Chinesischer Bauer hat Glück gehabt

BLOG: Go for Launch

Raumfahrt aus der Froschperspektive
Go for Launch

Das Eintrittsmodul (die Rückkehrkapsel) des chinesischen Raumschiffs Shenzhou 10 ist heute kurz nach 2 Uhr MESZ planmäßig mit seiner dreiköpfigen Besatzung in der Landezone in der inneren Mongolei gelandet. Wie man in diesem Bild sieht, hat sich die Kapsel zum Aufsetzen die unmittelbare Nähe des einzigen Gehöfts weit und breit ausgesucht. Da hat der Bauer, der offenbar zuhause ist – seine Autos stehen jedenfalls da und die Tiere sind auch draußen, aber Glück gehabt.

Das Shenzhou-Raumschiff hat beim Start eine Masse von rund 8 Tonnen. Es umfasst, wie bereits das  russische Sojus-System, von dem Shenzhou technisch abgeleitet ist, drei Module: Das Service-Modul mit dem Haupttriebwerk, den Tanks und den Solargeneratoren, das Eintrittsmodul und das Orbitalmodul, das den Raumfahrern während des orbitalen Flugs etwas zusätzlichen Platz bietet.

Nur das Eintrittsmodul kommt am Fallschirm herunter. Es wiegt dabei immer noch rund 3 Tonnen. Da der Fallschirm allein nicht ausreicht, um eine ausreichend niedrige Aufsetzgeschwindigkeit zu gewährleisten, werden kurz vor dem Aufsetzen automatisch Bremsraketen gezündet. Das verringert den Aufschlag von “knochenbrecherisch” zu nur mehr “hart”. Die im Bild sichtbare Staubwolke ist also nicht allein durch das Aufsetzen aufgewirbelt worden, sondern vor allem durch die Zündung der kleinen Raketentriebwerke.

Drei Tonnen Hardware mit zündenden Feststoffraketen möchte keiner direkt auf seinem Haus herunterkommen sehen.

 

Ich bin Luft- und Raumfahrtingenieur und arbeite bei einer Raumfahrtagentur als Missionsanalytiker. Alle in meinen Artikeln geäußerten Meinungen sind aber meine eigenen und geben nicht notwendigerweise die Sichtweise meines Arbeitgebers wieder.

19 Kommentare

  1. Haha der muss ja auch nich schlecht geguckt haben als da son riesen Ding bei ihm auf dem Feld gelandet is 🙂
    Ich schätze ma sowas wie ne entschädigung hätte er eh nich erhalten..

  2. Raumfahrtkultur bestimmt Landetechnik

    Mir ist keine NASA-Landung einer Raumschiff-Kapsel auf dem Land bekannt. Russen und Chinesen landen umgekehrt immer auf dem Land. Beides scheint eine Konvention zu sein, die irgendwann gewählt und dann nie mehr aufgegeben wurde obwohl sowohl die USA als auch Russland und China beide Möglichkeiten offen hätten.

    Es gibt sicher noch mehr solche augenscheinichen nicht direkt technisch bedingten Unterschiede in den gewählten Optionen bei verschiedenen Raumfahrtnationen. Eine einmal gewählte Option von so grundsätzlicher Natur – auf dem Wasser oder auf dem Land landen – hat dann aber viele Konsequenzen. Beim Landen auf dem Land sind es die fixen Objekte, die es im Landegebiet schon gibt. Ein Problem, das man beim Landen auf dem Wasser nicht hat, denn dort können eventuell vorhanden Schiffe ausweichen.

  3. Am Bildschirm …

    gestern Nacht sah es weniger beeindruckend aus, aber so dicht wie es auf dem Bild wirkt, war es gar nicht – jedenfalls nach den Filmaufnahmen.
    Die Frage nach dem Landeort wurde ebenfalls gestellt – allerdings in so eigenartigem Englisch beantwortet, dass ich nicht genug verstanden habe.
    Felder gibt es in der Steppe nicht, soweit ich weiß, nur wenige Tierzüchter. In dieser Gegend ist jedenfalls Platz genug und die wenigen dort lebenden Menschen sind informiert, spätestens jetzt, möchte ich spotten …

  4. @Martin Holzherr: von Umständen bedingt

    Ich nehme an, die grundsätzliche Entscheidung der Russen bzw. damals noch Sowjets, auf Land zu landen, entstammt den frühen 60er Jahren und war ganz entscheidend von gewissen geographischen und militärischen Realitäten getrieben.

