Feuilleton-Artikel belegt das Nuhr’sche Prinzip

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Raumfahrt aus der Froschperspektive
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Mich nerven Feuilleton-Seiten.

Nicht nur, weil man dauernd ein Feuilleton und nur selten eine Wissenschaftsseite findet, egal, welche Zeitung man aufschlägt. Vor allem aber, weil sich im Feuilleton offenbar auch Journalisten ohne jedwede Qualifikation über naturwissenschaftliche und technische Themen auslassen dürfen.

Das Resultat ist immer dasselbe, wenn naturwissenschaftliche Nichtschwimmer sich zu naturwissenschaftlichen Themen äußern. Blanker Unsinn, falsche Verknüpfungen, vorgetragen in penetrant-überheblichem, abwertend-verächtlichem Ton. Nichts, was dem Leser tatsächlich Informationen vermittelt oder zu einer erweiterten Sicht der Dinge verhilft. Nichts, was darauf schließen lässt, dass sich der Autor über das Thema informiert hätte.

Würde man jemanden, der nichts von Filmen, Büchern oder Geschichte versteht, im Feuilleton über ein Filmfestival, eine Buchmesse, oder ein historisches Thema berichten lassen? Würde man jemanden, der keine Ahnung von Wirtschaft hat, in der Wirtschaftsredaktion beschäftigen? Wohl nicht, zumindest nicht in einer Zeitung, die auf sich hält. Aber wenn es im Feuilleton über die gesellschaftliche Bewertung eines naturwissenschaftlichen oder technischen Themas geht, gelten offenbar weniger strenge Maßstäbe.

Was wurde behauptet?

Am Freitag, dem 3. September ließ sich Klaus Ungerer im Feuilleton der F.A.Z. über eine Initiative der Afrikanischen Union (AU) aus, die zur Gründung einer  afrikanischen Weltraumbehörde führen soll. Der Beschluss, eine Machbarkeitsstudie mit diesem Ziel in Gang zu setzen, fiel im Rahmen eines Treffens der Minister der AU-Mitgliedsstaaten für Kommunikations- und Informationstechnologie und anderer mit Entwicklung und Infrastruktur beauftragter Politiker. Es ging bei dieser Konferenz darum, wie der technologische Rückstand der afrikanischen Nationen zum Rest der Welt verringert werden kann und wie die wirtschaftliche, soziale und menschliche Entwicklung erreicht werden kann, die der Kontinent braucht. Mehr dazu hier und hier und hier.

Das alles schreibt Ungerer in seinem Kommentar allerdings nicht. Dafür hätte er auch gar keinen Platz gehabt, denn er war viel zu beschäftigt damit, mit Klischees um sich zu werfen und Häme zu verspritzen. Ungerers Kommentar liefert nichts, das auch nur entfernt als neu betrachtet werden könnte. Offenbar führte allein die Erwähnung des Worts “Weltraumagentur” zur Assoziation mit “Flug zu den Sternen” und löste einen üblen Beißreflex aus. Dass die Assoziation unberechtigt war, war schon egal. Nach Auslösung des Beißreflexes kann offenbar der Kiefer nicht gelockert werden.

Einmal in Fahrt, mischte Ungerer die üblichen Versatzstücke zu einer nährstoffarmen und allemal unbekömmlichen Soße zusammen. Recherche hätte da nur gestört, deswegen unterblieb sie offenbar gänzlich. Dafür aber in großen Mengen Vulgärpsychologie wie die sattsam bekannten Thesen darüber, was Männer angeblich begeistert, gekrönt von der unvermeidlichen Stammtischparole über die Politiker, die man auf den Mond schießen sollte (findet das wirklich noch jemand originell?). Auch die Erwähnung der dunklen Kanäle darf nicht fehlen, in denen in Afrika ja bekanntlich alles Geld versickert. Und natürlich kommt die krude These von den Millionen Kranken, Unterernährten und Ausgebeuteten aufs Tapet, denen angeblich nicht geholfen werden könnte, wenn sich Afrika in der Weltraumtechnik engagiert.

Was fehlt, ist der leiseste Hinweis, dass Ungerer auch nur die erste Zeile des Kommuniqués gelesen hat, das im Anschluss an besagte Konferenz herausgegeben wurde. Nichts in seinem Erguss lässt darauf schließen, dass er sich auch nur im Geringsten über die Themen informiert hätte, über die er sich so wortgewaltig auslässt. Ganz sicher versteht er nichts von Satellitentechnik und ihre Nutzung in Entwicklungsländern, oder aber, er weiß sein Wissen über solche Themen außerordentlich effektiv zu verbergen. 

Und damit wären wir beim Nuhr’schen Prinzip, geprägt vom Kabarettisten Dieter Nuhr. Recht hat er. 

