Fade to Black – die ISS am 15.6.

Nach meinem Dafürhalten der schönste Überflug der letzten Tage bei perfekt sternklarem Himmel und einem beeindruckenden Schatteneintritt am Ende.

Die ISS tritt um 23:12 von Westen kommend rechts ins Sichtfeld ein und zieht über Süden nach Osten. Sie passiert oberhalb des Skorpions und verblasst dann plötzlich innerhalb weniger Sekunden beim Eintritt in den Halbschatten, um im Kernschatten vollkommen zu verschwinden. (Direkter Link zur Version mit 2592×1728 Pixeln)

Die ISS über Darmstadt am 15.6.2014, 23:12 - 23:16 MESZ. Sichtbarer Überflug beendet durch Schatteneintritt. Komposit aus 8 Einzelaufnahmen, Canon EOS 600D, Sigma EX 10 mm f2.8 DC, ISO 200, Blende 2.8, 30 Sekunden pro Aufnahme

Credit: Michael Khan, Darmstadt / Die ISS über Darmstadt am 15.6.2014, 23:12 – 23:16 MESZ. Sichtbarer Überflug beendet durch Schatteneintritt. Komposit aus 8 Einzelaufnahmen, Canon EOS 600D, Sigma EX 10 mm f2.8 DC, ISO 200, Blende 2.8, 30 Sekunden pro Aufnahme

Schön ist auch, wie an diesem Abend die anderen Protagonisten mitspielen. Mars ist wirklich und mit bloßem Auge deutlich erkennbar rot, ebenso Antares im Skorpion, der wirklich aussieht wie ein Skorpion, der nach der Waage und Saturn greift. Arktur präsentiert sich unzweifelhaft als der hellste Stern des nördlichen Himmelsgewölbes.

Danach drehte ich mich nach Osten und konzentrierte mich auf den Schwan, wo ich Χ Cyg suchte und seinen jetzigen Zustand dokumentierte, um eine Vergleichsaufnahme für die Zeit seiner erwarteten maximalen Helligkeit zu haben. Dazu später mehr.

Und am Ende konnte ich doch tatsächlich den elften Tag in Folge eine Aufnahme des Mondes machen.

Ich bin Luft- und Raumfahrtingenieur und arbeite bei einer Raumfahrtagentur als Missionsanalytiker. Alle in meinen Artikeln geäußerten sind aber meine eigenen und geben nicht notwendigerweise die Sichtweise meines Arbeitgebers wieder.

13 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ich will hier einfach nur einmal kurz mitteilen, dass der nächtliche Überflug der ISS wirklich ein sehr besonderes Erlebnis ist. Ich lasse mich von der iphone App “ISS Spotter” rechtzeitig “warnen” und habe dann 5 Minuten Zeit in Position zu gehen; die Richtung, wo es losgeht, wird angezeigt.

    Das Tempo des Überflugs ist Atem beraubend. Die ISS ist 50mal schneller als Verkehrsflugzeuge – zum Vergleich: Formel 1-Autos sind 50mal schneller als Fußgänger!

    Motiviert wurde ich von Deinem Blog hier, Michael. Danke!

    Guckt Euch das an, Leute!!

    • Vielen Dank, Christian.

      Es ist allerdings so, dass die kurze Phase der tollen Überflüge mit 3 oder 4 hellen Passagen pro Nacht nun vorbei ist. Heute und in den kommenden 4 Tagen wird die ISS noch zu sehen sein, allerdings zunehmend schwächer. Dann ist erst mal Pause.

      • Ja, laut heavens-above ist nach dem 20. Juni ist vorerst Schluss. Wie lange dauert die Pause, bis die ISS wieder über Deutschland sichtbar ist?
        Schöne Blogbeiträge übrigens; gefallen mir sehr gut!

        • In der zweiten Julihälfte ist die ISS wieder zu sehen, aber zumindest für meinen Wohnort nur in den frühen Morgenstunden. Im August dann gibt’s auch wieder schöne Abendsichtbarkeiten.

          Freut mich, dass es Ihnen hier so gut gefällt. Man tut, was man kann.

