Helligkeitssprung bei Komet 168P/Hergenrother

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Raumfahrt aus der Froschperspektive
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Komet 168P/Hergenrother hat Anfang des Monats Oktober sein Perihel durchlaufen und ist nun wieder auf dem Weg nach draußen. Bis jetzt war das ein unauffälliger Bursche, nun aber ist seine scheinbare Helligkeit binnen kurzer Zeit um fast drei Größenordnungen angestiegen, von der erwarteten Magnitude 15.2 auf etwa 8.

Einen solchen Helligkeitssprung sieht man bei Kometen beispielsweise infolge des Wegbrechens eines Teils des Kerns, sodass viel Staub und Gas freigesetzt wird. Der Kern kann auch komplett zerbrechen, dann erfolgt ein weitaus größerer Helligkeitssprung.

The Orbit of Comet 168P/Hergenrother with designated Points Through Autumn/Winter 2012/13

Ekliptische Projektion der Bahn von 168P/Hergenrother (Die Bahn des Kometen ist zudem auch noch um mehr als 21 Grad gegenüber der Ekliptik geneigt). Der Periheldurchgang und die Position von Komet und Erde sind in Einmonatsabständen markiert. Dieser Herbst ist eine gute Zeit zum Beobachten, der Komet steht in Opposition und erscheint deswegen am dunklen Nachthimmel bei hoher Elevation.

Mancher wird sich jetzt an den Ausbruch des Kometen 17P/Holmes vor 5 Jahren erinnern. Der Fall war jedoch etwas anders gelagert – dort erfolgte der Helligkeitssprung lange nach dem Periheldurchgang. Holmes war danach längere Zeit mit bloßem Auge zu sehen. So hell ist 168P/Hergenrother nicht, und auch der Zeitpunkt seines Ausbruchs gibt keinen Anlass zu Erstaunen. Kurz nach Perihel ist die Zeit der höchsten thermischen Belastung. Wenn ein ohnehin notorisch eher fragiler Kometenkern pupst einen unerwarten starken Ausbruch volatilen Materials hinlegt, dann zu diesem Zeitpunkt.

Wo ist 168P/Hergenrother jetzt?

Zur Berechnung der Ephemeriden für Ihren Beobachterstandort empfielht sich die Verwendung des JPL-Horizon-Webinterface. Dort stehen allerdings noch die erwarteten Magnitudenwerte, die ja mittlerweile von den Ereignissen überholt sind und eine viel zu geringe scheinbare Helligkeit angeben.

168P/Hergenrother hat sich aus dem Sternbild Pegasus in das Sternbild Andromeda begeben. Wenn ich mich jetzt nicht vertan habe, müsste es um Weihnachten herum zu einer (natürlich nur scheinbar) nahen Begegnung zwischen dem Kometen und M31 kommen. Um das Datum herum wird der Komet schon in den Abendstunden zenitnah kulminieren. Der Abstand sowohl von der Sonne als auch von der Erde hat dann schon deutlich zugenommen – aber man weiß ja nicht, wie es mit der Aktivität des Nukleus bis dahin weiter geht.

Ich hoffe, dass Coma und Schweif dahin noch gut ausgebildet und sichtbar sind. Die Andromeda-Galaxie und ein aktiver Komet gleichzeitig im Sichtfeld – das wäre ein Anblick, der es wert wäre, draußen zu frieren.

Michael Khan

Ich bin Luft- und Raumfahrtingenieur und arbeite bei einer Raumfahrtagentur als Missionsanalytiker. Alle in meinen Artikeln geäußerten sind aber meine eigenen und geben nicht notwendigerweise die Sichtweise meines Arbeitgebers wieder.

4 Kommentare

  1. Anleitung für astronomische Warmduscher

    Den Kometen 168P/Hergenrother kann man normalerweise auch ohne spezielle Aufsuchkarte gut finden, wenn man die Sternbilder kennt. Ausgangsort ist der Polarstern, der am Ende der Deichsel des kleinen Wagens (manchmal auch kleiner Bär genannt) zu finden ist und uns anzeigt, wo Norden ist. Er steht in der Mitte des Himmels. Im Süden ist knapp über dem Horizont der helle Stern Fomalhaut zu sehen, der zum Sternbild des Südlichen Fisches gehört. Wenn man von Norden nach Süden eine Linie zieht, dann ist östlich von der Mitte das Sternbild Pegasus zu sehen, dass sich ziemlich im Zenit befindet, also genau über uns. Und im Sternbild Pegasus ist auch 168P/Hergenrother zu sehen. Hier eine Sternenkarte vom Oktober:
    http://polpix.sueddeutsche.com/…mmel-oktober.jpg

    Der Komet 168P/Hergenrother wandert durch das Viereck des Sternbildes Pegasus in Richtung Norden und dürfte die ganze Nacht zu sehen sein:
    http://www.kometarium.com/images/168p_1012.jpg

  2. Andere Warmduscherbetrachtung 🙂

    hm… naja, also den Pegasus finde ich meisst mit Hilfe der Kassiopeia, die ja eher in der Nachbarschaft des Pegasus liegt, als der südliche Fisch und der kleine Wagen. Ach ja, und ich hab das Problem, das ich von meiner Position aus den südlichen Fisch (auch zu dieser Jahreszeit) nicht sehen kann, weil Gebäude die Sicht versperren.

    Und dann gibt es ja auch noch Heavens-Above, mit wunderschönen aufsuchkarten, z.B. von Darmstadt oder München aus…

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