Und worum geht es wirklich?

Zum Thema: Es geht, wie das Kommuniqué der AU belegt, unmittelbar um Telekommunikation. Es geht sehr wohl und zuallererst darum, wie den Armen, Kranken und Entrechteten geholfen werden kann. Es geht darum, die “digitale Kluft” zu schließen, die unterentwickelte Nationen und ihre Bewohner vom Zugang zu Informationen und Wissen ausschließt und deren Entwicklung behindert. Genau da kommt der Satellitentechnik aber zentrale Bedeutung zu. In einem großen, unzureichend erschlossenen Kontinent mit wenig entwickelter Infrastruktur lässt sich kurzfristig der allgemeine Breitbandzugang nur über Satelliten bewerkstelligen. Andere Techniken wie Breitband-Glasfaservernetzung oder terrestrische Funkvernetzung werden weder kurzfristig noch weiträumig verfügbar zu machen sein. Setzt man darauf statt auf die Satellitentechnik, wird weiterhin die Dominanz weniger Zentren und kleiner, lokaler Eliten zementiert. Genau aus dieser Situation muss Afrika jedoch heraus. 

Eine weitere unverzichtbare Anwendung der Satellitentechnik ist die Erdbeobachtung. Keines der brennenden regionalen Probleme wird sich ohne satellitengestützte Erderkundung in den Griff bekommen lassen. Weder die sich verschärfenden Wetterextreme und die daraus resultierenden Katastrophen, weder die grassierende Umweltverschmutzung noch der Raubbau an den Ressourcen sind ohne aktuelle und exakte Beobachtung auch der abgelegensten Regionen beherrschbar. Auch die Erschließung des Landes und die Suche nach Bodenschätzen bedarf der Satellitenunterstützung.

Daten sind heutzutage alles. Wer sie nicht hat, ist auch nicht Herr der Lage. Das hat überhaupt nichts mit bemannten Weltraumflügen zu tun, gar solchen zum Mond oder zu den Sternen. Es hat noch nicht einmal mit Erforschung des Weltraums zu tun. Es geht ganz allein – zumindest bis auf Weiteres – um Anwendung von Technik, die hier und heute Menschen hilft, die dringend Hilfe benötigen. 

Die afrikanischen Nationen brauchen die satellitengestützte Infrastruktur dringend. Wenn man aber eine Technologie dringend braucht und ohne diese Technologie die Kontrolle über die eigene Zukunft aufgibt, hat man dann eine Alternative dazu, selbst über diese Technologie zu verfügen? Ich meine: natürlich nicht. Wenn man eine Technologie dringend braucht und davon abhängig ist, dann muss man auf diesem Sektor eigenständige Kapazität aufbauen. Die einzige Frage ist allenfalls, wie man diesen Aufbau bewerkstelligt: In nationaler Eigenregie oder als Gemeinschaftsprojekt? 

In Afrika favorisiert man offenbar das Gemeinschaftsprojekt in Form der afrikanischen Raumfahrtagentur. Ungerer mag sich darüber lustig machen. Ich dagegen meine, wir sollten uns freuen. Die jüngste afrikanische Geschichte ist geprägt von blutigen Konflikten zwischen Nationen oder ethnischen Gruppen. Allein der zweite Kongokrieg (1998-2003) hat die unglaubliche Zahl von mehr als 5 Millionen Menschenleben gefordert. Dagegen verblassen selbst die Konflikte in Darfur, in Angola oder in Ruanda. Und jetzt setzen sich Politiker der afrikanischen Staaten zusammen und beschließen, eine für die Zukunft des Kontinents wesentliche Entwicklungsmaßnahme in die Hände einer supranationalen Organisation zu legen und damit einen Schritt hin zur Gemeinsamkeit, zur gemeinschaftlichen Verwaltung des öffentlichen Guts zu machen. Wenn das keine gute Nachricht ist, was ist dann eine gute Nachricht?

Der größere Kontext

Über den unmittelbaren Nutzen bei der Bereitstellung fehlender Infrastruktur hinaus ist Weltraumtechnik weitgehend Hochtechnologie. Um sie zu beherrschen, braucht man hoch qualifiziertes technisches Personal. Dieses schüttelt man aber nicht aus den Bäumen, man muss es heranbilden. Dazu müssen die Abteilungen für Ingenieurswissenschaften, Physik, Informationstechnologie, Kommunikationstechnik usw. an den Universitäten ausgebaut werden. Deren Absolventen werden allerdings nicht ausschließlich in der Raumfahrttechnik arbeiten. Ihre Fähigkeiten werden anderen, ebenso dringend gebrauchten Vorhaben zugute kommen, die man bis dann entweder gar nicht oder nur mittels teurer Hilfe aus dem Ausland angehen konnte. Der Aufbau eigenständiger weltraumtechnischer Kompetenz hat damit auch einen bildungspolitischen Effekt, von dem die beteiligten Nationen in vielfältiger Weise profitieren. 

