Jupiter-Mond-Konjunktion in HDR

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Raumfahrt aus der Froschperspektive
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Wenn man in der Astrofotografie ein Objekt mit im Bild hat, das alle anderen überstrahlt (beispielsweise eigentlich immer, wenn der Mond mit dabei ist – außer kurz vor oder nach Neumond), aber trotzdem Details sowohl auf den hellen wie auch auf den dunkleren Objekten gewünscht sind, ist hat man kaum eine Alternative zur Kompositaufnahme. Dabei werden Teile mehrerer Bilder, die mit unterschiedlichen Empfindlichkeiten und/oder Belichtungszeiten aufgenommen wurden, per Bildverarbeitung zu einer Aufnahme zusammengesetzt.

Ich habe daran nichts prinzipielles auszusetzen, vorausgesetzt, dass das Ergebnis auch deutlich als Komposit gekennzeichnet ist und dass die Einzelaufnahmen vom selben Ort und etwa zur selben Zeit gewonnen wurden – und dass man generell vornehme Zurückhaltung walten lässt, was man immer tun sollte, wenn man mit Bildverarbeitung zugange ist.

Manchmal sind Komposite aber schwierig bis unmöglich. Beispielsweise dann, wenn Wolken oder Dunstschleier im Spiel sind und deutlich die Atmosphäre der Szene mitbestimmen. Dann beißt man entweder in den sauren Apfel und akzeptiert, dass einzelne Bildteile komplett über- oder unterbelichtet sind.

Oder aber, man drückt den Kontrastumfang durch das Abdunkeln der hellsten Objekte. Beispielsweise kann man abwarten, bis dünne Wolken vor dem Mond vorbeiziehen. Das wird aber immer die Auflösung an dieser Stelle reduzieren – feine Details sieht man nicht mehr. In einer Panoramaaufnahme des Nachthimmels kann so ein Makel aber durchaus hinnehmbar sein.

Manchmal sind auch Grauverlaufsfilter eine Option. Bei sehr hohem Kontrastumfang kann deren Anwendung aber problematisch sein. Entweder sieht man in der Aufnahme einen merkwürdigen Sprung in der Helligkeit oder das helle Objekt erzeugt an der Filteroberfläche Flares.

Bleibt noch Lösung per Bildverarbeitungssoftware, Stichwort “High Dynamic Range (HDR) Imaging”. Auf dem Computer daheim geht sowas natürlich immer, man kann es aber auch schon in der Kamera machen lassen. Die Canon EOS6D bietet die Option, aus drei EInzelaufnahmen, deren Lichtwertvariation im Bereich von bis zu +/-3 Blenden vorgewählt werden kann, kamera-intern ein Einzelbild zu berechnen, bei dem die zu dunklen Stellen aufgehellt und die zu hellen abgedunkelt werden.

Eine Spanne von +/-3 EV ist für viele Anwendungen absolut ausreichend, aber die Astrofotografie ist nun einmal ein Sonderfall der Fotografie, mit ganz besonderen Anforderungen. Gestern Nacht gab es über Deutschland eine Konjunktion zwischen zunehmendem Mond und Jupiter mit einem Winkelabstand von 4.5 Grad am frühen Abend bis 3 Grad bei Monduntergang. Das alles vor mehr oder weniger löcheriger Bewölkung, zumindest über meinem Wohnort.

Ich wollte nun versuchen, Mond und Jupiter mit der Wolkenkullisse abzulichten, idealerweise auch noch so, dass Einzelheiten auf der Mondoberfläche und dazu auch die galileischen Monde sichtbar sind. Ohne Wolken ist das gar kein Thema, da machen man eine Serie von Bildern, schneidet sie zurecht und klebt sie zusammen und fertig ist der Lack. Aber gerade die schönen Nachtwolken nicht mit drauf zu haben, wäre zu schade gewesen. Also HDR.

Ein Teleskop konnte ich aufgrund des großen Winkelabstands nicht einsetzen, ein Teleobjektiv auf einem soliden Stativ, (also ohne Nachführung) musste reichen. Eine nachgeführte Aufnahme war ohnehin nicht möglich, denn wegen der Eigenbewegung der Wolken mussten alle drei Einzelbilder binnen kürzester Zeit, auf jeden Fall innerhalb einer Sekunde im Kasten sein.

Jupiter-Mond-Konjunktion am 17.4.2016 über Darmstadt hinter Wolken, HDR-Aufnahme, reichlich belichtet. Canon EOS6D mit Leitz Elmarit-R 180
Credit: Michael Khan, Darmstadt / Jupiter-Mond-Konjunktion am 17.4.2016 über Darmstadt hinter Wolken, HDR-Aufnahme, reichlich belichtet. Canon EOS6D mit Leitz Elmarit-R 180 mm

Erster Versuch – etwas reichlicher belichtet. Mittlere Belichtungszeit 1/15 s bei ISO 1600 und f/2.8, allemal ausreichend für die Jupitermonde. Beim Auslösen hörte man. dass drei Bilder in Folge gemacht wurden – schnell, langsamer, laaangsam. Danach rechnete die Kamera einige Dutzend Sekunden.

Dass das für den Mond viel zu viel werden würde, war mir klar. Selbst wenn ich abwartete, bis der Mond hinter einem etwas dichtere Wolkenschleier halb verschwand. Hier sieht man Callisto etwas links unterhalb vom bereits komplett überbelichteten und mit einem unschönen Farbsaum umgebenen Jupiter; dort sind auch ein paar Hintergrundsterne. Io und Ganymed waren gerade rechts oberhalb des Planeten und gingen dort vollkommen im Licht unter. Der Mond und seine Umgebung auch. Erst in etwa 2 Grad Abstand zeigen die Wolken Struktur und Zeichnung.

Gut. Dann eben ohne galileischen Monde.

Jupiter-Mond-Konjunktion am 17.4.2016 über Darmstadt hinter Wolken, HDR-Aufnahme, knapper belichtet. Canon EOS6D mit Leitz Elmarit-R 180 mm
Credit: Michael Khan, Darmstadt / Jupiter-Mond-Konjunktion am 17.4.2016 über Darmstadt hinter Wolken, HDR-Aufnahme, knapper belichtet. Canon EOS6D mit Leitz Elmarit-R 180 mm

Die Monde und Hintergrundsterne sind bei knapperer Belichtung weg. Jupiter säuft nicht mehr gar so schlimm ab, der Farbsaum ist reduziert, und auf dem Mond sind – allerdings immer noch zu hell – die Maria Imbrium, Serenitatis, Tranquillitatis und Crisium gut auszumachen, ebenso der Sinus Iridum nahe am Terminator. Scharf oder detailreich ist die Mondoberfläche nicht. Das liegt an den Wolken. Die aber sehen bis heran an den Mond gut aus. Noch ein wenig knappere Belichtung hätte nichts geschadet, aber so geht’s schon.

Ich bin Luft- und Raumfahrtingenieur und arbeite bei einer Raumfahrtagentur als Missionsanalytiker. Alle in meinen Artikeln geäußerten sind aber meine eigenen und geben nicht notwendigerweise die Sichtweise meines Arbeitgebers wieder.

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