Taumelt Phobos-Grunt?

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Raumfahrt aus der Froschperspektive
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Immer noch keine Kommunikation mit der Raumsonde und kein Indiz dafür dass die diese Woche gesendeten Direktkommandos ausgeführt wurden. Die ESA hatte, entgegen ihrer zuvorigen Ankündigung, die Unterstützung der Rettungsversuche mangels Erfolgsaussicht einzustellen, doch noch ihre Bodenstation in Maspalomas (Insel Gran Canaria) zur Verfügung gestellt.

Beobachtungen von Satellitenbeobachtern (siehe hier) könnten nahe legen, dass die Sonde inzwischen taumelt – allerdings fällt es mir schwer, nachzuvollziehen, wie eine so große Sonde eine so hohe Rotationsrate angenommen haben sollte, wie von Beobachtern behauptet wird. Beobachtungsberichte legen eine Rotationsperiode von nur rund 1-2 Minuten nahe. Woher sollte das dafür erforderliche Drehmoment kommen? Diese Behauptungen erscheinen mir nicht sehr plausibel – ich lasse mich aber von Daten überzeugen.

Sollte wirklich eine unkontrollierte Rotation stattfinden, dann wäre eine Wiederaufnahme des Betriebs nochmals ein Stück unwahrscheinlicher geworden. Man könnte dann mit hoher Wahrscheinlichkeit nur noch auf den Wiedereintritt in etwa einem Monat warten. Die Behauptung einer beobachteten variablen scheinbaren Helligkeit, die nur mit einer Rotation erklärt werden könnte, wurde allerdings vom Leiter des Konstruktionsbüros NPO Lawotschkin, Viktor Khartov, dementiert. 

Leider ist Phobos-Grunt von Deutschland aus in den nächsten Tagen nicht mehr beobachtbar, sondern erst ab 20. Dezember, dann aber mit einigen Überflügen sehr hoher Elevation. Spätestens dann wird jeder hier sich selbst überzeugen können, ob die Helligkeit variiert. Beobachter anderswo, beispielsweise in Los Angeles, haben aber heute und in den kommenden Tagen gute Sichtbedingungen.

Das sollte sich doch relativ einfach klären lassen.

Ich bin Luft- und Raumfahrtingenieur und arbeite bei einer Raumfahrtagentur als Missionsanalytiker. Alle in meinen Artikeln geäußerten Meinungen sind aber meine eigenen und geben nicht notwendigerweise die Sichtweise meines Arbeitgebers wieder.

2 Kommentare

  1. @Max

    Genau, das Bild ist eine Mehrfachbelichtung, deswegen kann man in der Tat keine Helligkeitsvariation ableiten. Problematisch ist aber auch der offenbar relativ begrenzte, aber nicht näher bezeichnete Bildausschnitt. Aussagekräftiger wäre eine Langzeitbelichtung über einen längeren Zeitraum hinweg.

    Ihre Vermutung, dass es sich um Einzelbelichtungen einer Dauer von 2 Minuten handele, teile ich nicht. das halte ich sogar für vollkommen ausgeschlossen. Phobos-Grunt ist mittlerweile so niedrig, dass der gesamte Pass nur maximal knapp 6 Minuten dauert, von Horizont zu Horizont.

    Wenn der Überflug nicht zenital ist, sogar noch weniger. Da ist es vollkommen ausgeschlossen, dass wie hier zehn 2-Minuten-Einzelaufnahmen in einen Überflug passen sollten. Nein, das sind schon 2-Sekunden-Schnipsel.

    Von meinem Wohnort aus ist Phobos-Grunt erst ab nächster Woche wieder sichtbar, da aber unter hoher Elevation. Spätestens dann – wenn das Wetter es zulässt – werde ich es ganz genau wissen.

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