  2. ich gratuliere zu dem gelungenen Bild.
    Ich war letzte Nacht zur massgeblichen Zeit auch draussen um zu gucken, hatte im grossen und ganzen aber eher Pech gehabt. Da waren einige Wolken am Himmel, aber ich bin davon ausgegangen, dass die nicht so dramatisch sein würden. Den gefallen taten sie mir aber nicht, da sie zu gefühlten 75% genau dort waren, wo sie die Flugbahn der ISS aus meiner Perspektive verdeckten. Ich hab die Station zwar vorüber ziehen gesehen, aber eben nur manchmal, wenn sie gerade nicht von den Wolken verdeckt wurde, oder letztere dünn genug waren, so dass die Station hindurch leuchten konnte.
    Hab anschliessend noch mal versuht, einen Stern/Planeten mit dem Spektiv genauer zu betrachten, weil ich angenommen hatte, dass es sich um Saturn handelt, aber irgendwie stand der auch gerade zu hoch, so dass ich es nicht hinbekommen habe. Stattdessen hatte ich dann so gegen 23.20 einen weiteren Satelliten vor der Linse, den ich aber noch nicht genauer identifizieren konnte. Der flog etwa von Osten nach Westen und war nur im Spektiv sichtbar; – werde das noch genauer untersuchen.

    • Das mit den Wolken ist natürlich ärgerlich. Ich muss sagen, dass ich einen so sternklaren Himmel wie gestern selten erlebt habe. Das war schon Glück. Auch meine Aufnahmen des Sternbilds Schwan waren wirklich gut.

      Gar so hoch stand der Saturn nicht. Wenn Sie in meiner Aufnahme die steile Baumgruppe anschauen, die etwa ein Drittel der Bildbreite vom linken Bildrand entfernt steht, dann sehen sie, wie sich links über diesen Bäume die Schere des Skorpions krümmt. In der Schere ist der von m,ir erwähnte rote Antares. Diese Schere weist auf das Sternbild Waage, in dem ein helles Objekt steht – der Saturn. Dessen Elevation über Darmstadt war zum Zeitpunkt der Aufnahme etwa 25 Grad.

      Der helle Stern oberhalb der Strichspur ist Arktur. Der stand etwa bei 55 Grad Elevation.

      Ich glaube, mit Ihrem Spektiv ist das Auffinden von Objekten nicht ganz unproblematisch. Gibt es eine Mögliochkeit, einen Sucher dranzubasteln? Falls Sie kein Sucherteleskop möchten, dann vielleicht einen Leuchtpunktsucher. Das ist eine Plastikscheibe, auf die ein roter Punkt projiziert wird, der anzeigt, wo das Teleskop gerade hinschaut. Ich persönlich halte nicht viel von den Dingern, weil ich meine, dass die ziemlich fummelig sind. Andere kommen damit aber gut klar. Bei manchen Teleskopen kommt so ein Ding als Dreingabe mit und ich baue das immer gleich ab und lege es ins Regal. Da habe ich jetzt eine ganze Sammlung. Wenn Sie wollen, schicke ich Ihnen eins zu. Das nützt Ihnen aber nur etwas, wenn Sie es irgendwie befestigen können.

      • Ich konnte es jetzt nicht mehr prüfen, da ich in den letzten zwei Tagen leider das Pech hatte, dass der Himmel hier bewölkt war, aber vermutlich haben Sie recht, und der helle Stern, den ich versucht habe, vor die Linse zu bekommen, war tatsächlich Arktur.
        Was das Auffinden von Objekten mit dem Spektiv angeht, so verfügt das Gerät über eine entsprechende Hilfseinrichtung, eine Art Korn parallel zur Mitte des Tubus. Das Okular ist seitlich versetzt angebracht, so dass man über dieses Korn hinüber gucken kann, was man durch die Optik anpeilt, so ähnlich wie die Zielvorrichtung aus Kimme und Korn bei Schusswaffen. Die Kunst liegt dann darin, genau über dieses Korn hinweg zu gucken, und mit dessen Hilfe das anzupeilen, was man sehen will. Problematisch wird das System nur, wenn man versucht, etwas anzupeilen, das relativ nah, oder genau im Zenit steht. Und das für solche Sachen viel zu wackelige Fotostativ, – aber lassen wir das.