    Die USA hat viele militärische Häfen auf eigenem Territorium an der Pazifikküste und der Atlantikküste. Zudem betreibt die USA Luft- und Marinebasen in befreundeten Nationen und auf Inseln. Die haben einfach die Infrastruktur, inklusive der erforderlichen Flugzeug- und Hubschrauberträger, die die schnelle Bergung einer gewasserten Kapsel zulässt.

    Die Sowjets hatten all das nicht. Keine strategischen Überwasserkräfte, keine befreundeten Nationen rings um die anliegenden Ozeane.

    Hinzu kommt die Wahl der Startorte. Alle bemannten US-Missionen starten von Cape Canaveral. Wenn beim Start etwas schief geht, landet die Kapsel mit nahezu 100% Sicherheit im Wasser. Also muss man sie ohnehin dafür auslegen – dann kann man auch gleich die planmäßige Landung im Wasser machen, wenn die kapsel eh schon dafür qualifiziert werden muss.

    Alle bemannten sowjetischen Flüge starteten hingegen von Baikonur, wenn da etwas schief geht, kommt die Kapsel über Land herunter, also muss man sie auch dafür auslegen, bzw. zusätzlich auch noch zusehen, dass man die Leute heil herauskriegt, wenn die Kapsel in einen See platscht. Gut, wenn die Landung auf hartem Boden ohnehin der Regelfall wird, kann man die planmäßige Landung auch dort machen.

    Der nominale Landeort bei Arkalyk ist nahe Baikonur und es gibt einen nominalen Anflug von Südwesten, bzw., wenn der verpasst wird, hat man gut 3 Stunden, also 2 Orbits später eine erneute Landemöglichkeit von Nordwesten. Die Trajektorien kreuzen einander genau dort, wo der Landeort liegt. Die russische Ramfahrt steckt voll solcher cleverer Ideen, das sieht man an solchen Details.

    Die Chinesen werden da nicht groß etwas geändert haben, als die das Shenzhou-System entwickelten. Die haben ja auch (noch) keine
    geopolitische Reichweite, die es ihnen gestatten würde, großangelegte Marineoperationen im Pazifik zu betreiben.

  5. @Martin Holzherr

    Ehrlich gesagt finde ich dieses archaische Runterplumpsen einer Raumfahrt betreibenden Spezies unwürdig – egal ob auf dem Land oder im Ozean. Ich meine bei den ersten Raumflügen war das ja noch okay, aber wenn wir es mit der bemannten Raumfahrt weitertreiben wollen (und ich will das), sollten wir wieder zum eleganten Landekonzept des Space Shuttle zurückkehren. Vielleicht könnte man einen wiederverwendbaren Landegleiter entwickeln, der unbemannt gestartet wird und in dem man dann vom eigentlichen Raumschiff aus noch in der Umlaufbahn umsteigt (andockt), um dann elegant auf der Rollbahn zu landen. Oder man entwickelt wie SpaceX eine Rakete, die auf dem Triebwerksstrahl landen kann. Die schickt man dann hoch, um das Raumschiff aus der Umlaufbahn gewissermaßen abzuholen.
    Das nur mal so als Idee, ich schreibe das jetzt als einfacher Raumfahrtenthusiast ohne technischen Hintergrund.

  6. @Stefan: Am Ende zählt nur Sicherheit

    Ehrlich gesagt finde ich dieses archaische Runterplumpsen einer Raumfahrt betreibenden Spezies unwürdig – egal ob auf dem Land oder im Ozean

    Ich nicht. Man muss ein Raumschiff als Gesamtsystem betrachten und das Sicherheitskonzept ebenso: Von der Startrampe bis zur Landung nach orbitaler Mission.

    Das Kapselkonzept maximiert die Sicherheit für die Besatzung, und das ist es doch, worauf es am Ende ankommt. Nur so kann man gewährleisten, dass man die Leute heil zu Boden kriegt, wenn die erste Stufe explodiert und die Rakete gar nicht wegkommt genau so wie wenn die Eintrittskapsel verkehrt herum in die Atmosphäre eintritt.

