Tschüs 1515, Hallo 1520

BLOG: Go for Launch

Raumfahrt aus der Froschperspektive
Go for Launch

+++ Updates weiter unten +++ Hier eine Serie von drei Aufnahmen der Sonne, die ich von Freitag bis heute gemacht habe. Die riesige Sonnenfleckengruppe 1515 verschwindet nun (wegen der Rotation der Sonne mit ihrer Periode von rund 26 Erdtagen) hinter dem rechten Sonnenrand, aber vom linken Rand her taucht dafür der auch nicht gerade unterentwickelte Fleck 1519 1520 auf.

1515 war in den vergangenen Tagen die Quelle einiger Sonneneruptionen der Klasse M, am Freitag sogar der Klasse X1.1.

Anmerkung: Ich hatte zuvor fälschlich den neuen großen Fleck 1520 als 1519 bezeichnet und bitte, den Fehler zu entschuldigen. Als Ausrede könnte ich jetzt anbringen, dass mir beim Fotografieren die Sonne direkt ins Auge schien und mich für den Rest des Tages blendete, aber so eine Ausrede würde einfach nicht den Tatsachen entsprechen. Ich habe mich schlicht geirrt.

The Sun from 6 to 8 July 2012, showing prominent sunsput groups 1515 and 1519, source: Michael Khan, AAW DarmstadtDrei Aufnahmen der Sonne vom 6.7.2012 bis zum 8.7.2012, Teleskop: INED-Apochromat, 70 mm Apertur, 420 mm Brennweite mit Filter aus D5-Sonnenbeobachtungsfolie von Baader-Planetarium, Kamera: Canon EOS 1000D, Quelle: Michael Khan, AAW Darmstadt e.V.

Nachtrag 1, Montag, 9.7.2012: Heute präsentieren sich die Sonne und die Fleckenregion 1520 so. Ich habe heute vormittag unseren Praktikanten mit Teleskop und Kamera hinausgeschickt, um den Elementen zu trotzen und diese Aufnahme zu machen (298 K, Sonnenschein). Wahrscheinlich flattert mir bald eine Beschwerde der Schulbehörde ins Haus.

Die Orientierung der Aufnahme ist im Gegensatz zu der obigen Serie hier nicht korrigiert, der Sonnennordpol ist etwa in Richtung der 10-Uhr-Position.

Sun with prominent sunspot region #1520 taken with 102/1300 Maksutov-Cassegrain on 9 July 2012, source: Fabrice Rauch, Michael Khan

Teleskop: Maksutov-Cassegrain, Apertur 102 mm, Brennweite 1300 mm, Quelle: Fabrice Rauch

Nachtrag 2, Dienstag, 10.7.2012: Heute musste der arme Praktikant noch einmal ‘raus, sodass sein Kaffee kalt wurde. Die Fleckengruppe 1520 hat sich nun weiter aufgeteilt und ausgedehnt. 

Sun with large sunspot region 1520 on July 10 2012, source: Fabrice Rauch, Michael Khan

Nachtrag 3, Donnerstag, 12.7.2012: Am gestrigen Mittwoch gabe es leider keine Wolkenlücke. Heute aber hatten wir morgens um 8:30 etwa 10 Minuten freie Sicht, die wir auch gnadenlos genutzt haben. Am Abend dieses Tages (18:53 MESZ) kam es dann zu dem erwarteten koronalen Massenauswurf der Klasse X genau in der Region des Sonnenflecks 1520. Dieser führte am Abend des Samstags, also 2 Tage später, als die ausgeworfenen geladenen Teilchen die Erde erreichten, zu einem Sonnensturm, d.h., massiven Fluktuationen der Feldstärke des Erdmagnetfelds.

