Ziel für NASA-Mars-Rover ausgewählt

Es ist vollbracht. Die Auswahl des Landeorts für den neuen Mars-Rover der NASA (Der Missionsname war zunächst “MSL” (Mars Science Laboratory) und wurde dann zu “Curiosity” geändert) ist abgeschlossen.

Zu den Missionszielen gehört die geologische Untersuchung hydrierter Mineralien, um festzustellen, auf welche Weise und über welche Zeiträume Wasser an der Gestaltung der Marsoberfläche beteiligt war. Natürlich darf bei keiner Landemission die Erwähnung der Suche nach Spuren existierenden oder früheren Lebens fehlen, aber dazu taugt die Experimentausstattung nur bedingt.

Alle Kandidaten für die Landeortauswahl sind Gebiete, in denen sich früher einmal ausgedehnte fließende oder stehende Gewässer befunden haben. In ihrer frühen Geschichte war die Mars-Atmosphäre viel dichter und wärmer als heute, sodass flüssiges Wasser an der Oberfläche exisieren konnte. In den folgenden Jahrmilliarden nahm die Dichte zwar kontinuierlich ab, es gibt jedoch Indizien auf sporadische Freisetzung großer Wassermengen, etwa infolge vulkanischer Ereignisse oder nach großen Einschlägen von Asteroiden oder Kometen.

Wichtig ist, dass die Bedingungen die Ablagerung von Sediment begünstigten. Dazu muss sich zunächst einmal viel mitgeschwemmtes Material im Wasser befunden haben. Ferner muss es eine verringerte Fließgeschwindigkeit gegeben haben. Solche Bedingungen findet man in den Biegungen großer Flüsse, aber auch in weiten, flachen Kratern, in die es einen Zufluss aus einem Hochland gab und in denen sich ein großer See bilden konnte. Bei Beginn der Suche wurden 30 mögliche Landegebiete identifiziert. Zuletzt waren noch vier Kandidaten im Rennen, die das ganze Spektrum der beschriebenen Möglichkeiten abdeckten.

  • Mawrth Vallis ist das Mündungsgebiet eines riesigen Abflusskanals, über die Wasser von der Meridiani-Hochebene nach Norden hin ablief.
  • In den Krater Holden und den daneben liegenden Krater Eberswalde führte das Uzboi Vallis aus dem Süden vom Noachis-Hochland, der Abfluss erfolgte nach Nordosten über das Ladon Vallis, und von dort in das Mündungsgebiet des Mariner-Canyons in Chryse Planitia.
  • Der Krater Gale, ein über 100 km großer Krater mit einem riesigen Zentralgebirge und einem sedimentreichen, flachen Boden, befindet sich genau in der Grenzzone zwischen südlichem Hochland und nördlichem Tiefland.

And! The! Winner! Is! …..

der Krater Gale. (Applaus, Applaus!). Curiosity wird in einem Monat vier Monaten (die Startperiode beginnt am 25. August November 2011) gestartet, die Ankunft und Landung ist im August 2012.

Farbkodierte topographische Karte des Gebiets um den Krater Gale. Im Südwesten Hesperia Planum, im Norden Elysium Planitia. Das Zentralgebirge erhebt sich rund 4 km über den ebenen und glatten Kraterboden, der mit einer dicken Sedimentschicht bedeckt sein muss.

Nachtrag

Zur Beantwortung der berechtigten Frage von Lars Fischer in seinem Kommentar vom 26.7.2011, 12:28 habe ich noch ein paar mehr MOLA-Karten der Region um Krater Gale erstellt (Vergrößerte Darstellung beim Klick auf die Bilder).

MOLA map with close-up view of Mars crater Gale with high alluvial plain to the East, source: Michael Khan/ESA MOLA map of panned view of area surrounding crater Gale, including alluvial plain to East, source: Michael Khan/ESA MOLA map of Uzboi Vallis, craters Holden and Eberswalde and Ladon vallis, source: Michael Khan/ESA

Die Umgebung östlich von Krater Gale zeigt (Bilder links und Mitte) eine breit aufgefächerte Alluvial-Ebene. In dem Krater muss es einen sehr tiefen See gegeben haben der vom Zufluss über einen sehr beeindruckenden Wasserfall an der Ostflanke des Kraters gespeist wurde. Im Gegensatz dazu zeigt die Region um den Krater Holden (Bild rechts) das tief eingeschnittene Uzboi Vallis (von süd-süd-östlicher Richtung kommend und den Abfluss über das Ladon Vallis Richtung Margaritifer Chaos im Nordosten. 

Weitere Information

Blog-Artikel vom Planetologen Ryan Anderson zum Krater Gale

Pressemitteilung von NASA/JPL vom 22.7.2011: NASA’s Next Mars Rover to Land at Gale Crater

MSL-Missionswebseite auf nasa.gov

Ich bin Luft- und Raumfahrtingenieur und arbeite bei einer Raumfahrtagentur als Missionsanalytiker. Alle in meinen Artikeln geäußerten sind aber meine eigenen und geben nicht notwendigerweise die Sichtweise meines Arbeitgebers wieder.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Good Luck – Curiosity!

    Das Ziel ist definiert und in einem Monat startet der Countdown – wir können der ambitionierten Mission zum Mars nur viel Glück auf den langen Weg mitgeben. Denn nicht nur ein extrem komplexes Programm beginnt dann, auch der Ruf der NASA steht einmal mehr auf dem Prüfstein, solche Projekte auch heute noch stämmen zu können. Allein das Design des Landemanövers erscheint derart kritisch, dass einen frösteln könnte – nach den Pannen beim Anflug auf den roten Planeten. Aber – allen sicher nicht wenigen kritischen Punkten zum Trotz – wenn Curiosity auch nur ansatzweise an die Erfolge seiner Vorgänger, von Sojurner über Spirit & Opportunity, anknüpfen kann wird die Wissenschaft eine Flut an neuen Erkenntnissen gewinnen, die sicher viele Anknüpfungspunkte für noch weitergehende Untersuchungen noch und nöcher bieten werden. Und über das Wesen unseres Planetensystems zu lernen ist etwas, was in Zeiten der Diskussion (und der zunehmenden Erkenntnisse!) über unsere eigene Zukunft und die Sensibilität unserer eigenen Erde sicher nicht hoch genug eingeschätzt werden kann.

  2. Was mich wundert ist…

    …dass man keinen Zufluss sieht. Oder liegt das an der Auflösung der Karte?

    [Antwort: Hallo Lars, das ist eine wichtige Anmerkung. Ich habe einen Nachtrag zum Artikel angefügt und dazu weitere MOLA-Karten erzeugt. Man sieht – meine ich – von Osten eine alluviale Ebene mit Tafelbergen. Eine tief eingeschnittenen Kanal sieht man nicht, dazu reichte die Fließgeschwindigkeit und Wassermenge vielleicht nicht aus. MK]

Schreibe einen Kommentar