Komet Lovejoy am 2.1.2015

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Raumfahrt aus der Froschperspektive
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Gestern Abend regnete es ausnahmsweise einmal nicht. Man sah sogar die Sterne, allerdings durch Hochnebel oder dünne Bewölkung hindurch. Wahrlich keine idealen Bedingungen zur Kometenbeobachtung.

Aber wir können ja nicht so wählerisch sein. Ich also rauf in das Dachzimmer mit Südblick.

Gegenüber meiner letzten Beobachtung war der Bursche schon wieder ein ganzes Stück höher gewandert und stand nun knapp rechts vom Hasen. Er wirkte auch etwas heller, was aber auf die höhere Elevation zurückzuführen sein dürfte. Der Mond störte weniger als befürchtet, obwohl es nur noch zwei Tage bis Vollmond waren.

Vom Schweif sah ich wegen des Nebels oder der Wolken allerdings nichts. Das Beweisfoto ist eher peinlich, ich zeige es hier nur, weil man dort im selben Blickfeld ein anderes interessantes Objekt sieht, nämlich den roten Veränderlichen R Leporis, einen roten Riesen nahe am Ende seines Sterndaseins. Sie sehen ihn in der Vollversion des unteren Bilds bei den Koordinaten (164, 411), wenn (0 , 0) die linke obere Ecke markiert. Das Zentrum des Kometen ist bei (800, 446), Die Rotfärbung dieses Sterns ist hier deutlich sichtbar.

Alle roten Riesen weisen eine relativ niedrige Effektivtemperatur auf. Deswegen erscheint ihr Licht rot. Bei R Leporis wird dieser Effekt aber zyklisch durch einen weiteren Effekt verstärkt, denn seine Rotfärbung ist um das Minimum des etwa 14-15 Monate umfassenden Helligkeitszyklus am intensivsten. Dies könnte mit der variierenden Dichte des von dem Stern produzierten, kohlenstoffreichen Staubs zusammenhängen, der bevorzugt blaues Licht absorbiert.

Das letzte Maximum wurde im vergangenen November erreicht, also ist der Stern jetzt noch relativ hell, aber nicht so rot, wie er es im kommenden Sommer werden wird, wobei er dann aber auch dunkler als +10 mag sein wird.

Regelmäßige Leser von “Sterne und Weltraum” seien auf die Ausgabe 12/2014, Seiten 72 ff. verwiesen. Dort wird im Artikel “Zu Besuch im Sternbild Hase” auch auf R Leporis eingegangen.

Ich bin froh, dass mir dieser Stern vor die Linse kam. Dies war eher ein Zufall – eigentlich war ich ja hinter dem Kometen her.

Komet C/2014 Q2 (Lovejoy) über Darmstadt am 2.1.2015, ca. 23:00 MEZ durch Hochnebel, Canon EOS 600D mit Leica Vario-Elmar-R, f=210 mm, ISO 6400, 1 s, nicht nachgeführt.
Credit: Michael Khan, Darmstadt / Komet C/2014 Q2 (Lovejoy) über Darmstadt am 2.1.2015, ca. 23:00 MEZ durch Hochnebel, Canon EOS 600D mit Leica Vario-Elmar-R, f=210 mm, ISO 6400, 1 s, nicht nachgeführt.

Ich bin Luft- und Raumfahrtingenieur und arbeite bei einer Raumfahrtagentur als Missionsanalytiker. Alle in meinen Artikeln geäußerten Meinungen sind aber meine eigenen und geben nicht notwendigerweise die Sichtweise meines Arbeitgebers wieder.

9 Kommentare

  1. Gegenüber dem 28.1. war …

    Ich wusste gar nicht, dass Sie auch durch die Zeit reisen können. 🙂

    Trotzdem auch Ihnen noch ein gutes neues Jahr, obwohl es inzwischen schon 3 Tage alt ist.

  2. Zum Bild:
    Da musste ich doch erst mal suchen, bis ich die Region am Himmel auch in Stellarium gefunden hatte. Denn die 3 hellen Punkte sehen dem Rücken des Löwen reichlich ähnlich, so dass ich erst mal beim Löwen gesucht habe. Als ich da aber nix fand, hab ich nach etwas suchen erst mal festgestellt, dass der Komet in meiner lokalen Stellarium-Datenbank gar nicht drin stand. Also erst mal nachladen. Dann hat Stellarium ihn auch sofort angezeigt, allerdings ein grosses Stück weiter westlich. Schliesslich dauerte es noch mal eine Weile, bis ich in Stellarium auch den Ausschnitt eingestellt hatte, den Ihr Foto zeigt, um anschliessend festzustellen, dass R Lep ja ziemlich unscheinbar wirkt. Das muss wohl an seiner mickrigen Helligkeit von 8,05 liegen. Aber die verwundert dann auch wieder nicht, wenn man sieht, dass der Stern über 1300 Lichtjahre weit weg ist. Der Vollständigkeit halber: Für die Irreführung meinerseits waren neben R Lep = HIP 23203 noch die Sterne HIP 23060 und HIP 22439 verantwortlich.

