Ralph René und die Pi-Verschwörung

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Raumfahrt aus der Froschperspektive
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Um die Apollo-Mondlandungen ranken sich seit Jahrzehnten absurde Verschwörungstheorien, vorgebracht von selbsternannten Experten ohne Hintergrundwissen, die unbeirrbar der festen Überzeugung anhängen, sie selbst hätten immer Recht, alle anderen hätten Unrecht und der Lauf der Welt sei allein als Kette von Verschwörungen zu verstehen.

Offenbar handelt es sich um eine relativ überschaubare Schar, denn es kommen da immer wieder dieselben Namen hoch. Ein solcher Name ist Ralph René (1933 – 2008). Er war es, der beispielsweise in der Abwesenheit von Sternen in den Fotos, die von Apollo-Astronauten auf der Mondoberfläche gemacht wurden, einen umumstößlichen Beweis dafür sei, das gesamte Apollo-Programm eine grandiose Fälschung gewesen sein musste. Natürlich war das nicht sein einziges Argument. Was er sonst noch so vorzubringen hatte, war von vergleichbarer Qualität. René war häufiger Gast in Fernsehsendungen und ist Autor des Buchs “NASA Mooned America“.

Es ist keineswegs so, dass dies der einzige Fall war, wo René meinte, eine Lüge oder einen Irrtum gigantischen Ausmaßes aufgedeckt zu haben, dem die ganze Welt aufgesessen war. Vor allem “die Wissenschaft”, mit der er gern besonders hart ins Gericht ging und die er in Bausch und Bogen als aufgeblasen und unqualifiziert abtat. Ralph Renés Webseite hat sein Ableben überdauert; einige seiner Theorien, wenn man sie so nennen will, können ihr entnommen werden.

In Ralph Renés Welt war einfach alles anders, und zwar nie so, wie es “die Wissenschaft” meinte, sondern so, wie Ralph René es behauptete und mit meist simpelsten Experimenten beweisen zu können meinte. Es ist natürlich nicht verkehrt, wenn ein Experiment simpel ist. Allerdings muss es zuerst einmal relevant sein. René weigerte sich aber, diese Tatsache anzuerkennen und zog sich immer auf einen Schwall vager, allgemeiner Abwertungen und Beleidigungen zurück, wenn ihm jemand widersprach.

Unter anderem war Raplh René Verfechter einer alternativen “Theorie” für den Wert der mathematischen Konstante π, für die René, ausgehend von einer Herleitung des US-High-School-Lehrers Dan Gaddy, den Wert √2+√3 gleich ungefähr 3.146264…. annahm. Ein zwölfseitiges Pamphlet dazu wird auf Ralph Renés Webseite für 14$ vertickt.

Dabei hört es keineswegs auf. René hatte zu allem eine Meinung, und die war fast immer, äh … unorthodox.

Es gibt eine ganze Menge ganz normaler Leute, die aufgrund von irgendwelchen Fernsehsendungen oder Artikeln auch Zweifel an der Echtheit der Apollo-Mondlandungen hegen. Diese bringen in aller Regel früher oder später ein René-“Argument” vor. Ich habe auf fast jeder öffentlichen Veranstaltung, bei der ich einen Vortrag halte oder Besucher durch das Teleskop schauen lasse, mit mindestens einem solchen Menschen zu tun. Das sind in der Regel keineswegs Exzentriker oder Spinner. Die meisten fragen einfach, weil sie wissen wollen, woran sie nun eigentlich sind, und beharren nicht auf der Verschwörungstheorie, wenn man ihnen erklärt, warum die Behauptungen, auf denen die Verschwörungstheorie beruht, einfach faktenfrei sind.

Ich vermute mal, dass solche Menschen mit dieser Art von Theorien viel kritischer umgehen würde, wenn sie wüssten, was die Betreffenden noch so alles behauptet haben. “Trau schau wem” – das sollte doch generell und ohne Ausnahme gelten.

Oder?

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Übrigens hat die britische Fernsehperson Ali G, ein Alter Ego des Comedian Sasha Baron Cohen, in einem Interview mit Buzz Aldrin (den er durchgehend als Buzz Lightyear ansprach) die Theorie vertreten, der Mond sei nur ein Hoax. Hm. Wie passt denn die Ali-G-Theorie zu meiner Beobachtung von gestern Abend? Wer auch immer den Mond gefaked hat, der Krater Aristarchus ist ihm reichlich hell geraten. Schon ein bisschen übertrieben. Das sieht ja aus wie ein Leuchtfeuer. Vielleicht sollte es ja gerade auffallen. Das Werk von Whistleblowern?

Der Mond über Darmstadt am 13.3.2014, 23:08 MEZ. 65/420 Aprochromat, Canon EOS 600D, ISO 100, 1/125 s
Credit: Michael Khan, Darmstadt / Der Mond über Darmstadt am 13.3.2014, 23:08 MEZ. 65/420 Apochromat, Canon EOS 600D, ISO 100, 1/125 s

 

Ich bin Luft- und Raumfahrtingenieur und arbeite bei einer Raumfahrtagentur als Missionsanalytiker. Alle in meinen Artikeln geäußerten sind aber meine eigenen und geben nicht notwendigerweise die Sichtweise meines Arbeitgebers wieder.

