Noch’n Flare! Beim Jupiter!

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Raumfahrt aus der Froschperspektive
Go for Launch

Ich bin beeindruckt, wie akkurat die Iridium-Flare-Vorhersage bei Heavens-Above ist. Nachdem mir die App auf dem Handy mitteilte, dass heute Abend wieder mit einem hellen Flare, diesmal direkt unterhalb vom Jupiter, zu rechnen sei, schaute ich mir die Details im Web an, baute die Kamera auf, experimentierte im Vorfeld etwas mit ISO-Wert und Belichtungszeit und drückte exakt 6 Sekunden vor dem vorhergesagten Maximum auf den Auflöser.

Bingo. Den Flare erwischte ich genau, als der Satellit mit dem bloßen Auge sichtbar wurde. 13 Sekunden reichten aus, um das Helligkeitsmaximum komplett zu erfassen. ISO 640 geht noch bei voll geöffneter Blende, aber 800 hätte auch nichts geschadet.

Es ist wirklich simpel. Das kann jeder, der eine DSLR sein eigen nennt. Ein Fisheye, wie ich es verwendete, ist zwar nicht zwingend erforderlich, aber doch von Vorteil, weil damit auch bei langen Belichtungszeiten die Sterne noch nicht nennenswert verwischen.

Flare von Iridium 14 am 15. Mai 2015 um 23:24:18 MESZ. Canon EOS 6D, Sigma EX DG 15 mm, f/2.8, ISO 640, 13 Sekunden
Credit: Michael Khan, Darmstadt / Flare von Iridium 14 am 15. Mai 2015 um 23:24:18 MESZ. Canon EOS 6D, Sigma EX DG 15 mm, f/2.8, ISO 640, 13 Sekunden

Dieses Bild hat auch eine Aussage. Nämlich die, dass sich über der zum großen Teil überflüssigen Stadtbeleuchtung immer noch der Sternenhimmel befindet, auch wenn viele von uns das gar nicht mehr mitkriegen. Und auch, dass sich da eine ganze Menge abspielt. Vielleicht bin ich der einzige in dieser nicht gar so kleinen Stadt, der genau in diesem Moment zu den Sternen aufblickte und die Szene dokumentierte. Falls ja, wäre das sehr traurig.

Ich bin Luft- und Raumfahrtingenieur und arbeite bei einer Raumfahrtagentur als Missionsanalytiker. Alle in meinen Artikeln geäußerten Meinungen sind aber meine eigenen und geben nicht notwendigerweise die Sichtweise meines Arbeitgebers wieder.

5 Kommentare

  1. Schönes Bild mitten aus der Stadt. Was ist denn die Spur mit den einzelnen Punkten rechts vom Flare?

    • Das ist ein Verkehrsflugzeug. Im Einzugsbereich des Frankfurter Flughafens fliegt einem sowas häufiger ins Bild, allemal, wenn man ein Weitwinkelobjektiv benutzt.

      Zwischen dem Flare und der Blinkspur des Flugzeugs erkennt man übrigens die Praesepe (M44) im Sternbild Krebs.

  2. Zählt es, wenn in einer anderen Stadt weiter nördlich immerhin eine Frau und ihre zwei Kinder oft und gerne die Sterne anschauen? In 6 Wochen zeige ich den beiden den Himmel über Australien und werde dabei selber zum ersten Mal die südlichen Sternbilder sehen. Wenn ich es technisch irgend bewerkstelligen kann, dann gibt’s einen Fotogruß extra für “Go for Launch”. Soeben beschlossen. Gute Nacht! 🙂

    • Zählt es, wenn in einer anderen Stadt weiter nördlich immerhin eine Frau und ihre zwei Kinder oft und gerne die Sterne anschauen?

      Also für mich schon, aber ich bin nicht Herr Khan.

      Und ich wünsche dann viel Spass in Down Under.

      P.S. wäre auch nett, wenn Sie darüber berichten könnten, wie die Magellanschen Wolken in Natura wirken…

  3. Schönes Bild, das auch zum Thema “Stadt bei Nacht” passen könnte. Direkt über der Stadt scheint sich ein rötlich brauner Lichtvorhang zu befinden, weiter oben beginnt dann irgendwo der schwarze Himmel, in dem man auch einzelne Sterne erkennt und wo man dann auf diesen fremdartigen Flare trifft. Eine “heimliche Begegnung der vierten Art” könnte man es vielleicht in Anspielung auf Spielbergs Film nennen.

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