Sehr enge Mars-Merkur-Konjunktion am 8.2.

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Raumfahrt aus der Froschperspektive
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Haben Sie schon mal den Merkur gesehen? Ich nur selten. Der ist ja immer so dicht an der Sonne (maximal mögliche Elongation unter 30 Grad), dass man ihn allenfalls mal in der Morgen- oder Abenddämmerung zu Gesicht bekommt, und ganz selten mal tagsüber bei einem Transit über die Sonne.

Nächsten Monat wird er eine Zeit lang am frühen Abend zu sehen sein, allerdings immer bei relativ niedriger Elevation im Westen, wo der Himmel noch nicht wirklich dunkel ist. Die maximale Elongation wird am 16.2. erreicht. Interessanter finde ich aber, schon aus Gründen der Beobachtungsökonomie, die Beobachtungsmöglichkeit am 8.2. (Freitag). Da kreuzt nämlich die scheinbare Bahn des Planeten Merkur die des weit dahinter laufenden Mars, und zwar so, dass die Sichtlinien von uns zu jedem der zwei Planeten nur um etwa ein Drittel Grad getrennt sein werden. Jawohl, weniger als 20 Bogensekunden Bogenminuten, deutlich weniger als der scheinbare Monddurchmesser. Merkur erreicht dabei fast -1 mag, Mars ist mit mehr als +1 mag zwar deutlich schwächer, aber immer noch ein helles Objekt.

Das sollte man sich nicht entgehen lassen, aber die Beobachtung wird nicht gerade einfach. Zunächst die gute Nachricht: Das Ganze spielt sich am frühen Abend ab, also nicht zu irgendwelchen unmöglichen Zeiten, wie man das in der Astronomie ja nur zu oft erlebt. Das kann man gerade mal so nach der Arbeit erledigen, sich danach noch eine Pizza einpfeifen und trotzdem ist man noch früh wieder daheim.

Aber: Man hat auch eine gute Chance, nichts zu sehen. Entweder es ist komplett bewölkt, dann hat man eh keine Chance. Oder aber, bodennaher Dunst oder der noch nicht ausreichend dunkle Abendhimmel, vielleicht noch zusätzlich durch Lichtverschmutzung aufgehellt, lässt den Mars, vielleicht auch noch den Merkur, im Hintergrundlicht versinken. Die beste Chance hat man, wenn man einen erhöhten Standpunkt mit freier Sicht bis hinunter zum Westhorizont aufsucht, wo weder Bäume noch Bebauung noch Lichtquellen stören. Genau das werde ich tun.

Conjunction of Mars and Mercury on 8 Feb. 2013, seen from Darmstadt around 18:30 CET, simulation with StellariumSimulation des Anblicks des horizontnahen Westhimmels von Darmstadt aus am 8.2.2013, ca. 18:20 MEZ. Je später es wird, desto dunkler wird der Himmel, aber desto tiefer stehen beide Planeten. Simulation erstellt mit Stellarium 

Ich bin Luft- und Raumfahrtingenieur und arbeite bei einer Raumfahrtagentur als Missionsanalytiker. Alle in meinen Artikeln geäußerten Meinungen sind aber meine eigenen und geben nicht notwendigerweise die Sichtweise meines Arbeitgebers wieder.

6 Kommentare

  1. Bogensekunden oder Bogenminuten

    Im 2. Textblock bitte ich herzlich darum
    zu prüfen, ob Bogensekunden oder Bogenminuten gemeint sind. Vielen Dank auch, bitte.

    [Antwort: Vielen Dank für den Hinweis, es war natürlich ein Fehler und muss in der Tat “Bogenminuten” heißen. Ist korrigiert. MK]

  2. Also hier im Ruhrgebiet sieht es ja eigentlich schon seit Neujahr eher bescheiden aus, was den Himmel angeht, weil es die meisste Zeit voll bewölkt war. Zudem hat es am Vormittag noch geschneit, so das man da eher “Schneeflockenkunde” betreiben konnte, die etwas überspitzt dargestellt so aussehen könnte: man setze eine Kamera auf eine elektronisch steuerbare Montierung, fokussiert auf eine ausgesuchte Schneeflocke und verfolgt ihren Fall…

  3. So ein Mist, ich hab’s verpasst. Aber das Wetter ist ja auch nicht wirklich Astronomietauglich, obwohl es in den letzten 2 Tagen auch mal ein paar Lücken in den Wolken gab.

  4. Kein Glück

    Am Freitag keine Chance, am Samstag schon gar nicht. Am Sonntag war das Wetter den ganzen Tag über fantastisch, aber pünktlich um halb sechs zog am Westhorizont (und nur dort) bis etwa 10 Grad Elevation dünne, aber gerade noch zur kompletten verdeckung von merkur ausreichende Schleierbewölkung auf, die sich ab sieben Uhr wieder auflöste. Also auch nix – der Abstand ist inzwischen auf über 2 Grad angewachsen, also nix mit Konjunktion – aber zumindest steht Merkur jetzt jeden Abend ein Stück höher, bis er dann um das kommende Wochenende kulminiert. Heute abend gesellt sich die ganz dünne zunehmende Mondsichel hinzu.

    Ich habe meine Ausrüstung ins Büro mitgebracht – Ich arbeite im vierten Stock mit freiem Blick nach Westen. Wenn sich abzeichnet, dass es klappen könnte, dann ist er fällig.

  5. @MK

    ‘ne, isser leider nicht. Aber sobald ich ihn entwickelt habe, werde ich es hier bekannt geben, und wahrscheinlich auch das eine oder andere Bild ins Web stellen.

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