Kann Merkur den Mars ganz verdecken?

Schematische Darstellung einer Bedeckung des Mars durch den Merkur, gesehen von der Erde. Die Exzentrizitäten der Planetenbahnen sind nicht berücksichtigt. die Größen der Planeten sind nicht maßstabsgetreu / Quelle: Michael Khan

Der Syzygienkönig lädt zu etwas Denksport ein. Unlängst fragte ein Leser meines Blogs in einem Kommentar:

Ist es möglich, dass Merkur den Mars ganz verdecken kann?

Und ein anderer Leser antwortete unter anderem:

Da Merkur inner- und Mars außerhalb der Erdbahn umlaufen, ist eine Verdeckung von der Erde aus nicht möglich.

Also, das sehe ich anders. Ich meine, der Merkur kann den Mars durchaus ganz bedecken. Zuallermindest ist die unbestrittene Tatsache, dass der Merkur innerhalb der Erdbahn die Sonne umläuft, der Mars dagegen außerhalb, kein Umstand, der eine solche Bedeckung ausschließen würde.

Schematische Darstellung einer Bedeckung des Mars durch den Merkur, gesehen von der Erde. Die Exzentrizitäten der Planetenbahnen sind nicht berücksichtigt. die Größen der Planeten sind nicht maßstabsgetreu / Quelle: Michael Khan
Schematische Darstellung einer Bedeckung des Mars durch den Merkur, gesehen von der Erde. Die Exzentrizitäten der Planetenbahnen sind nicht berücksichtigt. die Größen der Planeten sind nicht maßstabsgetreu / Quelle: Michael Khan

Hier ist eine schematische Darstellung der Bahnen der inneren vier Planeten. Die Exzentrität der Bahnen habe ich der Einfachheit halber weggelassen; sie tut hier nichts zur Sache.

Der Merkur ist nahe seiner maximalen Elongation. Wenn die relativen Positionen so sind wie hier gezeigt, kann man ihn nach Sonnenuntergang im Westen beobachten. Das ist beispielsweise gerade in diesen Tagen der Fall.

Wenn dann auch noch Mars auf seiner Bahn genau in der Verlängerung der Sichtlinie steht, dann kann es eine Bedeckung geben.

Die nächste Frage ist nun, ob der Merkur den Mars ganz bedecken kann. Auch hier sehe ich keinen Hinderungsgrund. Der Merkur hat einen Durchmesser von 4879 km, der Mars von weniger als 6800 km, also nicht einmal 40% mehr. Da aber der Mars in dieser vereinfachten Grafik mehr als doppelt so weit von der Erde entfernt ist wie der Merkur, ist seine scheinbare Größe, also der Winkeldurchmesser, unter dem man ihn sieht, deutlich kleiner als der des Merkur. Also könnte der Merkur den Mars ganz bedecken. Ganz? Ja, ganz.

Spätestens hier sollte man natürlich schon die wahren Bahnen betrachten. Das überlasse ich dem geneigten Leser. Kleiner Tipp: Mars ist jetzt nahe dem Aphel seiner Bahn.

Da heute der Winkelabstand weniger als ein viertel Grad beträgt, finde ich es sowieso schon einmal nicht plausibel, eine Bedeckung kategorisch auszuschließen.

Ich habe vor zwei Jahren einmal an dieser Stelle meine (fast) ultimative Syzygienanalyse veröffentlicht. Zumindest bis Ende 2031 sehe ich da schon zwei sehr enge Konjunktionen. Kann man da wirklich ausschließen, dass es noch enger wird und gar zu Bedeckungen kommt?

Ich wüsste nicht wieso, lasse mich da aber gern belehren. Mit der Tatsache, dass Merkur innerhalb der Erdbahn umläuft und Mars außerhalb, kann das aber nichts zu tun haben. Wenn überhaupt, dann könnte es nur an den Exzentrizitäten und Orientierungen der Bahnebenen liegen.


Michael Khan

Ich bin Luft- und Raumfahrtingenieur und arbeite bei einer Raumfahrtagentur als Missionsanalytiker. Alle in meinen Artikeln geäußerten sind aber meine eigenen und geben nicht notwendigerweise die Sichtweise meines Arbeitgebers wieder.

12 Kommentare

  1. Auch Harald Lutz in “Planetare Ereignisse”, 1. Aufl. sagt: 11. August 2079. Berechnet nach VSOP87.

    Gruß

    Bernhard Schröck

  2. Bei mir trotzdem noch nicht richtig lustig. Wegen dem GIF wollte ich es auch mal probieren.
    Mußte feststellen, daß mein Stellarium 15.2 abgeraucht war, habe jetzt aktuell 19.0 installiert.
    Kriege aber mit VSOP87 zu den angegebenen Zeiten (Kabul) Merkur und Mars nicht überdeckt.

  3. endlich auch meine Erfolgsmeldung mit neuem 0.19.0 🙂 VSOP87

    Bawku/Ghana Länge 0° Breite 11° Bedeckung nachts um 01:28
    Frage wäre, woher die Zeit- und Ortsdifferenzen der Stell-Versionen.

  4. Ein kleines Gedicht über den kleinsten Planeten:

    MERKUR

    Der Merkur auf der Innenbahn,
    Sprintet mit unheimlichen Zahn
    Um die Sonne,Stunde um Stunde,
    Achtundachtzig Tage die Runde.

    Er ist der Kleinste der Planeten,
    Nahes Ziel für uns’re Raketen.
    Am Morgen blicken wir auf ihn,
    Auch abends sehen wir ihn zieh’n.

    Brütend heiß sind dort die Tage,
    Nachts ist’s dafür grimmig kalt.
    Lebensfeindlich ohne Frage,
    Wir würden da nicht allzu alt.

    Rainer Kirmse , Altenburg

    • … Nahes Ziel für uns’re Raketen…

      Na, so ganz stimmt das nicht mit dem nahen Ziel. Entfernungen sind im Weltraum weniger wichtig als Energieunterschiede, und der Unterschied in der Bahnenergie bis zum Merkur ist enorm. Daher ist der Transfer von der Erde zum Merkur eine langwierige Sache, siehe hier.

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