    Die normative Kraft des Faktischen legt nun einmal fest, dass man mit einer Kapsel im Weltraum sicherer unterwegs ist als mit einem geflügelten Gefährt, insbesondere, wenn bei beiden tödlichen Unfällen mit so einem geflügelten Gefährt die Tatsache, dass das Ding geflügelt war, entscheidend den Unfallhergang mitbestimmte.

    Am Ende fragt keiner nach der Eleganz und es geht nur nach dem Erfolg. Der bemisst sich – und das ist auch gut so – in erster Linie daran, wie wenige Menschen im Betrieb zu schaden kamen.

  7. Hm… – also dieses “herunter plumpsen” finde ich auch nicht so optimal, aber für alles andere bräuchte man zusätzlichen Treibstoff und es würde das System umfangreicher und damit schwerer machen. Nun spielt aber gerade das Gewicht (d.h. die Masse) eine entscheidende Rolle bei der Sache und ist immer Gegenstand besonderer Betrachtungen, weil man gerne jedes Kilogramm einsparen würde, das nicht wirklich notwendig ist.
    Dann ist es so, das sich eine Kapsel, wenn sie richtig konstruiert ist, von allein richtig ausrichtet, d.h. mit dem Hitzeschild voran, auch wenn sie so nicht auf die Atmosphäre aufgetroffen ist. Das war bei den Shuttles nicht der Fall. Die mussten im korrekten Winkel gesteuert werden, damit sie mit dem Hitzeschild voran in die Atmosphäre eintraten. Dabei meine ich jetzt nicht den Eintrittswinkel der Flugbahn, sondern den Winkel in dem der Shuttle, bzw. seine Längsachse gegenüber der Flugbahn geneigt sein musste. Den genauen Sachverhalt kann Herr Khan wahrscheinlich besser erklären und evtl. auch noch ein paar nette Bilder dazu zeigen… 😉

    Die normative Kraft des Faktischen legt nun einmal fest, dass man mit einer Kapsel im Weltraum sicherer unterwegs ist als mit einem geflügelten Gefährt, insbesondere, wenn bei beiden tödlichen Unfällen mit so einem geflügelten Gefährt die Tatsache, dass das Ding geflügelt war, entscheidend den Unfallhergang mitbestimmte.

    Ähh, wo war das bei der Challanger der Fall? – Bei der Columbia traf das ja zu, aber bei der Challanger war es doch das Leck zwischen zwei Boosterelementen, das letzlich ein Loch in den Wasserstofftank gebrannt hat, was den Wasserstoff unkontrolliert verbrennen lies und damit zur Explosion führte.
    Oder hab ich da bezüglich der Flügel was falsch verstanden?


    Nach meiner persönlichen Einschätzung werden wir aus dem Grund, das die Kapsel sicherer ist, bald d.h. so ab den 2020er/2030er Jahren grössere Kapseln sehen, die dann eher an fliegende Untertassen erinnern. Oder auch Konstruktionen, die eher an eine Art Regenschirm erinnern. D.h. ein grosser Hitzeschild und dahinter eine eher Flache Konstruktion als “Fahrgastzelle” und einen längeren “Schwanz”, der für die nötige Stabilität und das Kapselverhalten sorgt. Kann aber auch sein, das bei letzterem nur wieder meine Phantasie mit mir durchging…

  8. Reentry with MHD aerobreaking

    Bremsen durch Wechselwirkung Magntefeld/WiedereintittsPlasma mittels eines sehr starken supraleitenden Magneten sollte dem Wiedereintritt in die Atmosphäre die starken Abbremsspitzen nehmen und die thermische Belastung des Hitzeschilds stark reduzieren.

    “The basic concept behind MHD Thermal Protection is that during hypersonic flight, above about Mach 12, the shockwave formed in front of a blunt-bodied vehicle reaches a high enough temperature to form a weakly ionized plasma that is conductive enough to be manipulated by strong magnetic fields. A powerful magnet near the leading part of the vehicle interacts with charged particles in the plasma via the Lorentz force. This force bends the trajectory of charged particles, creates large hall currents, which if I’m understanding correctly repel the magnetic field. These charged particles also impact with the uncharged gas particles nearby (the plasma is only “weakly ionized”) transmitting these forces to them as well”

  9. @Hans

    Masse ist sicher ein wichtiger Punkt. Schließlich muss das System ja auch – das ist Teil des Sicherheitskonzepts – beim Start ganz schnell von der Rakete weggezogen werden können, wenn die explodiert. Je schwerer die Kapsel ist, desto größer und schwerer müssen die Raketenmotoren des Rettungsturms sein.