Nehmen wir als Beispiel Nigeria. Der volkreichste Staat Afrikas ist reich an Öl und anderen Bodenschätzen. Diese werden jedoch nicht im Lande verarbeitet – es fehlen die technologischen Kapazitäten. Der Mehrwert wird außerhalb des Landes generiert. Daran lässt sich aber nur etwas ändern, wenn das Land die Fähigkeit erwirbt, komplexe technische Prozesse lokal einzusetzen und damit die Abhängigkeit von ausländischen Unternehmen abzuschütteln. Wie aber sollen denn diese Fähigkeiten aufgebaut werden, wenn nicht durch einen dramatischen Fortschritt in der lokalen technologischen Infrastruktur? Gerade Nigeria unternimmt bemerkenswerte Anstrengungen in der Raumfahrttechnik – bemerkenswert deswegen, weil diese Anstrengungen zuerst auf Kommunikationstechnik und Erdbeobachtung fokussiert sind. Letzteres geschieht ausdrücklich im Kontext des Katastrophenschutzes und im Rahmen der internationalen Kooperation. 

Alle sicher bestehenden Probleme des Kontinents wurzeln letztendlich in Unterentwicklung und Armut. Bewaffnete Konflikte, religiöse oder ethnische Fehden, selbst Korruption und Gewaltherrschaft sind letztendlich nur Folgeerscheinungen des zugrundeliegenden Problems. Der einzige Ausweg lautet Entwicklung. Nicht eine von außen aufgepfropfte Entwicklung, die an den Interessen der westlichen Industrienationen orientiert ist, sondern eine gemeinschaftliche Entwicklung des afrikanischen Kontinents, die den Bedürfnissen der wachsenden Völker Rechnung trägt.

Dazu gehört die eigenständige Nutzung aller notwendigen Schüsseltechnologien, inklusive der Raumfahrttechnik. Angefangen bei Satellitenkommunikation und satelllitengestützter Erdbeobachtung, bald auch verbunden mit satellitengestützte Meteorologie, Navigation und Katastrophenwarndienste, später auch mit weitergehenden Anwendungen wie radargestützte Erdvermessung, eigene Startkapazitäten und … ja, irgendwann auch bemannte Raumfahrt. Mit den Fähigkeiten steigen die Ansprüche.

Jetzt aber geht es um die ersten Schritte aus der Unterentwicklung. Ob es Feuilletonisten passt oder nicht, die Afrikaner werden die Technologien nutzen, derer es bedarf, und ich hoffe, sie haben damit Erfolg.

Anmerkung

Vielleicht ist ein kleiner Blick auf die andere Seite des atlantischen Ozeans an dieser Stelle angebracht: Als Brasilien vor 40 Jahren anfing, eine eigenständige nationale Flugzeugindustrie aufzubauen, gab es im Westen viel Häme und Besserwisserei. Auch hier meinten Viele zu wissen, was die Brasilianer stattdessen hätten machen sollen. Heute aber ist Brasilien einer der BRIC-Staaten und damit einer der kommenden wirtschaftlichen Giganten, zusammen mit China, Indien und Russland. Der brasilianische Luft- und Raumfahrtkonzern EMBRAER ist das wichtigste Exportunternehmen des Landes (auch die Lufthansa fliegt EMBRAER-Flugzeuge) und der drittgrößte Flugzeughersteller weltweit. So viel zu den Besserwissern.

Weitere Information

Kosmologs-Artikel vom 16.5.2010 zum Weltraumprogramm der Bundesrepublik Nigeria

Ich bin Luft- und Raumfahrtingenieur und arbeite bei einer Raumfahrtagentur als Missionsanalytiker. Alle in meinen Artikeln geäußerten Meinungen sind aber meine eigenen und geben nicht notwendigerweise die Sichtweise meines Arbeitgebers wieder.

17 Kommentare

  1. Guter Artikel

    Ich kann Ihnen nur zustimmen! Sie haben das nachgeholt, was Herr Ungerer hätte tun sollen.
    Allerdings fehlt in Ihrem Artikel ein Teil:
    “Gerade Nigeria unternimmt bemerkenswerte Anstrengungen in der Raumfahrttechnik – bemerkenswert deswegen, weil diese Anstrengungen zuerst auf Kommunikatonstechnik und Erdbeobachtung, insbesondere “
    Das ist wohl das Satzende abhanden gekommen…

    @Stan: Vielen Dank für den Hinweis! Der Fehler wurde behoben.

