Happy Birthday, Meteosat!

BLOG: Go for Launch

Raumfahrt aus der Froschperspektive
Go for Launch

Heute ist ein Feiertag für die europäische Wetterforschung. Wir feiern das dreißigste Jubiläum des Starts des ersten europäischen Wettersatelliten Meteosat 1 am 23. November 1977. Damals besaßen die Europäer noch nicht, wie heute mit dem Ariane-System, einen eigenen Zugang zum Weltall, weswegen Meteosat 1 von einer amerikanischen Delta-2-Rakete gestartet werden musste.

Beteosat 1 in der anechoischen Kammer, Quelle: ESAMeteosat 1 wog beim Start 700 kg, war also im Vergleich zu heutigen Satelliten eher klein, aber für damalige Verhältnisse hochmodern. Er wurde im geostationären Orbit, knapp 36000 km über der Erdoberfläche, und zunächst genau über dem Greenwichmeridian positioniert. Der Satellit war mit einem Instrument ausgerüstet, mit dem er den von seiner Position aus sichtbaren Bereich der Erdoberfläche im sichtbaren und im Infrarotlicht abbildete – immerhin fast eine ganze Erdhalbkugel.

Meteosat war wie seine Nachfolger spin-stabilisiert, er sah aus wie eine Tonne, die senkrecht zur Bahnebene stand und pro Minute 100 Mal um die eigene Hochachse rotierte. Dabei tastete das in der Höhe der Blickrichtung verstellbare “Auge” seines Instruments bei jeder Umdrehung eine Linie auf der Erdoberfläche ab. Bei der nächsten Umdrehung zielte das Auge dann ein kleines Stück höher und tastete so die nächste Zeile ab. Als die Abtastung “oben” angekommen war, was etwa eine halbe Stunde dauerte, bildeten alle abgetasteten Zeilen zusammengenommen ein komplettes Bild mit einer Auflösung von bis zu 2.5 km. Dann wurde das Instrument wieder nach unten geschwenkt und die Erzeugung des nächsten Bilds begann.

Das erste Bild von Meteosat 1! Quelle: ESAAus diesen Daten konnten die Meteorologen sich endlich ein komplettes, aktuelles Bild des Wettergeschehens machen. Sie waren nicht mehr auf ein lückenhaftes Netz terrestrischer Messstationen und Messschiffe im Atlantik angewiesen und mussten auch nicht mehr aus den Wetterberichten weiter westlich gelegener Gegenden extrapolieren, wie das Wetter sich entwickeln würde. Jeder Sturm, der sich über dem Atlantik zusammenbraute, konnte von nun an fast in Echtzeit verfolgt werden. Dies war ein Riesenschritt in der Wetterforschung, er hob die europäischen Wetterkundler auf einen Schlag auf Augenhöhe mit ihren amerikanischen Kollegen und trug maßgeblich dazu bei, dass sich die Wettervorhersage von einer mehr oder weniger (meist weniger) zutreffenden Ratekunst zu einer über mittlerweile bereits vier Tage und mehr im voraus präzisen Prognose entwickeln konnte.

Auf Meteosat 1 folgten sechs weitere Satelliten der ersten Generation mit schrittweisen Verbesserungen, beispielsweise wurde nun auch im Absorptionsband des Wasserdampfs gemessen, womit auch Informationen über die für die Wetterberechnung wichtige Luftfeuchtigkeit verfügbar wurden. Meteosat 2 konnte 1981 bereits mit einer europäischen Ariane-1-Rakete gestartet werden – Europa hatte nicht nur in punkto Wettersatelliten, sondern auch mit seinen Raketen Eigenständigkeit erreicht. 

Meteosat-Bild eines wolkenfreien Europa, Quelle: ESA

Die zweite Generation von Meteosat-Satelliten übernahm 2004 mit dem wesentlich größeren und leistungsfähigeren MSG 1 (Meteosat 8) die Staffel, der 2005 durch Meteosat 9 ergänzt wurde. 2006 wurde das geostationäre Netzwerk durch den auf einer nur 800 km hohen, sonnensynchronen (und damit annähernd polaren) Bahn umlaufenden METOP-A erweitert, der die Daten seiner geostationären “Brüder” optimal ergänzt und fast auf Anhieb zu einer weiteren Verbesserung der Prognosegenauigkeit führte.

Ab 2015 sollen neue geostationäre Satelliten der dritten Generation eingeführt werden. Während die ersten Meteosats noch vom ESA-Kontrollzentrum ESOC in Darmstadt aus gesteuert wurden, ist heute die europäische Organisation EUMETSAT, ebenfalls in Darmstadt beheimatet, für die Kontrolle der Satelliten und den Empfang und die Verteilung der Daten (beispielsweise an den Deutschen Wetterdienst DWD) zuständig

Europa bleibt damit führend in der satellitengestützten Wetterforschung und liefert einen wichtigen internationalen Beitrag, denn das Wettergeschehen ist natürlich global zu sehen.

Meine Meinung:

Eine phänomenale europäische Erfolgsgeschichte, von der jeder Bürger profitiert – nicht nur in Europa. Selbst wenn uns die Raumfahrt nichts anderes gebracht hätte als Wettersatelliten, auch dann noch hätte sich das Ganze schon gelohnt.

 Mehr Informationen hier:

http://www.eumetsat.int/

http://www.esa.int/SPECIALS/MSG/SEMSS363R8F_0.html

Ich bin Luft- und Raumfahrtingenieur und arbeite bei einer Raumfahrtagentur als Missionsanalytiker. Alle in meinen Artikeln geäußerten sind aber meine eigenen und geben nicht notwendigerweise die Sichtweise meines Arbeitgebers wieder.

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