Bilder der Mond-Jupiter-Konjunktion am 5.10.2012

Heute Nacht kamen sich der abnehmende Mond und der Jupiter auf weniger als 2 Grad Winkelabstand nahe – und es hat trotzdem nicht geregnet, noch war es bewölkt, o Wunder. Deswegen konnte ich einige Aufnahmen machen.

Wenn ich die Chance habe, mehrere Mitglieder des Sonnensystems gleichzeitig ins Sichtfeld meines Teleskops zu bekommen, dann ergreife ich sie auch.

Jupiter mit Callisto, Io und Ganymed am 5.10.2012, Quelle: Michael Khan

22:28. Der Mond ist noch hinter den Bäumen, aber Jupiter ist bereits ein ganzes Stück höher über dem Horizont. In der 8-Uhr-Position, etwas von Schleierwolken verdeckt, Callisto. In der 2-Uhr-Position erst Io, dann Ganymed. Europa ist momentan von Jupiter verdeckt. Atmosphärisch ist dieses Bild noch am ehesten repräsentativ für den schönen Herbstabend.

Mond und Jupiter kurz nach Mondaufgang am 5. Oktober 2012, Quelle: Michael Khan

22:37. Nun kommt auch der Mond über den Baumwipfeln heraus. Das Foto ist allerdings nur ein schwacher Abklatsch der Szene, die sich dem Auge bot, denn mit dem bloßen Auge sah man sehr wohl die galileischen Monde. Außerdem gibt das Foto nicht den unbeschreiblichen Effekt des milden Mondlichts wieder, der die Wiese, auf der ich stand, übergoss.

Composite image of the Moon-Jupiter conjunction on October 5, 2012, from Darmstadt, Germany, source: Michael Khan

Nochmals deutlich später. Nun haben sich Mond und Jupiter deutlich vom Horizont entfernt und die störenden Wolken haben sich auch verzogen. Vier Monde und ein Planet. Hätte ich noch ein bisschen gewartet, bis Europa wieder hinter Jupiter hervor kommt, wären es sogar fünf Monde gewesen. Die Schwierigkeit beim gleichzeitigen Fotografieren unterschiedlich heller Himmelskörper liegt darin, dass, wenn man die dunkleren sichtbar machen will, die helleren vollkommen überbelichtet sind. Soll unser Mond richtig belichtet sein, sieht man Jupiter kaum noch und seine Monde gar nicht. Soll man dagegen die Jupitermonde sehen können, ist Jupiter ein verwaschen strahlender Fleck und der Mond überstrahlt die ganze Umgebung. Der einzige Ausweg ist die Kompositaufnahme, d.h., die Szene wird mit verschiedenen Belichtungszeiten abgelichtet und dann die einzelnen Bestandteile zu einem in der Realität nicht zu machenden Bild zusammengefügt. Klar ist das Trickserei, aber immerhin stammen ja die einzelnen Aufnahmen von mir und ich habe sie wirklich komplett selbst gemacht, also ist das doch auch akzeptabel, finde ich. Dazu hat man ja schließlich die Digitalfotografie erfunden.

Ich bin Luft- und Raumfahrtingenieur und arbeite bei einer Raumfahrtagentur als Missionsanalytiker. Alle in meinen Artikeln geäußerten sind aber meine eigenen und geben nicht notwendigerweise die Sichtweise meines Arbeitgebers wieder.

7 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Mondbetrachtung

    Ich sehe die Schwierigkeit, die beim gleichzeitigen Fotografieren unterschiedlich heller Himmelskörper auftritt. Insofern wurde das Problem mit der “Kompositaufnahme” gut gelöst. Der Mond auf dem zweiten und dritten Foto erscheint mir aber ein wenig zu dunkel. Er kommt auf diese Art natürlich besser zur Geltung, als in der Realität, wo man ihn ja nur “überbelichtet” wahrnimmt. Ich frage mich aber, ob der Helligkeitsunterschied zwischen Mond und Jupiter nicht zu stark ist. Damit Sie verstehen was ich meine, habe ich zum Vergleich mal Bilder verlinkt, die nicht ganz so kräftig nachbearbeitet wurden. Der Fotograf hatte hier natürlich noch den Vorteil, dass auf seinen Fotos die Nacht zum größten Teil schon vorüber war und er von daher keinen so starken Kontrast zu bewältigen hatte. Die verlinkten Bilder möchte ich auch nicht als Vorlage verstanden wissen, sie sollen eher als ein Beispiel für die Vielfalt dienen, wie man solche Fotos gestalten kann.
    http://forum.astronomie.de/…ds.php/topics/934447