  2. Super!

    Ich habe diesen hervorragenden Artikel direkt mal auf meiner Facebook-Seite verlinkt, damit ihn der seit vielen Jahren in Ostafrika lebende Teil meiner Familie lesen kann. Dank moderner Telekommunikationstechnologie.

  3. Feuilleton und Bildung

    Viele Feuilleton-Artikel wenden sich an (klassisch) gebildete Leser und der Autor streut Zeichen seiner (humanistischen?) Bildung in den Text, die dann der geneigte Leser – so er denn über die geforderte Bildung verfügt – mit einem stolzen Gefühl des Wiedererkennens auflesen darf.

    Wenn sich ein Text eines Feuilletonisten bei tieferem Graben als Werk eines Ignoranten erweist, so sagt das oft auch etwas über den Feuilleton-Leser aus und über die Art der Bildung, die im Feuilleton gepflegt wird. Diese Kreise, die sich in der Welt der Kultur, Philosophie und Kunst auskennen, sind meist sehr weit weg von der Naturwissenschaft und Technik, haben sie aber rezeptiert und eine eigene Sicht auf diese Gegenwelt entwickelt. Wie diese Sicht aussieht zeigt eben gerade der hier kritisierte Artikel von Ungerer. Er ist sich sicher, dass das, was er schreibt, beim Publikum ankommt und weiss auch, dass es nicht um die Details geht, ja nicht einmal um den Wahrheitsgehalt, sondern nur darum bei seinem Publikum den Wiedererkennungseffekt zu bedienen.

    Solange es ein derartiger Artikel ins Feuilleton schafft, solange gibt es eine digitale Kluft und diese digitale Kluft trennt nicht nur unterentwickelte Nationen von entwickelten, sondern auch vermeintlich Gebildete von wirklich Gebildeten.

  4. Danke für diesen ausführlichen Beitrag! Ich kann mich Ihrem Ärger über das Feuilleton und Ihren Argumenten für eine ASA nur anschließen.

    Ich habe nur einen Kritikpunkt. Sie schreiben:

    Würde man jemanden, der nichts von Filmen, Büchern, Geschichte versteht, im Feuilleton über ein Filmfestival, eine Buchmesse, ein historisches Thema berichten lassen. Würde man jemanden, der keine Ahnung von Wirtschaft hat, in der Wirtschaftsredaktion beschäftigen? Wohl nicht…

    Doch, das würde man. Da könnte ich Ihnen jeden Tag zahlreiche Beispiele liefern (man erinnere sich z.B. an die Dummheiten, die das Literaturfeuilleton seinerzeit zum Thema Hegemann von sich gegeben hat).

    Die mangelnden Qualitätsstandards in den traditionellen Medien ärgern mich unter anderem auch deshalb, weil dadurch gute Journalist/innen (von denen es ja durchaus eine ansehnliche Zahl gibt) mit Nichtskönnern konkurrieren müssen, ohne dass ihre Qualität dabei ein Vorteil für sie wäre und ohne dass die Leser/innen eine Möglichkeit hätten, zwischen kompetenten und inkompetenten Vertretern der Zunft unterscheiden zu können.

  5. zu “Feuilleton und Bildung”:

    Ist diese Kluft in anderen Ländern anders? Vielleicht zeigt sich mal wieder die hier besonders undynamische Schichtung der Gesellschaft und die dazugehörige Mentalität. (Die guten Feuilletonisten der Weimarer Republik befanden sich ja (wie Benjamin, Krakauer,…) ausserhalb der üblichen Standesstrukturen?) Ausserdem wäre nach dem Bildungszustand der Naturwiss. zu fragen – da kann man schnell ins Staunen kommen: Z.B. bemerkte John Baez, der bekannte mathm. Physiker, irgendwo in seinem blog nebenbei, dass er natürlich Platon gelesen hat – und zwar ALLE Dialoge, dass er ebenso selbstverständlich Heidegger studiert hat, und zwar gründlich. Unter den bekannteren Mathematikern und Physikern erlebt man öfters solche Überraschungen.

  6. hier ein paar unvoreingenomme stimmen

    http://www.scidev.net/en/news/africa-considers-a-continent-wide-space-agency.html

    But others are more cautious. Peter Martinez, coordinator of South Africa’s National Working Group on Space Science and Technology, said the idea was premature.

    “A number of African countries should first develop their own capabilities and these [countries] could then take the lead in perhaps forming a continental space agency,” said Martinez, who also heads the space science and technology division at the South African Astronomical Observatory.

    Comments

    Tom Hennessy ( Canada )

    22 August 2010
    Quote: intended to help ensure the continent becomes an important player in the global space programme Answer: There is no need to have a “space programme”. The millions of dollars being spent on space programmes are can be used to build water wells. IF these ‘scientists’ WISH to have a job so badly let them become water well builders in the field. The use of public dollars to fund such a foolish initiative is a poor use of public funds. Imho.