    • Also, ich hatte schon geschrieben “knapp rechts vom Hasen”. Knapp rechts vom Löwen steht jetzt der Jupiter, aber der ist ja dseutlich weniger unscheinbar als dieser Komet. 🙂

      Den Kometen habe ich am Himmel so gefunden: Erst auf Rigel gezielt. Den kann man kaum verfehlen. Von dort aus ein Stück nach unten, bis ich ein kleines Sterntrapez fand. Das sind vier Sterne, die die Ohren des Hasen bilden. Von dort aus wieder ein Stück nach unten, zu My Leporis, dem Auge. Von dort aus nach rechts, bis ich den Kometen hatte. Da kann man nicht viel falsch machen, wenn man wie ich gestern Nacht eine azimutale Montierung (in meinem Fall ein Fotostativ) verwendet. Man dreht erst am Rad für die Elevation, dann am Rad für den Azimut.

      • Ja, “wer lesen kann ist klar im Vorteil“, sagt man so schön. Genauer müsste es bei mir in diesem Fall heissen, “wer aufmerksam liesst, (und nicht nur überfliegt) ist klar im Vorteil”. Dann hab ich mich am Ende auch nur noch auf das Bild gestützt, und was dabei heraus kam, hab ich je schon geschildert. – Also, @myself: für die Zukunft merken: Sofort richtig lesen kann einiges an Zeit und Arbeit ersparen.

        • Sehen Sie es mal so: Sie haben sich im Sternbild Leo umgeschaut und dabei sicher auch so manches Neue entdeckt. Dann haben Sie sich detailliert die Umgebung von R Lep angeschaut, was sie vielleicht sonst gar nicht gemacht hätten.

          Warum wollen Sie diese Zeit und Arbeit sparen? Ich denke, die Recherche hat doch wahrscheinlich sogar ein wenig Spaß gemacht, oder? Und nützlich war es auch.

          • Ich denke, die Recherche hat doch wahrscheinlich sogar ein wenig Spaß gemacht, oder? Und nützlich war es auch.

            Nun, so betrachtet habe sie natürlich auch wieder recht.

  3. Hallo Michael,

    vielen Dank für diesen Artikel. Auch ich habe am 2.1. den Kometen Lovejoy Q2 durch Hochnebel und Mondlicht abgelichtet (Link zur Aufnahme). Zwar ist mir der sehr rote Stern im Gesichtsfeld zwar aufgefallen, ich habe mir jedoch keine weiteren Gedanken mehr darüber gemacht. Dank deines Artikels habe ich wieder etwas (über meinen “Beifang”) gelernt.
    R Lep ist der orange Stern, mittig am linken Bildrand.

    André

    • Wow, meinen Glückwunsch zu dem Bild! Ich hätte nicht gedacht, dass trotz der Bewölkung noch so viel abgebildet werden kann. Der Schweif ist in der Aufnahme deutlich auszumachen.

      Vielen Dank auch für die Beschreibung der technischen Details zu dem Bild. Würde sich doch jeder diese Mühe machen – es ist wirklich hilfreich für alle anderen Astrofotografen.

      Wie ich sehe, handelt es sich um 60 Einzelbilder mit je 15 Sekunden Belichtungszeit bei ISO 800. Damit tritt die Coma deutlich hervor und der Schweif ist zu sehen. Ich dagegen hatte bei meiner wirklich schrottigen Aufnahme eine Sekunde Belichtungszeit bei ISO 6400, was offenbar nicht ausreicht. Ich hätte zumindest hinausgehen und die kleine, nachführende Fotomontierung aufbauen sollen. Warum ich das nicht gemacht habe – naja, es war kalt und ich dachte, bei dem Hochnebel kommt doch nichts Gescheites dabei heraus. Ein Irrtum.

      Sehr beeindruckend sind auch die anderen Kometenbilder auf der verlinkten Webseite. Leute, guckt euch das an!

      • Hallo Michael,

        es ist manchmal erstaunlich was man mit einfachsten Mitteln erreichen kann. Meine 15s bei 800Iso entsprechen ja etwa 2s bei 3200Iso. Und ab da heißt es dann: Integrieren! Also so viele Aufnahmen wie möglich um das Rauschen in den Griff zu bekommen. Ähnliches habe ich bei Komet Lulin vor fünf Jahren gemacht. Damals hatte ich keine Nachführung zur Verfügung und die maximale Empfindlichkeit meiner D70 lag bei 1600Iso. (http://www.fotowald.de/displayimage-34-4532.html#top_display_media) Dort konnte man mit 40*5s auch schon deutlich den Schweif ablichten. Verschiebung und Rotation kann man ja durch Software beim Addieren (ich bin da ein Fan von Fitswork, genau wie Jan Hattenbach: https://scilogs.spektrum.de/himmelslichter/kometenbilder-erstellen-mit-fitswork-teil-1/) einfach in den Griff bekommen.

        Beim nächsten mal also einfach eine Serienaufnahme bei durchgedrücktem Auslöser laufen lassen und mal sehen was Fitswork noch so hinbekommt 🙂

        Schöne Grüße aus dem gerade aufklarenden Aachen,
        André

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