Bitte eine Halbe!

BLOG: Go for Launch

Raumfahrt aus der Froschperspektive
Go for Launch

Es ist knackig kalt heute Nacht, aber deswegen auch sehr klar. Dem schönen Halbmond konnte ich dann doch nicht widerstehen, also Teleskop aufgebaut, Kamera dran und eine Serie geschossen. Sie können den Anblick hier ohne Frieren genießen:

Half Moon, taken on Jan. 31, 2012, ca. 22:00 CET, source: Michael KhanZunehmender Halbmond am 31.1.2012, 22:00 MEZ. Entlang des Terminators sind viele der interessantesten Formationen zu sehen. Von Norden (rechts oben) nach Süden: Das Mare Imbrium (Regenmeer) mit Plato, Aristillus, Autolycus und Archimedes. Dann die Apenninkette. Ein Stück weiter südlich Herschel, dessen westlicher innerer Kraterrand hier angestrahlt ist und sehr hell erscheint. Dann kommen Ptolemaeus, Alphonsus und Arzachel, letzterer erkennbar am Zentralgebirge. Weiter südlich Purbach, Regiomontanus und Walter. Westlich davon Hörbiger direkt auf dem Terminator, und weiter südlich, ebenfalls auf dem Terminator, Maginus.

Teleskop: ED-Refraktor mit 70 mm Apertur und 420 mm Brennweite. Kamera: Canon 1000D

Waning Moon in its last quarter on 18 January 2012, 7:45 CET, source: Michael Khan

Zum Vergleich: Abnehmender Mond am 18.1.2012, ca 07:45 MEZ, allerdings bei deutlich schlechterem Seeing als heute

 

Ich bin Luft- und Raumfahrtingenieur und arbeite bei einer Raumfahrtagentur als Missionsanalytiker. Alle in meinen Artikeln geäußerten sind aber meine eigenen und geben nicht notwendigerweise die Sichtweise meines Arbeitgebers wieder.

12 Kommentare

  1. Dem schönen Mond konnte ich gestern auch nicht widerstehen. Da ich aber momentan nur ein Fernglas habe, das man auf kein Stativ schrauben kann, zittern mir nach einiger Zeit immer die Arme und Hände (nicht nur vor Kälte). Trotzdem fand ich den Anblick sehr beeindruckend. Danke auch für die guten Fotos. Eine Frage noch zur Technik: Verwenden Sie Filter für ihre Aufnahmen um den Kontrast zu steigern?

  2. @Mona

    Ich verwende keine Filter und habe auch keine Erfahrung damit. Eigentlich bin ich auch nicht besonders erfahren in der Astrofotografie. Ich schalte einfach bei der Kamera die Spiegelvorauslösung and das Liveview ein, damit ich das Bild auf dem LCD-Monitor statt durch den Sucher sehen kann. Die Darstellung auf dem Monitor benutze ich, um das Bild scharf zu stellen. Dann stelle ich nur noch die ISO-Auswahl auf 100 und das Programm auf “manuell”, sowie den Timer auf 2 Sekunden. Zum Auslösen benutze ich einen Fernauslöser mit Kabel. Damit mache ich eine Serie mit immer kürzeren Belichtungszeiten, angefangen von 1/100 (das ist überbelichtet) bis hin zu 1/500 (das ist zu dunkel). Wenn ich damit ferig bin, richte ich das Skop neu aus und stelle wieder scharf, und dann folgt die neue Serie.

    Beim Auslösen klappt erst der Spiegel nach oben, aber in der Wartezeit von 2 Sekunden klingt die Schwingung wieder ab, bis der Verschluss aufgeht.

    Mehr ist da nicht dran. Ein paar gute Aufnahmen sind immer dabei, und ich 10 Minuten bin ich locker fertig und kann wieder zurück ins Warme. Die Aufnahmen verwende ich meist entweder ganz unbehandelt oder allenfalls mit geringer Kontrastverstärkung und Schärfenerhöhung in einer Bildbearbeitungssoftware. Stacking oder so habe ich bei Mondvollbildern eigentlich nie gebraucht. Wenn man eine ganz große Brennweite hat und nur kleine Regionen ablichtet, ist das allerdings etwas anderes. Aber das kann mein Skop gar nicht.