    Amangwetu Mbuchindele ( politician | Malawi )

    30 August 2010
    Dambisa Moyo has brainwashed most of our leaders. I hate when people who little knowledge about a country/continent try to give solutions to its problems. We do not eat whether u call it space, science etc. Bail people out of poverty first before anything else.

    http://www.guardian.co.uk/world/2010/sep/05/africa-space-programme-david-smith

    surely Africa has a few more important things to spend it’s money on a little closer to home before going into space…

    Just little things like AIDS, famine and education?

    http://www.bbc.co.uk/blogs/africahaveyoursay/2010/08/should-africa-look-to-the-star.shtml

    # 3. At 6:12pm on 23 Aug 2010, Edithmaame wrote:

    Children are schooling under trees. Africa depend on hand outs from the west so what are these so called AU talking about? Maybe when these people and leaders of Africa stop stealing their nations money, we shouldn’t be thinking about space for now, fix the roads, bring good drinking water, good medical care before this nonsense.

    Complain about this comment
    # 4. At 6:32pm on 23 Aug 2010, Andrew Ogbu wrote:

    I think African leaders do not know exactly what they want or should I say they have run out of ideas as to how to solve the thousands of problem facing the continent.I think there are more important things calling for attention more than just wasting that huge resources on a space agency.Our people are dying daily of hunger and curalbe diseases,they should seek for ways to solve those first.

    9. At 9:20pm on 23 Aug 2010, AKPAN wrote:

    The basics first, perhaps? Such as infrastructure, effective state institutions? A decent education? Even job opportunities? Just a thought…

    12. At 06:31am on 24 Aug 2010, Iddi Musyemi wrote:

    Trick question: How do you plunder public coffer and get away without attracting public anger? If you are thinking around coming up with high sky projects then you are just about right!
    Seriously, what benefit will Space Agency bring to common citizen in terms of basic food and social security?
    Africa’s many challenges stem from just one thing: corrupt leadership!
    What AU is proposing is nothing more than coming up with a scheme of fleecing their public and helping themselves at the expense of the entire continent. Given the many problems that spread over Africa, it is preposterous to assume that having a space agency will help in alleviating the conditions that citizens suffer.
    I would like to add other questions to what you have already asked: is Africa capable in developing the technological equipments and human resources necessary to undertake such a project? To begin with, do we indeed have the resources needed to undertake this project or will we need to pass another bowl round? And finally, are these AU ministers going to ask their citizens to approve the project?
    I hope Kenya is not supporting such a project and if it is, then at least it would be taken through a referendum!
    This is fleecing of public funds by a starrish name.

    27. At 10:27pm on 30 Aug 2010, Samuel wrote:

    This is an Example again of the calibre of leaders we have in Africa. I am sorry to say but The ‘so-called’ African Union is a complete waste and a toothless dog.

    Africa has serious problems ranging from corruption which has now become a part of the culture, to food production and security right down to poor governance. What is being done to address these issues but regionally and locally? Nothing, just a set of task forces, and other meaningless initiatives spear-headed by the corrupted vessels in the community. Now, they want to start a space program. For what Reason?

    What will space do for Africa right now? Absolutely nothing.
    why not use the time, money and effort to invest in other projects and programs that would help the region now.
    There are too many issues to be dealt with right now, for these useless leaders to start dreaming of space.

    I apologise for a seemingly angry tone. But the notion of an African Space Program is just insulting to the thousands dying everyday for hunger, strife, wars and others.

    28. At 11:09pm on 30 Aug 2010, dan wrote:

    That’s a nice fantasy. One that ministers will congregate once yearly to indulge in while their respective nations still struggle to decipher how their populations will be fed, clothed, educated, and kept safe. This ranks up there with the single currency fantasies. Guess dreaming doesn’t do any harm (except for the monies that will be spent on this totally irrelevant adventure).

    29. At 08:39am on 31 Aug 2010, RantingMrP wrote:

    Space has it advantages: Africa could certainly do with an independent weather-monitoring system, dependent as we are on rain-fed agriculture. But that points to another of our shortcomings: Africa makes little or no use of its abundant rivers and lakes, which can easily be used to sustain massive agricultural projects.
    Space-based weather monitoring that is focused on Africa could also assist to predict events like the recent flooding in Mozambique, which seem to be increasing by the year. The elephant in the climatic corner has always been what would happen if a massive weather disaster – say, a Katrina – hit Africa. The toll would be horrendous – a space-based early warning system would help predict such, and hence allow us to plan around the disaster – such as we would be able to.
    Space-based systems can also be used to monitor temperatures across Africa, which is vital when fighting things like locust swarms and the spread of diseases and disease-causing parasites (e.g. mosquitoes and malaria).
    For the yuppies in Africa, it certainly would be good to have GPS-based navigation of African cities – it is never fun getting lost in Lagos!
    But can African governments, long known for their ridiculous inability to cooperate, really run a space programme successfully for any length of time? If the AU knows what’s good for them, they should stump up the money and outsource the project to someone with the experience and the profit motive to run it well. Otherwise, it will become yet another waste of money.

