November-News

BLOG: Go for Launch

Raumfahrt aus der Froschperspektive
Go for Launch

Wir nähern uns Ende November, die Welt schlittert in eine Rezession, Piraten machen die Weltmeere unsicher, der Wintereinbruch steht bevor und Weihnachten rückt unaufhaltsam näher. Da treten Nachrichten aus der Raumfahrt etwas in den Hintergrund, obwohl auch da so einiges geschieht.
Hier einige bislang in den Kosmologs noch nicht erwähnte Ereignisse. Es ist natürlich eine ganze Menge mehr passiert, auf der Erde wie auch in ihrer näheren und weiteren Umgebung …

ESA-Webartikel zur Ministerratskonferenz Wichtig für die europäische Raumfahrt: In der nächsten Woche (26-26.11.) steht die Ratssitzung auf ministerieller Ebene in Den Haag an, bei der über Investitionen von über 10 Milliarden Euro für die kommenden vier Jahre entscheiden werden soll. Die zu beschließenden Punkte umfassen ein weitreichendes Programm zur Erdbeobachtung, den Aufbau des Satelliten-Navigationssystems Galileo, diverse technologische Programme, die Weiterentwicklung der europäischen Raketen, große Projekte zur wissenschaftlichen Erforschung des Weltalls und die bemannte Raumfahrt. Gerade in Zeiten der Rezession ist es gut, wenn Europa massiv in die Hochtechnologie investiert. Sonst würde die Rezession vielleicht den Beginn unseres dauerhaften Abstiegs einleiten. Näheres dazu hier:

Bericht auf der ESA-Webseite zur Ministerratssitzung

Mondkrater Moretus, aufgenommen von der Chandrayaan-Kamera TMC, Quelle: ISRO, Spaceref Die indische Raumsonde Chandrayaan-1, gestartet am 22. Oktober, ist seit 8. November 2008 in einer Bahn um den Mond, die danach zu einer 100 km hohen polaren Bahn reduziert wurde. Das wissenschaftliche Programm ist angelaufen, am 14. November wurde eine Impaktsonde abgesetzt, die wie geplant auf der Oberfläche zerschellte und auf dem Weg nach unten Messungen durchführte. Inzwischen wurde mitgeteilt, dass eine Nachfolgemission namens Chandrayaan 2 für das Jahr 2012 vorgesehen ist. Man sieht hier, dass Erfolge in einem anspruchsvollen Raumfahrtprogramm zu großer öffentlicher Unterstützung für weitere Projekte führen. Zögerlichkeit führt dagegen zu öffentlichem Desinteresse, sodass am Ende gar nichts passiert.

Angesichts des nachdrücklich vorangetriebenen Programms des Schwellenlands Indien mag sich jeder vorstellen, wie es ankäme, würde Deutschland seinen Mondorbiter “LEO” tatsächlich ab 2013 zum Mond starten, Jahre nach allen anderen Nationen, und sogar noch nach so mancher Nachfolgemission anderer. Damit würde man nichts dokumentieren als den eigenen Rückstand. Stattdessen sollte Deutschland im europäischen Rahmen federführend einen europäischen Südpol-Mondlander vorantreiben. Damit hätten die Europäer technologisch und wissenschaftlich die Nase vorn.

Chandrayaan-Webseite der indischen Weltraumbehörde ISRO

Phoenix-Webseite von NASA-JPL Die NASA-Mars-Sonde Phoenix, die seit dem 25 Mai 2008 in der Nordpolarregion des Mars steht und dort 5 Monate lang (ursprünglich geplant waren nur 3) ein ausgesprochen erfolgreiches wissenschaftliches programm absolviert hat, hat am 2. November den Betrieb eingestellt. Das Missionsende war zu erwarten, auf der Nordhalbkugel des Mars neigt sich der Sommer dem Ende zu. Weihnachten ist dort Tag- und Nachtgleiche und damit Herbstanfang. Als die Sonde landete, war es Spätfrühling, die Sonnenwende fand Ende Juni statt. Da stand die Sonne hoch genug am Himmel, nun aber sind die Tage zu kurz und das Wetter zu kalt geworden, die Batterien können nicht mehr ausreichend geladen werden und über kurz oder lang erwartete man den Ausfall, der dann auch eintrat. Im Mars-Winter werden die sich ausdehnenden Polkappen auch die Landestellen bedecken; dass Phoenix den Winter überlebt, womöglich bedeckt von Kohlendioxid-Eis, ist wohl kaum zu erwarten.

Ich bin Luft- und Raumfahrtingenieur und arbeite bei einer Raumfahrtagentur als Missionsanalytiker. Alle in meinen Artikeln geäußerten Meinungen sind aber meine eigenen und geben nicht notwendigerweise die Sichtweise meines Arbeitgebers wieder.

2 Kommentare

  1. Wer stellt die Weichen in Deutschland?

    Mit LEO “würde man nichts dokumentieren als den eigenen Rückstand. Stattdessen sollte Deutschland im europäischen Rahmen federführend einen europäischen Südpol-Mondlander vorantreiben”: eine Position, die Gehör verdient. Aber *wer* hört hin – und wer entscheidet in Deutschland, in welche Projekte die (spärlichen) rein national verwendbaren Raumfahrtmittel fliessen?

    Das alles scheint – im Gegensatz etwa zu den USA, wo das Weltraumprogramm Gegensatz hitziger öffentlicher Debatten ist und sogar in den letzten Präsidentschaftswahlkampf hineinspielte – hierzulade hinter verschlossenen Türen ausgekungelt zu werden.

    In den letzten Jahren habe ich mich mit hochrangigen Weltraumforschern, einem (nicht direkt mit dem Thema befassten) MdB und einem Vertreter des (neuerdings nicht mehr für die Raumfahrt zuständigen) BMBF darüber unterhalten – und keiner konnte mir letztlich sagen, wie in Deutschland eigentlich die nationalen Weltraumprioritäten gesetzt werden. Können Sie’s?

  2. @Herrn Fischer

    Das BMBF ist bereits seit dem Regierungswechsel nicht mehr für die Raumfahrt zuständig. Damals ging diese Zuständigkeit, zusammen mit noch einigen anderen Unter-Ressorts, an das Wirtschaftsministerium, das nach den Vorstellungen des dafür vorgesehenen Ministers Edmund Stoiber zu einem Superministerium ausgebaut werden sollte. Bekanntlich trat Stoiber dieses Amt nie an, die Verlagerung der Zuständigkeit blieb jedoch. Also sollte man Ihnen zumindest dort eine Antwort auf Ihre berechtigte Frage geben koennen.

Schreibe einen Kommentar