Rosetta entdeckt Nazgûl

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Raumfahrt aus der Froschperspektive
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Die ESA-Raumsonde hat am Kometen 67P/Churyumov-Gerasimenko einen Nazgûl entdeckt. Oder wonach sieht dieses Bild der NavCam sonst aus?

Komposit aus vier Aufnahmen der ROSETTA-NavCam vom 2.11.2014, Credits: ESA/Rosetta/NAVCAM – CC BY-SA IGO 3.0
Komposit aus vier Aufnahmen der ROSETTA-NavCam vom 2.11.2014, Credits: ESA/Rosetta/NAVCAM – CC BY-SA IGO 3.0

Was so ein paar Schatten und die richtige Beleuchtungsrichtung bei einem pechkohlrabenschwarzen und deswegen nicht quer reflektierenden Objekt wie einem Kometenkern doch ausmachen …

(Und nein, ich fahre nicht wirklich auf dieses ganze Mittelerde-Zeugs ab, die Filme schon gar nicht. Ich bin zwar in alle drei Teile mitgeschleppt worden. Einigermaßen gefallen hat mir aber nur der erste, und beim Auftauchen der Nazgûls dort hatte ich sogar richtig Angst.)

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Ich bin Luft- und Raumfahrtingenieur und arbeite bei einer Raumfahrtagentur als Missionsanalytiker. Alle in meinen Artikeln geäußerten Meinungen sind aber meine eigenen und geben nicht notwendigerweise die Sichtweise meines Arbeitgebers wieder.

12 Kommentare

  1. Die ESA-Raumsonde hat am Kometen 67P/Churyumov-Gerasimenko einen Nazgûl entdeckt. Oder wonach sieht dieses Bild der NavCam sonst aus?

    Ja, der Vergleich kommt schon hin. Der muss dann aber gerade ziemlich im Dreck gewühlt haben… 😀

    Was so ein paar Schatten und die richtige Beleuchtungsrichtung bei einem pechkohlrabenschwarzen und deswegen nicht quer reflektierenden Objekt wie einem Kometenkern doch ausmachen …

    Was ich mich bei diesen Beschreibungen schon länger frage: Wenn dieses Teil von Kometenkern sooo dunkelschwarz ist, wie kommen dann die vielen Grauschattierungen zustande, die auf den Bildern immer zu sehen sind?

    Und nein, ich fahre nicht wirklich auf dieses ganze Mittelerde-Zeugs ab, die Filme schon gar nicht.

    Nun, man kann ja auch nicht alles mögen. – Aber als Fantasyfan (wie ich) sollte man den HdR zumindest vom Prinzip her (also eine Inhaltsangabe) kennen, finde ich. Ich hab mir deshalb damals auch die Extended-Special-Edition der Filme geleistet… 🙂

    • Kohlrabenschwarz ist wohl noch eine Untertreibung. Ich gehe davon aus, dass das Federkleid eins Kohlraben (oder Kolkraben) eine deutlich höhere Albedo aufweist als der Wert von rund 4% ist, der für einen Kometenkern anzusetzen ist.

      • Nun, mittlerweile hat sich auch zu mir herumgesprochen, dass der Ausdruck “Kohlrabenschwarz” eher den Vergleich mit den Federn dieses Raben meint. Trotzdem kann ich nicht umhin, dabei zuerst einmal an Steinkohle zu denken, die ja auch schwarz ist. – Muss wohl daran liegen, dass ich aus einer Bergmannsfamilie stamme… 🙂
        Und zur Albedo des Federkleides der Raben müsste doch jemand von den hier zahlreich vertretenen Biologen (m/w) Auskunft geben können.

        • @Hans:
          Der Begriff “kohlrabenschwarz” meint tatsächlich schwarz wie Kohle oder eben schwarz wie das Federkleid eines Rabenvogels, des Kolkraben (Kohlraben gibt es nicht, nur Kohlrabi :-)). Das Vogelgefieder glänzt in der Regel etwas, weil die Vögel es mit einem öligen Sekret aus ihrer Bürzeldrüse einfetten damit es wasserabstoßend ist, was dazu führt, dass ein bestimmter Anteil des Lichts reflektiert wird. Nur bei tiefem Mattschwarz werden so gut wie alle Bestandteile des weißen Lichtes absorbiert, d.h. verschluckt.

  2. Hans, bei deinem Kommentar konnte ich mir ein Grinsen nicht verkneifen, denn du hast (wohl ungewollt) schon das richtige Schlagwort mitgeliefert: HdR (und zwar nicht als “Herr der Ringe” verstanden, sondern als “high dynamic range”). Jedes “Bild” ist lediglich die Abbildung eines Konglomerats aus Photonen, die auf die CCD-Chips treffen und die entsprechend gefiltert und bearbeitet wurden. Bestes Beispiel sind die Hubble-Deep- und Ultra-Deep Aufnahmen, bei denen wirklich wenige Photonen aus der “Urzeit” des Universums über einen Zeitraum von Wochen bis hin zu Monaten “aufaddiert” wurden, um eine Abbildung möglich zu machen. Ähnlich verhält es sich im Prinzip mit den Navcam-Aufnahmen, nur dass hier natürlich aufgrund der Bewegung der Sonde/Kamera relativ zum Objekt die Belichtungszeiten deutlich kürzer sein müssen. Als “alter”
    Hobbyastronom verweise ich da gern mal auf den photographischen (ja, alte Rechtschreibung) Hintergrund bezüglich Filmempfindlichkeit, Blende und Belichtungsdauer – aber ich kann nicht sagen, daß ich Einzelbelichtungen von 15-20 min. bei klirrender Kälte wirklich vermisse 😉 – Aber um es kurz zu machen: Selbst “Kohlrabenschwarz” ist nicht 100% Schwarz – es werden immer noch genügend Photonen reflektiert um selbst eine abgestufte (also Graubild-) Abbildung zu ermöglichen

    • Richtig! Ein Schwarz-Weiß-Foto besteht streng genommen nur aus verschiedenen Grauwertabstufungen, einschließlich der Extremwerte Schwarz und Weiß. Genaugenommen müsste man von einem “Graustufenbild” sprechen.

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