  7. Informierte Meinungen?

    Ob die von Hans von Kötten zitierten Stimmen “unvoreingenommen” sind, mag dahingestellt bleiben. Auf solche Meinungen wird man sicher problemlos stoßen, auch bei uns. Besonders informiert erscheinen sie mir allerdings nicht, bis auf wenige, z.B. diese:

    Space has it advantages: Africa could certainly do with an independent weather-monitoring system, dependent as we are on rain-fed agriculture. But that points to another of our shortcomings: Africa makes little or no use of its abundant rivers and lakes, which can easily be used to sustain massive agricultural projects. Space-based weather monitoring that is focused on Africa could also assist to predict events like the recent flooding in Mozambique, which seem to be increasing by the year. The elephant in the climatic corner has always been what would happen if a massive weather disaster – say, a Katrina – hit Africa. The toll would be horrendous – a space-based early warning system would help predict such, and hence allow us to plan around the disaster – such as we would be able to. Space-based systems can also be used to monitor temperatures across Africa, which is vital when fighting things like locust swarms and the spread of diseases and disease-causing parasites (e.g. mosquitoes and malaria).

    Dieser Kommentator hat offenbar eine recht genaue Vorstellung davon, worum es überhaupt geht. Die anderen lassen das nicht unbedingt erkennen.

    Jeder einzelne der von diesem Kommentator genannten Punkte ist gewichtig und sollte sorgfältig überlegt werden. Ich frage mich, ob diejenigen, die da so lautstark ihre Ablehnung hinausposaunen, wirklich meinen, dass die genannten Punkten unwichtig sind und nicht gebraucht werden und ob sie es wirklich für vertretbar halten, den afrikanischen Bevölkerungen diese Art von lebenswichtiger Infrastruktur zu versagen.

    Auch diese Meinung hebt sich aus dem allgemeinen Geschrei ab:

    “A number of African countries should first develop their own capabilities and these [countries] could then take the lead in perhaps forming a continental space agency,” said Martinez, who also heads the space science and technology division at the South African Astronomical Observatory

    Da geht es um die konkrete Vorgehensweise. Mag sein, dass der Herr Martinez Recht hat. Das wird sich zeigen. Es sollte nochmals betont werden, dass ja zunächst eine Machbarkeitsstudie unternommen wird, im Rahmen derer untersucht wird, ob eine panafrikanische Raumfahrtagentur sinnvoll ist. Es ist nicht so, dass diese nun bereits beschlossene Sache sei.

    Mir erscheint der kooperative Ansatz allerdings sinnvoll, weil auch die anzugehenden Probleme nicht ein Land betreffen, sondern alle. Kommunikationssatellliten versorgen auch nicht nur ein Land, ebensowenig wie Erdbeobachtungssatelliten nur einzelne Länder beobachten. Wetter- und Klimaforschung endet ebenfalls nicht um Ländergrenzen, ebenso wie Katastrophenschutz, denn auch Naturkatastrophen scheren sich wenig um politische Grenzen.

    Aber am Ende sind es die Afrikaner, die selbst entscheiden müssen, wie sie das Projekt heben.

  8. auch nicht besser als in der FAZ…

    Sehr geehrter Herr Kahn,
    ihr Artikel in genau diesem Blog beweist doch ihre eigene Voreingenommenheit zu einem solchen Projekt. Wer ständig in die Sterne schaut und sich tagtäglich damit beschäftig kann ja nur schwierig gegen eine neue Weltraumbehörde sein. Wäre genauso, wenn ich als Fußballfan dagegen wäre, wenn in Afrika ein neuer Verein gegründet wird.
    Ich kann mich jedenfalls nur den Stimmen des Herrn von Kötten anschließen, denn es gibt wirklich und das können auch sie nicht abstreiten dringendere und wichtigere Problemfelder in Afrika. Und auch wenn Sie sich das so sehr wünschen, die Raumfahrt wird diese auch nicht schneller lösen können.
    Es ist schon ein gewisser Form von Arroganz und Ignoranz der AU Minister gegenüber ihren Völkern, darüber nachzudenken Milliarden in ein solches Projekt zu stecken, wo doch das Geld ohnehin schon unendlich knapp ist und an anderer Stelle zu sofortigen Verbesserungen führen könnte. Ohne eine Vorlaufzeit von mehreren Jahren, wenn nicht Jahrzehnten, wie es bei Ihrem Bildungsargument der Fall wäre.