    Aber Masse ist nicht der einzige Punkt. Komplexität ist auch wichtig, denn Komplexität bedeutet Risiko. Mehr Treibstoff an Bord der Kapsel bedeutet mehr Risiko. mehr Systeme bedeuten mehr Risiko. Man soll nicht glauben, dass viel Technik mehr Sicherheit schafft. Oft ist gerade das simple System, das inhärent sicher ausgelegt worden ist (auf Kosten des Komforts) am sichersten.

    Was den Wiedereintrit angeht, da gibt es in der Tat zwei wichtige Winkel, die eingehalten müssen. Der eine ist der Gleitwinkel. Der bezeichnet den Winkel des Geschwindigkeitsvektors bezüglich der lokalen Horizontebene bei einer bestimmten Referenzhöhe.

    Je flacher dieser Winkel, desto geringer die Lastspitze von Wärmestrom und Abbremsung, aber desto höher die gesamte vom System aufgenommene Wärmemenge. Zudem kann es sein, wenn der Winkel ganz flach ist, dass das Schiff wieder die Atmosphäre verlässt und einen weiteren Umlauf schafft. Je steiler dieser Winkel, desto höher der maximale Wärmestrom und die G-Belastung.

    In der Theorie sind geflügelte Systeme imstande, einen weiteren Bereich an Eintrittswinkeln zuzulassen. In der Praxis ist das jedoch fast nie so, weil man da immer feststellt, dass an irgendeinem scharfen Krümmungsradius (Flügelvorderkante, Flügel-Rumpf-Übergang o.ä.) die thermischen Lasten (entweder der Wärmefluss oder die gesamte Wärmemenge) gefährlich hoch werden. Vie vermeintliche Flexibilkität des geflügelten Systems mit seinem höheren Auftrieb muss in aller Regel dafürgenutzt werden, einen ganz engen Eintrittskorridor einzuhalten.

    Der zweite Winkel, den Sie ansprechen, ist der Anstellwinkel. Dieser ist in der Tat bei einer richtig ausgelegten Kapsel vom Hyperschall- bis zum Überschallbereich allein durch die Form und die Massenverteilung ohne aktive Steuerung zu erreichen – das meine ich u.a. mit “inhärenter Sicherheit”. Ein geflügeltes Schiff muss zwingend konstant seine Ausrichtung nachregeln, und wehe, dabei tritt eine Fehlfunktion auf.

    Zum Fall Challenger: Da wurde in der Tat der große LOX/LH-Tank erst aufgeschweißt, dann aufgerissen, was zu einer unkontrollierten Verbrennung führte, die den seitlich am Tank befestigten Shuttle-Orbiter zerstörte. Eben – er war seitlich am Tank befestigt. Raketen bzw. ihre Tanks explodieren nun mal ab und zu. deswegen gehört ein Gefährt mit Leuten drin nicht an die Seite, sondern oben drauf, so weit wie möglich weg von der Gefahrenzone.

    Oben drauf, dazu muss das Gefährt aber klein sein, sonst bekommt man ein zunehmende schwerer zu beherrschendes dynamisches Verhalten. Und oben drauf, so weit vom Massenmittelpunkt, was einen sehr langen Hebelarm ergibt – und dann auch noch mit Turbulenzen und seitlich zur Flugrichtung wirkenden Auftriebskräften durch die Flügel … das geht nicht. Wenn die Flügel klein sind, dann geht es vielleicht gerade so eben, macht aber keine Freude, wie die Konstrukteure des europäischen Hermes-Raumgleiters feststellen mussten. Wenn aber die Flügel auch noch groß sind, dann geht es gar nicht, Punkt, aus. Dann muss das Ding runter, genau dorthin, wo es gefährlich ist. Das sollte man nicht machen, aber bei einem geflügelten Schiff hat man keine Wahl.

  10. Regeneratives Bremsen für Marssonde

    Die Autobremse, die Energie zurückgewinnt ist jedem bekannt. Auch Marslander könnten das gleiche Prinzip anwenden um die hohe kinetische Energie bei der Ankunft in später (wenn gelandet) nutzbare Energie umzuwandeln.

