ROSETTA-Experimentatoren veröffentlichen weitere Daten

BLOG: Go for Launch

Raumfahrt aus der Froschperspektive
Go for Launch

Gestern erschienen einige neue Artikel zur Mission ROSETTA im ESA-Webauftritt. Der erste fasst die Ergebnisse zusammen, die in einer Sonderausgabe von “Science” vorgestellt werden. Die Sonderausgabe auf der Webseite des Magazins “Science” ist hier.

Im ROSETTA-Blog sind zudem Artikel mit den Ergebnissen einzelne Experimentatorenteams erschienen: hier das ROSINA-Spektrometer, hier des GIADA-Staubanalysepaket und hier die Plasma-Analyse RPC. Alle drei Artikel sind aber auch in der Sonderausgabe von Science enthalten.

Auf Anhieb am interessantesten ist natürlich erst einmal das Bildmaterial. Aber natürlich zählt die Gesamtheit der Daten und die daraus herleitbaren Eigenschaften des kometenkerns. Beispielsweise konnte aufgrund der Bahnstörungen der Raumsonde die Masse des Kerns bestimmt werden. Die beträgt bei einem Gesamtvolumen von 21.4 Kubikkilometern 10 Milliarden Tonnen, was einer mittleren Dichte von 470 kg pro Kubikmetern entspricht. 70-80% des Kometeninneren wären demnach einfach Hohlräume.

Das bedeutet, dass die Dichte des eigentlichen Materials bei etwa 1550 – 2300 kg pro Kubikmeter liegen muss, also deutlich hölher als fluffiges Eis. Der Anteil an Kohlenwasserstoffen und auch Silikaten müsste demnach beträchtlich sein.

Ground Truth, also das tatsächliche Nachmessen, stellt fast immer auch so manchen im Vorfeld abgegebenen Schnellschuss bloß.

Die Autoren dieses Papers aus dem Jahr 2012, die mit einer neuen Methode eine mittlere Dichte von 102 kg pro Kubikmetern ermittelt haben wollten, mit einer Unsicherheit von nur 9 kg pro Kubikmetern (!), liegen ganz offensichtlich vollkommen daneben. Sie müssen sich ihrer Sache sehr sicher gewesen sein, wenn sie eine so absurd niedrige Unsicherheit angeben. Und dann auch noch für eine Berechnungsmethode, die sich auf nichts weiter stützt als Fernbeobachtungen, mit denen man im Fall von Kometen besonders vorsichtig sein sollte. Gut, das war jetzt lehrreich – nicht nur für die Herrschaften selbst, sondern auch für die Öffentlichkeit. Manche Äußerung, auch aus Wissenschaftlerkreisen, muss man einfach mit einer gehörigen Prise Salz nehmen.

Das Paper und die darin genannten Dichteannahmen wurden in den Kommentaren zu diesem Kosmologs-Artikel diskutiert.

Ein Riss in der Verengung zwischen den beiden Teilen des Kerns. Vielleicht wird an dieser Stelle in naher Zukunft der Bruch erfolgen, sodass ich meine Wette gewinne. Quelle: ESA/Rosetta/MPS for OSIRIS Team MPS/UPD/LAM/IAA/SSO/INTA/UPM/DASP/IDA
Ein Riss in der Verengung zwischen den beiden Teilen des Kerns. Vielleicht wird an dieser Stelle in naher Zukunft der Bruch erfolgen, sodass ich meine Wette gewinne. Quelle: ESA/Rosetta/MPS for OSIRIS Team MPS/UPD/LAM/IAA/SSO/INTA/UPM/DASP/IDA
Einige der auffälligen Strukturen, die auf einen eingesunkene Boden schließen lassen. Wie die überbelichtete Aufnahme zeigt, sind solche Formationen auch Austrittsstellen von Gas und Staub. Quelle: ESA/Rosetta/MPS for OSIRIS Team MPS/UPD/LAM/IAA/SSO/INTA/UPM/DASP/IDA
Einige der auffälligen Strukturen, die auf einen eingesunkene Boden schließen lassen. Wie die überbelichtete Aufnahme zeigt, sind solche Formationen auch Austrittsstellen von Gas und Staub. Quelle: ESA/Rosetta/MPS for OSIRIS Team MPS/UPD/LAM/IAA/SSO/INTA/UPM/DASP/IDA
Michael Khan

Ich bin Luft- und Raumfahrtingenieur und arbeite bei einer Raumfahrtagentur als Missionsanalytiker. Alle in meinen Artikeln geäußerten sind aber meine eigenen und geben nicht notwendigerweise die Sichtweise meines Arbeitgebers wieder.

1 Kommentar

  1. Ich habe gerade den gestrigen Artikel auf heise-online dazu gelesen. Dort wurde auch von dem Riss berichtet und als ich dass gelesen habe, fiel mir auch Ihre Wette ein. Mit dieser Erkenntnis stehen die Chancen ja wirklich gut, dass Sie Ihre Wette gewinnen. 🙂
    Und die wissenschaftliche Ausbeute dürfte sich wahrscheinlich noch etwas steigern, wenn der Komet denn tatsächlich auseinander brechen sollte, obwohl das auch weitere Probleme machen wird. Aber die sollte man ja als Herausforderungen betrachten und sehen, zu welchen neuen Erkenntnissen sie die Wissenschaft bringen. Oder etwa nicht?

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