Sun with large sunspot region 1520 on July 12 2012, source: Fabrice Rauch, Michael Khan

Nachtrag 4, Montag, 16.7.2012: Nach einem komplett verregneten Wochenende gab’s heute endlich ein paar Wolkenlücken. Ganz frei war der Himmel jedoch heute nicht, was sich in der Bildqualität niederschlägt. 1520 ist jetzt fast am Sonnenrand angekommen. Bemerkenswert ist, dass nichts mehr nachkommt, d.h., die Sonne ist abgesehen von einzelnen kleinen Flecken westlich von 1520 fast fleckenfrei. Bemerkenswert ist auch die sichtbare Dynamik der Photosphäre in der Region um 1520.

Sun on 16. July 2012, with sunspot 1520 almost at the Eastern end of the Earth-facing side, source: Michael Khan

Weitere Information

Die bekannte Webseite spaceweather.com mit aktuellen Updates zum Weltraumwetter

Kosmologs-Artikel vom 11.5.2012 mit Aufnahme vom Hawaii-förmigen Sonnenfleck 1746

 

 

  • Veröffentlicht in: Sonne

Ich bin Luft- und Raumfahrtingenieur und arbeite bei einer Raumfahrtagentur als Missionsanalytiker. Alle in meinen Artikeln geäußerten sind aber meine eigenen und geben nicht notwendigerweise die Sichtweise meines Arbeitgebers wieder.

14 Kommentare

  1. Hm… je mehr ich über die Sonne und ähnliche Sterne lese, um so phantastischer wirkt die Idee aus Stargate Universe für mich, wo sie das Raumschiff auftanken, indem sie durch einen Stern der Klassen G, K oder M fliegen und dabei etwas von dem Plasma einsammeln, aus dem er besteht.
    Ich meine, prinzipell wirkt die Idee ja genial, die vielen Haken an der Sache sind aber eben die Hitze, Gravitation, Magnetfelder und andere Phänomene auf und in einer Sonne, die alle noch erforscht werden.

  2. @MK

    *ROFL* !!!!

    Aber mal Ernsthaft: Welche Probleme sehen Sie als Fachmann denn noch, die in meiner Aufzählung nicht vorkommen? – Oder stört es Sie eher, wenn ich hin und wieder mal vergleiche zur Science Fiction anstelle?

  3. Solar Probe Plus

    @Hans: Ich selbst habe keine vertiefte Erfahrung mit Missionen ganz dicht an der Sonne. Vielleicht gibt Ihnen das Design der NASA-Sonde Solar Probe Plus Hinweise, wie sowas aussehen könnte. Wobei die auch “nur” auf 6 Millionen km ‘rangehen.

    Und: Nein, es stört mich ganz und gar nicht, wenn hier auch ein bisschen weiter gedacht wird, wie man dort hinkommen kann, was man heute nur photographisch untersuchen kann, wann man dort hin fliegen könnte und was man dazu brauchen würde.

  4. Bussard Ramjet

    Der Bussard Ramjet hat das Problem, dass der interstellare Wasserstoff eine sehr geringe Dichte hat.

    Deshalb erhält man mehr Wasserstoff in kürzerer Zeit, wenn man durch die äusseren Schichten eines Sterns oder eines Gasriesenplaneten fliegt.

    Die Gasriesenplaneten erzeugen keine Hitzestrahlung, aber es gibt beim schnellen Durchflug Reibungshitze.

    Bei den Sternen ist die Materie weitgehend ionisiert, und kann daher gut von Magnetfeldern abgeschirmt werden.

    Die neutralen Atome und die Hitzestrahlung können aber von Magnetfeldern nicht abgeschirmt werden.

    Bei der Kernfusion von vier Wasserstoff 1 Kernen zu Helium 4 werden 0,7119 Prozent der Masse in Energie umgewandelt.

    Ein Fusionsraumschiff mit einem Verhältnis von Vollgewicht mit Treibstoff zu Leergewicht von e = 2,71828 kann also nur 11,86 Prozent der Lichtgeschwindigkeit erreichen.

    Dann gibt es nur noch das Problem, einen Fusionsreaktor für Wasserstoff 1 zum Laufen zu bringen.