    Dazu würde der Lander ungebremst in die Marsatmosphöre eintauchen und ein in das Hitzeschild eingebauter starker (supraleitender) Magnet eine starke Bremswirkung über induzierte Ströme im Eintrittsplasma bewirken. Die zurückgewonnene Energie könnte gemäss einer Nasa-Studie zum Beispiel dazu genutzt werden während des Abstieg Sauerstoff herzustellen, der dann die gelandeten Astronauten über Monate mit diesem auf dem Mars fehlenden, für die menschliche Atmung aber essentizellen Gas versorgen könnte.

  11. Landung auf einer Wasseroberfläche

    Wenn eine an einem Fallschirm hängende Raumkapsel auf einem festen Boden landen soll, dann benötigt sie kurz vor dem Bodenkontakt Bremsraketen.

    Wenn eine vergleichbare Raumkapsel auf einer Wasseroberfläche landen soll, dann benötigt sie vermutlich kurz vor dem Auftreffen keine Bremsraketen.

    Die Landung auf einer Wasseroberfläche scheint daher eine Gewichtseinsparung und eine Verringerung der Unsicherheit einzubringen.

    Ist das richtig?

  12. @The Karl Bednarik

    Das CEV der Amerikaner wird Airbags verwenden, um den Aufschlag etwas zu dämpfen, aber frühere Systeme hatten so etwas nicht und es ging auch.

    Das Sojus-Eintrittsmodul und deswegen auch das von Shenzhou verwendet in der Tat die erwähnten kleinen Bremsraketen, die die Aufprallgeschwindigkeit in etwa halbieren.

    Wie immer, wenn man etwas hinzufügt, zieht das einen ganzen Rattenschwanz an weiterer Technik nach sich, um sicherzustellen, dass das genau in der gewünschten Höhe auslöst, um ferner sicherzustellen, dass das auf keinen Fall in irgendeiner vorherigen Phase auslöst usw.. Das ist immer ein Problem, und Probleme führen immer zu mehr Masse.

    Allerdings ist das Ganze schon etwas komplexer, denn das Sojus-System kann auf Wasser landen, die Systeme, nie nur für Wasserlandungen entwickelt worden sind, können und dürfen aber auf gar keine Fall auf Land landen. Also muss man bei letzeren Vorkehrungen treffen, um auszuschließen, dass die auf Land herunterkommen, bei der Sojus ist man da flexibler.

  13. @Stefan

    Ja, nicht schlecht, vor allem angesichts der Tatsache, dass diesem Blog und seinem Autor gerade von einem sachkundigen Kommentator vollkommene Unwissenschaftlichkeit bescheinigt wurde. 🙂

    OK, um das Niveau der Diskussion etwas zu senken, bringe ich jetzt den Witz, der gerade in der Kaffeestube die Runde machte:

    “Schwein gehabt!” sprach der Bauer, nachdem gerade ein landendes Raumschiff seinen mehrfach preisgekrönten Zuchteber platt gedrückt hatte.

    Aua…

  14. @Michael Khan

    Erst mal besten Dank für die Ausführungen.
    Das die Masse nicht der einzige Punkt ist, ist mir schon klar, aber eben ein wichtiger, wenn man den Start mit bedenkt. Wenn man so wie ich auch regelmässig den Blog von Bernd Leitenberger liest, dann bekommt man des öfteren Vergleiche der diversen Trägerraketen, die es gab, gibt, geben könnte oder bald geben soll vorgesetzt, und dabei stellt sich die Masse immer als wesentlicher Punkt neben dem Schub und dem spezifischen Impuls heraus. Deshalb kam mir die Masse gleich in den Sinn.
    Was die Winkel angeht, so ist der Gleitwinkel also jener, den man umgangssprachlich öfter als (wieder-)Eintrittswinkel bezeichnet, – schön zu wissen. Und das der Wärmetransport an den diversen Ecken und Kanten die meisten Probleme bereitet, ist wohl auch so ein Punkt, der dem Laien nicht sofort klar wird, schätze ich.

    Zur Challanger: Okay, die Aerodynamik beim Start hatte ich nicht bedacht, weil mir die damit verbundenen Probleme nicht wirklich bekannt sind. So gesehen ist es wahrscheinlich ein Wunder, das es von 135 Shuttleflügen nur einen Unfall beim Start gab und der auch vermeidbar gewesen wäre, wie sich hinterher heraus gestellt hat.
    (Richard Feynman hat das ja in seinem letzten Buch sehr schön beschrieben, wo er seine Arbeit in der Untersuchungskommission des Unfalls schildert.)

