Halbmond und Saturn am 25.7.

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Raumfahrt aus der Froschperspektive
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Der zunehmende Mond, jetzt im zweiten Viertel, nähert sich Saturn. In Nordostasien wird man die beiden morgen Abend im Abstand von weniger als 1.5 Grad beobachten können. Wenn es hier Nacht wird, werden die beiden jedoch wieder genau so weit voneinander entfernt sein wie heute, nur mit vertauschten Positionen.

Sechs Grad – zu viel für ein Teleskop, das eine solche Bezeichnung verdient. Eher was für das Teleobjektiv.

Kompositaufnahme des Monds sechs Grad rechts vom Saturn, Canlon EOS 6D mit Leica Elmarit135 mm, f/2.8, ISO 10000 und 1/60 Sekunde bzw. ISO 200 und 1/250 Sekunde
Credit: Michael Khan, Darmstadt / Kompositaufnahme am 25.7.2015 gegen 23:30 MESZ des Monds sechs Grad rechts vom Saturn, Canlon EOS 6D mit Leica Elmarit135 mm, f/2.8, ISO 10000 und 1/60 Sekunde bzw. ISO 200 und 1/250 Sekunde

Ein netter Mensch hat gestern meine unlängst verlorene Karte für die Packstation, die ich schon abgeschrieben hatte, nicht nur gefunden, sondern auch meine Adresse ausfindig gemacht und sie in meinem Briefkasten deponiert. Da er oder sie dies anonym tat, kann ich mich nicht persönlich bedanken. Falls dieser nette Mensch jedoch hier mitlesen sollte, stelle ich meinen herzlichen Dank in den Raum. Das obige Bild ist Ihnen gewidmet.

Und nun zur Beantwortung einer Frage, die mir in einem Kommentar zum vorherigen Artikel gestellt wurde: Ja, Nachbarn und Passanten reagieren schon, wenn sie da jemanden mit einem Teleskop sehen. Oft stehe ich allerdings am Dachfenster meines Hauses, da sieht mich keiner von unten.

Stehe ich draußen und man sieht mich, dann ist es in der Regel schon so, dass zumindest meine Aktivität richtig zugeordnet wird, wenn auch oft nicht erkannt wird, dass ein Zusammenhang zwischen der Blickrichtung des Teleskops und den Objekten besteht, die in seinem Blickfeld auftauchen. Die Frage “Darf ich auch mal gucken” kommt fast schon zwangsläufig. Inzwischen stelle ich oft schon zusätzlich ein kleines Teleskop auf.

Eine objektive Bedrohung hat sich in vielen Jahren nicht ein einziges Mal ergeben. Subjektiv fühlte ich mich mehrfach sehr unsicher, bis sich die Situation in harmloser Weise auflöste. Einmal – ich stand auf dem Gras-Parkplatz des örtlichen Freibads – fuhr ein Auto quer über die ausgedehnte Grasfläche mit eingeschalteten Scheinwerfern auf mich zu und blieb direkt vor mir stehen. Nicht unbedingt etwas, was ich erst einmal als freundlichen Akt deuten würde.

Die Beifahrerin ließ die Seitenscheibe herunter. Ich sah, dass es sich um eine Zivilstreife der Polizei handelte. Ich listete in Gedanken auf, was ich in letzter Zeit alles so angestellt hatte, kam aber zu dem Schluss, dass die mich wohl eher von daheim abgeholt hätten, wenn sie mir draufgekommen wären, und kaum gegen Mitternacht beim Spechteln. Also nahm ich die unwillkürlich erhobenen Hände möglichst nonchalant wieder herunter. Die Polizistin fragte mich, ob alles in Ordnung sei. Als ich bejahte, fragte mich ihr Kollege, was ich hier eigentlich mache, Die Sterne fotografieren? Oh. Da stören wir Sie wohl. Dürfen wir auch mal gucken?

Auch die Gruppe ziemlich lautstarker, junger Männer, die mich einmal umringte, stellte sich als astronomisch vollkommen unerfahren, aber durchaus interessiert heraus (“Darf isch mal konkret reinkucken? … Oah! Kannsu ja voll so Sterne so sehen!”). Auf jeden Fall harmlos.

Wahrscheinlich bin auch ich ungewollt zum Störfaktor geworden. Mehrfach standen in der dunkelsten Ecke des Grasparkplatzes unbeleuchtete Autos, als ich meinen Kram aufbaute. Ich weiß ja selbst nicht genau, was die dort machten. Ich nehme mal an, es handelte sich um Mitarbeiter von Autoherstellern, die die Federung der Produkte ihrer Arbeitgeber im Werksauftrag einer mehrminütigen Wechselbelastung aussetzten. Warum die das nachts machen und dann auch nicht auf dem Werksgelände, und warum es sich dabei oft um alte Modellreihen handelt, die schon gar nicht mehr hergestellt werden, kann ich mir allerdings nicht erklären. Vielleicht ist ja meine Theorie auch nicht zutreffend.

Ich bin Luft- und Raumfahrtingenieur und arbeite bei einer Raumfahrtagentur als Missionsanalytiker. Alle in meinen Artikeln geäußerten Meinungen sind aber meine eigenen und geben nicht notwendigerweise die Sichtweise meines Arbeitgebers wieder.

1 Kommentar

  1. Die im letzten Abschnitt genannten Autos waren sicher extrem gut getarnte Erlkönige. ^^

    Danke für die ausführliche Antwort. Das klingt doch deutlich harmloser als die Erfahrungen von Herrn Holl. Aber nicht minder interessant. 😉

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