Ist das nächste Ziel von New Horizons binär?

Das nächste Ziel der Pluto-Sonde New Horizons, das KBO (Kuiper Belt Object) 2014 MU69, könnte binär sein: Zwei Objekte in extrem enger Rotation oder sogar im Kontakt, so wie Churyumov und Gerasimenko. Alternativ könnte die Form des Körpers auch einem sehr langgestreckten Ellipsooiden gleichen.

Dies legen Messungen während einer Sternokkultation durch 2014 MU69 nahe, die am 17. Juli 2017 von Patagonien aus gemacht wurden. Die Messungen erlaubten auch die Eingrenzung der Größe des Objekts. Wenn 2014 MU69 binär ist, wären die Teilstücke etwa 15-20 km groß. Wenn es ein Ellipsoid ist, kann dieser maximal rund 30 km lang sein.

Bei einer Okkultation bedeckt ein Körper – für Beobachter entlang einer schmalen Spur auf der Erdoberfläche – einen anderen, in diesem Fall das KBO einen Stern. Dabei erscheint der Stern kurzfristig verdunkelt. Aus dem Verlauf der Helligkeit während der Okkultation lassen sich Rückschlüsse auf Größe und Form des vordern Objekts ziehen. Auch kann man auf diesem Weg Ringe oder Monde identifizieren. So wurden unter anderem die Ringe des Uranus nachgewiesen, ebenso die Ringe um den Asteroiden 10199 Chariklo.

Die Okkultation am 17. Juli war die dritte solche Beobachtung in einer Serie. Dabei kamen am 3.6. und am 17.7. eine Anzahl von Beobachtungsstationen am Boden zum Einsatz, am 10.7. das flugzeuggestützte IR-Observatorium SOFIA und am 17.7.auch das Hubble Space Telescope. Man wollte in erster Linie feststellen, ob 2014 MU69 etwa von Ringen oder einer Trümmerwolke umgeben ist, was die Raumsonde gefährden könnte.

New Horizons wird am 1.1.2019 an 2014 MU69 vorbeifliegen. Das KBO ist auf einer fast kreisförmigen Bahn mit einer großen Halbachse von 44.4 AE und einer Umlaufperiode von 296 Jahren. Die Bahnneigung gegenüber der Ekliptik ist nur 2.5 Grad.

PS, ausgegebenem Anlass: Nein, ein Planetary Protection Officer ist nicht jemand, der den Auftrag hat, die Erde vor kriegerischen Invasoren aus dem Weltraum zu schützen. Ein Planetary Protection Officer achtet darauf, dass von der Erde aus keine Keime auf anderen Himmelskörpern eingeschleppt werden, auf denen lebensermöglichende Bedingungen herrschen. Ein Planetary Protection Officer achtet auch darauf, dass eine zur Erde zurückkehrende Sonde kein Material von einem anderen Himmelskörper mitführt, das unkontrolliert mit der irdischen Biosphäre Kontakt bekommt.

Ich bin Luft- und Raumfahrtingenieur und arbeite bei einer Raumfahrtagentur als Missionsanalytiker. Alle in meinen Artikeln geäußerten sind aber meine eigenen und geben nicht notwendigerweise die Sichtweise meines Arbeitgebers wieder.

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Tolle Aussichten – allerdings nur für kurze Zeit, denn die Geschwindigkeit von New Horizon betrug beim Kreuzen von Pluto 49’600 km/h und diese Geschwindigkeit wird wohl immer noch ähnlich hoch sein, so dass New Horizon für weniger als eine Stunde näher als 25’000 Kilometer an das Kuipergürtelobjekt 2014 MU69 herankommt und nur wenige Minuten wird New Horizon näher als 5000 km an das besuchte Objekt herankommen. Ich stelle mir vor ein Satellit würde die Stadt Berlin aus einer Distanz von 5000 km beobachten. Allzuviel würde er da nicht sehen, ausser er sei mit einem Teleskop ausgerüstet. Erschwerend kommt aber hinzu, dass es dort draussen wo New Horizon nun unterwegs ist, äusserst dunkel ist.

    • Der Vorbeiflug an 2014 MU69 wird eine ganz andere Charakteristik haben als der am Pluto. Die größte Annäherung am Pluto betrug 12500 km, die am KBO soll etwa 3000 km betragen. Kritisch ist das vor allem wegen der höheren Winkelgeschwindigkeit um die Zeit der größten Annäherung herum.

      LORRI ist übrigens eine Teleskopkamera. Ihr Sichtfeld beträgt 0.29×0.29 Grad. Angesichts der Qualität der am Pluto-System gewonnen Bilder können wir zuversichtlich dem Vorbeiflug am 2014 MU69 entgegen blicken. New Horizons macht übrigens keineswegs nur Pretty Pictures, sondern sie verfügt über eine ausgewogene und leistungsfähige wissenschaftliche Nutzlast.

  2. Anmerkung des Blog-Autors: Unsachliche Bemerkungen und persönliche Angriffe des Kommentators wurden entfernt.

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    Die von Herrn Holzherr angebrachten Vorbehalte betr. Aufnahmebedingungen für New Horizon sind doch völlig irrelevant: Die Sonde befindet sich ja noch immer in der selben Region des Sonnensystems wie seinerzeit bei den Aufnahmen von Pluto. Und die waren ja nicht gerade von schlechten Eltern… New Horizon wird wohl auch vom neuen Objekt ähnlich grandiose Fotos schiessen wie zuvor von Pluto.

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