  15. Runterplumpsen

    Ich finde, die beste Synthese aus axialsymmetrischem Hitzeschild, butterweicher Landung und cooler Optik hat bisher die Mars-Abstiegs-Stufe von Curiosity hingelegt. Wobei es dort natürlich nur darauf ankam, daß der Rover sicher landet, und alles “drumherum” sonstwie herunterfallen durfte.

  16. @Störk: Mars!=Erde, Bemannt!=Unbemannt

    Das MSL-Landeverfahren ist nicht nur deswegen für bemannte Missionen auf der Erde ungeeignet, weil da die Landestufe mit Resttreibstoff bis hin zur Oberfläche mitgeführt wurde, sondern auch und vor allem deswegen, weil sie schlicht zu komplex und damit zu gefährlich ist.

    Selbst optimistischerweise könnte man diesem Landeverfahren kein Erfolgswahrscheinlichkeit von mehr als 90% einräumen (wobei mit Nicht-Erfolg ein Totalversagen gemeint ist). Da ist einfach nicht gut genug, wenn Leute drin sitzen. Für einen Roboter ist das aber allemal ausreichend.

    Fairerweise muss man hinzufügen, dass der Fall der Erdlandung ein ganz anders gelagerter ist als der einer Marslandung. Eine weiche Landung auf der Erde ist sehr einfach – viel einfacher als eine auf dem Mars oder gar auf dem Mond. Das ist einfach mal so, egal, ob jemand das Gegenteil behauptet. Die Erdanziehungskraft ist weniger als 3 Mal die der Gravitationellen Anziehung des Mars, sodass man es mit höheren Eintrittsgeschwindigkeiten zu tun hat, und mit mehr kinetischer Energie, die man loswerden muss.

    Aber die atmosphärische Dichte ist bei der Erde fast 100 Mal so hoch wie auf dem Mars, was die höhere Gravitation mehr als aufwiegt. Allein per Hitzeschild und Fallschirm bekommt man einen schon Aufsetzgeschwindigkeiten von unter 10 m/s hin, mit Bremsraketen bleibt davon sogar nur noch weniger als die Hälfte. Siehe hier (PowerPoint-Präsentation).

    Das ist beim Mars ganz anders, da ist es nicht denkbar, dass ohne weitere Maßnahmen nach der Fallschirmphase bereits überlebbare Aufsetzgeschwindigkeiten erreicht werden. Deswegen sind bei Marslandern alle möglichen hochgradig komplizierten Mechanismen erforderlich, die alle in einer festgelegten Sequenz funktionieren müssen, und wehe, wenn ein Glied in dieser Kette ausfällt.

  17. Minishuttle vs. Kapsel – Experten uneins

    Hier noch ein im Kontext der “archaisches Runterplumpsen”-Diskussion interessantes Schmankerl: Auf dem 26. Planetary Congress der Association of Space Explorers kam es am Donnerstag in Bonn zu einem offenen Schlagabtausch zwischen den Ex-Astronauten Ernst Messerschmid und Jim Voss zu genau dieser Frage. Während letzterer den geflügelten Dream Chaser seiner Sierra Nevada Corp. als ultimative Lösung aller Raumfahrt-Probleme anpries und insbesondere dessen Landemöglichkeit auf jedem Flughafen in weitem Umkreis, hielt Messerschmid eine Kapsel für fast genau so flexibel (was die Wahl der Landezone betrifft) und sogar besser, weil nicht mal eine Landebahn gebraucht wird. Voss widersprach energisch …

  18. @D.F.: mein bescheidenes Dafürhalten

    Ich muss eins vorausschicken: Mir ist natürlich bekannt, dass Astronauten in den Augen der Öffentlichkeit schon fast auf Wasser wandeln, zumindest aber zu jedem raumfahrtbezogenen Thema als unfehlbar gelten. Das habe ich oft genug erlebt, das werde ich auch nicht ändern – will ich auch gar nicht – aber trotzdem wage ich es mal, meine unmaßgebliche Meinung daneben zu stellen und zu hoffen, dass die Argumente zählen, nicht der Status des Aussagenden.