  3. Bitte (k)eine Halbe

    Moin !
    Besser Keine statt einer Halben!
    Da hat man seit Monaten an der Nordsee endlich mal Clear Skys..und dann blinkt neben der Light-Pollution auch Selene noch am Himmel rum ..Doll!
    Da sitzt man fiebernd bis 02:00 in der Bude rum, das Telskope erfriert im Auto, kommt auf dem Platz an und das bisserl Seeing hat sich natürlich in miesen Dunst gewandelt!
    Und dann… bekommt man andern Tags auch noch stolz Fotos von einem HAstronomisch überflüssigem Objekt gezeigt das schon der alte Galileo bis ins detail gezeichnet hat..
    einen klaren Himmel
    Seemichel
    Na, hauptsache Dir gefällts!

  4. Antworten

    @Martin

    Ich war nur so rund 10 Minuten draußen. Ich bin zwar vielleicht mondsüchtig, aber ich bin ja nicht blöd … naja, vielleicht doch, denn heute Abend werde ich noch einmal draußen sein. Ich bin schon seit Langem scharf darauf, eine bestimmte geologisceh Formation zu sehen, und zwar die Rupes recta. Die “lange Wand” ist nur etwa 2 Tage nach Halbmond an ihrem Schattenwurf zu erkennen, weil da gerade die Sonne an der Stelle nicht zu hoch und nicht zu tief steht. In der Aufnahme von gestern abend meine ich die lange Wand gerade so erahnen zu können, aber sie geht doch im Dunkel des Terminators unter.

    Ich muss mal ein Skop nach Deidesheim mitbringen. An dem Wochenende wird zwar der Mond nicht zu sehen sein (er geht da erst in den frühen Morgenstunden auf), aber schon mal der Mars und sicher noch ein paar andere interessante Dinge.

    &Seemichel

    Das ist natürlich sehr ärgerlich. Ich kann den Frust wegen Seeing und Dunst absolut nachvollziehen, die Kritik an Selene als bekennender Mondfan allerdings weniger. Wie gesagt, ich versuche mein Glück heute mal an der langen Wand.

    Clear Skies an die Waterkant!

  5. Infrarot-Sperrfilter @Michael Khan

    Ich habe zwar mit der Astrofotografie keine Erfahrung, dafür aber etwas mit der konventionellen Fotografie. Man benutzt da z.B. Polarisationsfilter um den Kontrast zu erhöhen und die Reflexe etwas zu unterdrücken. Daher dachte ich, dass es so etwas auch für die Astrofotografie geben müsste und habe mir im Internet einige Seiten darüber durchgelesen. Für den ED Refraktor gibt es jede Menge Filter, aber ich weiß nicht ob man die alle braucht.
    Ihre Kamera (Canon 1000D) hat laut Beschreibung einen eingebauten IR Sperrfilter, der nur ein relativ schmales Spektralband des sichtbaren Lichtes passieren lässt. Dadurch geht ein bisschen was von der Lichtempfindlichkeit verloren. Er schneidet zudem auch etwas vom roten Lichtbereich ab, hat aber den Vorteil, dass dadurch der “Hof”, eine Art unscharfes Geisterbild, reduziert wird den die IR-Strahlung bei allen optischen Systemen erzeugt. Dadurch werden auch Unschärfen oder Farbverfälschungen korrigiert. Ich habe auch gelesen, dass sich einige Astrofotografen an dem Filter stören, da dadurch rote Nebelgebiete (H-2 Regionen) relativ schwach abgebildet werden, aber das würde ich in Kauf nehmen, da die Vorteile klar überwiegen.

