ROSETTA: Ein OSIRIS-Bild, aber …

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Raumfahrt aus der Froschperspektive
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Jetzt gibt es doch tatsächlich ein Lebenszeichen des Teams der OSIRIS-Wissenschaftskamera auf der ESA-Kometensonde ROSETTA: Die haben nämlich heute nach langer Zeit wieder ein Bild veröffentlicht, und zwar ein Farbbild. Man sieht: Der Komet ist nicht sehr bunt.

Aber fangen sie jetzt nicht an, in diesem Bild nach Philae zu suchen. Die Aufnahmen mit Rot- Blau- und Grünfiltern, aus denen dieses Bild erstellt wurde, stammen nämlich vom 6. August. Äh, 6. August? Das ist doch schon über vier Monate her? In der Tat. damals war ROSETTA noch 120 km vom Kometen entfernt. Entsprechend niedrig ist die Auflösung. Das Bild ist hier, falls Sie die Zeit übrig haben und sich wider Erwarten immer noch nicht veräppelt vorkommen.

Langsam kann ich mich des Verdachts nicht erwehren, OSIRIS ist einfach kaputt. Aber wahrscheinlich liegt die Ursache der absurden Geheimnistuerei einfach in der bevorstehenden AGU-Konferenz nächste Woche.

ROSETTA ist jetzt in einer 20 km hohen Bahn, die am 20.12.2014 auf 30 km angehoben werden soll. In der Bahn bleibt die Sonde bis Anfang Februar. Dann ist Schluss mit den (nahezu-)Kreisbahnen – ROSETTA wird für die folgenden Monate, in denen der Komet immer aktiver wird, nur noch gesteuerte Vorbeiflüge absolvieren, um dabei dem Kometen immer wieder so nahe wie möglich zu kommen und dabei Gas und Staub zu untersuchen und Nahaufnahmen zu machen. Jede dieser hyperbolischen Bahnen führt dann aber in Entfernungen von bis zu mehr als 100 km, von wo aus auf den folgenden Vorbeiflug gezielt wird.

Das wird jetzt wirklich spannend, denn was ROSETTA zu sehen, riechen und fühlen bekommen wird, hat noch nie ein Mensch beobachtet.

Und hier ein Komposit aus vier Bildern der NavCam vom 9.12.2014. Rechts der kleinere Teil des verbundenen Binärkörpers (oder der Stiefelschaft), links der größere (oder die rechte Seite vom Spann des Fußes). Immer wieder faszinierend: Die auffallend ebenen, eingesunkenen Strukturen, in denen man bei dieser Auflösung gekrümmte Risse, aber auch etwas anderes ausmachen kann: Ketten von kleinen Eindrücken, die wirken, als ob ein größeres Bruchstück dort vielleicht nicht unbedingt entlang “gerollt” ist, aber doch eine Serie von Hüpfern vollführt hat.

Höher aufgelöste Aufnahmen wären jetzt sehr hilfreich und auf jeden Fall interessant, aber die NavCam hat uns Außenstehenden nach Aussage eines MPS-Mitarbeiters gefälligst zu reichen. Ein Glück, dass es wenigstens die gibt, kann ich nur sagen.

Komposit aus vier NavCam-Aufnahmen vom 9.12.2014, Quelle: ESA/Rosetta/NAVCAM – CC BY-SA IGO 3.0
Komposit aus vier NavCam-Aufnahmen vom 9.12.2014, Quelle: ESA/Rosetta/NAVCAM – CC BY-SA IGO 3.0

Ich bin Luft- und Raumfahrtingenieur und arbeite bei einer Raumfahrtagentur als Missionsanalytiker. Alle in meinen Artikeln geäußerten sind aber meine eigenen und geben nicht notwendigerweise die Sichtweise meines Arbeitgebers wieder.

2 Kommentare

  1. Der letzte Satz sagt ja alles. Der wirkliche Applaus gilt der NAVCAM. Ohne diese wäre die ganze Mission nur eine weitere ESA-Mission von der man kaum etwas mitbekommt.
    Ich danke dafür das wir die NavCAM-Bilder sehen und freue mich darauf, dass irgendwann das OSIRIS-Team mal mehr Bilder veröffentlicht. Falls das überhaupt passieren wird.

    • Vielleicht. Vielleicht wäre dann aber auch der Druck auf das OSIRIS-Team größer, diese lächerliche Heimlichtuerei einfach mal bleiben zu lassen. Jetzt lehnen die sich ja offenbar zurück und sagen, dass die Leute sich mit den NavCam-Bildern zufrieden zu geben haben.

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