    Und um mal bei Ihrem vermeintlichen Paradebesispiel Brasilien zu bleiben, so gibt es dort nach wie vor sehr viel Armut und die Kluft zwischen einer gut ausgebildeten Minderheit und einer großen Menge schlecht gebildeter, verarmter Bevölkerung ist riesig groß.
    Dennoch ist Brasilien natürlich das wirtschaftlich wichtigste und erfolgreichste Land Südamerikas aber wenn Sie das jetzt mit der Gründung von Embraer gleichsetzen wollen, dann sollten Sie vielleicht selbst erstmal genau recherchieren, bevor Sie Herrn Ungerer kritisieren dies nicht zu tun…

    Mit freundlichem Gruß

  9. Spacecowboy

    Nur mal zu näheren Verständnis der Materie.
    Zur Raumfahrt gehört auch das Internet, dieser Blog, und auch der Artikel von Herrn Ungerer!
    Wenn ich zynisch wäre, würde ich fast vermuten, dass sie einer von der FAZ sind.
    Schon Jeffrey D. Sachs, seines Zeichens Ökonom, hat bei project Syndicate org folgenden Artikel verfasst:
    http://www.project-syndicate.org/…achs165/German
    Schon dort sprach er die Initaive connect to learn (www.connecttolearn.org) an.
    Internet für alle, auch und grade in Afrika.
    Da das Internet nun mal nur über Sateliten (Raumfahrt) in Afrika funktionieren kann, ist es nur Folgerichtig, dass ich dann auch anstrebe, diese Selbst zu bauen.
    Eagl was die machbarkeitsstudie nun ergibt, ist es ein tolles Zeichen, dass auf dem Afrikanischen Kontinent die Einsicht wächst, dass man koopreation, Bildung und Forschung brauch, wenn man den Rückstand aufholen will.
    Immernoch besser als Bürgerkriege, und Perspektivlosigkeit.
    Und anstelle das man das unterstützt, so einen Müll wie Ungerer, ist der Gipfel der Ignoranz.
    Typisch Feuilleton..

    PS:
    ist es nicht ironisch, dass wir zwar gedanklos GPS, Wettervorhersagen, Internet, Fernsehn, gar Telefon, nutzen, aber die meisten nicht mal kapieren, wie sie funktionieren..
    Die werden nämlich auch vom Deutschen Steuerzahler gefördert
    http://www.bmwi.de/…195830.html?view=renderPrint

  10. Arroganz

    Als Europäer sich hinzustellen und den afrikanischen Nationen zu erklären, welche ihrer Probleme sie denn nun gefälligst zuerst zu lösen haben, bevor sie sich mit Dingen wie Raumfahrt beschäftigen dürfen ist wohl die höchstmögliche Form von Arroganz, die man sich vorstellen kann.

  11. @ Spacecowboy: Seriöse Argumentation?

    Ich bitte Sie: Wir schreiben das Jahr 2010, nicht 1850. Keinem Land und keinem Kontinent kann man heute guten Gewissens empfehlen, sich erst dann an der Entwicklung von Zukunftstechnologien zu beteiligen, wenn alle ‘irdischen Probleme’ gelöst sind…

  12. @spacecowboy

    Na, Herr Spacecowboy, Sie machen es sich aber einfach. Alle, die etwas von der Materie verstehen (und ohne mich nun rühmen zu wollen, muss ich objektiv sagen, dass ich nach Jahrzehnten in der Raumfahrtbranche eine ganze Menge davon verstehe), sind wohl voreingenommen und ihr Urteil gilt damit nichts mehr? Nach diesem Ansatz würden dann allerdings wirklich nur die Meinungen der Leute dieser Welt wie Klaus Ungerer übrigbleiben. Denn der versteht von weltraumbasierter Infrastruktur wirklich nichts, äußert sich aber trotzdem dazu.

    Ich sehe nicht viele Problemfelder, die in Afrika dringender sind als die technologische Entwicklung. Dazu gehören nun einmal raumfahrtbasierenden Technologien, denn ohne die werden Sie weder Breitbandkommunikation in der Fläche (nicht nur in wenigen priviligierten Zentren), noch Wetterüberwachung und dedizierte Klimavorhersage (wichtig in Zonen extremer klimatischer Bedingungen, wie man sie in Afrika hat), noch effizientes Ressourcenmanagement, noch funktionierenden, flächendeckenden Katastrophenschutz und vieles Anderes mehr. Das alles soll nicht wichtig sein: Kleiner Realitätscheck. Es ist eminent wichtig. Überlebenswichtig.