    Dass Jim Voss als Programm-Manager des Dreamchaser sein Produkt für die Antwort auf alle Fragen hält, ist jetzt erst einmal nicht so ganz verwunderlich. Klappern gehört bekanntlich zum Handwerk.

    Ich denke, man sollte einfach mal jeden Vorschlag für ein Fahrzeug, mit dem Menschen ins Orbit und wieder zurück auf den Boden gebracht werden, an folgenden Punkten messen. Diese Punkte haben alle mit Sicherheit zu tun, denn die halte ich für das mit Abstand am wichtigste.

    “Alles andere ist primär”, wie der große österreichische Denker Hans Krankl einst so prägnant formulierte. Auch der Faktor “Flexibilität”, zumal dies – im Gegensatz zu “Sicherheit”, ein dehnbarer Begriff ist, unter dem jeder das versteht, was er will. Ob dagegen ein Vehikel sicher ist oder nicht, erschließt sich im Zweifelsfall sehr deutlich und unmissverständlich.

    Punkt 1: Sind sämtliche zum sicheren Wiedereintritt nötigen Komponenten, mindestens der Hitzeschild, vor dem Start und während des Aufstiegs optimal vor Wind und Wetter oder vor Beschädigung durch Kollision mit Objekten geschützt?

    Punkt 2: Ist das Gefährt am sichersten Punkt montiert, d.h., ganz oben auf der Rakete?

    Punkt 3: Kann der Teil des Gefährts, in dem die Besatzung sitzt, zu jedem Moment des Startvorgangs, also selbst noch bei Höhe und Geschwindigkeit 0, wenn die Rakete nicht von der Rampe weg kommt, hinreichend schnell und weit aus der Gefahrenzone befödrdert werden?

    Punkt 4: Sind alle zum sicheren Wiedereintritt erforderlichen Komponenten, zumindest der Hitzeschild, während der orbitalen Phase optimal vor Beschädigung beispielsweise durch Atox, Mikrometeoriten und Weltraumschrott geschützt?

    Punkt 5: Ist das Gefährt in allen Punkten Fail-safe ausgelegt, d.h., ist es inhärent sicher? Kehrt es einfach durch seine Auslegung selbst bei großen Fehlern, beispielsweise in der Lage, ausreichend schnell in eine sichere Konfiguration zurück?

    Punkt 6: Ist es möglich, eine das Überleben der Besatzung ermöglichende Landung zu erzielen, selbst wenn wesentliche Komponenten des Steuerungssystems ausgefallen sind, d.h., sind die wichtigsten Systeme so auslegbar, dass sie fail-safe durch simple Backup-Mechanismen ausgelöst werden, ohne dass es eines komplexen zentralen Steuermechanismus bedarf?

    Punkt 7: Ist das Gefährt robust gegenüber einem Verfehlen des anvisierten Landeorts oder der anderen Landebedingungen?

    Punkt 8: Ist der Hitzeschild (oder meinetwegen das “Thermal Protection System”) so simpel wie technisch möglich herzustellen und zu verifizieren? Ist es frei von wechselnden und gar kleinen Krümmungsradien? Kann es ohne eine Vielzahl unterscheidlicher Komponenten und Materialen integriert und montiert werden?

    Wenn ich nicht ganz falsch informiert bin – ich bin wohlgemerkt natürlich kein Astronaut, sondern lediglich ein leidlich erfahrener Raumfahrtingenieur und damit fehlbar, ist ein Kapselsystem so auslegbar, dass die Antwort bei Punkt 1-Punkt 8 “Ja” lautet.

    Wenn bei einem geflügelten System auch nur ein Punkt nicht mit “Ja” beantwortet werden kann, dann ist die Kapsel besser, weil sicherer. Aus meiner Sicht ist das wirklich auch schon “End of the matter”.

    Klarer geht’s nicht, und mehr sage ich dazu auch nicht mehr, weil ich langsam das Gefühl habe, mich zu wiederholen.

    Jede/r möge sich einfach mal vorstellen, der Mensch der ihr/ihm am Nächsten steht und den sie/er am liebsten hat, wird Raumfahrer und wird deswegen in einem Raumfahrzeug nach oben und wieder herunter gebracht. Jede/r von uns wird nur eins wollen, nämlich dass dieser Mensch seine Reise mit maximaler Sicherheit absolviert. Mir ist klar, was für ein Transportvehikel für meinen persönlichen ganz besonderen Menschen wünsche.

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