        • Ein solides Stativ muss in der Tat sein. Es muss ja nicht gleich eine Teleskopmontierung sein, wenn die Ihnen zu schwer oder zu teuer ist. Auch im Fotobereich gibt es durchaus Lösungen von ausreichender Solidität, allemal wenn sie nur ein kleines Teleskop oder Spektiv tragen sollen. Man kann damit sogar in Maßen Astrofotografie betreiben. Ich verweise in diesem Zusammenhang auf Fotobörsen.

    • Bei der Identifikation von Objekten im Erdorbit, die man man beobachtet hat, aber nicht zuordnen kann, hilft die Funktion “Daily predictions for brighter satellites” bei heavens-above.com. Man muss sich nicht einmal anmelden, es reicht, den eigenen Standort zu wählen.

  3. Diesmal also auch bei Ihnen “von rechts nach links”. In Flensburg war es zum Zeitpunkt des Überflugs noch deutlich heller. Um 23:00 konnte ich noch keinen einzigen Stern ausmachen. Erst kurz vor dem Überflug ließen sich Mars, dann Saturn und schließlich Spica erkennen. Hier entlang führte auch die Flugbahn. Abseits der Flugbahn noch Arktur und Wega. Kurz nach dem Verschwinden der ISS im Erdschatten verschwanden die anderen “Sterne” hinter Wolken. Glück gehabt. Für mich für längere Zeit die letzte Gelegenheit. In Norddeutschland gut sichtbare Überflüge gibt es erst wieder ab 22.07. – leider zu sehr ungünstigen Zeiten.

  4. Die Hintergrundhelligkeit, die Sie beschreiben, ist in etwa so wie die, die ich einen Abend zuvor vorfand. Die Situation gestern war besser als erwartet. Ich wollte eigentlich nur wegen des Schatteneintritts den Überflug fotografieren. Dass dann aber doch der gesamte Bogen so schön erfasst wurde, hat mich überrascht.

    Wer das auch mal mit seiner DSLR probieren will, sollte eine Zeit vorher seine Ausrüstung aufgebaut haben und kontinuierlich Testaufnahmen machen, um zu sehen, welche ISO/Belichtungszeit-Kombination am besten geht. Ich kann wirklich sagen, dass die Färbung des Himmels gut getroffen ist. Aber mit dem bloßen Auge sah ich viel weniger Sterne. Der Skorpion ist im Foto ja wirklich richtig schön zu sehen, aber mit bloßem Auge sah man nur Antares und noch 2, 3 andere Sterne.

    Die Helligkeitsabstufungen zwischen den Bildstreifen, aus denen die Aufnahme zusammengesetzt ist, zeigen, dass die Lichtverhältnisse sich doch noch sichtbar änderten, während der Überflug stattfand. Rückblickend muss ich sagen, dass ISO 400/15 Sekunden vielleicht die geeignetere Kombination gewesen wäre. Hinterher ist man immer schlauer, das gilt auch in der Astrofotografie.

    Für meinen Wohnort ist mit schönen, hellen Überflügen zu zivilen Zeiten schon wieder Anfang August zu rechnen. Bis dahin gibt es noch eine ganze Menge anderer schöner Sachen am Himmel zu sehen. Stay tuned!

  5. Sehr schönes Bild. Mir gefällt auch sehr der farbliche Horizont hinter den Bäumen. Bei mir reichte es nur zu Bäumen. Und leider wollte auch der Apparat nicht, als ich ihm sagte jetzt gehts los. Ich bin etwas überrascht, dass bei 30s die Sterne noch so rund sind. Wirklich, sehr gut getroffen.

    • 30 Sekunden sind wirklich auch bei nur 10 mm Brennweite grenzwertig, insbesondere, weil die Aufnahme diesmal äquatornahe Regionen anvisierte. Die Sterne sind auch schon deutlich verzogen, siehe Saturn, Mars und den Skorpion. Wie ich schon in Bezug auf die sichtbaren Nahtstellen zwischen den Einzelbildern sagte, ISO 400 und 15 Sekunden wäre die bessere Wahl gewesen.

      Was war denn mit Ihrer Kamera? Batterie leer?

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