    Die Gleichungen:

    http://de.wikipedia.org/…3.B6tter_Astronauten.3F

    Der Bussard Ramjet:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Bussard_Ramjet

  5. Bussardkollektor

    Man könnte den Bussardkollektor so einstellen, dass er als Massenseparator arbeitet.

    Die Sonne enthält rund 91 Prozent Wasserstoff und rund 9 Prozent Helium.

    Vn den rund 91 Prozent Wasserstoff sind rund 0,015 Prozent Deuterium, also Wasserstoff 2, dessen Gewinnung noch lohnend ist, und der sich besser für die Kernfusion eignet.

    Der Anteil von Helium 3 in den rund 9 Prozent Helium ist vermutlich viel zu gering, um es nutzbringend zu gewinnen.

    Die bessere Quelle für Wasserstoff 1 und 2 sind aber die Objekte des Kuiper-Gürtels, wo sich weder Hitze noch hohe Gravitation störend auswirken, und wo man Kryotanks nicht gut isolieren muss.

    Off topic, zwei Bilder:

    http://members.chello.at/….bednarik/VASIMR0D.JPG

    http://members.chello.at/….bednarik/VASIMR0F.JPG

  6. Fragt A.C. Clarke

    Die als Roman getarnte Dokumentation “Rendezvous with Rama” von Arthur C Clarke ist der ultimative Bericht über ein Raumschiff, das einen unmittelbaren Vorbeiflug an der Sonne zu einem interstellaren Swingby gekoppelt mit dem Nachladen von Materie nutzt.

    Leider ist der Autor des Romans mittlerweile selbst wegen fortgesetzter Indiskretionen ins 22. Jahrhundert zurückbeordert worden, sodass er nicht mehr persönlich nach näherer Information gefragt werden kann.

    Soweit ich weiß, hat Rama während der Phase des ganz dichten Anfligs einen Schutzschirm aus stark reflektierendem Material gegen die Sonneneinstrahlung aufgespannt. Den Schutz gegen die Korpuskularstrahlung lieferte die kilometerdicke Gesteinswand des zylinderförmigen Raumschiffs.

  7. @MK:
    Die Solar Probe plus Mission ist ja interessant. Die dürfte die Wissenschaft wirklich wieder ein ganzes Stück weiter bringen. Da hoffe ich doch, das die nicht wieder irgendwelchen Budgetkürzungen zum Opfer fällt.
    Ansonsten besten Dank dafür, dass Sie nichts gegen gelegentliche Einwürfe aus der Science Fiction haben. Was die Idee in diesem Fall betrift, so hoffe ich, dass die verlinkte Seite ausreichte um die Idee zu verdeutlichen. Ich halte es aber dennoch für übertrieben, auch noch durch den Kern eines Sterns zu fliegen, wie es in der Serie behauptet wird. Aber gut, ist halt SF.

    @KB: Sie scheinen die Serie gesehen zu haben, weil Sie gleich mit dem Bussardkollektor kommen. Tatsächlich wird ja auch spekuliert ob es sich bei diesen Sammelgeräten um eine Art von Bussardkollektoren handeln könnte. Aber genaueres wissen die Autoren wahrscheinlich selbst nicht…

    Jetzt mal wieder zurück zur Realität:
    Wenn ich die bisherigen Berichte zur Sonnenbeobachtung richtig verstanden habe, gibt es verschieden Arten der Folie, aus der man sich die Schutzfilter für Augen und Teleskop/Kamera bauen kann. Wo finde ich denn dazu nähere Informationen?

  8. Hallo Hans,

    Die Sonnenfilterfolie gibt es zum Beispiel hier:

    http://www.astroshop.de/…Y7uqgjrECFUVc3wodjjr1JA

    Der korrekte Umgang mit Bussard-Ramjet-Triebwerken wird hier beschrieben:

    Die nicht ganz so lange Reise der R.P.FEYNMAN:

    Vorbemerkung:

    Jede ordentliche Science-Fiction-Geschichte muss mindestens eine Karl-Herbert-Scheer-mässige Vernichtungs-Orgie enthalten.