    Sie schreiben zum Schluss: “Der einzige Ausweg ist die Kompositaufnahme, d.h., die Szene wird mit verschiedenen Belichtungszeiten abgelichtet und dann die einzelnen Bestandteile zu einem in der Realität nicht zu machenden Bild zusammengefügt. Klar ist das Trickserei, aber immerhin stammen ja die einzelnen Aufnahmen von mir und ich habe sie wirklich komplett selbst gemacht, also ist das doch auch akzeptabel, finde ich.”
    In der Kunst ist sowas völlig in Ordnung und in der Fotografie auch, wenn man nicht vorgibt die Realität zu zeigen. Es lässt sich jedoch nicht immer alles so fotografieren, wie das Auge es wahrnimmt. Soll eine Aufnahme trotzdem echt wirken, dann muss man nachhelfen. Deshalb hätte ich den Mond nicht ganz so dunkel dargestellt. Es macht meines Erachtens einen Unterschied, ob man den Mond alleine zeigen möchte oder als “reale” Aufnahme im Verbund mit anderen Himmelskörpern. Wenn er etwas heller und nicht ganz so kontrastreich wäre, dann würden die Bilder viel natürlicher wirken, aber das ist meine persönliche Anschauung.

  2. @Mona: Stimmt natürlich ….

    Sie haben wohl Recht, ich hätte aus den vielen Bildern, die ich gemacht habe, lieber eins nehmen sollen, wo der Mond etwas länger belichtet war. Eine Fotografie ist ja immer eine Interpretation der wahrgenommenen Realität. Mit einer Interpretation ist immer auch untrennbar die bisher gemachte Erfahrung verbunden.

    Ich sehe wahrscheinlich den Mond so, wie ich ihn aus Tausenden anderer Beobachtungen kenne. Das fließt dann wieder in die Wahrnehmung ein, und damit auch in die Interpretation. Nicht zuletzt spielt meine Sympathie für den Mond mit hinein: Ich bevorzuge ihn vor allen anderen Himmelskörpern – das kann ich einfach nicht ändern.

    Eine generelle Anmerkung: Fotografie ist ja die Kunst des Lichts. Ich stelle immer wieder fest, dass es sehr schwierig ist, die Abwesenheit oder den Mangel an Licht realitätsnah einzufangen, nicht nur in meinen Aufnahmen, sondern auch in Magazinen oder online. Es misslingt viel öfter, als dass es gelingt. Auch eine gute Nachtaufnahme spiegelt selten den wirklichen Charakter der Nacht wieder.

    Die drei Bilder im Artikel repräsentieren die drei Phasen des Mondaufgangs am 5.10.. Im ersten macht der Mond sich bereits bemerkbar, ist aber noch nicht direkt zu sehen. Im zweiten ist er zu sehen, hat sich aber noch nicht aus einer engen Beziehung zu horizontnahem Dunst und irdischen Objekten gelöst.

    Erst im dritten Bild, in dem der Mond schon viel höher stand, war er klar und scharf umrissen.

    Ich mag alle drei Situationen, aber sie sind alle drei grundverschieden voneinander.

    Eigentlich kommt die Atmosphäre des ersten Bildes der des Abends am nächsten, ohne sie wirklich wiederzugeben. Mit der Atmosphäre des zweiten Bilds bin ich selbst nicht zufrieden, wie ich schon in der Bildunterschrift anmerkte. Den Effekt des Dunstes sieht man kaum. Auch nicht die Wärme des Lichts. Faszinierend fand ich das Wechselspiel zwischen den Maria, den Bergen und Kratern .. so fern und unerreichbar und doch für kurze Zeit so eng verbunden mit den Ästen eines Baums.

    Mit dem Bild, zu dem Sie den Link angefügt haben, habe ich so meine Probleme – so sehe ich den Mond einfach nicht. Er wirkt viel zu grell, fast wie die Sonne bei einer partiellen Finsternis. Ich weiß natürlich, warum die Überbelichtung zustande kam und dass man daran nichts ändern kann …. aber atmosphärisch stimmt das nach meinem Empfinden einfach nicht. Das ist nicht mein Mond.

