schön, wie da die Blüten im Wind herunter regneten. Dazu gibt es natürlich auch noch einen Haiku:

    Aprilregen im Gras.
    Nasse Kirschblüten im Wind.
    Kein Mond zu sehen.

    Wenn Herr Khan nach Japan kommt, dann werden die Bäume dort wohl schon verblüht sein, nehme ich an.

    [Antwort: Also, die in dem Haiku beschriebene Situation gibt 1:1 den aktuellen Zustand in meinem Garten wieder. Hier in Südhessen, nicht etwa im fernen Osten. MK]

  23. @Mona

    nein, Ferien mach ich hier keine, aber ich versuche hin und wieder, die Möglichkeiten zu nutzen, die sich hier bieten, wenn der Himmel mal klar ist. In den letzten Tagen schneit es aber dauernd. Wenn der Himmel jedoch klar ist, hat man eine Sicht, von der man in der Stadt nur träumen kann, weil man sich eben mitten in der Wildnis befindet. (Auch wenn auf der Hütte selbst eine Menge Technik installiert ist.)

  24. Monde

    @Hans

    Klingt nach hochgelegenen Arbeitsplatz. Ich wünschen Ihnen auf jeden Fall gute Sicht zum Beobachten des zunehmenden Mondes. Ende nächster Woche soll das Wetter ja wieder besser werden.

    Falls die von der ESA vorgeschlagen Mission “JUICE” durchgeht, über die Herr Khan in seinem neusten Artikel schreibt, dann haben wir ja noch ein paar Monde mehr. 🙂 Die Galileischen Monde lassen sich nämlich auch von der Erde aus beobachten, wenn auch nur als Pünktchen.

    Von den drei zur Auswahl stehenden Missionen der ESA wäre wohl jede interessant gewesen, aber mir gefällt “JUICE” recht gut. Immerhin vermutet man, dass sich unter der eisigen Oberfläche des Jupitermondes Europa ein Ozean aus flüssigem Wasser verbergen könnte, der vieleicht sogar Leben enthält. Die Jupitersonde Galileo hat man seinerzeit absichtlich in der Jupiteratmosphäre verglühen lassen, um zu verhindern, dass die Sonde auf Europa stürzt und dadurch eventuell irdische Bakterien eingeschleppt werden. Unter dem Jupitermond Io soll sich ein riesiger Ozean aus Magma verbergen und es gibt dort auch noch aktiven Vulkanismus, der demjenigen auf der jungen Erde gleicht. Jupitermond Kallisto hat keinen metallischen Kern, nur Eis und Felsen, und könnte unter seiner dicken Eisschicht wahrscheinlich auch Wasser enthalten. Am interessantesten dürfte Ganymed sein, dessen Oberfläche aus verschiedenen Regionen besteht, einer sehr alten, in hohem Maße durch Krater dunkel gefärbte Region, und einer etwas jüngeren hellere Region, die sich durch ausgedehnte Gebiete aus Gräben und Höhenzügen abhebt. Ihr Ursprung ist eindeutig tektonischer Natur und ähnelt in dieser Hinsicht etwas der Erde.

    Mit der geplanten Mission könnte man also auch etwas über die Entstehung der Erde in Erfahrung bringen. Neue Erkenntnisse wird sie in jedem Fall bringen, und man darf froh sein, dass sich da wieder etwas tut.

    @Michael Khan

    Jetzt hätte ich Ihre Antwort beinahe übersehen und gar nicht mitbekommen, dass Sie Kirschbäume im Garten haben, die sehen sicher wunderschön aus, und dazu noch der Mond. Das inspiriert mich doch glatt zu einem weiteren Haiku, speziell für Ihren Garten. 🙂

    Zarte Mondsichel
    Zwischen weißen Kirschblüten
    Träumt in Khans Garten

  25. @Mona

    Donnerwetter, Sie haben ja Ihre Hausaufgaben zu den galileischen Monden wirklich vorbildlich gemacht. Dafür kriegen Sie auch ein Foto vom Dicken und seinen vier größten Monden, das ich schon vor Längerem, am 24.10.2010 gemacht habe. Es zeiht, von links nach rechts: Io, Jupiter, Europa, Ganymed und Kallisto.

    Woher ich die Reihenfolge heute noch weiß? Nun, zum Glück habe nette Menschen diese Java-Anwendung geschrieben und ins Netz gestellt, die die von der Erde aus sichtbare Anordnung der galileischen Monde zu einem beliebigen Zeitpunkt berechnet und darstellt.

  26. Jupitermonde @Michael Khan

    Danke für das Foto, das ist Ihnen ja wirklich gut gelungen. Mit den Jupitermonden beschäftige ich mich schon eine ganze Weile, auch weil sie, und Jupiter, auf unserer Sternwarte zu den bevorzugten Themen gehören. Ich habe mich hier orientiert, um zu sehen wie die Bahnen der Monde um Jupiter verlaufen:
    http://www.waa.at/apo/jumo/k1.html

    Die Java-Anwendung, die Sie in dem Zusammenhang verlinkt haben, ist wirklich interessant, da hätte Galilei sicher seine Freude daran gehabt. 🙂 Obwohl man ja annimmt, dass die Entdeckung der Jupitermonde bereits 105 Jahre vor Galilei stattfand. Auf dem Gemälde “Die drei Philosophen”, von Giorgio da Castelfranco, gen. Giorgione (1478-1510), soll man nämlich die Jupitermonde auf einer Zeichnung sehen, die einer der Philosophen in der Hand hält:
    http://vts.uni-ulm.de/docs/2005/5401/vts_5401.pdf

  27. @Mona: Jupiteraufnahmen

    Fotos vom Jupitersystem sind meist enttäuschend, weil man sie gedanklich mit dem vergleicht, was man gerade durchs Teleskop gesehen hat. An dem Abend, als die Aufnahme entstand, war gutes Seeing und man konnte selbst durch meinen kleinen Refraktor beim Blick durchs Okular Details auf dem Jupiter ausmachen, zumindest zwei braune Streifen. Zudem natürlich die Monde, die sogar unterschiedlich gefärbt erschienen, wenn man ganz deutlich hinschaute.

    Bei der fotografischen Aufnahme hat man schon einmal das Problem, dass, wenn die Monde überhaupt sichtbar sein sollen, Jupiter komplett überbelichtet ist. Also müsste man unterschiedliche Aufnahmen kombinieren, was mir allerdings angesichts der geringen Auflösung entschieden zu viel Aufwand ist.

    Ich muss zugeben, dass ich mich seit 2010 nicht wieder an Jupiter versucht habe. In den kommenden Tagen ist erst einmal die Venus dran.

  28. Venus @Michael Khan

    “In den kommenden Tagen ist erst einmal die Venus dran.”

    Schon verstanden! Ich mache meine Hausaufgaben und informiere mich über den Planeten Venus, dafür gibt es dann ein Fleißbildchen von Ihnen. Richtig? 😉

    Aber Sie brauchen deswegen kein schlechtes Gewissen zu haben, mir macht das Freude.

    Die Venus wurde ja nach einer römischen Liebesgöttin benannt. Wussten Sie, dass alle Oberflächenstrukturen auf der Venus nach Frauen benannt sind (mit Ausnahme des Maxwell Montes)?
    http://www.astronews.com/…orten/2/frage2490.html

    Die Venus zeigt sich allerdings verschleiert und man kann nur die wolkige Oberfläche sehen. Hier gibt es eine Doku über die Venus, wo man die Oberfläche sehen kann, die von der Magellan-Sonde aufgezeichnet wurde:
    http://www.youtube.com/watch?v=J7qj5LzL2NQ

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