    Mit den gängigen Bildbearbeitungsprogrammen kann man die meisten Filter nachstellen, auch den oben erwähnten Polfilter, der filtert dann bestimmte Lichtwellen aus dem Bild und führt zu stärkeren Kontrasten und reduziert Spiegelungen. Das haben Sie aber offensichtlich mit Ihrer Bildbearbeitungssoftware schon gemacht.
    Ich bin heute auf einer Sternwarte und sehe mir den Mond nochmal an. Mit dem großen Teleskop dort wird die Rupes Recta schon zu sehen sein – hoffe ich.

  6. @Martin Huhn

    Na geh, so ein kleiner Aufenthalt in der Kälte ist gar nicht so schlimm, da muss man sich halt warm einpacken. Aber vor dem Computer hat man natürlich den Vorteil, dass man auch mal die Perspektive wechseln kann und sich unsere Erde vom All aus ansehen kann.

    Dieses Video wurde von der Internationale Raumstation aus aufgenommen und mit Musik unterlegt:
    http://www.youtube.com/watch?v=f7g-O3p52PQ

  7. @Mona

    Ich habe so wie Sie mit der Astrofotografie keine Erfahrung, dafür aber mit der konventionellen Fotografie. In meinem Fall schon einige Jahrzehnte und mit Vorliebe mit nicht-automatischen Kameras. Gerade diese Erfahrung ist sehr nützlich, wenn man anfängt, astronomische Objekte abzulichten. Es hilft einfach, wenn man weiß (aus der praktischen Anwendung heraus), wie Belichtungszeit, Blende und Brennweite zusammenhängen und das Bild beeinflussen.

    Das mit dem IR-Sperrfilter habe ich zwar in Internetforen gelesen, aber ich habe mich nie wirklich damit auseinandergesetzt. Das wird, meine ich, da wichtig, wo ich noch nicht bin und mit dem jetzigen Teleskop auch nicht hinkommen werde.

    Was ich mache, ist ja keine Astrofotografie, da mache ich mir nichts vor. Solche Bilder vom Mond, wie ich sie mache, kann jeder. Da kann man fast nichts falsch machen. Anders ist es, wenn man mit sehr grossen Brennweiten operiert, sodass die Belichtungszeiten lang werden, oder wenn sich gar an Deep-Sky-Objekten versucht.

    Das weiß ich aus eigener Anschauung. Während meine Mondbilder auf Anhieb eigentlich ganz OK waren, habe ich bis jetzt bei Deep-Sky-Objekten, oder selbst schon bei Aufnahmen vom Jupitersystem nur Schrott produziert. Das ist alles machbar und ich werde auch langsam besser. Nur braucht das halt eine gewisse Übung, bis man auch mit solch lichtschwachen Objekten klar kommt.

    Übrigens sind viele beliebte Deep-Sky-Objekte überraschend groß. Die Andromeda-Galaxie hat einen scheinbaren Durchmesser von 3 Grad … 6 mal so groß wie der Mond! Der Orion-Nebel, den Kosmologger Kevin Gräff hier so meisterhaft abgebildet hat, hat eine Winkelausdehnung, die die des Mondes übersteigt. Die Plejaden erscheinen doppelt so groß wie der Mond.

    Meine Aufnahmen von M45 würde ich hier nie posten, das wäre zu peinlich. naja, ich werde mich wieder daran machen, aber erst, wenn es wämer ist. Bei der Kälte mache ich da draußen nicht mit der EQ-5-Montierung herum.

