Messenger-Abschiedsparty am 30. April?

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Raumfahrt aus der Froschperspektive
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Die NASA-Merkursonde Messenger soll am Abend des 30. April ihre extrem erfolgreiche Mission zu Erkundung des innersten Planeten mit einem Knall beenden. Die Sonde ist in einem hochexzentrischen, polaren Orbit. Solche Bahnen weisen durch Drittkörperstörungen (in diesem Fall durch die Schwerkraft der Sonne) eine zyklische Entwicklung der Exzentrizität auf.

Im gegebenen Fall ist die Exzentrizität auf dem aufsteigenden Ast, d.h., die Höhe des Periherms nimmt ab und geht bald durch Null. Solange noch Treibstoff in den Tanks ist, kann durch Manöver am merkurfensten Punkt der Bahn, dem Apoherm, gegengesteuert und das Periherm etwas angehoben werden, wobei sich jedes Mal auch die Umlaufperiode leicht erhöht. Der merkurnächste Punkt der Bahn ist jetzt nur noch wenige Kilometer über der Oberfläche. Für den 24. April ist ein letztes solches Manöver vorgesehen. Damit wird der Impakt auf den 30. April gegen 21:30 MESZ hinausgeschoben. Mehr dazu in diesem Web-Artikel des JHU-APL. Diesem Artikel entstammt auch das folgende Diagramm, das den Höhenverlauf des Periherms und die Wirkung der Manöver zeigt:

Verlauf der Perihermhöhe des NASA-Merkurorbiters Messenger im März/April 2015, Quelle: NASA/JHU-APL
Verlauf der Perihermhöhe des NASA-Merkurorbiters Messenger im März/April 2015, Quelle: NASA/JHU-APL

Eine ideale Gelegenheit für eine Merkur-Astroparty im Freien. Zur Zeit des Impakts ist Merkur in Richtung Westnordwest gut zu sehen, zudem auch noch in naher Konjunktion mit den Plejaden, dort wo am vergangenen Freitag noch die Venus stand. Natürlich wird kein Beobachter die aufsteigende Staubwolke des Impakts der Raumsonde auf dem dann 150 Millionen km von der Erde entfernten Merkur beobachten können. Aber trotzdem kann man den schönen Anblick der Konjunktion genießen und vielleicht mit einem Gläschen Sekt auf Messenger anstoßen.

Merkur nahe bei M45 am Abend des 30.4.2015, hier simuliert für Darmstadt um 19:30 GMT (=21:30 MESZ)
Credit: Michael Khan via Stellarium / Merkur nahe bei M45 am Abend des 30.4.2015, hier simuliert für Darmstadt um 19:30 GMT (=21:30 MESZ)

Ich bin Luft- und Raumfahrtingenieur und arbeite bei einer Raumfahrtagentur als Missionsanalytiker. Alle in meinen Artikeln geäußerten Meinungen sind aber meine eigenen und geben nicht notwendigerweise die Sichtweise meines Arbeitgebers wieder.

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