    Wer dazu jetzt erwidert, das ginge alles anders besser oder einfacher, der sollte seine Meinung wiklich mal überzeugend begründen. Klaus Ungerer hat das nicht geschafft. Er hat nicht einmal die Anwendungen genannt, um die es geht. Nicht eine.

    Wenn Sie wirklich sich den im Kommentar von Hans von Kötten genannten Meinungen anschließen, dann meinen Sie damit hoffentlich die von mir weiter oben herausgegriffene. Lesen Sie sie bitte. Der Mann weiß, wovon er redet.

    Wer einfach Zahlen von “Milliarden” in den Raum stellt und behauptet, das Kapital sei so verzweifelt knapp, dass sich die geplanten Raumfahrtaktivitäten (haben Sie inzwischen verstanden, welche das sind?) nicht finanzieren lassen, der muss sich fragen lassen, woher er seine Zahlen hat. Woher haben Sie Ihre?

    Was das Beispiel Brasilien, insbesondere EMBRAER angeht: Doch, das passt. Denn die westlichen Besserwisser hatten Unrecht. Gerade solche Unternehmungen wie EMBRAER verhelfen Ländern wie Brasilien dazu, sich auf dem Weltmarkt zu behaupten und sich aus Abhängigkeit und Armut zu befreien.

    Ja, sicher, Armut gibt es dort noch. Wo bitte gibt es die nicht? Aber schauen Sie sich die Situation dort vor 20 oder 40 Jahren an und warten sie ab, wo Brasilien in der Zukunft stehen wird. Ob es uns passt oder nicht – es geht nicht ohne Entwicklung, und es sollte auch nicht ohne Entwicklung gehen. Wir wollen nicht darauf verzichten, mit gutem Grund. Aber alle Nationen haben ein Recht darauf. Das ist nun einmal so.

    Wenn etwas wirklich wichtig ist, überlebenswichtig, und es eine diagostizierte “Vorlaufzeit von Jahren” gibt, dann würde ich sagen, dass man möglichst schnell und mit Schwung loslegen sollte. Sie nicht?

    Mal ganz ehrlich, von einem “spacecowboy” hätte ich etwas mehr Vision und Elan erwartet. Sind Sie am Ende etwa gar kein Spacecowboy? Wie schade.

  13. @Gunnar Glitscher

    Du hast Recht, das ist das übliche Verhinderungsargument. Wer das zu oft anwendet, sollte allerdings aufpassen, denn das kann schwer nach hinten losgehen.

    Eine ganz allgemeine Bemerkung, wirklich ausdrücklich ohne Bezug zu einzelnen Kommentaren:

    Ich amüsiere mich seit Jahren immer mehr über die vermeintlich wohlmeinenden Zeitgenossen, die von “den Leuten in Afrika” sorgsam das Bild eines ländlichen, in malerischer Armut verharrenden Halbidylls hegen und ganz genau zu wissen meinen, dass “die Leute in Afrika” die ganze technologische Entwicklung, von der wir, trotz aller Maulerei, alltäglich profitieren, und die wir ganz sicher nicht aufgeben würden (zu Recht!), gar nicht wollen oder zumindest nicht wollen sollen.

    Was diese Zeitgenossen “den Leuten in Afrika” zugestehen wollen, ist ein neuer Brunnen. Und vielleicht noch ein Schulgebäude (natürlich nur Grundschule). Die Reparatur der Schlaglöcher in der Staubpiste wirklich gerade noch so eben, zähneknirschend. Eine geteerte Straße natürlich nicht! Da könnten “die Leute in Afrika” ja dann bald noch Autos wollen, genau wie wir. Und was wäre dann mit dem schönen Idyll?

    Aber diese Zeitgenossen werden zunehmend irrelevant, so wie auch die klassischen Industrieländer, in denen man sie findet, zunehmend irrelevant werden. Die Zukunft gehört anderen.

  14. @Michael Khan

    “Aber diese Zeitgenossen werden zunehmend irrelevant, so wie auch die klassischen Industrieländer, in denen man sie findet, zunehmend irrelevant werden. Die Zukunft gehört anderen.”

    Volle Zustimmung! Und wie ich bei Kollege Blume in der S21-Debatte auch schon gesagt habe, geht es mir tierisch auf den Keks, dass ich für die Renten und Pensionen dieser Gutmenschen arbeiten muss, aber wenn ich selber alt sein werde nicht mehr in einem Staat leben werde, der alte Menschen finanzieren kann, denn wie richtig geschrieben: “Die Zukunft gehört anderen.” Die Zukunft gehört nicht den Bewahrernn von Idyllen, sei es in Stuttgart oder Afrika, sondern den Fortschrittszugewandten.

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