    Ausserdem habe ich in dieser Geschichte auch noch “Tau Zero” von Poul Anderson verulkt.

    Bussard-Ramjets können gar nicht so schnell werden, gerade weil sie den ruhenden interstellaren Wasserstoff einsammeln müssen.

    http://members.chello.at/…bednarik/FEYNMANR.html

    Fast genau so gut ist “Brennans Legende” von Larry Niven:

    http://www.phantastik-couch.de/…ans-legende.html

    Equation of motion of an interstellar Bussard ramjet with radiation and mass losses:

    http://arxiv.org/pdf/0710.0295v1.pdf

    http://arxiv.org/abs/0710.0295

  9. @Hans

    Arthur C Clarkes Werk ist die Realität. Nur eben nicht die des frühen 21sten Jahrhunderts.

    Zur Folie: Nähere Information gibt es auf dem Webauftritt des Herstellers Baader Planetarium: hier.

    Üblicherweise reicht die D5-Folie. Alle meine Sonnenaufnahmen wurden mit D5-Folie gemacht. D3.8 braucht man nur bei ganz langen Brennweiten für Detailaufnahmen.

    Idealerweise bastelt man sich aus Karton ein Filtergehäuse zum Überstülpen. Sozusagen ein Sonnenkondom. Man sollte einen Deckel vorsehen, damit die Filterfolie vor Beschädigung geschützt bleibt. Selbst kleine Löcher oder Risse machen den Filter unbrauchbar. Die Analogie zum Kondom geht also sogar recht weit, wenn auch nicht unbegrenzt: Der Filter hält jahrelang, wenn man ihn ordentlich gebaut hat.

    Wie so ein Selbstbaufilter aussehen kann, zeigt dieses Filmchen. Sicher geht das noch schöner, aber so wie hier erfüllt es seinen Zweck.

  10. Besten Dank für die Quellen der Filterfolie.

    @MK: Nichts gegen Clark, aber ich glaube, diese Geschicht liegt nicht in meinem SF-Beuteschema.

    @KB: Ob jede SF-Geschichte so einen grossen Knall enthalten muss, sei mal dahin gestellt. Zugegebenermassen fällt mir gerade auch kein Gegenbeispiel ein. Aber das muss nicht heissen, dass es keines gibt.

  11. Es geht auch ohne Teleskop …

    Erstaunlich detailreiche Bilder solch großer Gruppen kann man übrigens auch mit einer simplen ‘Superzoom’- alias Bridge-Kamera machen – und mit einer alten SoFi-Brille als Filter. Meine kann “nur” 750 mm KB-Äquivalent-Brennweite und eine etwa 600 Pixel große Sonne erreichen, inzwischen gibt’s schon welche mit noch deutlich größerem Zoombereich. Man staunt …

  12. Es hat geknallt!

    Am 12.7., kurz von 19:00 MESZ, hat sich aus dem Gebiet des Sonnenflecks 1520 eine große Sonneneruption der Klasse X1.4 ereignet. Der Massenauswurf ist auf die Erde gerichtet und wird uns am 14.7. gegen Mittag MESZ (+/- 7 Stunden) treffen.

    Alle, die in letzter Zeit nicht nett zu mir waren, haben also noch ein paar Stunden Zeit, mir ein Bier auszugeben.

  13. @Daniel Fischer

    Nicht schlecht, diese Bilder. Dennoch will ich den umgekehrten Weg gehen und es mit einer Vergrößerungslinse probieren. Heute werde ich aber wohl keine Chance haben.

    Ich habe gestern Abend auch mit einer SoFiBri geschaut und den Fleck ohne jegliche weieter optik gesehen. da wusste ich auch noch nicht, dass ich direkt in die CME schaute.

Schreibe einen Kommentar