  8. @Michael Khan

    Sie müssen nicht so bescheiden sein und schreiben: “Was ich mache, ist ja keine Astrofotografie, da mache ich mir nichts vor. Solche Bilder vom Mond, wie ich sie mache, kann jeder.” Darum geht es m.E. gar nicht, wenn man z.B. den Blogpost von Carolin Liefke liest, in dem sie “Vom Aussterben der analogen (Astro)fotografie” schreibt, dann merkt man, dass da jemand mit Leidenschaft eine Sache betrieben hat, auch wenn das Ergebnis nicht immer einwandfrei war. Ich finde es auch keine Schande, wenn man den Wunsch hat dazuzulernen. Niemand ist perfekt und wer aufhört zu lernen, der wird schnell merken, dass er sich bereits auf dem absteigenden Ast befindet. Man erwartet hier sicher kein total makelloses Bild, der Charme liegt doch darin, dass man selbst mit drin ist im Geschehen, wenn Sie den Mond beobachten und dann darüber schreiben. Sie haben einen wunderbaren Schreibstil und sollten Ihr Blog von daher eher als Gesamtkunstwerk betrachten. Im Übrigen finde ich Ihre Aufnahmen vom Mond recht schön, vor allem wenn mal ein Flugzeug durchs Bild fliegt. 🙂

  9. Bescheiden? Ich?

    Also, man hat mich ja schon der verschiedensten Dinge bezichtigt, und meist sogar zu Recht, aber Bescheidenheit hat man mir noch nie vorgeworfen. 🙂

    Eigentlich will ich nur auf eins hinaus. Wenn man ein solches Bild vom Mond macht wie das hier oben oder meinetwegen auch noch eins mit doppelt so hoher Auflösung, dann ist das gar kein großes Problem. Man baut auf, ein stabiles Stativ reicht, man knipst fleißig, dann baut man ab und geht nach Hause.

    Daheim angekommen lädt man den Inhalt der Speicherkarte auf den Computer und sichtet das Ergebnis. Ein paar Bilder sind über-, ein paar unterbelichtet, eine beträchtliche Anzahl sieht OK aus. Diese Unterauswahl schaut man sich gut an und behält am Ende die zwei oder drei besten. Vielleicht muss man noch ein bisschen an Schärfe oder kontrast drehen, aber nicht unbedingt.

    Wenn man aber wirklich Astrofotografie macht, dann ist das von vorneherein ein viel größerer Aufwand. Man baut sein Teleskopstativ mit einer Montierung auf, die das Teleskop nachführen kann, und muss das Ganze einnorden. Dann schießt man Bilder mit langer Belichtungszeit.

    Nach einigen Stunden hat man einen ganzen Haufen deutlich verrauschter Bilder. Mit denen kann man direkt noch gar nicht viel anfangen, man muss da erst die offenbar nutzlosen heraussortieren und die übrigen mit einer speziellen Software überlagern und dann das Ergebnis aufwändig nachbearbeiten. Wenn man einen der Schritt nichr richtig gemacht hat, dann ist das Ergebnis mit hoher Wahrscheinlichkeit komplett Schrott.

    Das kann man zwar alles lerenen, und ich werde es auch noch mal lernen … aber bestimmt nicht im Winter!

  10. Alles okay @Michael Khan

    Ich habe Sie schon verstanden, aber die Frage ist ja, ob Sie hier wirklich professionelle Aufnahmen präsentieren müssen. Es steht natürlich jedem frei seine Technik zu vervollkommnen, aber wenn ich mir z.B. die Aufnahmen von Hubble im Internet anschaue, dann würde mich das eher demotivieren, da man solche Bilder wohl kaum hinbekommt.

  11. @Mona

    Klar, mit den Profis sollte sich ein Amateur nicht vergleichen.

    Obwohl ich sagen muss, dass ich auch deswegen so gern Astronomie mache, weil hier Amateure eben doch auch heute noch den Profis ein Schnippchen schlagen können, beispielsweise bei der Entdeckung eiuner Supernova oder eines Asteroiden oder Kometen.

    Wenn ich in einer lauen Sommernacht draußen auf der Wiese bin, wo der Amateurastronomenverein, in dem ich Mitglied bin, beobachtet, dann sage ich mir, dass Hubble zwar eine bessere Sicht auf schwache Objekte hat, ich dafür beim Sterne-Betrachten die Grillen zirpen höre und den Duft der gemähten Wiese rieche. Ich würde nicht tauschen wollen.

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