  3. Five Moons

    Man hat mich inzwischen darauf hingeweisen, dass in diesem Bild fünf Monde zu sehen sind. Europa lugt bereits auf der Callisto-Seite hinter dem Jupiter hervor, etwa in der Neun-Uhr-Position.

  4. Ein altes Bild

    Ich habe noch ein altes Bild ausgegraben:

    http://members.chello.at/….bednarik/MOJUMO-6.JPG

    Es wurde nur ein billiges Linsenfernrohr mit 60 cm Brennweite verwendet, und an Stelle des weg gelassenen Okulars ein billiger Videochip.

    Das Bild des Mondes war mit rund 6 mm Durchmesser ein wenig grösser als der Videochip.

    Für das schmale, graue Bild mit den Jupitermonden, habe ich einfach den Mond aus dem Bild geschwenkt, und die Belichtungsautomatik des Videochips sorgte dadurch für die Aufhellung.

    Das Bild wurde auf einer VHS-Bandkasette zwischengespeichert, denn dadurch konnte ich ungestört mit dem Fernrohr arbeiten.

  5. Mondfotografie @Michael Khan

    Sie haben recht, ein Bild ist immer eine Interpretation der Realität, von daher wird jeder den Mond anders sehen, sogar wenn versucht wird ihn objektiv darzustellen. Es gibt zwar auch Leute, die den Mond als langweilig empfinden, aber die haben sich noch nicht wirklich mit ihm beschäftigt. Der Mond eignet sich überdies schlecht für einen Schnappschuss, dafür ist er zu kompliziert. Man muss sich also näher mit ihm befassen, so wie mit einem Menschen, von dem man eine Porträtstudie anfertigen möchte. Am schwierigsten ist es, wie Sie schreiben, die Atmosphäre einer Mondnacht einzufangen, weil man da ein subjektives Empfinden mit transportieren möchte, dass für den Betrachter oft gar nicht nachvollziehbar ist, wenn er nicht dabei war. Mein subjektiver Mond ist heller als Ihrer, dass hängt wohl damit zusammen, dass ich ihn erst seit kurzem mit astronomischen Geräten betrachte. Aber ich mag ihn, auch wegen der Erinnerung an meine frühe Kindheit, wo ich im Sommer mit meinem Vater auf einer Bank vor dem Haus saß und er mir den Mond und die verschiedenen Sternbilder zeigte. Ein gutes Foto vom Mond hängt nicht nur mit der richtigen Kameraeinstellung zusammen, sondern man kann es außerdem kreativ gestalten und versuchen die Atmosphäre rüberzubringen, die sich besonders durch die unterschiedlichen Zeiten des Mondaufgangs und in Kombination mit der Landschaft vermitteln lässt, wie man auf Ihrem ersten Bild sehen kann.

    Bei klarem Himmel ist der Mond manchmal sogar tagsüber zu beobachten. Ich habe ihn einmal mit einer einfachen Kamera fotografiert, die ich zufällig im Auto dabei hatte. Die Belichtung machte keine Probleme, einzig der Kontrast war etwas zu flau und die Details auf der Mondoberfläche sind natürlich nicht annähernd so gut zu erkennen, als wie man das von Nachtaufnahmen gewohnt ist, aber mit dem Bildbearbeitungsprogramm kann man da noch ein wenig nachbessern. Der Vorteil ist, dass man den Mond wunderbar mit der Landschaft kombinieren kann. Vielleicht versuchen Sie es auch mal.

  6. @Mona: Tagaufnahmen vom Mond

    Das mit den Aufnahmen vom Mond am Taghimmel ist ein wichtiger Hinweis. Man kann da mit einem Telekobjektiv und einem Stativ wunderbare Aufnahmen machen.

    Zu Ihrem Vorschlag mit der Einbeziehung der Landschaft würde ich sogar sagen, dass das dann fast schon ein Muss ist.

    Der Kontrast zwischen dem Mond am blauen Himmel, der auch die Oberfläche blau einfärbt, und Details von Landschaft oder Architektur ist sehr reizvoll, was die unvermeidliche Kontrastarmut des Mondes selbst aufwiegt.

    Richtig schön wird das an einem Sommerabend, wenn man den Vollmond mit der Beleuchtung des Vordergrunds mit dem nicht mehr so grellen, aber sehr warmen Licht des Sonnenuntergangs kombinieren kann. Solche Aufnahmen findet man auch in Mondkalendern, was mich aber nicht weiter stört.

    Sowas mache ich auch gern, aber meist irgendwo im Urlaub.

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