12 Kommentare

  1. Im seinem Buch “Hollywood im Weltall” hat der Astrophysiker Thomas Eversberg auch Ralph Rene und seine spannenden “Einsichten” angesprochen. Das Thema Mondlandungsverschwörung ist mit diesem Buch ein für allemal vom Tisch. Sehr zu empfehlen.

  2. Ralph Renes Erklärungen erscheinen wohl vielen plausibel, weil sie sie nachvollziehen können, anders als bei den “richtigen” wissenschaftlichen Erklärungen. Das ist tatsächliche ein Problem. Wir sind von Technik und Wissenschaft umgeben aber kommen schnell in Erklärungsnot wenn wir etwas in Frage stellen oder nur schon etwas genauer beobachten. Die fehlenden Sterne auf Aufnahmen des Mondhimmels sind ein gutes Beispiel. Eigentlich etwas simples, aber doch für die meisten schon zu schwierig um es sich erklären zu können.

    • Ralph René muss wohl ein gewisses Charisma besessen haben, mit dem er die Leute einwickelte. Eigentlich stößt es ja einen Gesprächspartner ab, wenn man so penetrant besserwisserisch ist wie er es war, so vollkommen von sich eingenommen und so überzeugt, den kompletten Durchblick zu haben, Eine Grundannahme, die vollkommen unbegründet war. Trotzdem kam er an. Vielleicht war es auch seine Underdog-Attitüde, die Leuet ansprach. “Ich habe keine Ausbildung und zeige den aufgeblasenen, eitlen Wissenschaftlern trotzdem, wo der Hammer hängt.”

      • Ja, die “Anhänger” von Ralph René fühlen sich wohl selbst als Underdogs, welche immer einfach glauben müssen, was ihnen die Experten vorsetzen – bis Ralph René kam und das änderte.

    • Ich kann ja noch verstehen, dass jemand auf irgendwelchen Blödsinn wie die HAARP-Verschwörungstheorien oder solche zum 11. September anspringt. Aber eine Verschwörungstheorie, die es zum Ziel hat, den wahren Wert von pi zu verbergen und stattdessen der Welt einen ähnlichen, aber falschen Wert unterzujubeln, das ist doch offensichtlich absurd.

      • Übrigens, Kompliment für die Berücksichtigung des Pi-Tages, der ja jedes Jahr am 14. März gefeiert wird – und das Datum dieses Posts, der Pi im Titel führt ist der 14. März!

  3. Angesichts der Leute , die man zum Teil “da draußen” antrifft , ist es eigentlich überraschend , daß nur bis zu 25 % der Bevölkerung zu den unbeirrbaren Verfechtern der verschiedensten Verschwörungstheorien zählen.
    Es würde aber etwas fehlen , wenn es sie nicht gäbe , kreativ sind sie ja schon , auf den ganzen Quark mußt du erstmal kommen….

  4. Unter anderem war Raplh René Verfechter einer alternativen “Theorie” für den Wert der mathematischen Konstante π, für die René, ausgehend von einer Herleitung des US-High-School-Lehrers Dan Gaddy, den Wert √2+√3 gleich ungefähr 3.146264…. annahm

    Tja, damit wär die Quadratur des Kreises geschafft! 🙂

  5. Tja, auf der Webseite ist mir zuerst die “Widerlegung des Gravitationsgesetzes” aufgefallen: da laut Newton der Mond von der Sonne 3x so stark angezogen wird wie von der Erde, müßte er eigentlich um die Sonne kreisen – was er laut R.R. nicht tut, weshalb das gesamte Gravitationsgesetz “für die Tonne” sei. Nur zu dumm, daß der Mond tatsächlich innerhalb von ca 365 Tagen im Abstand von ca 1 AU um die Sonne kreist – gemeinsam mit der Erde…

    • Das hat ihm ja offenbar auch schon mal einer erklärt, wie er auf seiner ermüdenden Webseite schreibt, aber das wusste er dann ja auch gleich wieder besser.

      Interessant ist, dass er offenbar selbst ein paar Punkte weiter die Fotos von der Apollo-Mission als Hinweis dafür wertet, dass die Albedo des Mondgesteins viel höher ist als die Materialeigenschaften zulassen. Soso. Wo er doch sonst immer Tausend Gründe wusste, warum Apollo nicht stattgefunden haben kann und Menschen nie jenseits der Van Allen-Gürtel gewesen sein konnte.

  6. Sehr gehrter Khan,

    habe gerade durch Zufall diese Web-Seite gefunden.
    Na ja, Ihre Texte und Ansichten sind schon ganz in Ordnung.
    Nur mit Ihren Äußerungen zu dem Mondfoto bin ich nicht ganz einverstanden.
    Mache ein wenig Astro- und auch Mondfotografei, soweit es wettermäßig möglich ist.
    Etliche meiner Mondfotos sind nicht so gut wie dieses Foto, aber die sehen im Prinzip fast genauso aus, wie das von Ihnen kritisierte Mond-Foto.
    Dabei weiß ich natürlich ganz genau, dass ich diese Fotos nicht bearbeitet habe. Habe diesem leuchtenden Punkt bisher keine Bedeutung beigemessen aber jetzt …

    MfG -W St

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